Canción de caza

Cicatrización – ich heile. Im Zickzack heilt die Welt um mich.
Die Wundwelt nach dem Waidwundschuss – zumindest fühlt sie sich so an.
Nicht schön, die Zickzacknaht, doch dicht, stabil. Belastbar – später, später doch einmal.

Cauterización – vermieden, denn zu kaputt, das gibt es nicht.
Es wächst noch an, was abgetrennt mir schien.
Die Bindung hier, der Wunsch nach Ganzheit, unversehrt.

Intervención – ich eile. Eile nicht. Im Zickzack eilt die Welt um mich.
Ich seh ihr zu. Bin ruhig. Bin wach, erholt nach kurzem Dämmerschlaf.
Im Traum, nein, es ist Wirklichkeit, wo Sieben und Sieben zur Acht gereicht.

Caza, cazadora, no descanses.

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Nachtrag

zur Inspiration¦s¦funken¦fänger¦in, die:

Im Hafen

Muschelherz
am Strand versandet
Verstand veralgt – verankert.

Nach Bugschlag, Mastbruch, Segelriss
vertäut. Gesichert. Unbereut.

So überfiel es mich einst, es muss 2009 gewesen sein, und funkte mir vorhin das Bild vom versandetenVerstand dazwischen. Heute würde ich lediglich ein Fragezeichen am Ende hinzufügen. Unbereut hingegen nun das Kappen der Taue und das Verlassen des un¦sicheren Hafens.
Addio Austerntum.

Neue Ufer? Horizont! Ale! Single Malt!

Aye.

Inspiration¦s¦funken¦fänger¦in, die:

Subst., fem.; weibl. Form zu Inspirationsfunkenfänger. Im Alphabet danach: 
Inspirationsfangfaden ¦ Inspirationsfangflotte ¦ Inspirationsfangfrage ¦ inspirationsfangfrisch ¦ Inspirationsfanggebiet 

Darum bin ich hier. Nicht, um den Verstand am Strand versanden zu lassen. Auch nicht, um segelgehisst und großbeflaggt in See zu stechen und das Große Weite Meer der Eitelkeiten zu befahren. Ich gondele in meiner Nussschale  durch WordPress, lasse mich durch Artikel treiben und täue mich hin und wieder an Konversationspoller. Paddle mich durch Kommentare. Ein probates Mittel gegen Verstandesveralgung, Muschelschalenverkrustung, Austerndasein.

Schreiben und lesen bringen mich immer wieder zu neuen Erkenntnissen. Unlängst hat mich eine Konversation mit der bonfortionösen Käthe Knobloch so sehr inspiriert, dass ich ganz aus dem Nichts etwas formulierte, was zunächst so unschuldig und unbeabsichtig daher kam, und doch so viel Wahres beinhaltete. Rannte ich diesem Zustand nicht schon eine gefühlte Ewigkeit hinterher? So brennend war der Wunsch nach diesem Wohlgefühl, dem Aufaugenhöhesein und Nichtmehrkämpfenmüssen. So brennend, dass ich ihn nicht erkannte, da er eintrat. Manchmal braucht es Verbündete, die dabei helfen, den Geist wachzurütteln und die Fesseln der Vergangenheit zu lösen. Kaum zu glauben, dass das ursprüngliche Thema von der Wohlgeformtheit (oder nicht) der männlichen Rückansicht handelte …

Einen solchen hatte ich auch mal … arschlos, sowohl, als auch. Seither achte ich verstärkt auf Rückgrat und dessen Verlängerung.

Verehrteste, Verstärkterückgratundverlängerungsachtsamkeit tut immens not. Wir wissen es doch. Die Blender können uns mal im Ursche lecken. Ergötzliche Grüße.

  • Mittlerweile ja! So lebt man und lernt. Und wird vollends zum Rückgratverlängertemrückgratbegutachtungsspezialist. Wo Arsch in der Hose, da auch Herz und Hirn, möchte ich naiv deduzieren. Langlodenindizien eingeschlossen.

  • Naiv? Ich nenne es weise. Und erlaube mir erneut, Ihnen ein klitzekleines Geheimnis anzuvertrauen: Langlodenarschherzundhirninnigkeit hat Bestand, selbst wenn die Haarpracht ausgedünnt.

  • Ich bin gespannt! Den ersten Monat in Gewissenszweifel mit Zweifelgewissen und zweifelhaftem Inlanglodigetiefgründigkeitstürzen habe ich hinter mir, die von Ihnen angeführte Langlodenarschherzundhirnigkeit durchaus erkennend und schätzend. Hast du genug von jedem Mann, kommt oft ein Langlode da lang. Nun ja, geben und geben lassen, vielleicht sollte ich es einfach leichten Herzens aus gewisser Distanz verfolgen und aus nächster Nähe genießen. Zwingkersmiliealarm.

  • Das liest sich nach einem bonfortionösen Nichtplan, meine Liebe. Geben und Geben lassen ist dabei die oberallerwichtigste Erkenntnis. Geben und geben lassen. Fast möchte man sein Blog umbennen. Geben und geben lassen. Ich könnte Sie umhalsen für diese vier Worte. Weil Sie alles beinhalten, worüber man manchmal so rumdruckst und schwafelt und lamentiert. Geben und geben lassen. Ich danke Ihnen. Sehr.

  • Ich verbeuge mich tief vor Ihrer Erkenntnis. Mein, Ihr Mantra, schon immer gewesen, zeitweise verschüttet und verhasst, weil so wahr und doch so unerfüllt. Bis jetzt. Das starrsinnige, unbelehrbare Kind sprengte die Fesseln der Contenance und pfeift dieses Mantra von den Dächern meiner, unsrer Herzstadt.

  • Ach, meine Liebe, wie oft wird Contenance überbewertet. Sprengen Sie und pfeifen Sie. Und tanzen Sie auf Herzensstadtdächern. Ich applaudiere und feuere die Tanzwut an. Und gebe und lasse geben. Ich verliebe mich gerade ein wenig in Sie, so schön, wie Sie tanzen…

  • Liebe, liebste Käthe, sehen Sie’s denn nicht? Ich liebe Sie schon längst, Ihre Eloquenz und Tanzwut – Ihr Blog. Verfallen. Verfallen dem Herzensstadtdächertanz, und wie gern widmete ich Ihnen (und dem vielgeliebten, -gelesenen Sir Guinness) meinen nächsten Eintrag, allein – ich will keine hier geschöpften Worte stehlen. Das überlasse ich wemauchimmer, wem’s grad gefällt. Oder vielleicht doch nicht? Geben und geben lassen. Ich denke darüber nach, es hat was von Selbsterkenntnis und Selbstfindung und – passt.

  • Geben und geben lassen. Noch im Traume trug ich diese Worte auf Zunge und Herz. So schlicht und doch alles benennend, was Liebe und Zuneigung umfaßt. Madame, in mir wächst die Sehnsucht nach Realkontakt ungemein. Doch ich will nicht drängen. Es wird sich finden. Und bittersüße Sehnsucht ist ja auch ein großartiges Gefühl. Herzensnah, die Ihrige.

  • Sie drängen nicht. Ich freu mich drauf!

    Und die Moral von der Geschicht‘? Trau Contenance alleine nicht. Liebe Waschfrau, ich habe es wirklich nicht geglaubt, dass es Beziehungen gibt, die keinem Abhängigkeitsverhältnis geschuldet sind. Mais voilà, geben und geben lassen formuliert genau das. Herzensstadtdächertänze statt Kellergriesgramselbstmitleid. Hat auch der Herr Guinness kürzlich trefflich aufnotiert. Na fein, jetzt bin ich doch mit großbeflaggter Nussschale und gehisster Eitelkeit hier durchgesegelt. Kann auch mal vorkommen.

Stromlos.

Stromlos geschaltet. De-energized. Still. Bewegungslos.

Mein Geist befindet sich im Pause-Modus. Zur Zeit will nichts so recht gelingen, nichts neues kommt hervor. Ein, zwei Versuche habe ich unternommen, aber dort, wo sich sonst ein roter Faden spinnt und Anfang, Mitte und Ende miteinander verknüpft, blicke ich ins Leere. Nun macht mich das zwar unzufrieden, aber nicht so sehr, dass es mich unglücklich macht. Es ist eben nicht an der Zeit, Neues zu schaffen. Anlaufschwierigkeiten sind aller Jahre Anfang. Der Januar ist für mich der zäheste Monat überhaupt.

Es wollen Dinge geregelt werden, reale Dinge, die meine Energie fordern. In der ersten Februarwoche wird ein dicker Schlussstrich gezogen, formal. Formalitäteninduzierend. Kleinigkeiten. Aber die gehören halt geregelt. Ich habe den Berg überschritten, und, wie sonst auch, sieht er vom Jetzt aus betrachtet doch nicht so groß und mächtig aus. Auch der war zu bewältigen. Ein bisschen schade, dennoch. Das, was im Rückblick nun gar nicht mehr so schwierig aussieht wie zu Beginn der Reise – kann man sich über dessen Bewältigung eigentlich gebührend freuen? Es stellt sich ein Gefühl von „Noch mal bräuchte ich das nicht, aber wenn, dann wüsste ich immerhin, wie es zu handhaben ist“ ein.

Stumpft man ab? Nimmt man mehr und mehr hin? Oder ist das jetzt einfach diese zähe Jahresanfangszeit, in der so vieles zu regeln ist, dass man sich kaum an den schönen Dingen erfreuen kann, die sie bietet? Bieten könnte, wenn man es zulässt? Es ist Wochenmitte, und ich freue mich schon auf das Wochenende. Ohne Arbeit. Ohne Strom, ohne Druck. Da werde ich Energie tanken. Bis dahin ist noch einiges zu erledigen, aber dann wird die Welt für ein paar kleine Momente still stehen, und ich auch. In diesen Zeiten ist selbst für Mme Contraire Stillstand eine willkommene Abwechslung. Und danach, mal sehen, werden die Versuche vielleicht doch noch zu Erfolgen.

Stromlos also. Und dennoch gespannt. Für den Moment aber lehne ich mich erst mal zurück, hoch oben auf meinem Ausguck, schließe die Augen und höre zu, was mein Inneres mir zu erzählen hat.

Wortstrom: Herz¦los¦welt, Basiskonfiguration

Aufraffen.

Immer wieder aufraffen. Immer weitermachen, nie zurückschauen. Vergangenheit macht schwach. Voran, voranschreiten musst du, Schritt um Schritt, auch wenn es langsam geht, einen Fuß vor den anderen, nicht stehenbleiben. Denn dann stehst du. Stehst.

Und raffen.

Immer weiter raffen, mit vollen Händen raffen. Sammeln, anhäufen, was immer glücklich macht. Was immer dir vorgaukelt, dein Glück zu sein: Raff es auf, lass nichts liegen, was zurückbleibt, geht dir verloren. Auf immer. Das wird dir fehlen. Ewig.

Waffen.

Bau dir ein Schutzschild. Verteidige dich mit Waffengewalt. Lass nichts durchgehen, sondern schieß zurück. Geschütze prallen an deinem Schutzwall ab. Lass nichts durchdringen, es bringt dich sonst um. Dein Schutz, dein strahlendes Lächeln, damit blende deine Gegner. Und dann schlag zurück.

Affen.

Sei dir sicher, jeder macht dir etwas vor. Vertrau keinem, lass dich nie fallen, sei nicht schwach. All die Affen wollen dich nur äffen. Vertrauen macht schwach. Und du willst nicht schwach sein. Nie.

Erschaffen.

Glückwunsch, deine neue Welt ist jetzt perfekt, in der es immer weiter geht, es keinen Stillstand gibt, all deine Sinne unterhält, du dir Glück erkaufst und nie mehr Schmerzen fühlst, dich kein Mensch mehr aufwühlt, und du allein regierst, du kleiner Herr über deine Gefühlswelt. Klingt gut, wie wir’s grad eben konfiguriert haben? Dann unterschreib schnell hier und hier – das ist ein Gratiskuli -, und gib dein Herz bei dem Mitarbeiter an der Kasse ab. Wir kümmern uns um die Entsorgung.

Wortstrom: Für Dich*

Da draußen öffnest du gern deine Austernschale und lässt deine innere Perle erstrahlen, oh, wie sie leuchtet, so schön, so sanft … Und doch verschließt du dich vor meinem Blick. Ich will dir deine Perle nicht rauben, nicht mal anfassen möchte ich sie, wenn du das nicht willst. Ich will sie nicht besitzen, nur, bitte! Lass sie mich sehen, ich sehne mich so sehr danach ihren warmen Glanz zu spüren. Bitte! Lass mich der Mensch sein, der sie schauen darf. Lass mich Anteil an dieser Wärme haben, die du so bereitwillig verteilst an all die anderen da draußen, und mir dabei sagst, so beiläufig und doch so ernstlich: du willst nur mich – und dich im selben Atemzug wieder vor mir verschließt, bis nur noch Dunkelheit von deinen Lippen rieselt. Ich tu ihr doch nichts, ich flehe dich an, strahle auch auf mich, lass es mich doch spüren, was deine Lippen mir sagen und deine Worte, die aber so hohl klingen, so hohl, weil du keinen Glanz hineinlegst.

Ich durfte kosten, nur ein winziges Stück, ein Zeigefingerspitzchen voll süßer Sahne hieltest du mir hin, von einem traumhaften Dessert. Vor mir, so wunderschön, perfekt nehme ich dich mit all meinen Sinnen wahr, aber du verschließt dich. Nicht einfach unter Zellophanpapier, nein! Unter einer festen Glaskuppel sitzt dein Herz und sperrt mich aus. Bewundern darf ich dich, nur niemals berühren. Wovor hast du Angst?

Siehst du nicht? Ich prostituiere mich vor dir! Ich rutsche auf Knien und lege dir mich, mein Herz, mein Leben gar zu Füßen! In Erniedrigung bettle ich doch nur um etwas Lohn, ein Stückchen Brot, das mich am Leben hält. Das Leben, das ich dir schenkte, das sich mit dir geformt, um dich herum gebogen hat. Du Auster, du glasverschlossene Köstlichkeit, erhöre mich! Ich präsentiere dir mein Herz auf einem Silbertablett, ich hab es mir selbst aus der Brust gerissen, für dich, es schlägt noch und blutet, und du siehst nicht einmal hin! Nicht einmal der blutigste Schrei entlockt dir die leiseste Reaktion.

Man sagt doch: Geben… geben und nehmen, aber mir scheint, ich gebe, gebe, gebe und du – nimmst nicht mal und gibst auch nichts. Ich bin so verzweifelt, ich bewerfe dich schon mit meiner Liebe und du weichst aus! Die Zielscheibe steht zu weit entfernt, als dass ich dich jemals treffen könnte. Du hingegen, du! Triffst mich, an jedem Tag, in jedem Augen¦blick. Du! Du könntest alles, alles von mir haben, ich biete mich dir mit Haut und Haaren, und du willst … nur … mein … Verständnis? Sag mir, was ist Liebe? Deiner Meinung nach? Kann ein Mensch hingebungsvoller sein? Ja, verdammt, das kann er!

Credits
*Für Dich – für jemanden, mit dem ich heute über Hingabe sprach. Auch wenn diesem Thema keine besonders erfreuliche Situation zugrunde liegt, gilt dieser Person ein Dankeschön für das Heraufbeschwören und, infolgedessen, dem Verworten eines lange austernperlenartig verschlossenen Gefühls. Herausgekommen ist dieser Wortstrom, den ich ebenso, wenn auch zu spät, an den Menschen richte, der nicht mehr Teil meines Lebens ist: für Dich.

Wortstrom: Kopfgeburt

Worte sind nicht einfach da. Oft genug wünscht man sich das, oft genug braucht man sie gerade jetzt – und niemand da weit und breit, der sie uns geordnet in einem gut verschnürten Bündel bis vor die Haustür liefert. Worte wachsen im Kopf. Auge, Ohr und Herz nehmen wahr, schöpfen aus der Realität. Zersplittern und fragmentieren sie, modifizierte, infizierende Wirklichkeitspartikel schießen explosionsartig ein: Inspirationsfunkeninsemination. Worte müssen erst geboren werden.

Meine Wortfruchtbarkeit ist mir zuweilen unheimlich. Aggressive Wortlust, der libidinöse Wunsch nach Gedankenreproduktion. Es gibt kein geeignetes Wortkontrazeptivum. Vielleicht zeitweise zu laute Musik, die meine Gedanken übertönt und alle Sinne betäubt. Und Zeitmangel. Abortinduzierender Zeitmangel, der unterbindet, dass der Wortstrom reift, aus dem Kopf in die Finger über die Tastatur aufs Papier fließt. Wortwehenhemmer. Embryotoxischer Textfötenvernichter, zerfetzender, austrocknender, vergessenmachender Zeitmangel: eine Texttotgeburt. Es war nicht an der Zeit, mag man nachher sagen. Und auch das: Du kannst noch so vielen weiteren Texten Leben geben, trauere dem verlorenen nicht nach. Der Gegenschrei verhallt lautlos im leeren, ausgehöhlten Raum. Es gibt kein geeignetes Wortkontrazeptivum, ich müsste blind und taub durch die Gegend laufen, und gefühllos. Partielle Lobotomie, zur Gedankensterilisation.

Ich lasse zu, dass sich im inspirationsinseminierten Kopfraum ein Wortgefüge ballt, sich teilend vereint, anwächst und nach draußen drängt. Worte müssen geboren werden, manchmal unter Schmerzen. Manches muss schmerzen, manches muss zerreißen, manches tatsächlich unter Tränen zur Welt gebracht werden, damit es ist, was es sein soll. Damit es wirkt. Schmerzhaft-sinnige, sinnschwindende Kopfgeburt. Nicht selten nie enden wollendes Wortweh – ungehemmte Wortwehen -, wachkomatöses Ausstoßen sinnentleerter Laute. Es gibt keinen Kopfkaiserschnitt, keine Chirurgenhand, die in meine geöffnete Hirnschale greift, mein hochwortschwangeres Hirn herausholt und ihm wort- und bild- und emotionsinfiziert die Flausen aus den Windungen schüttelt, damit sie textwert auf papiernem Grund landen. Ausgeschüttelt, ausgeklopft, vom Schleim zäher Gedankenfetzen befreit. Desinfiziert mit Alkohollösung. Zurück bleibt ein sauberer Denkapparat ohne Fetzen jedweder Art, ohne Dreck, ohne Schmutz. Entflaust, allerdings. Weder Rotz noch Wortströme, die mein cleanes Inneres auf Papier gebiert. Kein Fluss, nur mehr der Geschmack von trockenem, staubigem Zellstoff. Ein bedauerlicher Wunsch nach Vereinfachung und Entschmerzung einer Kopfgeburt.

Das Aus- und Aufschrei¦b¦en, so unverzichtbar und dazugehörig, wehschmerzige naturstaunende Gewalt, durch nichts zu lindern. In schweißnasser Umarmung finden sich Wellen vergessenmachender Wohligkeit, sobald ich das lichterblickende Wortgebilde in meinen Armen halte. Herzgold, aufwallende, sanft fließende Zuneigung zwischen mir und – ihm.  Stille, stumme Liebe stömt aus meinen Augen: Mein Kind.

Zusatz:
Das war in der Tat eine schwere Geburt. Als ich gestern so im Stau stand und die Diktiergerätefunktion auf meinem Schlaufon entdeckte, startete das Experiment: Wortfetzen zu Sätzen zusammenfügen und im stetigen Stop-and-go auf Band sprechen. Zu Hause abhören, sich über die eigene Stimme wundern, abtippen und letzendlich in Form bringen. Ich zweifle, ob es mir gelungen ist, es hat jedenfalls schrecklich lange gedauert und schmeckt noch viel zu kantig. Zeitraubende Teufelsbrut.

Wortstrom: Worte und ich

Im gewissen Sinne – Worte und ich – man könnte sagen, uns verbindet mehr, als uns lieb ist.

Ich lebe von Worten, im gewissen Sinne, von Worten, die nicht meine sind.
Die mich tagtäglich arg ärgern, die ich zerbröseln muss, um Sinnschwund darin zu finden.
Im gewissen Sinne bin ich Ab- und -satzaufdrösler, Wortewechsler, Synonymsucher, nur um diesen Worten, die nicht meine sind, einen Sinn zu verleihen, einen ganz gewissen, damit auch der dümmste anzunehmende User sie anwenden kann.
Ob meine Worte mit dem gewissen Sinn die besseren sind – ich weiß es nicht.
Weder meine Worte, noch meine Sprache, und ganz gewiss nicht mein Sinn, aber es hält mich am Leben, so ganz im Sinne von Nahrung, Kleidung, Finanzierung des stillen Kämmerleins, in dem die Wortschmiede steht, gemiedene Worte, die fremden, wie fremde Hemden über vertrauten, verbauten Satzgestellen, konstruiert, hingeschmiert ohne Punktkommastrich, Wortgemisch mit Informationsessenz, im gewissen Sinne anleitend, ab- und überleitend zu weiteren Konstrukten, gedruckten Wortballen am Ende, erst entwirrt, dann wieder verworren, die sowieso kein Schwanz liest, weil – man weiß es ja besser, intuitiv.

Tiefstapeln daher die Devise, fiese Kommentare, weil ich nun mal nicht reden kann, wo ich doch schreibe, mit entschuldigendem Lächeln beileibe nicht abzuschmettern.
Denn Worte, die nicht meine sind, kommen mir so schlecht über die Lippen, Klippen, an denen ich tagtäglich scheitere, mehr noch als an den fremden Hemden, von denen ich derweil schon weitere gebügelt und auf Bügelkonstrukten zu Hügeln drapiert habe, kapiert, nein, kapituliert vor gewaltigen Worten an Orten, wo Wortgewalt wehlich waltet – alliteriert sogar, weil sie’s können, die anderen, die besseren, selbst wenn sie Worte verwässern, solange sie flüssig aus deren Mundhöhle sprudeln, sich zu Rudeln formen, mich überfluten und mir jede Glut auslöschen an den Gedanken, ich sei gut in dem was ich tu …
– bereit für ein Stückchen mehr Unzufriedenheit?

Im gewissen Sinne aber lebe ich für Worte, sinnlich gewissenhaft, solange sie die meinen sind und ich sie leiten kann in solche Weiten, in die mein gesprochenes Wort nie dringen wird.
Oft unterbrochen, mittendrin, habe ich aufgegeben, sprechen können zu wollen,  klamm und wortleer mein Mund also, dafür um so wortvoller der Kopf, es tropft aus meinen Fingern, sobald ich die Tastatur berühre, selbstentführt in meine Wortwelt, in der Weltworte zu Toren werden.

Im gewissen Sinne l¦i¦ebe ich doch Worte, nur erwidern sie das manchmal nicht.

Mme Contraire „Adventswünsche“

Mesdames Candy, Bella und Anais, meine Verehrtesten –

heute war es so weit, meinem Gastbeitrag auf eurem genial-frivolen Blog wurde die Ehre zuteil, auf den Herrengedeck-Adventskalender einzustimmen. Ich danke euch von Herzen für die freundliche Einladung und damit die Chance, den einen oder anderen Leser auf meine Seite zu locken. Damit habt ihr mir meine persönlichen Adventswünsche bereits erfüllt. Ich bin schon sehr gespannt auf die folgenden Beiträge und freue mich auch von euch noch ganz viel zu lesen – ihr amüsiert und inspiriert mich gleichermaßen, davon bekomme ich nie genug.

Zimtsternige Grüße, Eure Mme Contraire

Zitat

Wenn ich mich heute einmal selbst zitieren dürfte: Folgender Beitrag stammt aus dem letzten Jahr, zum Jahresende verfasst, aber nie veröffentlicht. Zum Glück. Ich finde, im Vergleich zu dem, was ich heute so schreibe, zeigt das eine sehr positive Entwicklung in meinem Denken und Fühlen.

– Partielle Lobotomie zum Jahreswechsel gefällig, die Dame?
– Oh gern! Können Sie mir bitte einen Teil des Erinnerungsvermögens abnehmen, und dazu auch das komplette Schmerzempfinden?
– Das komplette? Madame, Sie werden nicht mehr als eine Maschine ohne Herz und Seele sein ohne Ihr Schmerzempfinden…
– Bestens. Ich wollte schon immer so sein wie alle anderen um mich herum…

Wie froh ich bin, dass Madame Contraire doch nicht, wie einst gewünscht, herz- und schmerzlos wurde! Nur um das Drumherum zu ertragen, das sie diesen Wunsch hegen ließ. Stattdessen hat sie ein bisschen ihr Drumherum und ganz viel ihr  Innendrin verändert. Jetzt muss ich sagen, herz- und schmerzvoll lebt es sich so viel besser! Intensiver! Ich bin jedes Mal so dankbar, wenn ich jetzt mein Herz sprechen lassen darf, in Worten, in Taten – es erfüllt mich mehr, so viel mehr, als mich anzupassen und nicht mal bemerkt zu werden. Wer Herz gibt, kann Schmerz bekommen. Kann aber auch Herz zurück bekommen, und – ganz ehrlich – kommt das nicht weitaus häufiger vor? Oder es fühlt sich einfach doppelt so gut an, oder der Schmerz nur halb so schlimm. Es lohnt sich, will ich damit sagen, mit seinem Innendrin und Drumherum aufzuräumen. Da kommen Schätze zum Vorschein, die man lang vergessen glaubte. Und neue werden einem zuteil. Das Herz, eine übervolle Schatzkiste. Man muss es nur öffnen wollen und sich daraus bedienen.