Wunder gibt es immer wieder …

… sei es, dass mich die Telekom nach jahrelang anhaltenden Ärgernissen dieser Tage so positiv überrascht hat, dass ich zweifelnd zum Kalender griff, um auszuschließen, dass es sich um einen Aprilscherz handelt. Oder sei’s, dass Madame endlich den Mut aufgebracht hat, sich wieder in ihrem Vorgärtchen blicken zu lassen. Zeit ist leider immer noch der entscheidende Faktor dafür, dass es hier sehr vereinsamt und verwildert ist. Mein heißgeliebter Job hat mich die letzten Monate sehr gefordert, ich habe Dummheiten begangen wie am Feiertag ein paar Stündchen arbeiten, im Urlaub nur schnell noch dies und das erledigen … Es pressierte schließlich, ein wichtiger Auftrag hing von der pünktlichen Abgabe ab und ich mache ja nichts lieber, als meinem Chef den Hintern zu retten…

Freitag, 17 Uhr 05: Madame schickt die letzten bearbeiteten Dateien weg.
Montag, 08 Uhr 15: Aus dem Postfach grinst mir eine Benachrichtigung entgegen, die mich wiederum dazu brachte, das Datum anhand des Kalenders zu prüfen. „Äh, das waren doch die Dateien, die wir gar nicht mehr brauchen, weil der Auftrag nicht zustande kommt?“ Vor meinem geistigen Auge rieselten die am Schreibtisch verbrachten Stunden zu einem Häuflein Staub zusammen. Die enttäuschten Gesichter von Familie und Freunden, wenn ich mal wieder nicht dabei sein konnte. James, der mich in der letzten Zeit zum Aston Martin tragen musste, weil ich zuvor schon längst mit dem Kopf auf der Tischplatte eingeschlafen war.

Nun denn, was soll’s, sowas passiert, sowas wird immer wieder passieren. A propos wiederkehrender Mist: Da glaubt Madame, sie habe endlich so etwas wie Frieden gefunden, ein Plätzchen zum Sein und Träumen, ein bisschen ausspannen noch, bevor das Leben in all seiner Schnelligkeit und Launenhaftigkeit wieder voll zuschlägt – und schon hagelt es Kritik von mehreren Seiten. Am Ende des Tages fragte ich mich: Bin ich wirklich ein so schrecklicher Mensch? Bin ich wirklich blind, falle ich tatsächlich in alte Muster zurück, obwohl es mir doch so gut geht und ich endlich, endlich in der Lage bin, mein Leben zu genießen? Anscheinend schon. Anscheinend bin ich nie und niemandem gut genug, am wenigsten mir selbst. Und leider, auch wenn sich Madame Contenance den stimmigen und durchaus zutreffenden Teil der Kritik zu Herzen genommen hat, leider ist da noch die kleine rebellische Contraire, die am liebsten genau jetzt ihre Koffer packen und der ganzen Bagage den Rücken kehren möchte, auf dass sie sehen mögen, was sie angerichtet haben. Mach ich natürlich nicht. Aber den Kritikern zukünftig die Füße küssen, den Nörglern eine Puderzuckeranwendung verabreichen, ich weiß nicht, ob ich das kann.

Ist es Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit, andere so sein zu lassen, wie sie sind? Ist es verwerflich, sich in jemanden hineinversetzen zu können und zu sagen: Ich verstehe dich? Ist es einfach nur idiotisch, jemandem in einer schwierigen Situation Zeit zu gewähren? Mein Verstand sagt mir: du funktionierst nicht richtig, du bist nicht auf dem Weg, auf dem andere dich gern sähen. Mein Gefühl sagt: es ist nicht gerecht.

We’ll love you just the way you are if you’re perfect …

 

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Und ich so …

… zum Tag, als wir uns beim Frühstück begegneten:
– „Hey, Montag. Und?“
Und der Tag so:
– „Hey.  Erst mal’n Kaffee.“

Nach dem Frühstück, Rechner hochfahren, anstehende Arbeiten erledigen – soweit der Plan. Nach fünf Minuten ich dann so:
– „Hey Montag, sag mal … kann das sein, dass du heute scheiße drauf bist?“
Und der Tag so:
– „Hä, wie jetz‘?“
Und ich so:
– „Hier. Kann mich nicht einloggen. Hab alles richtig gemacht. Hotline angerufen. Die wissens auch nicht. Dann  die Sache mit der Bank. Nur Idioten, wie’s scheint. Und emotional – ey, frag nicht! Zum Ausrasten heute!“
Kurze Pause.
Der Tag dann so:
– „Hm.“
– „Hm, was hm?“
– „Ei ja … „

Scheißtag! Und es ist nicht mal 11 durch! Wenn er das jetzt wieder gut machen will, damit ich am Ende dieses Montags sage, dass es ein immerhin okayer Tag war, dann müsste er …

– dafür sorgen, dass mein Rechner jetzt stante pede funktioniert, aber hallo!
– die Bank mich anruft, mir die Füße küsst und mich fortan als Lieblingskundin behandelt
– gewisse Personen sich im Laufe des Tages bei mir für ihre ungerechte Haltung und emotionales Unterdrucksetzen entschuldigen

Mindestens mal! Und den Rest erledige ich lieber selbst – da weiß man, dass es auch erledigt wird. Ich freu mich trotzdem auf morgen, denn der Tag wird mit Sicherheit besser. Aber hallo. Einen Sündenbock für eigene Unzulänglichkeiten finden ist ja so toll und zielführend …

Update, 13:00 Uhr:
– „Ey! Montag! Jetzt reiß dich aber mal zusammen!“ schreie ich über den Flur. Hat mir der Depp nicht gerade den Wäscheberg noch vorbeigeschickt, der sich wieder in Selbstmitleid erging? Und ich muss mich jetzt fragen: Ist es wirklich ok, da hart zu bleiben und das Spiel einfach mitzuspielen, bis er wieder geht und anschließend denken, jup, war die beste Entscheidung meines Lebens? Ist das nicht herzlos? Ist es. Er ist mein Herz los, und nichts kann das ändern. Hab ich ihm auch gesagt.

Dienstag, Dienstag … dein Vorgänger hinterlässt dir ne Menge Arbeit, um Mme Contraire wieder in Stimmung zu bringen …

Update, 16:00 Uhr:
– „Montag? Hallo?“ Ich laufe den Gang auf und ab und suche ihn, den Montag, der mich heute so fertig macht. Ich muss jetzt doch mal nach ihm schauen, er hat sich vorhin in die hinterste Ecke verdrückt, weil ich ihn angebrüllt habe. Nicht gerade freundlich, aber mit Recht. Denke ich. Zwischenzeitlich gab’s da eine freundliche kleine Nachricht, die mich zum Lächeln gebracht hat; Ein Anruf von der anderenBank (die, zu der ich hin will, nicht die oben erwähnten Idioten) – Frau Contraire hier und Frau Contraire da, und eine Einladung zum Weltspartag hab ich auch bekommen; und eine Absage von einem dieser Emotionsdruckverursacher, den ich heute Abend zum Tachelesreden herbeordert hatte. Mir recht, nach dem ersten Aufregen. Klingt für mich nämlich nach Schwanzeinziehen und das Feld räumen. Warten wir’s ab. Bevor ich voreilige Schlüsse über die Gesamtqualität dieses Tages ziehe. Ich melde mich garantiert später noch mal.

Liesmich

Ich sitze schon wieder länger als nötig am Schreibtisch. Die Arbeit für heute ist geschafft, die für morgen vorbereitet, ich könnte aufhören und meinen unzähligen Verpflichtungen nachgehen. Das Problem, es sind viele, und ich habe es bislang versäumt, Prioritäten zu verteilen. Der Druck ist ja nun weg, ich allein bin verantwortlich für das, was geschieht und nicht geschieht. Und jetzt rudere ich im Verpflichtungenmeer, dreh mich im Kreis und weiß nicht, wo ich zuerst anpacken soll. Und dann sitz ich länger als nötig am Schreibtisch und gehe meiner Schreibsucht nach. Aber auch hier: Wo soll ich anfangen?

Es bietet sich mir zur Zeit so viel Interessantes, was sich in meinem Kopf einfach gut anfühlt und beschrieben werden möchte. Ein Metaphernfeuerwerk folgt dem nächsten, allein, es fehlt mir an – was? An Zeit? Ja, wahrscheinlich ist es Zeit. Warum setze ich mich eigentlich hier auch noch unter Druck? Tja. Leider ist mein Ehrgeiz geweckt. Endlich habe ich das gefunden, was mir richtig Spaß macht, und bei dem sogar das Feedback stimmt. Achso. Ja! Daran seid ihr auch ein bisschen schuld, die ihr immer mal wieder vorbeischaut und hier lest. Ich wollte euch mal Danke sagen. Von Herzen. Dass ihr mir das Gefühl gebt, es kommt was an von dem, was ich mir so zusammenspinne. Den meisten von euch folge ich, und ich freue mich jeden Tag über eure neuen Beiträge – ich hoffe, das ist bei euch ein bisschen auch so.

Was bin ich denn heute so sentimental …? Liegt’s am Wetter? Ich wusste, der Novemberblues lässt sich auch dieses Jahr nicht lumpen und rückt ein bisschen näher in den Oktober, da ich ja vorsorglich den halben Bluesmonat mit Urlaub in (hoffentlich) warmen Gefilden verplant habe. War eigentlich klar. Oder liegt es vielleicht ein bisschen am gerade vergangenen cashmerelastigen Wochenende? Metaphorik ahoi! Ich erlebe also eine Cashmeresque … und die tut einfach wahnsinnig gut. Du … tust mir wahnsinnig gut. Danke für’s Lesen. *muak*

Offenherbstlich

„Schade, dass wir uns nicht später kennengelernt haben!“ Das lag mir auf der Zunge, als kürzlich ein langjähriger Kollege in den Vorruhestand verabschiedet wurde. Er ist für seine 58 Jahre eine echt coole Socke. Hat schon viel mitgemacht, öfter mal die Firma im stillen Kämmerlein oder direkt beim Kunden gerettet und die Welt ein kleines Stückchen sicherer gemacht. Ich glaube aber kaum, dass es ihm daheim langweilig werden wird. Musikalisch ist er, und genug Kinder hat er, um deren Baustellen und Belange er sich jetzt voller Hingabe kümmern kann. Er will das Leben noch so richtig genießen mit seiner Liebsten, und ich finde, er hat das absolut Richtige vor.

Jetzt aber: wieso später kennengelernt? Wieso nicht früher? Hätte man doch noch länger zusammen arbeiten können, sich vielleicht noch etwas besser verstanden. Schauen wir mal zurück ins Jahr 2005, als ich, frisch von der Uni, zu meiner Kollegentruppe stieß. Der Kollege, mit dem ich ein Büro teilte, gestand mir nach einem halben Jahr, dass er mich zu Beginn für „extrem seriös“ hielt. Sein Euphemismus für überkorrekt, spießig und unentspannt. Zum Glück stellten wir ziemlich schnell fest, dass wir auf einer Wellenlänge waren, vor allem musikalisch (ja, auch Ingenieure haben Musikgeschmack). Beim Rest der Kollegen allerdings hielt sich mein korrekt-verkrampftes Image noch sehr lange. Dagegen unternommen habe ich nichts, wie auch, ich war ja so schrecklich verschreckt und zurückhaltend und so gar nicht unterhaltsam. Man schätzte mich im Wesentlichen für schnelle und gute Arbeit. So soll es doch sein. Oder? Oder nicht? Weihnachtsfeiern waren übrigens ein Graus für mich …

Erst in der letzten Zeit, sagen wir mal: seit einem Jahr ungefähr, habe ich den Eindruck, dass man mich mehr als Mensch wahrnimmt. Umgekehrt auch, die Kollegen erzählen mir öfter auch mal aus dem Privatleben, und das fühlt sich irgendwie sehr gut an, obwohl ich stets einen engeren Kontakt vermeiden wollte – aus Angst vor … Enttäuschung? Ablehnung? Meine Studentenjobs vorher lehrten mich Vorsicht. Und da komme ich wieder zu meinem Kollegen, der jetzt kein Kollege mehr ist. Wir haben uns generell gut verstanden, er hatte auch immer ein offenes Ohr für meine Probleme und hat mir auch einiges ermöglicht. Da merkte ich zum ersten Mal, dass es tatsächlich etwas positives bewirkt, sich zu öffnen und was von sich zu erzählen. Offenheit wird mit Offenheit belohnt. Heute bin ich immer noch sehr dankbar, traurig, dass er jetzt geht und traurig, dass ich nicht zugelassen habe, dass wir uns zu früh kennengelernt haben. Er ist wirklich ne coole Socke.

Und wo wir bei Dankbarkeit sind: Auch wenn meine Waschfrau mich zuletzt so geärgert hat, dass ich sie in den Urlaub geschickt und ihre Tür zugeschlagen habe, bin ich doch dankbar, dass sie mich bei meiner schmutzigen Wäsche so sehr unterstützt hat und mir gezeigt hat, dass es durchaus total in Ordnung ist, sich einfach großartig zu fühlen und großartig zu sein. Großartig, das alles. Und so geh ich jetzt raus, bin ich und bin großartig und habe Spaß.

Life is beautiful. Und als ich da so rausgehe, ganz in ich gehüllt, und ein bisschen schaue und staune, da spüre ich die Brisen, frischen Wind, und auch die Kühle. Es wird – es ist Herbst. Mein Kleiderschrank ist zur Hälfte leer. Sommerkleider trage ich nicht mehr. Ich bin zufrieden. Es ist nämlich so weit: Ich bin in der Lage mich aus mir selbst heraus zu wärmen. Trotzdem – gerade deshalb vielleicht? – fühlt er sich gut an, der Pulli. Kuschlig. Flauschig. Ich vermute einen Großteil Cashmere, der Blick aufs Wäscheetikett bestätigt mir das. Ich weiß nicht … steht mir das? Der Blick in den Spiegel zeigt mir zumindest, dass seine Farbe meine Augen endlich wieder zum Leuchten bringt. Es ist Herbst. Es ist wunderschön da draußen.

Was aus früher Jugend, und gleichzeitig die Warnung: Don’t keep it all inside

What the heck …

Irgendwas hat am heutigen Tag gedreht. Fand ich das Salatbufett in der Kantine schon immer so attraktiv und reichhaltig, dass ich mich fragen muss, warum ich nicht öfter hingehe? War es schon immer wunderschön, mit dem Schirm im strömenden Regen vom Parkhaus zur Firma zu spazieren und nasse Füße dabei zu bekommen? Seltsam, wirklich. Wie um alles in der Welt habe ich es geschafft, nach nur drei Stunden Schlaf (und zweieinhalb davon regunglslos aufgrund kätzischer Belagerung, genau auf den Knien) und lediglich einem Energydrink so wach zu sein, als käme ich erholt aus dem Urlaub? Im Spiegel sehe ich meine Augen schalkhaft aufblitzen. Hallöchen, kleine Erinnerung: Du hast dich gerade von einem Wäschestapel getrennt, der ich über ein Jahrzehnt begleitet hat. Ist es angesichts dessen wirklich angebracht, dieses widerlich-süße Grinsen auf dem Gesicht zu tragen und zu strahlen, als hätte man dir einen Leuchtturm in die Birne gepflanzt? Mal die Waschfrau fragen. Ach halt! Die weiß ja noch gar nichts davon, die hatte Urlaub! Die kippt aus den Latschen, prophezeihe ich hier und jetzt.

Ich geh mir mal rasch ne Zitrone besorgen, vielleicht ist noch eine von gestern da …

Abstinent

Ich habe mich in letzter Zeit ein wenig in Abstinenz geübt. Vor allem nichts geschrieben hier, aber auch versucht, mal einen Monat oder sogar länger nichts beim in Misskredit geratenen Online-Versandhandel zu bestellen. Auch bei der Ernährung achte ich zur Zeit darauf, mir nur  – naja, hauptsächlich – Gutes zu tun und auf eher nicht so Gutes zu verzichten (außer Schokolade, DAS würde ich keine Woche überstehen!).

Positive Effekte? Schon! Ich bin immer noch brav dabei, mit meiner Waschfrau zu arbeiten, bin gelobt worden und habe neue Erkenntnisse über mich gewonnen. Feine Sache. Meine Arbeit und die sonstigen Aufgaben erledige ich ebenfalls brav und finde sogar Zeit wieder zu lesen – gut, Zeit zum Lesen ist immer, nur der Kopf fehlt oft. Den habe ich also auch. Mir scheint, mit mehr Kopf ist es auch möglich, die schönen Dinge im Leben (die es ja durchaus gibt, auch wenn man über Schlaglöcher fährt und sich über die Menschheit insgesamt aufregt) zu sehen und zu spüren. Gleich zu drei Gelegenheiten wurde mir bewusst, dass ich ja nicht am Faden hänge und mich fremdsteuern lasse, nein! Sondern, dass ich selbst etwas bewegen kann, und sei es nur durch eine Kleinigkeit; ein Brief, der beim Empfänger nicht nur physisch, sondern auch im Herzen angekommen ist; einen kleinen Funken Inspiration pflanzen und sehen, dass er prachtvoll erblüht; ein Ohr leihen und eine Freundin dafür bekommen. Schöne Dinge, die mich an mich selbst glauben lassen.

Und derart motiviert reifen Pläne in mir, weiterzugehen, nicht nur den Kleiderschrank auszumisten, sondern auch die Küche, den ungeliebten Wohnzimmerschrank, umsortieren, ganze Räume umorganisieren und zum Teil renovieren – das zwar nicht allein in meinem Kopf, aber ich denke, sobald ich anpacke, meinen Lebensraum zu verändern, zu verbessern, verbessere ich meine Gesamtsituation. Das mal als Plan der nächsten Wochen.

Abschließend möchte ich noch auf Lesestoff hinweisen. Diese Dame hier bloggt noch nicht so lange, scheint aber ein angeborenes Talent dafür zu haben, gut zu unterhalten. Ich lese regelmäßig gerne ihre kleinen und wirklich amüsant beschriebenen Alltäglichkeiten, meine sogar, zwischen witzigen Formulierungen auch etwas Melancholie zu entdecken und freue mich einfach, dass jemand hierher gefunden hat und mit so viel Spaß an der Sache schreibt. In jedem Fall eine Inspiration, das Leben nicht immer so verbissen zu sehen. Vielleicht versuche ich mich demnächst auch mal an einer amüsanten Geschichte – ich schicke meine Schwermütigkeit einfach mal in den Urlaub und probiere ein wenig herum. Möglicherweise wird’s ja was!

Mädchen…

…sein ist toll. Doch, wirklich! Mit diesem Gedanken bin ich heute aufgewacht. Habe mich ein bisschen mehr als sonst für die Arbeit rausgeputzt. Ein wenig öfter als sonst in den Spiegel geblickt. Mal dezenten Lippenstift ausprobiert. Fein fühlte sich das an! Und dann auch noch Sonne! Die Hormone führen gerade einen regelrechten Veitstanz in mir auf, es ist unglaublich.

Ein Kollege fragt mich, wie ich meine Nägel so schön lackiert bekomme (er hatte seine Brille nicht auf) – wenn er das bei seiner Tocher macht, sieht das immer ganz schrecklich aus. Mein Tipp lautet: zwei Mal, mit schnelltrocknendem Lack. Wieder einen Kleinmädchentraum vom alleskönnenden Papa gerettet. Und nebenbei den häßlichen babyrosa Nagellack losgeworden.

Einen Schokoriegel geschenkt bekommen. Zum Weltfrauentag. Das Leben ist schön.

Ich darf so viele Schuhe haben, wie in den Schuhschrank passen. Diverse Geheimverstecke habe ich sowieso schon gefunden und besetzt. Ich darf bunte Farben anhaben und niemand hält mich für schwul, wenn ich pink trage. Oder Puder benutze. Ich dürfte sogar ab und zu zickig sein, wenn ich denn wollte, und niemand wäre mir lange böse.

Angesichts der vorgenannten Oberflächlichkeiten müsste ich jetzt normalerweise das große Erbrechen bekommen. Bleibt aber aus. Weil ich ein Mädchen bin. Weil ich in der westlichen Welt lebe und mir keine Sorgen um Genitalverstümmelung machen muss. Oder Verschleierung. Oder Missachtung meiner Grundrechte. Echt jetzt. Und weil meine Hormone Tanzwut haben.

Das Konterprogramm: Gestern hörte ich mal wieder einen Song von James Blunt im Auto. „No Bravery“ geht durch Mark und Bein, wenns einem mal wieder zu gut geht. Blunt verarbeitet darin seine Erlebnisse während seiner Stationierung im Kosovo. Mich trifft es jedes Mal wieder, ich muss es mir dann meistens zwei Mal hintereinander anhören: einmal zum laut mitsingen und einmal zum stillen Lauschen. Großartig traurig. Großartig.

Gehen und doch bleiben …

… und im Bleiben gehen.

Das ist die erste Zeile eines Sonnetts von Lope de Vega, das mir während des Studiums über den Weg gelaufen ist und mich seitdem nicht loslässt. Alle paar Jahre unternehme ich einen eigenen Übersetzungsversuch – irgendwo hatte ich auch mal eine sehr gute Übersetzung aus einem Buch herauskopiert und dem mir eigenen Chaos übergeben, also bleibt sie bis heute unauffindbar. Bisher ist es mir nicht vollständig gelungen, eine adäquate Übersetzung anzufertigen.

Lope und ich – unsere Verbindung dauerte einen Frühling lang, als ich sein Sonett Qué tengo yo, que mi amistad procuras für eine Hausarbeit interpretieren sollte. Ein Frauenheld und Abenteurer im spanischen Siglo de Oro, schreibt über Glaube, Liebe, Ehre, erlebt den Untergang der spanischen Armada aus nächster Nähe, heiratet, verführt, hat zahlreiche Affären, wird Priester und prägt nebenbei das spanische Drama. Nein, ich bin kein Lope-Spezialist, dafür dauerte die kleine Interpretation (und der Frühling) nicht lange genug. Aber es fasziniert mich schon noch, jedes Mal wieder, wenn nur irgendein kleiner Fetzen aus seinen Sonnetten durch mein Hirn schwimmt.  Schade, schade, dass ich hier keine Übersetzung zur Verfügung stellen kann, mit der ich wirklich zufrieden wäre. Zufrieden wäre ich mit einem deutschen Text, der, wie das Original, beim Lesen die Haut brennen lässt und sie gleichzeitig mit Gänsehaut übersät. Ein Gefühl hervorruft, das sagt: „Und genau so ist es“. Leider scheitert das ja schon an der Sprache selbst …

Ir y quedarse, y con quedar partirse,
partir sin alma, y ir con alma ajena,
oír la dulce voz de una sirena
y no poder del árbol desasirse;

arder como la vela y consumirse,
haciendo torres sobre tierna arena;
caer de un cielo, y ser demonio en pena,
y de serlo jamás arrepentirse;

hablar entre las mudas soledades,
pedir prestada sobre fe paciencia,
y lo que es temporal llamar eterno;

creer sospechas y negar verdades,
es lo que llaman en el mundo ausencia,
fuego en el alma, y en la vida infierno.

(Félix Lope de Vega Carpio, 1562 – 1635)

Quid novi?

Und dann gehst du einfach hin, lässt Gedanken Gedanken sein und tust es einfach. Spontan sein kann echt schön sein!

Tatsächlich, so schnell geht es, wenn man einfach mal was tut, anstatt immer nur darüber nachzudenken. Mme Contraire war heute im Reisebüro und hat eine kleine feine Reise über ein verlängertes Wochenende gebucht. Nicht groß gefragt, nicht lang gefackelt, und schon stand ich wieder draußen, die Flug- und die Hotelbestätigung in der Hand.

Und so lerne ich langsam, auch mal meinem Ich gegenüber großzügig zu sein, es zu beschenken und zu beaufmerksamkeiten. Die letzte Zeit war überraschend positiv, es gibt zwar immer noch Dinge, vor allem Gedanken, die mich verwirren und mir den Blick in die zukunft verwehren. Aber alles in allem fühle ich mich wohl. Sehr. Was gibt es Neues?

Arbeit. Die letzten zwei Wochen habe ich mich extrem reingekniet. Mir selbst mehr Druck auferlegt, und siehe da, es hat funktioniert. Sogar ein paar Sonderschichten am Wochenende war ich nicht abgeneigt (und wenn ich jetzt nicht so müde wäre, würde ich weiterarbeiten). Ich bin so zufrieden, wie schon lange nicht mehr in meinem Job. Es läuft. Ich tu und ich kann was. Ich mach das gut. Wenn ich jetzt noch schaffe, meinem Chef klarzumachen, dass Wochenend-Schichten eine freiwillig erbrachte Leistung ist, um den einen oder anderen Hintern zu retten (und nicht mal meinen eigenen!), dann, ja. Dann passt’s.

Schreiberei. Den Vortrag habe ich seit Wochen schon fertig und hätte mich dann ganz nach Plan zurückziehen wollen. Jetzt hab ich aber auch noch die Aufsicht über die Performance. Doch das ist weniger Arbeit und mehr Vergnügen – auch das läuft gut. Ich bin schon ganz aufgeregt…

Neues. Juhu, ich bin jetzt auch stolzer Smartphone-Besitzer. Mehr muss ich, glaube ich, nicht dazu sagen. Ansonsten neu ist die Erkenntnis, dass alles, wirklich alles einmal ein Ende hat. Schluss is mit der Sucht, und ich hoffe, ich halte dieses Mal wirklich daran fest.

Fortschritt. Rückschritt. Zwischenschritt. Egal. Am Ende komme ich dort an, wo ich hin will. Wo auch immer das ist. Das ist die nächste Aufgabe, eben das herauszufinden.

Hier noch etwas Wiederentdecktes für ein entspanntes, zufriedenes, mit angebrachtem Schwermut versehenes, aber durchaus schönes Wochenende:

Maurice Ravel: Pavane pour une infante défunte