Zwonullsechzehn

Ein frohes und vor allem gesundes neues Jahr wünsche ich allen, die bei mir lesen, ab und an vorbei schauen und mit denen ich auf anderem Wege in Kontakt stehe! Ich hoffe, ihr habt 2016 gut angefangen und lasst euch nicht von überehrgeizigen Vorsätzen vom Leben abhalten!

Es ist kein Kreis, das Leben, es ist für mich eher eine Gerade, Zielgerade, wenn man will. Etappen, Strecken werden bewältigt, Täler durchschritten und Höhen überflogen. Absturz nie ausgeschlossen. So manches Wunder begegnet einem auf diesem Weg. Und dennoch hält man gerne am Jahresende inne und denkt über Vergangenes nach, fühlt vor ins neue Jahr, wie es werden könnte, sortiert seine Wünsche. Ich natürlich auch.

2015 war, im Vergleich zu den Jahren meines alten Lebens, also vor dem großen Knall, zwar einigermaßen ruhig und wenig ereignisreich, aber es war irgendwie auch zäh. Es wollte nicht so recht, auch die Gesundheit ließ mich zur Jahresmitte desöfteren hängen, und lang ersehnte Pläne und Wünsche lagen und liegen zum Teil noch immer auf der langen Bank. Ein zähes Jahr, ein wenig trotzig und rotzig, mit durchaus schönen Seiten und der immer noch sehr präsenten goldglücklichen Grundstimmung, wenn ich einfach still bin und in mich hinein höre. Veränderungen passieren immer wieder, die eigenen spürt man mal mehr, mal weniger, meist aber spüre ich sie an anderen Menschen. Wenn sie anders mit mir umgehen als bisher. Und meistens, leider, akzeptiere ich das nicht einfach, sondern gebe mir immer noch viel zu oft die Schuld daran, wenn alltägliche Beziehungen und Freundschaften irgendwie nicht mehr so rund laufen wollen. Es ist jedoch wie bei Waagschalen. Wenn die eine Seite abnimmt, nimmt die andere zu. Vielleicht besitze ich tatsächlich so etwas wie ein festes Kontingent an Freundschaft, Liebe, Hingabe und so weiter, das ich verteilen kann, aber mehr als das zu geben erscheint mir manchmal unmöglich. Sind das meine persönlichen Grenzen?

Ich habe ja nun wieder eine Zweitfamilie. Die ist nahezu unüberschaubar groß, aber mehr und mehr fühle ich mich so richtig hinein, fühle mich wohl und akzeptiert. 20 Monate hat nun das gedauert, was ich in den 12 vorhergehenden Jahren nicht annähernd erreichen konnte. Ein großes Plus auf dem Glückskonto. Mit der Zeit schubbert sich der tuberkulöse Scheidungsfleck auf meiner Seele ab an den vielen freundlichen Worten, an netten Gesten, viel Reden und manchmal einfach Schweigen. Wahrscheinlich weicht er irgendwann schneller auf als ein eingetrockneter Soßenfleck in der Waschlauge. Ähnliches Seelenbalsam sind die Tage, Abende, Nächte mit Menschen, die ich mittlerweile gerne als gute Freunde bezeichnen möchte. JBs beste Freunde aus Kinder- und Jugendttagen, wo gibt es das eigentlich noch? Ich selber sehe mich eher als Freundschaftsnomade, meine alten Freunde aus der Schule sind in vielen Ecken verstreut, man sieht sich nicht besonders oft übers Jahr. Ein paar wenige, wirklich wichtige Menschen. Ein erweiterter Freundeskreis, Bekannte. Umso mehr genieße ich es, wenn alte Geschichten erzählt werden – oh ja, wir sind mittlerweile tatsächlich in dieser Altersklasse angekommen – ohne mich ausgegrenzt zu fühlen. Ja, auch da fühle ich mich wohl. Und ich erwische mich ganz oft dabei, dass ich denke: Hab ich das wirklich gerade gesagt? Vom Herzen direkt aus dem Mund, ohne nachzudenken. Ich darf sein, wie ich bin, und genau das führt zu Akzeptanz und, ja, Freundschaft.

Seltsam, wie sehr ich mich früher immer bemüht habe, akzeptiert zu sein. Richtig anstrengend war das. Und jetzt ist es auf einmal so leicht. Interessant wird das erst, wenn ich durch Zufall alte Freunde, Bekannte aus der Schulzeit etwa, wiedertreffe. Das wurde mir im vergangenen Jahr einige Male zuteil, und ich bin sehr dankbar für solche Begegnungen, habe daraus viel Freude und Kraft geschöpft. Leider verspüre ich das Gegenteil bei solchen Beziehungen nun umso mehr, die mich bisher sehr viel Anstrengung gekostet haben. Leider, oder glücklicherweise? Ich fühle mich in Aufbruchstimmung. Umbruch. Abbruch, vielleicht sogar. Immer öfter denke ich über Dinge nach, die mich heute nicht mehr so glücklich machen, die mir mehr abverlangen als gut tun. Wenn ich wieder einmal mit dem Zahnstocher an der meterdicken Eisschicht kratze und mich wundere, warum ich einfach nicht durchkomme. Wenn ich mich um konstruktive Vorschläge bemühe und immer öfter ignoriert werde. Wenn eine innere Stimme mir sagt, dass mir manche Menschen einfach nicht mehr wohlgesonnen sind, aus welchen Gründen auch immer. Wenn ich friere, wenn jemand bestimmtes den Raum betritt. Alles Anzeichen dafür, dass es womöglich Zeit ist, den Kurs zu wechseln. Dass es womöglich Zeit ist, sich nicht mehr an anderen aufzureiben, die es nicht zu schätzen wissen. Mich nicht zu schätzen wissen. Ich bin nicht dafür gemacht, jemand anderes Stiefelknecht zu sein, gleichzeitig würde ich auch niemand anderen dazu mißbrauchen wollen. Leben und leben lassen, gehen und gehen lassen. Geben und geben lassen, nicht wahr, Frau Knobloch?

Mittlerweile weiß ich, was das Gefühl zu bedeuten hat, wenn das Herz wie von einem Riesenkrater in zwei Hälften geteilt zu sein scheint. Was zu tun ist. Es stehen Änderungen bevor. Und 2016 ist eins der besten Jahre dafür.

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Madame und der vierbeinige Mond

Nicht, dass ich mich wieder, wie so oft, in meinem Schmerz ergangen habe, wie die kleine Konversation zwischen mir und mir selbst vermuten lassen könnte. So viel ist da gar nicht mehr. Die Retrospektive habe ich zum größten Teil abschaffen können, auch das Zu-weit-in-die-Zukunft-blicken-wollen. Anterospektive, lehrt mich ein Internetartikel, heißt der Begriff. Natürlich nicht ohne ein wenig Weitblick zu behalten – wobei, den überlasse ich derzeit JB. Eine Frage des Vertrauens, eine neue Lektion in Sachen Liebe und so. Und der Restschmerz verblasst dann auch ganz schnell.

Introspektiv allerdings bin ich nach wie vor tätig – und mit Erreichen kleinerer und größerer Meilensteine, die ich auf meinem Weg durch das Leben quasi en passant erreiche, ist immer mal wieder Zeit, sich das aktuelle Entwicklungsstadium zu vergegenwärtigen. Wo stehe ich jetzt?

Nach einem fulminanten Jahresstart – anders kann ich es nicht bezeichnen – ereilte mich im Hochsommer sowohl ein fieser Infekt (40 °C Außentemperatur, 40 °C Madametemperatur) als auch ein kleines, ebenso fieses Tief, gegraben und geflutet von vielen netten und weniger nett gemeinten Ratschlägen von außen, woher sonst. Es ist mir nach wie vor ein Rätsel, warum ich so viel darauf gebe und mir mein Leben dadurch mies machen lasse. Wieder stelle ich fest, dass sich jeder seine eigene Welt so schön oder schlecht redet, wie er will. Anderen Menschen wird darin die passende Rolle auf den Leib geschrie¦b¦en, um so lauter, je deutlicher der Nebendarsteller Protest anmeldet, weil er lieber etwas anderes spielen möchte. Beispielsweise die Hauptrolle in seinem eigenen Lebensfilm (wie vermessen!). Es wird gebogen und manipuliert, dass das Nervenkonstrukt ächzt. Vielleicht hatte es der Infekt deshalb so leicht, sich hinter die fleddrigen Kulissen zu mogeln. Aber ich will nicht hadern. Immerhin hat mir diese kleine Auszeit von insgesamt fünf Wochen (zwei Wochen darniederliegend, zwei Wochen Urlaub, eine weitere halbe Woche halbdarniederliegend) auch diverse selbsternannte Lebensregisseure vom Leib gehalten.

Hatte ich mich davor noch über das mir aufgeschwatzte Drehbuch geärgert, mir an dessen Szenen und Regieanweisungen Herz und Kopf zerbrochen und von selbstgefälligen Hauptdarstellern erzählen lassen, was genau ich beim Schau¦spielen falsch machte und wie ich gefälligst zu agieren habe, lasse ich mich mittlerweile auf keine Diskussionen in puncto Schauspielkönnen mehr ein. Ich bin es nämlich leid, Kameraeinstellungen korrigieren zu wollen, wenn ich der Meinung bin, dass die Perspektive da eventuell etwas verschoben sein könnte. Ich bin es leid, Handlungsabläufe erklären zu müssen, nur um ein Fetzelchen Verständnis für meine Situation zu erheischen. Lohnt sich nicht, ist alles bereits festgeschrieben im unabänderlichen Drehbuch aus der Feder jener Lebensregisseure, die keine weitere Revision desselben gestatten.

Künftige Regieanweisungen? Ich freu mich schon drauf:

– „!!!“
– „Der Mond hat vier Beine, sagst du? In Ordnung, der Mond hat vier Beine. Nein, wenn du dir da sicher bist, hat der Mond eben vier Beine. Doch, tatsächlich. Ein vierbeiniger Mond. Der Mond hat vier Beine? Der Mond hat vier Beine! Absolut.“
– „???“

Man glaubt es kaum, aber seit dieser Erkenntnis, dass es völlig egal ist, was man ebensolchen Personen entgegensetzt, dass man sich am besten keine weiteren Gedanken darüber macht und damit Hauptdarsteller seines eigenen Lebens bleibt, geht es mir erheblich besser. Der Infekt abgeklungen, das kleine Tief durchwandert, Madame schwimmt wieder obenauf und genießt das Leben wie selten. Das alles beflügelt mich so sehr, dass ich zwei neue Projekte begonnen habe, langgehegten Ideen für Haus und Hof Taten folgen lasse und mich vor allem weder mit Zukunft noch Vergangenheit streite. Erstere kommt sowieso. Letztere war schon da und ist bereits abgereist. Ich spüre die Bretter, die die Welt bedeuten, unter meinen Füßen vibrieren und genieße es, der gefeierte Star in meinem eigenen kleinen Theater zu sein. Und es ist mir ganz schön scheißegal, ob der Mond nun vier Beine hat oder acht oder gar keine. Ihm wahrscheinlich auch.

Option Erwachsensein

Als Kind und Halbwüchsige dachte ich immer, Erwachsene sind immer erwachsen, denken erwachsen, handeln erwachsen. Immer. Ich habe auf dieses Stadium gewartet, vergeblich, wie ich heute weiß. Erwachsensein ist kein endgültiger Status, es ist, wie vieles andere, situationsabhängig. Aber wenn man mit dieser Erwartung ans Leben geht, dass alles irgendwann einmal geklärt und gefestigt ist, dann ist diese Erkenntnis zunächst erschütternd.

Gut über dreißig nun, weiß ich endlich diese Situationsabhängigkeit zu schätzen. Und ich freue mich über eine weitere Erkenntnis, dass es erlaubt, ja sogar durchaus erwünscht ist, einmal sämtliche Contenance zu verlieren, kindisch bis zum Abwinken zu sein und einfach den Bauch entscheiden zu lassen. Ich glaube sogar, diese kleinen Ausflüge, wenn mein inneres Kind nackt mit Schleifchen im Haar und völlig enthemmt über die grüne Wiese rennt und Blumen pflückt, helfen in anderen Situationen wieder seriös und erwachsen zu sein. Wie ein gesunder Ausgleich. Möglicherweise bewirkt derart zelebrierter Contenanceverlust im Privaten einen Gewinn an Kontrolle in den erforderlichen Momenten.

Warum ich übers optionale Erwachsensein nachdenke? Weil ich mich kürzlich so richtig wahnsinnig toll erwachsen gefühlt habe:
„Hallo, wie geht’s? Na, das ist ja ’ne Überraschung. Gut siehst du aus. Bist du alleine hier? … Ah, mit zwei Bekannten. … Ich glaube, ihr kennt euch noch nicht? JB, das ist Herr Wäscheberg. Wäscheberg, das ist JB. … Hat mich auch gefreut, dir auch einen schönen Abend! So, wo waren wir? Ach so: Ja, Garten finde ich auch gut.“ – „Das war dein Exmann?“ – „Ja. Problem?“ – „Nicht im geringsten. Gleich mit Sandkasten?“ – „Absolut.“

Landgang

Ich  bin, ich war ein wenig Fliegender Holländer, seegeschüttelt und nach Jahren des einsamen Umherirrens, nur das weite, weite Meer um mich herum und in mir drinnen, zusammen mit der treuen Crew, die sich nicht vermehrte, eher noch stetig reduzierte – denn nur bei einem Landgang ist es möglich, neue Matrosen anzuheuern -, dem sich endlich die lang ersehnte Chance bietet, an neuen Ufern anzulegen und sich umzuschauen, den Bannbrecher ausfindig zu machen. Ungewohnt war zunächst der feste Boden unter den Füßen, wo sich der Körper doch schon so lange an das Schwanken und Wanken auf glitschigen Planken gewöhnt hatte, ausgleichend sich stets verbog in jede Richtung, nur um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Da setze ich nun den Fuß auf feste Erde und merke, sie trägt, trägt sogar weit, so weit die Füße es wollen, immer der Nase nach, das Meer bleibt hinter mir, das Herz füllt sich mit fremden, wundersamen Eindrücken. Geradestehen muss ich, lerne ich gleich zu Anfang. Verbiegen ist hier nicht vonnöten. Die fremde neue Welt nimmt Notiz vom neuen Fremdling, das war es aber auch schon, und unbehelligt setze ich meinen Landgang fort.

Wie lange wird das anhalten, dieses Hochgefühl? Wann wird der Zeitpunkt kommen, da ich wagnerianisch – „Nie sollst du mich befragen“ – dem Zweifel begegnen muss und das Vertrauen verliere, das doch gerade so gefestigt erscheint? Wird das  gebrochene Wort und damit der ungebrochene Bann diese festigenden Vertrauenstaue kappen können und mich dann wieder hinaus aufs Meer schleudern? Ist das mein Schicksal? Oder löse ich mich jetzt davon, hole die Segel endlich ein und binde mich, anstatt wie sonst am Mast, um den Sirenenstimmen ja nicht zu erliegen, hier am nächstbesten Poller fest, um länger zu verweilen?
Es gibt sie, die Sinnsuchenden, diejenigen, die den ruhigen Hafen ebenso suchen wie ich, auch solche, die es hinaus drängt aufs wilde Meer. Es gibt sie alle. Vereint sind wir, für einen Moment, teilen die Lust am ungebrochenen, geschriebenen Worte, lauschen den erschaffenen Perlen, denen die Hand, aus der sie stammen, gütigerweise eine Stimme leiht. Stimme und Worte formen zusammen das Wahre, das Richtige, genau den Klang, den sie haben sollen, der so ureigens beabsichtig ist. Wahrer, schöner ist in diesem Augenblicke nichts. Das ist sie, die Gemeinsamkeit, das unsichtbare Band, das uns für eine kurze Zeit allesamt verbindet.

Ich nehme dies alles mit. All die Eindrücke, die Empfindungen eines Abends an Land. Erhebe mich schließlich wieder in die Lüfte, und als ich am Heimatflughafen ankomme, wartet Nick Cave am Gate auf mich. „Are you the one I’ve been waiting for?“ fragt er mich, Hoffnung und Verwunderung zugleich legt er in seine Stimme. Sirenenstimme. Ich sehe ihm in die Augen. Es ist The boatman’s call. Aber er ruft mich nicht zurück auf mein Schiff, um mich weitere Jahre auf See herumirren zu lassen. Ich weiß es, und mit dieser Erkenntnis verblasst Nick Caves Gestalt langsam, statt dessen blicke ich meinem eigenen Spiegelbild entgegen. „Ja“, antworte ich mir. Ich nehme mir die Tasche ab, schließe mich zur Begrüßung fest und gleichsam liebevoll in die Arme. Eine ganze Weile stehe ich so mit mir da. Dann endlich sehe ich mir wieder in die Augen.  „Ja. Ich bin diejenige, auf die ich so lange gewartet habe.“

Begegnung

Hallo. Wie geht es dir? Ich weiß, es ist noch nicht so lange her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. Trotzdem. Wir haben früher so viel Zeit miteinander verbracht. Vielleicht, das gebe ich zu, war meine Frage mehr Reflex als wirkliches Interesse, entschuldige bitte. Die Zeiten ändern sich, das weiß ich, und du weißt es auch. Es hat sich für uns beide einiges verändert. Nein, es ist okay für mich. Mir geht es gut damit, dir offensichtlich auch. Ja, natürlich sehen wir uns weiterhin, uns verbindet einfach zu viel, wir gehören doch zusammen. Aber du weißt auch, ich brauche meinen Freiraum, ich kann mich nicht 24 Stunden am Tag nur mit dir beschäftigen.

Du gehörst zu mir. Ganz ohne dich sein, das wollte ich nicht. Es mag seine Vorteile haben, das sehe ich ein. Mir wäre es halt lieb, wenn wir uns ein wenig besser absprechen könnten. Ich will damit nicht sagen, dass du mir unwillkommen bist, aber es ist nun mal so: Ich habe ein neues Leben begonnen, ich habe vieles hinter mir gelassen. Du bist, außer ein paar anderen Kleinigkeiten, das Einzige, was ich mitgenommen habe. Ich habe dich geschultert, als ich auszog, um das Leben zu lernen, und du warst mir stets der treuste Begleiter. Jetzt aber gibt es noch andere Dinge, die mir wichtig sind. Ich musste mir leider eingestehen, dass manches davon mit dir einfach nicht vereinbar ist.

Jeder sollte doch frei bestimmen können, was er gerade tun möchte, nicht wahr? Ich weiß, du bist immer auf Abruf bereit. Aber versuch doch mal, dich nicht immer so zu konzentrieren, dich in Momenten zu ballen, gerade dann, wenn es mir besonders ungelegen kommt. Wäre es nicht schön, wenn du auch etwas freier wärst? Können wir möglicherweise ein paar Situationen absprechen, in denen du mich einfach in Ruhe lässt und dir einen schönen Tag machst, damit ich auch einen schönen Tag haben kann? Versteh mich richtig, natürlich schätze ich dich, du hast mich mit Sicherheit schon vor so einigem bewahrt und veranlasst, dass ich nachdenke, gründlich abwäge und am Ende bestimmt die richtige Entscheidung treffe. Aber manchmal sind auch Bauchentscheidungen nicht verkehrt.

Eine Sache liegt mir besonders am Herzen: Können wir vereinbaren, dass du dich raushältst, wenn mich JB im Aston Martin abholt? Ich möchte ihm so gern mein Vertrauen schenken, ich möchte ich sein dürfen und entspannt erwarten, was noch so alles passiert. Aber das kann ich schlecht, wenn du immer dazwischen quasselst.  Ich bitte dich, bleib fort, wenn er da ist, es tut nicht gut. Bleib einfach fort, wenn du mich mit jemandem glücklich siehst. Es ist alles gut dann. So hart es für dich klingt, du würdest es mit deiner Anwesenheit nur kaputt machen. Wir wissen beide, wovon ich spreche. Du willst nur mein bestes. Das ist das beste. Bleib einfach fort.

Wir zwei, ja, wir waren immer unzertrennlich. Und wenn ich demnächst ganz allein verreise, da nehme ich dich mit, ich verspreche es dir. Ich gehe mit dir Hand in Hand – gleichberechtigt nebeneinander her, ich mag dich nicht mehr auf den Schultern und im Nacken tragen, dazu bist du, bin ich nun wirklich zu alt –  und ich vertraue deinen Einwänden, weil ich weiß, dass das mich wieder gut und sicher nach Hause bringen wird. Da vertraue ich auf dich. Aber du darfst nicht wieder übermächtig werden und mir die Beine lähmen. Du musst mir die Luft zum Atmen lassen, musst mich leben und laufen lassen. Auch mal einfach so drauflos. Du wirst sehen, das wird uns gut tun. Wir sind aneinander geschweißt, dazu bestimmt, vom Anfang bis zum Ende miteinander zu leben. Das Stichwort aber ist: Leben. Nicht kriechen. Nicht zittern. Nicht vegetieren.

Fear the Reaper

Sensefrau mit Elefantenfüßen sucht
Opfermann mit zerstörungsbereitem Herzen.

Vielleicht hätte ich mal so eine Kontaktanzeige schalten sollen, um klarzustellen, dass mit mir nicht ausschließlich gut Kirschen essen ist. Brav war offensichtlich gestern. Wenn ich auf die vergangenen zwölf Monate zurück blicke, sehe ich eine Spur der Verwüstung, eine breite Bresche, geschlagen mit mittelscharfer Sense, übersät mit zertrampelten Gefühlen. Zumindest vermitteln mir manche Menschen diesen Eindruck.

Ich habe gehofft, dass ich mein Erlebtes ohne große Auswirkungen auf meine Umwelt verarbeiten kann. Anscheinend funktioniert das aber so nicht. Auge um Auge, Schmerz um Schmerz? Oder man interpretiert mich ständig falsch, vielleicht weil ich leicht zu begeistern (und schwer zu beeindrucken) bin und meine Physiognomie kaum kontrollieren kann, sprich: ich lächle sehr viel und sehr breit und dennoch sphingenhaft. Was mir schon alles in mein Lächeln hineininterpretiert worden ist! „Aber bitte, fass mir ruhig an den Hintern, auch wenn wir uns eben erst kennengelernt haben! Ich steh total auf plumpe Anmache.“ – „Natürlich schlafe ich mit dir, denn eigentlich weiß ich gar nicht, warum ich mich von dir getrennt habe und wieso es mir damit jetzt um ein Vielfaches besser geht.“ – „Ach was, Kinder! So ein Kinderwunsch, der lässt sich ganz fix wegwünschen, keine Sorge.“

Bin ich wirklich selbst schuld? Setze ich die falschen Signale? Ist es verwerflich, einen Weg einzuschlagen und sich dann umzuentscheiden? Woher soll ich denn wissen, was ich will, wenn ich nicht weiß, was es gibt? Ich sehe die vergangenen zwölf Monate als eine notwendige Zeit der Selbstfindung und des Experimentierens an – die Zeit, die mir in der Jugend vollkommen abging. Das war eben so. Mit mir wurde schließlich auch experimentiert, mein Herz wurde ebenfalls in den Staub getreten, meine Seele verbogen, meine Persönlichkeit niedergesenst. Und das war tatsächlich zum großen Teil meine eigenen Schuld. Wir geben offensichtlich die Erfahrungen weiter, die wir selbst gemacht haben.

Und nun, was bleibt noch zu sagen? „Sorry, ne? Ich habe doch üben müssen. Fühlt euch frei mich dafür zu hassen. Aber kommt bitte klar mit euch selbst.“ Hart, irgendwie. Gar nicht meine Art. Oder vielleicht doch? Ich fühle mich mittlerweile angekommen, so ganz und gar, und das macht mich sehr glücklich. Ich habe wirklich nicht mehr daran geglaubt, dass mir dieses, genau dieses momentane Gefühlsglück einmal zuteil werden würde, dem ich jahrelang nachgelaufen bin. Man darf aufatmen; mein Weg ist bis auf weiteres fokussiert und kanalisiert, ich werde nicht mehr senseschwingend nach allen Seiten laufen und weitere Gefühle zertrampeln. Und wenn doch, dann habe ich zuvor die Sense geschärft, den Schwung geübt und leichte Schuhe angezogen – damit es nicht mehr ganz so weh tut, wenn ich mein Unwesen treibe – buhu! Drückt mir trotzdem lieber die Daumen, dass James mich nie wieder aus seinem Aston Martin aussteigen lässt. Sicher ist sicher.

Happiness, redefined.

Lebens¦zeich¦n¦en

Du liebe Güte, wie sieht es hier nur aus? Verspinnwebte Ecken, eingestaubtes Wortmaterial, die Schmiede voll mit Fragmenten und Gedankenfetzen – doch kein neues Werk in Sicht, keine Pläne, keine Skizzen. Wie lange war ich weg? Dem Gartenzweg hat’s die Mütze vom Kopf geweht, nachdem meine beiden Famoskommentatoren meine About-Seite erneut und scheißherzchenstapfend vandalisiert haben – zurecht, meine Lieben, doch musste der Kuhfladenangriff auf die geschlossenen Läden wirklich sein? Jetzt sitze ich hier und kratze wort¦wörtlich die Scheiße aus den filigranen Holzlamellen.

Real kratze ich auch gerade das letzte bisschen Scheiße aus meinem Leben. Leider habe ich dazu nur ein dünnes Nädelchen namens Zeit und ein Miniskalpellchen Motivation zur Verfügung. Mehr wird mir momentan von dieser Institution namens Arbeit nicht zugestanden, und darüber hinaus ist es weitaus verlockender, jedes kleine Fetzelchen Freizeit auf der rosa Wolke zu verbringen. Man möge Nachsicht üben, nur fliegen ist schöner.

Ich habe ernsthaft überlegt, ob es nicht an der Zeit ist, dieses Blog zu schließen. Es ist vor über einem Jahr entstanden als eine Art Selbsttherapie, während der ich nach mir selbst gesucht habe. Ein Hilfeschrei an mich selbst, ein Ventil für all die abgelebten und ungel¦i¦ebten Gefühle. Dabei habe ich unglaublich viel gelernt. So, und nun kann ich sagen, ich bin zufrieden mit der Entwicklung. Ich musste lernen, erst mal eins zu werden. Auf dem Weg dahin bin ich oftmals ganz schön daneben getreten. Und ich habe verletzt und verstört. Das hat mir gezeigt wie verletzt und verstört ich selbst gewesen bin. Es tut mir wahnsinnig leid, das ist nicht gut zu machen, aber anscheinend war auch das notwendig. Und es ist notwendig, dass zumindest ich mir selbst das verzeihe. Shit happens. Ich glaube nicht, dass sich auch nur einer derjenigen, die mich in der Vergangenheit verletzt haben, so viele Gedanken machen. Absolution.

Jetzt seid ihr allesamt gefragt: Soll es weitergehen mit Mme Contraire? Auch wenn es in nächster Zeit hier weniger oft und dafür Scheißherzchen regnen wird? Ich kann selbst noch nicht abschätzen, wie sehr es mich in meiner Schreiberei beeinträchtigen wird, dass ich der Melancholie zwangsweise erst einmal abgeschworen habe – die wird nämlich unglaubwürdig, wenn man den ganzen Tag mit einem überbreiten Grinsen herumläuft. Ich werde zunächst einmal ein wenig entstauben hier, mit dem haarfeinen Pinsel, der mir zur Verfügung steht. Die abgelegten Worte sortieren, kategorisieren, eventuell probeweise zusammensetzen. Vor allem die Späne unter der Werkbank beseitigen. Die Skizzen werden sich im Laufe der Zeit selbst niederzeichnen, Pläne reifen, wenn man sie nur in Ruhe lässt. Dann ist noch Gartenarbeit angesagt. Spuren beseitigen, neue Blümchen pflanzen und einen Elektrozaun installieren, damit es anspruchsvoll bleibt für meine Famoszaungäste. Es wird eine Weile dauern, bis der Alltag wieder einkehrt – hoffentlich dauert es ein Leben lang -, und die nächsten Monate bleiben sowieso spannend: Ich arbeite an einem Wiegebettchen, mit Kissen aus süßen Worten, einem Himmel aus Freudentränen und einem Grundgerüst aus weitvorfälliger Liebe gewoben. Man wird nur einmal zum ersten Mal Tante.

(Von Cash zu Cave. Ich halte das für konsequent.)

Scio nescio

Ich weiß, ich weiß nichts, kann nichts wissen – wer kann schon in die Zukunft schauen? – und doch weiß ich so viel, meine viel zu wissen, ohne zu wissen woher. Kann Zukunft sichtbar(er) werden? Zukunft kann vorstellbar(er) werden, bis hin zum trügerischen Empfinden, man wisse, obwohl man nichts weiß, nur empfindet. Überhaupt, Zukunft wird einem auch von so vielen Außenstehenden eingeredet. Was man muss. Was man unbedingt muss. Was man unbedingt niemals muss. Müssen sollte. Und die guten Ratschläge! Mein inneres Rebellenkind würde sich im Normalfall dagegen auflehnen, ob gerechtfertigt oder nicht, Hauptsache, das Contrairsche behält die Oberhand, viel zu lange war dies nämlich verschüttet. Aber muss man aus Prinzip immer verneinen und dagegen sein, wenn man eigenständige Entscheidungen treffen will? Ist es manchmal nicht auch ganz schön, wenn man ohnehin schon weiß, was man will, und sich über fremde Ansichten und Prognosen rückversichert, dass diese Ahnung ja nun gar nicht so falsch sein kann, die man mit sich rumträgt. Sie kultiviert, Tag für Tag, und so liebend gerne mit in die Zukunft nähme, eine Wahrheit daraus machte. Eine neue Art der Contenance; nicht mehr ein Aufbegehrenwollen-und-doch-nicht-Können, nicht mehr dieses Gefühl der Machtlosigkeit, verborgen hinter einem Vorhang aus Höflichkeit und Selbstbeherrschung. Eher ein Abwartendschauen, das Herz, nie zu kurz, aber dennoch sicher an der Leine halten, bis die Ahnung zur Gewissheit wird. Und die Zwischenzeit genießen, sogar die guten Ratschläge, fremden Ansichten und Prognosen – sie tun nicht mehr weh, noch reizen sie zum Widerwortegeben. Contraire nicht mehr als absoluter Gegenpart, sondern als emotionale Stütze bei der Willensfindung. Contenance nicht mehr als verhüllende Decke, sondern als doppelter Boden, sollte die kleine wilde Maid beim Saltoschlagen doch einmal von ihrem Hochseil abrutschen. Vielleicht haben die beiden schon immer zusammen gehört, nur jetzt kommen sie endlich auch mal gut miteinander aus.

Absprung

Dies wird das Ende sein. Dies endgültig das Ende einer lebens¦wichtigen Endphase, die ihren Anfang bereits nahm, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, als das zu beendende Begonnene gerade noch im Beginn begriffen war.  Dieser ganze Prozess, dieses Beginnen eines zum Enden verurteilten Lebens über das Amlebenerhalten eines trügerischen Lebenstraums bis hin zum Beenden einer Beziehung und dem Beginn einer ganz neuen Zeit wird von Moment zu Moment wertvoller und sinniger für mich. Mir kommt es geradezu so vor, als sei dieser von mir gewählte Weg, über den ich in der Vergangenheit haderte, auf dem ich stolperte und fiel und mir die Knie blutig stürzte – als sei dieser Weg der einzig richtige gewesen, der mich jetzt, da er endet, in eine völlig neue Welt entlässt.

Ich glaubte den Ausgang schon gefunden zu haben, aber ich hatte mich geirrt. Noch brauchte es Zeit, bis wichtige Dinge so weit gereift waren, dass ich deren Früchte erkennen und kosten durfte. Hätte ich geduldiger sein müssen? Den Weg zum Ende hin bewusster gehen und nicht so voranpreschen sollen? Erspart hätte es mir neuerliche Kniewunden, doch ist Schmerz nicht umso süßer, je näher das Ziel rückt? Dafür ließ ich die Erkenntnis reifen, brach mein Herz herunter bis auf den kleinsten Bestandteil und analysierte, ließ es in neuer Form wiedererstehen – intuitiv, mag man das wohlwollend nennen, denn geplant war keine dieser Aktionen. Naiv, chaotisch, mit saumäßigem Glück, mögen weniger wohlwollende Zungen sprechen.

Nun, am Ende des Weges, blicke ich ein letztes Mal zurück. Nein, ich habe oft genug zurück geblickt, jetzt schaue ich nach vorn: Eine Blumenwiese voll rotem Herzblumenklatschmohn tut sich vor mir auf. Soll ich hineintauchen in dieses neue Leben? Was genau ist es, das mich so sicher macht, dass es die absolut richtige Entscheidung ist, da doch mein bisheriger Weg von Zweifeln und Fehlurteilen geprägt war? Ich weiß es nicht, absolut nicht. Ich weiß nur, dass die Intuition zum allerersten Mal beide Daumen reckt und mir auffordernd zuzwinkert. Ich befrage die Vernunft, aber die steht schon in Siegerpose da und wartet nur noch auf den Absprung. Die Moral lehnt sich mit zufriedenem Lächeln zurück und nimmt die Contenance ein wenig an die Leine. Aus dem Augenwinkel sehe ich die Fantasie Anlauf nehmen, sie schwingt einen großen Sack voller Traumbilder, die ich doch eingemottet und entsorgt glaubte, aber nein, sie lässt sie wiedererstehen, schöner, strahlender als je zuvor. Gleich hat sie mich erreicht, gleich wird sie mich mit meinen unverwirklichten und verloren geglaubten Träumen und Sehnsüchten pudern und mich hinab-, hinausstoßen auf die zukunftsversprechende Herzblumenwiese.

Letzte Worte, bevor Altes endet und Neues beginnt? Danke für alles bisher Erlebte. Für alle Tränen, Wunden, Narben und verlorene Nerven. Was hab ich nur für ein unverschämtes Glück.

Lichtbrücken und Dunkelab¦gründe

Und als ich so wanderte, frisch losgelöst von Jahre währendem Ballast, sah ich ein Licht in der Ferne. Ich hob meine Laterne, um zu sehen, wer da ebenfalls wanderte, und du sandtest Lichtsignale zurück. Ich verstand sie, eine ähnliche Frequenz. Wir kommunizierten, meist in der Nacht, denn am Tag überschien die Sonne unser Leuchten. Nicht lange darauf trafen wir uns, am Rande einer kleinen Klippe, nachdem die Lichtkommunikation den Wunsch nach einer Begegnung von Angesicht zu Angesicht stark werden ließ. Zwischen uns, so stellen wir fest, lag eine Kluft, angefüllt mit unerfüllten Sehnsüchten und Träumen. Wir reichten uns die Hände darüber. Dieses Meer wallte auf, als wir unsere Verletzungen und Enttäuschung dazuwarfen; waberte zwischen uns wie eine Gischtwolke, und wir tauchten ein, nicht wissend, ob wir uns darin verlieren und jemals wieder auftauchen würden. Das war uns erst einmal egal.

Was haben wir geredet. Licht- und luftgetragen, alle denkbaren Dinge in unseren Köpfen zusammengeworfen, immer mehr Licht erzeugt. Der Dunst schien sich zu lichten. Und wir begannen eine Brücke über den Abgrund zu flechten aus Worten, Taten, Lachen und Licht. Unsere Basen nun verbunden, rannten wir ein ums andere Mal ausgelassen über die Klippen, zueinander, und wieder zurück. Wie sie schaukelte, die Hängebrücke. Alles war gut, solange wir nicht hinunter schauten. Fuchs sein fetzte wie noch nie. Dein Blick wanderte, suchte Schwachstellen, fand – suchte weder Lösung noch Konsens, sondern verband die Stellen mit mehrlagiger unangezweifelter Akzeptanz. Ich ging souverän und mit geschlossenen Augen über die Brücke, fühlte mich oft stark, oft schwach, doch dein Arm war immer da, an dem ich mich festhalten konnte. Darin fühlte ich mich geborgen, akzeptiert und unterstützt. Das gleiche hoffte ich zu geben.

Einmal ging ich über die Brücke, und sie schwankte und erzitterte. Ich öffnete die Augen und wusste plötzlich nicht mehr, wo ich war. Mir wurde schwindelig. Hoch oben, über dem Abgrund, über dem Meer, auf schwankendem Boden, betrachtete ich meine Basis. Eine Basis, die ich mir geschaffen und erkämpft hatte, teuer, schmerzhaft. Da lag sie, in der Ferne, da stand ich, im Freien, freier Fall. Und meine Höhenangst kehrte auf einen Schlag zurück. Zurück zur Basis! schrie meine Panik. Doch zu welcher? Das Hin- und Hergeschaue trug nicht gerade zur Verbesserung bei, also schloss ich irgendwann die Augen und – rannte los. Als ich erwachte, lag ich am Abgrund. Ich war mit ausgebreiteten Pelikanflügeln gegen die Pfeiler meiner Basis geflogen, abgeprallt, gestürzt. Die Brücke hinter mir zerbarst, mit einem einzigen lauten Seufzer. Der Winter kam plötzlich. Viel zu schnell. Aber rate man mal jemandem mit Höhenangst, nicht panisch zu werden, langsam zu machen und die Herzfrequenz niedrig zu halten, wenn man ihm vorher erlaubt hat, überall hinzurennen und den Puls zu pushen, wann immer sich die Möglichkeit dazu ergibt.

Im Wachtraum dringen Worte zu mir. Worte aus meinem Mund, die ich hinüber rufe, und die sich derart grenzdebil anhören, dass ich sie mir am liebsten verbieten möchte. So sinnlos, das alles. Mein Nacken schmerzt. Die Augen brennen. Mein Herz – wo ist das überhaupt? Hatte ich denn eins? Das fragst du dich zurecht. Und das tut weh. Dass es weh tut, lässt mich wissen, dass ich eines habe. Aber vielleicht behalte ich das lieber für mich. Es ist wahrscheinlich einfacher, loszulassen, wenn man sich verraten fühlt. Ob das nun so ist oder nicht. Lieber einen guten Schuss Wut auf die blöde Bitch, die Brücken flicht aus Worten, Licht und Sehnsucht, und sie vorwarnungslos wieder kappt mit ihrer offensichtlich destruktiven Selbstverwirklichungsrumspinnerei, als die Aussage verstehen zu müssen: „Ich habe Höhenangst“.