Gehen und doch bleiben …

… und im Bleiben gehen.

Das ist die erste Zeile eines Sonnetts von Lope de Vega, das mir während des Studiums über den Weg gelaufen ist und mich seitdem nicht loslässt. Alle paar Jahre unternehme ich einen eigenen Übersetzungsversuch – irgendwo hatte ich auch mal eine sehr gute Übersetzung aus einem Buch herauskopiert und dem mir eigenen Chaos übergeben, also bleibt sie bis heute unauffindbar. Bisher ist es mir nicht vollständig gelungen, eine adäquate Übersetzung anzufertigen.

Lope und ich – unsere Verbindung dauerte einen Frühling lang, als ich sein Sonett Qué tengo yo, que mi amistad procuras für eine Hausarbeit interpretieren sollte. Ein Frauenheld und Abenteurer im spanischen Siglo de Oro, schreibt über Glaube, Liebe, Ehre, erlebt den Untergang der spanischen Armada aus nächster Nähe, heiratet, verführt, hat zahlreiche Affären, wird Priester und prägt nebenbei das spanische Drama. Nein, ich bin kein Lope-Spezialist, dafür dauerte die kleine Interpretation (und der Frühling) nicht lange genug. Aber es fasziniert mich schon noch, jedes Mal wieder, wenn nur irgendein kleiner Fetzen aus seinen Sonnetten durch mein Hirn schwimmt.  Schade, schade, dass ich hier keine Übersetzung zur Verfügung stellen kann, mit der ich wirklich zufrieden wäre. Zufrieden wäre ich mit einem deutschen Text, der, wie das Original, beim Lesen die Haut brennen lässt und sie gleichzeitig mit Gänsehaut übersät. Ein Gefühl hervorruft, das sagt: „Und genau so ist es“. Leider scheitert das ja schon an der Sprache selbst …

Ir y quedarse, y con quedar partirse,
partir sin alma, y ir con alma ajena,
oír la dulce voz de una sirena
y no poder del árbol desasirse;

arder como la vela y consumirse,
haciendo torres sobre tierna arena;
caer de un cielo, y ser demonio en pena,
y de serlo jamás arrepentirse;

hablar entre las mudas soledades,
pedir prestada sobre fe paciencia,
y lo que es temporal llamar eterno;

creer sospechas y negar verdades,
es lo que llaman en el mundo ausencia,
fuego en el alma, y en la vida infierno.

(Félix Lope de Vega Carpio, 1562 – 1635)

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¿Qué pasa?

Was geht? Viel geht, vor allem viel in meinem Kopf herum. Am Wochenende saß ich geschlagene vier Stunden zwischen Ordnern und losen Blättern und habe meine Steuerunterlagen zusammengesucht. Fiese Sache, die Steuererklärung, jeder muss, jeder hasst es. Jetzt noch einen Termin bei der Steuerberaterin, weg mit dem Zeug, aus meinen Augen, aus meinem Kopf.

Weitere Überlegungen zur Lebensneugestaltung: Bildungsurlaub. Bisher habe ich das nie genutzt, auch niemand sonst von meinen Kollegen. Wenn man in so einer Firma wie meiner arbeitet, hat man ständig das Gefühl, sich unauffällig umgucken zu müssen, ob einem nicht gerade jemand einen Dolch in den Rücken stößt. Sagen was man denkt? Wähle deine Worte weise, sie könnten, nein, sie werden gegen dich verwendet werden. Alle fürchten, sich mit Forderungen selbst ins Aus zu befördern – selbst wenn sie Anspruch darauf haben. Soweit die Aussichten. Soweit der Plan: Zwei Wochen Sprachkurs in Barcelona, zuvor Bildungsurlaub ins neue Jahr übertragen und beim Chef mal anklopfen, was er davon hält. Gut, das weiß ich bereits, nichts nämlich, aber kann mir das nicht eigentlich egal sein? Kann er mich nicht ohnehin mal kreuzweise?

Aber was anderes, könnte ich das? Zwei Wochen Spanien ohne eine bekannte Menschenseele? Ich habe mich über Jahre hinweg eingeigelt, bin immer den leichtesten Weg gegangen und um alle Hürden herumgeschifft. War auch so aufregend genug. Würde ich das also schaffen? Eigentlich … eigentlich ist nichts dabei. Wirklich nicht. Und trotzdem hab ich jetzt schon Bammel, obwohl noch nichts entschieden ist. Aber ich habe auch so ein dumpfes Gefühl, dass ich es tun muss, um weiterzukommen. Nicht wegen meiner auffrischungsbdürftigen Spanischkenntnisse. Einzig um mir selbst zu beweisen: Ja, du schaffst das. Und zwar ganz allein. Und das sollte mir den Mut geben, auch andere Dinge anzugehen, ebenfalls ganz allein. Nicht immer nur warten, was passiert. Es selbst passieren lassen. Ich lebe nur das eine Mal, und dieses eine Mal muss ich Barcelona gesehen haben.

Heute hätte übrigens Jimmy Hendrix seinen 70. gefeiert. Happy Birthday!