Albernheiten

Heute ist wieder Waschtag. Meine Waschfrau schaut mich über den Rand ihrer strengen Brille hinweg an. Spiegelt sich darin etwa Vorwurf? Amüsement? Jetzt wandle ich schon seit über drei Dekaden auf dieser Welt, und ich bin immer noch nicht in der Lage, Blicke, geschweigedenn Sarkasmus bei anderen zu deuten. Dr. Cooper lässt grüßen.

„Sie haben sich tatsächlich ein Hello-Kitty-Shirt gekauft? Gleich zwei davon?“ fragt sie, es klingt einigermaßen neutral.
„Ja, äh … für Karneval. Genau. Und die waren im Angebot.“
„Wir haben Aschermittwoch. Sie tragen gerade eins davon.“

Herrje, wie komme ich da wieder raus. Mein Kleiderschrank quillt über, es ist weiß Gott genug zu tun. Und ich erliege einem Anflug von Albernheit, schiebe Gedanken an zu flickende und zu entsorgende Wäsche beiseite und erstehe zwei bockhässliche Hello-Kitty-Shirts. Mit Glitzer. Auch noch in Kindergröße. Für 3,99 € im Ausverkauf.

„Wissen Sie…“, beginne ich, und fühle mich ganz plötzlich sehr klein mit meinen 1,70 m, mit hängenden Schultern kratze ich mir nervös den Hinterkopf. Da fällt mir etwas ein. „Sie und all die anderen, die sagen immer, ich soll mal locker bleiben. Einfach mal Spaß haben ohne immer zu grübeln. Tja, und das hab ich gemacht. Ich hab die beiden Teile einfach so aus einer Laune raus gekauft, ohne drüber nachzudenken, wie albern das an mir aussehen könnte, oder was die Leute sagen. Oder was Sie dazu sagen. Ich hab’s einfach gemacht.“

Meine Waschfrau blickt mich an, von oben bis unten, noch immer kann ich ihren Gesichtsausdruck nicht wirklich deuten. Was soll schon passieren? Soll sie mir einfach die Wäsche vor die Füße werfen? Wird sie nicht, sie hat mir versprochen, dass sie mir helfen wird. Eigentlich macht sie auch nicht gerade viel. Sie schaut sich nur die Einzelteile meines Kleiderschranks an und versucht mit Fragen herauszufinden, was von all dem Plunder noch getragen wird und was weg kann. Den Rest, das Waschen, Aufhängen, Ausbessern, Bügeln und Zusammenlegen bleibt dann wieder mir überlassen. Aber irgendwie hilft es mir trotzdem sehr.

Den Blick immer noch mit der Brille auf der Nasenspitze auf mich gerichtet, ist sie endlich fertig damit, mich von oben bis unten abzuscannen. Ein Lächeln huscht ihr über ihr weises Gesicht. „Steht Ihnen gut!“. Hab ich mich gerade verhört oder…?

„Ich geb Ihnen heute Nachmittag frei. Gehen Sie in die Stadt und kaufen sich noch die passenden Socken dazu.“ Ich muss gerade aus der Wäsche – dem Wäscheberg – gucken wie ein Auto. „Okaaay…“ wage ich einen Versuch.

„Bringen Sie mir auch welche mit?“ fragt sie und lächelt dabei unglaublich charmant.
„Äh, welche Größe?“ – „42.“