Premieren, Pannen, Pustekuchen Vol. IV: Wortstrom

Ich habe mir angewöhnt, etwa alle sieben Wochen seit dem Zeitpunkt X einen kleinen Rückblick zu schreiben, was ich erlebt habe und wie es sich so entwickelt. Dieses Mal ist es ein Wortstrom geworden, glücklicherweise heute mittag schon durch mein Hirn mäandert. Ich habe nicht lange nachgedacht und hoffe, dass euch das trotzdem irgendwie was sagt. Es sind erst sechs Wochen, aber nächstens weile ich ja bekanntlich im wohlverdienten (?) Urlaub und werde (hoffentlich) nicht zum Schreiben kommen. Außerdem hatte ich gerade eine Begegnung mit einigen zufällig entdeckten Überresten meines aussortierten Wäschebergs, die mich gerade runterziehen, so weit nach unten, wie ich seit langem nicht mehr war. Er schafft es immer noch, selbst wenn er nicht anwesend ist, mir die Freude zu verderben. Zumindest heute ist meine Urlaubsstimmung ein wenig gedämpft, aber da muss ich jetzt durch, und morgen scheint mit Sicherheit schon wieder die Sonne.

Nun aber: Schleusen auf für den Premieren-Pannen-Pustekuchen-Wortstrom Vol. IV:

Wachsweicher Wort¦wechsel
– warnt wiederkehrend vor Wiederholung

Den Schrank ausgemistet,
den Mr. ausgemustert,
das Muster entfrustet;

den Frust begrüßt,
die Grüße vermiest,
die Miesen entsorgt,
die Sorge geparkt,
im Park gefreut,
die Freude geteilt,
beim Teilen beeilt;

in Eile entschieden,
die Scheidung beschlossen,
das Schloss gewechselt,
den Wechsel vollzogen
den Zug bestiegen,
die Stiegen entstaubt,
den Staub weggeräumt;

die Räume erneuert,
das Neue gefeiert,
beim Feiern verliebt,
vom Liebchen geküsst,
den Kuss erwidert,
Fürundwider verworfen;

den Steinwurf geübt,
bei der Übung geblieben,
im Bleiben gegangen,
den Gang fortgesetzt,
Fortsetzung erbeten,
das Beten beschränkt;

und den Schrank ausgemistet

Premieren, Pannen, Pustekuchen Vol. III – It’s not hard to grow …

Und wieder zogen sieben Wochen ins Land. Richtige Normalität ist bislang noch nicht eingekehrt, noch immer sieht’s bei mir zu Hause nach Baustelle und Halbfertig aus. Aber ich habe die anfangs ins Auge gefasste Zeitspanne, um alles fertig zu bekommen, einfach auf unbestimmte Zeit verlängert. Bringt ja nichts, mich unter Druck zu setzen, wenn es verzögernde Faktoren gibt, auf die ich keinen Einfluss habe.

Täglich gibt es Neuigkeiten vom Wäscheberg. Täglich schwanken die Tendenzen um 180°. Das geht mir ziemlich oft auf die Nerven und sitzt sie ganz platt, aber am Ende, das weiß ich, wird alles gut. Muss ja. Zumindest steht’s so im Vertrag, und da ich grundsätzlich optimistisch bin, glaube ich auch daran. Vielleicht stehe ich nächste Woche schon wieder im Wohnzimmer und reiße alte Tapeten von den Wänden. Mein Lieblingssport zur Zeit, Aggressionsabbau.

Zwischenmenschliches. Das Sommerkleidchen – ich hatte es bewusst verdrängt und es gelang mir tatsächlich, die Fransengeschichte zu vergessen – tauchte aus seiner Versenkung auf und fragte sporadisch nach meinem Befinden. Ich war maximalbelustigt. Beim letzten Mal konfrontierte ich es mit dem Wissen um die neue Kundin, die es zwischenzeitlich erstanden hatte, und bei der es sich offensichtlich nicht so blöd anstellte. Der Kassenzettel wurde mir immerhin halboffiziell präsentiert. Ich bekundete daher meine aufrichtige Freude. Seither herrscht verschreckte Funkstille. Mir grad recht. Das Emotionsnavi lernt langsam. Der Sommer ist vorbei, und mir ist es nach einem warmen, kuschligen Pulli. Und Herbst und Winter sind lang … genug Zeit für weitere Premieren, Pannen… passt.

Ich habe die Waschfrau mal gefragt, wie weit ich mit meiner neugewonnen Freiheit und meinem neuentfesselten Ich gehen darf. Ich habe nämlich irgendwann richtig Angst bekommen, vor mir selbst, vor meiner großen Klappe und dem Reiz des Neuen. Angst vor was eigentlich? Dass irgendwann der Dämpfer kommt? Mme Contraire im Wunderland, und gerade als es anfängt Spaß zu machen, kommt plötzlich jemand und weckt mich auf? Und dann wache ich auf und all die bunten Blumen sind verwelkt und verwandeln sich in Schlangen? Selbstwert zu Selbstzweifel, Lebenslust zu Lebensfrust? Aber das muss nicht die logische Abfolge sein. Genießen, schauen, staunen, freuen. Egal was kommt, die Zukunft ist immer besser als die Vergangenheit – und gestaltbar. Ich weiß jetzt auch, warum ich vor einiger Zeit Panik hatte, dass ich meine Zukunft nicht mehr vor mir sah, und jetzt so entspannt bin, dass ich sie immer noch nicht vor mir sehe. Weil ich sie in der Hand habe. Das war mir nicht bewusst damals. Der oppressive Fremdbestimmer ist weg, und ich lerne, eigene Entscheidungen zu treffen. Und davor habe ich jetzt fast gar keine Angst mehr.

Ein wenig zu melancholisch, aber mir ist gerade danach, weil es irgendwie nach Lächeln, angenehmem Whatever und Kuscheln klingt:

(… when you know that you just don’t know)