Ein roter Punkt im Nichts

„Ganz schön ungerecht ist die Welt“, denke ich, als ich versuche, meinen kleinen Kahn durch die hohen Wellen der schwarzen See zu manövrieren. „Ganz schön ungerecht. Immer hänge ich zu allen Tageszeiten die Laterne an den Bug, damit jeder sieht: ‚Ah, da vorne gibt’s Halt, da kann man mal anlanden und sich’s gemütlich machen.‘ Und wenn ich selbst ein wenig Land gebrauchen könnte – keine Laterne in Sicht. Sogar der große Leuchtturm hat sich umgedreht und hält sich die Augen zu. Echt, so was Ungerechtes.“

Aber der Reihe nach. Man mag sich fragen, was ich da schon wieder mache, allein draußen auf der schwarzen See. Aber bin ich dort nicht schon immer, immer wieder? Mein Leben, mein Element, das Meer. Natürlich träume ich vom Landgang, natürlich werfe ich ab und an mal den Anker, um wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren. Aber lange halte ich es da nicht aus. Warum eigentlich? Weil ich keinen festen Ankerplatz habe. Dort, wo ich mich niederlasse, fängt nach einiger Zeit alles an zu bröckeln, kleine und größere Landmassen, die das Meer verschlingt, langsam, stetig. Es zersetzt sich alles unter meinen Füßen, und so setze ich sie wieder in den Kahn, fahre weiter an der Küste entlang. Ich habe nämlich das Gefühl, dass es nur da bröckelt, wo ich gerade bin. Das muss man dem jeweiligen Ankerplatz auch nicht antun, ihn der schleichenden Zerstörung und Zersetzung anheim geben, nur weil unter meinen Füßen alles bröckelt. Ich schippere also zwischen zwei Punkten hin und her, um wenigstens ein bisschen das Gefühl von Heimat zu haben. Eine Strecke, tausendfach befahren, kann auch so etwas wie Heimat sein, bewegliche Heimat, ein Hierundort und ein Sonstnirgends.

Anstrengend wird es, wenn wieder einmal ein Sturm aufzieht. Ich kann mich nirgends festmachen und bin ihm ausgeliefert. Entweder kommt er vom Land und drängt mich von der Küste ab aufs weite Meer oder er klatscht mich gegen die Klippen, wenn er von draußen, vom kalten großen Wasser kommt. Momentan bläst er also vom Land aus, ich sitze in meinem Kahn, irgendwo da draußen zwischen Nichts und Horizont, oben graue Wolken, unten schwarze See, ringsum wassertropfengraue Nebelwand und in der Mitte ich. Die Laterne baumelt noch am Bug, die Kerze ist fast heruntergebrannt. „Ich ersetze sie erst einmal nicht, wenn sie ausgeht“, denke ich. Erst muss ich wieder zurück finden, in meine Fast-Heimat, an meine Quasi-sowas-wie-Landestelle. Es wird dort immer schwerer für mich, den Anker immer und immer wieder aus dem Wasser zu ziehen, wenn er einmal unten ist. An jedem Punkt schlingen sich sogleich die Algen um ihn, überlagert ihn der Sand, als ober er ihn mit seiner dumpfen Umarmung nie wieder loslassen will. Manchmal glaube ich, meine Arme werden das nicht mehr lange mitmachen. Länger und länger werden sie, von Muskelaufbau kaum die Rede, eine nicht wirklich gute Übung, im Gegenteil.

Gerade das könnte mein Problem sein. Ich bin oft so ermüdet von diesem Ankerlassen und Ankeraufziehen, dass ich mich nicht in der Lage fühle, ein Paddel zu nehmen und mich wieder in die Nähe des Hafens – Verzeihung, der Häfen – zu bringen. Ich fühle mich müde, ausgelaugt. Dummerweise habe ich schon wieder vergessen, ein Tau festzumachen, am Bug, dort wo eigentlich die Laterne hängt. Daran könnte ich mich wieder zurück hangeln, zurück auf meine Heimat-Heimatlosstrecke. Die Laterne bringt in der Nebelsuppe auch nichts. Vielleicht Rufen? In alle Richtungen? Vielleicht hört mich jemand und holt mich ab? Aber meine Stimme trägt nichts weiter. Nur ein bisschen Gejammere und Gewinsel, und wer reagiert schon auf sowas? Naja, dann bleibe ich eben still. Strecke mich eine Weile im Kahn aus, mein Kaputzenpulli, ein winziger roter Punkt zwischen Nichts und Horizont, zwischen grauen Wolken und schwarzer See, inmitten einer wassertropfengrauen Nebelwand. Ich lasse mich treiben. Und hoffe, hach ja! Ich hoffe tatsächlich noch, hier, inmitten vom Nichts, dass der vermaledeite Leuchtturmwärter endlich ans Telefon geht. „Von mir wird doch auch erwartet, dass ich meinen Job mache“, werfe ich noch erbost einen Gedanken über Bord in die gluckernde See. Sie lacht. Ich ziehe mir die rote Kaputze über den Kopf und schließe die Augen. Vorerst.

Mein Meer

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Klatschmohnfelder

Das Leben, dieses Leben, das wir allzugerne in all seinen Facetten beleuchten wollen, anstatt es zu leben, es lieber zerdenken und analysieren, lehrt auf ungewöhnlichen Pfaden selbst die Lernunwilligen und selbsternannten Unbelehrbaren. Wenn es an der Zeit ist, gibt es die entsprechenden und unübersehbaren Hinweise – wenn wir alles andere vorher schon übersehen und ignoriert haben, denn nur die Holzhammermethode scheint die einzig verlässliche zu sein.

Ja, dieses Leben, dieses liebe nette, das oft so freundlich daher kommt, hat so manche Klatsche in petto, wenn wir seine kleinen Botschaften zwischen den Zeilen überlesen – was leider viel zu häufig vorkommt, sind wir doch damit beschäftigt, nur das zu interpretieren, was uns lautstark ins Auge sticht, anstatt einmal dazwischenzufühlen, was es uns sagen will  mit all seinen großen und kleinen Nettigkeiten.

Je mehr wir uns daran festhalten, daran herumzerren, um es in eine Form zu zwingen, die uns zusagt, desto mehr scheint es sich zu sträuben, biestiges Leben, aber wir fühlen nun mal nicht hinein, wir blicken nur darauf und wollen dies und jenes, diese Ecke, jene Kante geglättet und transformiert haben, natürliche Läufe einebnen und begradigen, anstatt entspannt zu verfolgen, wie es sich von selbst entwickelt, pulsiert und immer neue schöne Dinge hervorbringt – das könnte ja gefährlich sein, wenn man nicht kontrollieren kann, wo es uns denn genau hinbringt, das pulsierende Leben, das da frech und unkontrolliert durch einen durch mäandert und einem die Eingeweide durcheinander bringt.

Und plötzlich klatscht es, haut das Leben einem eine runter, voll vor den Bug und auf die Zwölf, dass man nicht mehr weiß, wo oben und unten, man taumelt nur noch durch den Tag, an dem man sich nirgends festhalten kann, es rückt sich selbst aus der Mitte und schaut dabei zu, wie man zuschaut, am Rande steht und zuschauen muss, wie es sich davon macht. Wenn man dann endlich begreift, dass all das Schauen und Denken und Analysieren damit sinnlos wird, dann hat man vielleicht Glück und entdeckt eine neue Dimension, entdeckt, dass man auch fühlen kann, wenn Auge, Ohr und Verstand versagt haben beim Begreifenwollen. Greift man dann blindtaub mit dem Herzen nach dem Leben, möglicherweise braucht es dazu noch etwas Übung, denn wer packt schon gewöhnlich mit dem Herzen zu, ohne vorher zu sehen, nach was man da packt, dann ergeben sich vielleicht sogar ganz neue Dinge, formen sich nie gedachte Landschaften in einem drin.

Nun streif mal mit dem Herzen über deine innere Landschaft, was fühlst du da? Da sind Krater, wo du nie welche vermutet hast, und Berge, Berge, Täler, Flüsse – reiche Ströme ungeahnter Kraft. Und natürlich Klatschmohnfelder. Da sind auch Menschen, die diese Landschaft besiedeln, den Boden bestellen und säen, versorgen und ernten, Gaben, die so erfüllend und schön sind wie ein Lächeln. Und da sind andere, die deine Herzensacker brandroden und das Erdreich vergiften mit Worten und Taten. Warum hast du das nicht längst erkannt, dass sie deinen Boden und das Klima kaputt machen? Weil du es nicht glauben konntest? Wolltest?

Du musst handeln. Du musst ihnen das Land wieder wegnehmen, das du ihnen einmal geschenkt hast. Wie soll das gehen? Ich weiß es nicht, aber es muss geschehen, bevor sie alles in dir zunichte machen, das darfst du nicht zulassen. Du musst ihnen die geschundenen Felder unter den Füßen wegziehen, auch wenn sie dann hinfallen und sich womöglich weh tun. Du stellst dir entvölkerte Landstriche vor, in deren Verwüstung nie wieder etwas wachsen wird. Aber bestimmt erholt sich die Natur, ganz bestimmt wirst du bald wieder neue Bewohner zulassen können, die hoffentlich pfleglicher mit ihrem geschenkten Herzboden umgehen und ihn wieder zum Erblühen bringen. Du musst darauf vertrauen. Das Leben weiß schon, was es tut, und es klatschmohnt, so oder so, nicht ohne Grund.

„Spieglein, Spieglein … oh. Kaputt.“

Der Spiegelbildeffekt: Menschen halten anderen genau das vor, was sie an sich selbst am meisten stört. Mir ist in der letzten Zeit recht Unangenehmes begegnet – unangenehm, das ist meine eigene, contrairsche Definition der momentanen Situation, jeder andere mag damit weniger Probleme haben und besser damit umgehen können als ich. Jedenfalls fühlt es sich für mich an, als hätte ich einen Spiegel um den Hals hängen, in den meine Mitmenschen hineinblicken und sich ob des Gesehenen empören. Da ist die junge Dame, die mich anherrscht, ich bräuchte sie wohl kaum derart anzuherrschen, obwohl ich die Stimme nicht einmal erhoben habe. Da ist eine andere, nun ja, Dame, die mir zu verstehen gibt: Sollte ich weiterhin in diesem Ton mit meinem Umfeld sprechen, hätte ich bald kein Umfeld mehr, das sich gerne mit mir abgibt. Da ist zum dritten, wer hätte es geahnt, noch eine weibliche Person, die mir Veräumnis und möglicherweise ein freches Mundwerk bescheinigt – mit einem ebensolchen Ton am Leibe und ganz offensichtlich Watte in den Ohren, die den Informationsfluss deutlich hindert und mindert. Spiegel¦bild¦defekt?

Überhaupt lerne ich langsam verstehen, weshalb ein Sündebock für alles, was nicht rund läuft, eine formidable Sache ist, solange man es nicht selbst ist. Glücklicherweise ist mein näheres Umfeld (oh ja, das gibt es noch) bereit, sich fast täglich meine derzeitigen Sorgen anzuhören und mir den Rücken zu stärken. Oder so ähnlich. Zumindest weiß ich, dass sie es wollen, auch wenn es als wohlgemeinte Ratschläge verpackt ist. Das Nicht-mit-sich-machen-lassen ist so eine Sache, genau so wie das Mal-auf-den-Tisch-hauen. Nie praktiziert, bin ich darin natürlich etwas ungeübter als andere und lasse mich dann gerne verunsichern, wenn wieder einmal mein Ton kritisiert wird, den ich an mir haben soll. Dann blicke ich verstohlen an mir herab und suche ihn, diesen Ton, der andere so stört, der an mir hängt wie die berühmte Bahn Toilettenpapier, die ich versehentlich irgendwo abgekriegt haben muss. Ich stelle mir vor, mein Ton ist eine blecherne Fahrradtröte, mit einem roten Gummiball, die mir irgendwo unerreichbar an der Kleidung angenäht wurde, und die jedes Mal ertönt – „Möööp!“ – wenn ich mich irgendwie bewege und an etwas stoße. „Möööp, möööp!“ – „Verzeihung! Mein Ton schon wieder! Wenn ich den zu fassen kriege …“

Ich vermute, dieser Spiegel, den ich da um den Hals hängen habe, wirft nicht nur Licht und Abbild zurück, sondern potenziert auch die Laustärke, mit der man ihn anspricht. Sprechen, auch so eine Definitionssache. Die Kommunikationswege haben sich in unserer Zeit vervielfältigt, und nie fiel es so leicht, einen anderen Menschen offen zu beleidigen, als über die sogenannten modernen Medien – altbekanntes Problem. Ein Zerrbild unserer Wirklichkeit, ein stummes Sich-Anschreien, bei dem man tatsächlich nicht mehr als das Klackern der Tasten vernimmt – und da bescheinigt man mir wiederum einen Ton, den ich doch gar nicht von mir gegeben habe? Die Enter-Taste vielleicht ein wenig zu heftig betätigt, das könnte es gewesen sein. Seither schweigen die Tastentöne konsequent.

Das berühmte dicke Fell, ich habe es noch nirgends auffinden können, vermute aber, dass es einen hohen Preis hat. Möchte ich mir so etwas überhaupt zulegen? Nicht, solange es Menschen gibt, die mir gerne zuhören und mich trösten können. Ja, Trost und Zuspruch sind, wenn auch zeitverzögert, mein dickes Fell, mein geteiltes und daher halbes Leid. Leider leidet mein Herz darunter, ich habe es an anderer Stelle bereits erwähnt. Ein Gefühl, als hänge einem ein Schaufelradbagger am Herzgewebe und grübe sich immer tiefer hinein. Konsequenzen sind, im Kopf zumindest, bereits abgesteckt, es gilt noch eine kleine Weile durchzuhalten, bis diverse Dinge erledigt sind und sich nachher wieder alle auf die breiten Schultern klopfen, die ja ach-so-viel getragen haben. Was ich in meinem Herzen trage, das trage ich nicht nach außen.

Und so spiele ich eben den Spiegel, sündenbocke ein wenig vor mich hin. Wenn die Contenance fast bis zum Zerreißen gespannt ist, hilft mir Freundlichkeit durch den Tag. „Verlogenheit“ bezeichnen die Spiegelnutzer das hinter vorgehaltener Hand. Aber auch nur, weil sie’s ärgert. Und weil ihre eigene Freundlichkeit womöglich gelogen ist – der Spiegelbildeffekt, vermutlich wieder. In meinem Kopf zitiere ich die bösen Stiefmütter und Stiefschwestern dieser Welt: „Spieglein, Spieglein der ollen Contraire, warum ist die so, wie ich gern wär‘?“ Welch schöne Mär. Madame strafft ihre Schultern und legt ein Lächeln auf. Aus dem Spiegelmeer lächelt es zurück.

[…]

Denk¦pause

Ist es schon zu viel gedacht, wenn man denkt, man denke zu wenig?

Und zwar denke man womöglich zu wenig an andere, obwohl man ständig an andere denkt, weil man selbst denkt, man denke nicht oft genug an sie – die denken ja bestimmt, man denke nicht an sie -, weil man diesem Denken keinen kommunikativen Ausdruck verleiht. Du denkst nur an dich, denke ich dann. Und die bestimmt auch.

Mal nicht denken. Nicht denken müssen. Weil alles einfach so läuft, wie es läuft, ohne dass man versucht, mit Gedanken eine Sache in eine bestimmte Richtung zu lenken. In eine Richtung zu denken – Szenarien, die so oft beim Versuch, sie weiter und weiter zu denken, in einer Sackgasse landen. In einem dichten dunklen Sack, in dem die ganze Masse von hineingedachten Gedanken bis zur Unkenntlichkeit verwirbelt. Wenn ich da hineinsehe, in gleißend helle und nachtschwarze, ineinander gedrehte und verwirrte Gedankenstränge, wird mir ganz schwindelig.

Aber ich denke ja schon wieder.

The Post-London Diaries of Little Miss Contrary II

Where is the Power Animal when you need it?

Angefixt, voller Begeisterung und, wie immer, mit einer viel zu großen Klappe verbrachte ich den Abend vor meinem Abflug mit dem Ausdrucken und Ausschneiden meines, unseres Spanky, der sich selbst bewarb mit dem Slogan Spank Against The Fake! German Waschbärpower. Überall, wo mir spankenswerte Unzulänglichkeiten auf der Insel begegneten, gelobte ich, wolle ich eine Spankykarte anheften und fotodokumentieren. Mein Hasenherz hatte sich bis dato noch nicht zu Wort gemeldet, wahrscheinlich schlief es noch unter den begeisterungsaufgeheizten contrairschen Schwingen meiner Reiselust.

Ich könnte nun argumentieren, dass mich all die Sinneseindrücke dieser wahrlich bemerkenswerten Stadt so sehr in ihren Bann gezogen hatten, dass ich nicht in der Lage war, auch nur einen Moment an Spanky zu denken – ja nicht mal zum Fotografieren sei ich gekommen! So eine Speicherkarte ist schneller vernichtet, als man glauben mag.

Im Flugzeug bekam Spanky zum Aufwärmen einen Platz neben den verteilten englischen Keksen und am hochgeklappten Tischchen, in London selbst wagte ich nur mehr, ihn auf den Toiletten des Landes zu verteilen – wahrscheinlich motiviert von den Gesprächen junger Frauen über die „Sinnlosigkeit des Studienfachs BWL“ und der Notwendigkeit, sich hochzuarbeiten, um eines Tages in der Lage zu sein, First Class fliegen zu dürfen – oder mindestens Business Class, denn in der Holzklasse bei all den gewöhnlichen Economy-Touristen, also bitte, dafür habe man ja nun nicht studiert und ein Praktikum nach dem anderen absolviert! Letztendlich fand Spanky noch einmal Anwendung, als ich in einer Kaffeehauskette einen Milchkaffee orderte und mich die sofortige Erkenntnis mit unumstößlicher Gewissheit nach dem ersten Schluck ereilte: Sonnenklar, weshalb dies ein Volk von Teetrinkern ist. Alles in allem eine sehr unbefriedigend verlaufene Kampagne.

Der letzte Abend gestaltete sich unterhaltsam, ein Musicalbesuch stand natürlich auch auf dem Programm. Das Geburtstagsgeschenk für meine werte Mitreisende, der ich die Bedeutung von Spanky nicht hatte erläutern können, ohne dass meine Tarnung, sprich: die Tatsache, dass ich hier als Madame Contraire bloggend mein Unwesen treibe, aufgeflogen wäre. Wer mich in Hamburg kennengelernt hat, weiß, dass ich das meinem Umfeld momentan lieber vorenthalte, sonst wäre ich nicht mehr in der Lage, so frei zu schreiben, wie ich es tue. Jedenfalls endete die Darbietung damit, dass die Zuschauer begeistert von ihren Sitzen sprangen, lauthals mitsangen und anschließend einer Ansprache lauschen durften, in der auf den Breast Cancer Awareness Month – Oktober – eingegangen wurde. Um Unterstützung für den Kampf gegen diese schreckliche Krankheit wurde gebeten, für 20 Pfund könne man ein T-Shirt erwerben, dessen Erlös zur Gänze die Forschung unterstütze. Oder an den Ausgängen das eine oder andere Pfund in ein Eimerchen rollen lassen. Money bucket challenge. Und was ging nun Madame im Kopf herum, als sie sich am Ausgang herumdrückte, die Abendbegleitung schon an ihrer Hand zerrte, ob man nun nicht endlich nach Hause wolle?

Excuse me, Miss … May I introduce this little fellow to you? His name is Spanky, he is a German … was heißt jetzt Waschbär auf Englisch, verflixt … a German power animal. I found your speech so very moving, and the first thought I had when you reported on male and female breast cancer was that people suffering from this terrible disease would need a power animal just like Spanky to … recover their strength and move on and fight …

Aber mein persönliches Krafttier war nicht da an diesem Abend. Hätte man mich belächelt? Hätte man sich statt meines Gestammels lieber ein paar zusätzliche Pfund  im Eimer gewünscht? Was sind Worte, wenn Geld eine viel mächtigere Sprache spricht. Ich war trotzdem sehr enttäuscht von mir, dass ich es nicht gewagt hatte, wenn ich schon nur ein paar wenige Münzen gespendet hatte, wenigstens Solidarität zu beweisen. Das wäre Spankys großer Auftritt gewesen, und ich habe ihn vermasselt. Schlafen konnte ich jetzt noch nicht, und daher beschloss ich, meine Gedanken abzuladen und etwas gegen mein mieses Gewissen zu tun: ich bat Mo Beumers, aus dessen Feder Spanky stammt, ein Krafttier zu entwerfen, das sich mit einer rosafarbenen Schleife solidarisch im Kampf gegen den Brustkrebs präsentiert. An dieser Stelle hat er die Idee bereits vorgetragen. Manny, so der Name des kleinen Kerlchens mit der großen Mission (bei der Namensfindung stand wiederum die hochgeschätzte Frau Knobloch Patin), möchte ich einen eigenen Eintrag widmen, sobald er mir zur Verfügung steht. Und dann darf Manny mit geballter Waschbärpower überall dort spielen gehen, wo er gewollt und gebraucht wird. Was das bringen soll? Ich weiß es nicht. Die eigene Beruhigung? Halbherziges Ich-tu-halt-mal-was? Vielleicht aber auch eine weitere Möglichkeit, ein größeres Bewusstsein zu schaffen für all das Schreckliche, das uns in unserem westlichen komfortablen weichgespülten Leben begegnet, und dagegen anzukämpfen. Noch ist Oktober, Breast Cancer Awareness Month. Oder machen wir ein Jahr draus. Unerheblich. Cancer never sleeps.

Schlafen konnte ich nach dieser Nachricht allerdings auch nicht. All die Worte, die ich nicht ausgesprochen hatte, rauschten noch lange in meinem Kopf.


Yes, I might have an idea what it means to …
My aunt died years ago of breast cancer, she left two young kids. Her parents never recovered.
My best friend’s sister died in 2011, it was horrible.
She left her twin babies behind.
My friend has kids on her own now and every single day she fears she might suffer the same.
She needs to grow confident again, as she was before all that happened.That nearly broke her. Not to mention her parents.
I know how it feels to lose someone dear to this illness.
My grandmother fell ill after losing her husband.
She was always a proud woman, headstrong and bold and loving.
When she died, she was a small and broken one, no more a lady as she used to be, the obvious signs of her womanhood removed, an empty shell, suffering pain until she took her last breath.
Just to ment
ion a few.
Yes, this is sounds dramatic. Excuse me for bothering you. Here, your 20 pounds. Keep the shirt, it won’t fit anyway.

Wunder gibt es immer wieder …

… sei es, dass mich die Telekom nach jahrelang anhaltenden Ärgernissen dieser Tage so positiv überrascht hat, dass ich zweifelnd zum Kalender griff, um auszuschließen, dass es sich um einen Aprilscherz handelt. Oder sei’s, dass Madame endlich den Mut aufgebracht hat, sich wieder in ihrem Vorgärtchen blicken zu lassen. Zeit ist leider immer noch der entscheidende Faktor dafür, dass es hier sehr vereinsamt und verwildert ist. Mein heißgeliebter Job hat mich die letzten Monate sehr gefordert, ich habe Dummheiten begangen wie am Feiertag ein paar Stündchen arbeiten, im Urlaub nur schnell noch dies und das erledigen … Es pressierte schließlich, ein wichtiger Auftrag hing von der pünktlichen Abgabe ab und ich mache ja nichts lieber, als meinem Chef den Hintern zu retten…

Freitag, 17 Uhr 05: Madame schickt die letzten bearbeiteten Dateien weg.
Montag, 08 Uhr 15: Aus dem Postfach grinst mir eine Benachrichtigung entgegen, die mich wiederum dazu brachte, das Datum anhand des Kalenders zu prüfen. „Äh, das waren doch die Dateien, die wir gar nicht mehr brauchen, weil der Auftrag nicht zustande kommt?“ Vor meinem geistigen Auge rieselten die am Schreibtisch verbrachten Stunden zu einem Häuflein Staub zusammen. Die enttäuschten Gesichter von Familie und Freunden, wenn ich mal wieder nicht dabei sein konnte. James, der mich in der letzten Zeit zum Aston Martin tragen musste, weil ich zuvor schon längst mit dem Kopf auf der Tischplatte eingeschlafen war.

Nun denn, was soll’s, sowas passiert, sowas wird immer wieder passieren. A propos wiederkehrender Mist: Da glaubt Madame, sie habe endlich so etwas wie Frieden gefunden, ein Plätzchen zum Sein und Träumen, ein bisschen ausspannen noch, bevor das Leben in all seiner Schnelligkeit und Launenhaftigkeit wieder voll zuschlägt – und schon hagelt es Kritik von mehreren Seiten. Am Ende des Tages fragte ich mich: Bin ich wirklich ein so schrecklicher Mensch? Bin ich wirklich blind, falle ich tatsächlich in alte Muster zurück, obwohl es mir doch so gut geht und ich endlich, endlich in der Lage bin, mein Leben zu genießen? Anscheinend schon. Anscheinend bin ich nie und niemandem gut genug, am wenigsten mir selbst. Und leider, auch wenn sich Madame Contenance den stimmigen und durchaus zutreffenden Teil der Kritik zu Herzen genommen hat, leider ist da noch die kleine rebellische Contraire, die am liebsten genau jetzt ihre Koffer packen und der ganzen Bagage den Rücken kehren möchte, auf dass sie sehen mögen, was sie angerichtet haben. Mach ich natürlich nicht. Aber den Kritikern zukünftig die Füße küssen, den Nörglern eine Puderzuckeranwendung verabreichen, ich weiß nicht, ob ich das kann.

Ist es Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit, andere so sein zu lassen, wie sie sind? Ist es verwerflich, sich in jemanden hineinversetzen zu können und zu sagen: Ich verstehe dich? Ist es einfach nur idiotisch, jemandem in einer schwierigen Situation Zeit zu gewähren? Mein Verstand sagt mir: du funktionierst nicht richtig, du bist nicht auf dem Weg, auf dem andere dich gern sähen. Mein Gefühl sagt: es ist nicht gerecht.

We’ll love you just the way you are if you’re perfect …

 

Ein Jahr danach

Ein Jahr danach geht es mir gut. Nein, das ist falsch ausgedrückt. Ein Jahr danach geht es mir so gut, wie ich es nicht zu hoffen wagte. Ich wusste, es würde mir gut gehen – es begann schon unmittelbar, nachdem es passierte, als die vier magischen Worte aus mir herausbrachen, dich und mich zerbrachen, obwohl wir doch schon so lange Zeit zuvor aneinander zerbrochen waren. Ich wusste also, ich würde meine eigenen Ziele jetzt endlich verfolgen und sie sogar erreichen. Aber ich wusste nicht, dass es so schnell gehen kann, sich wieder aufzurichen, nachdem man aus großer Höhe in den Staub gefallen ist. Aber so hoch war die Höhe offensichtlich nicht.

Du fragst, wie es mir geht, nach einem Jahr, versuchst die Finger in eine Wunde zu legen, die es nicht mehr gibt. Du wünschst mir nur das Beste, sagst du, und trittst nach: Hoffentlich lernst du erst einmal ein paar Idioten kennen… Seltsam. Das habe ich dir nie gewünscht. Habe gehofft, du findest jemand, der dich vergessen macht, was du verloren hast. Ich würde dir gern weh tun, einfach deshalb, weil du nicht loslassen und mich in Ruhe lassen kannst. Weil du mich immer noch versuchst, runterzuziehen. Aber was würde das bringen? Deine Scheuklappen sind angewachsen, deine Ohrstöpsel, die ich nächtens so gehasst habe, weil du nicht gehört hast, wie ich im Schlaf geweint habe um uns, sind eins mit dir geworden: Nichts sehen, nichts hören, was man nicht wahrhaben will.

Aber ich habe auch keine Lust mehr, mich damit zu belasten, mit deinen Anbiederungsversuchen, deinen Fehlinterpretationen und deinen kleinen Gemeinheiten, die du  dazwischenstreust. „Ich wünsche dir nur das Beste“ – Ach, behalt‘ es doch und hör auf mich zu nerven. Ich steige nämlich aus diesem Irrenkarussell aus, das du mit jeder Nachricht immer noch eine Runde weiter drehst. Ich gehe lieber geradeaus. Die Erkenntnis, dass ich ohne dich so viel mehr bin, ist bitter, aber nicht zu leugnen. Auch wenn das nicht durch Scheuklappen und Watte hindurchdringt – mir reicht vollkommen, dass ich es weiß.

Fear the Reaper

Sensefrau mit Elefantenfüßen sucht
Opfermann mit zerstörungsbereitem Herzen.

Vielleicht hätte ich mal so eine Kontaktanzeige schalten sollen, um klarzustellen, dass mit mir nicht ausschließlich gut Kirschen essen ist. Brav war offensichtlich gestern. Wenn ich auf die vergangenen zwölf Monate zurück blicke, sehe ich eine Spur der Verwüstung, eine breite Bresche, geschlagen mit mittelscharfer Sense, übersät mit zertrampelten Gefühlen. Zumindest vermitteln mir manche Menschen diesen Eindruck.

Ich habe gehofft, dass ich mein Erlebtes ohne große Auswirkungen auf meine Umwelt verarbeiten kann. Anscheinend funktioniert das aber so nicht. Auge um Auge, Schmerz um Schmerz? Oder man interpretiert mich ständig falsch, vielleicht weil ich leicht zu begeistern (und schwer zu beeindrucken) bin und meine Physiognomie kaum kontrollieren kann, sprich: ich lächle sehr viel und sehr breit und dennoch sphingenhaft. Was mir schon alles in mein Lächeln hineininterpretiert worden ist! „Aber bitte, fass mir ruhig an den Hintern, auch wenn wir uns eben erst kennengelernt haben! Ich steh total auf plumpe Anmache.“ – „Natürlich schlafe ich mit dir, denn eigentlich weiß ich gar nicht, warum ich mich von dir getrennt habe und wieso es mir damit jetzt um ein Vielfaches besser geht.“ – „Ach was, Kinder! So ein Kinderwunsch, der lässt sich ganz fix wegwünschen, keine Sorge.“

Bin ich wirklich selbst schuld? Setze ich die falschen Signale? Ist es verwerflich, einen Weg einzuschlagen und sich dann umzuentscheiden? Woher soll ich denn wissen, was ich will, wenn ich nicht weiß, was es gibt? Ich sehe die vergangenen zwölf Monate als eine notwendige Zeit der Selbstfindung und des Experimentierens an – die Zeit, die mir in der Jugend vollkommen abging. Das war eben so. Mit mir wurde schließlich auch experimentiert, mein Herz wurde ebenfalls in den Staub getreten, meine Seele verbogen, meine Persönlichkeit niedergesenst. Und das war tatsächlich zum großen Teil meine eigenen Schuld. Wir geben offensichtlich die Erfahrungen weiter, die wir selbst gemacht haben.

Und nun, was bleibt noch zu sagen? „Sorry, ne? Ich habe doch üben müssen. Fühlt euch frei mich dafür zu hassen. Aber kommt bitte klar mit euch selbst.“ Hart, irgendwie. Gar nicht meine Art. Oder vielleicht doch? Ich fühle mich mittlerweile angekommen, so ganz und gar, und das macht mich sehr glücklich. Ich habe wirklich nicht mehr daran geglaubt, dass mir dieses, genau dieses momentane Gefühlsglück einmal zuteil werden würde, dem ich jahrelang nachgelaufen bin. Man darf aufatmen; mein Weg ist bis auf weiteres fokussiert und kanalisiert, ich werde nicht mehr senseschwingend nach allen Seiten laufen und weitere Gefühle zertrampeln. Und wenn doch, dann habe ich zuvor die Sense geschärft, den Schwung geübt und leichte Schuhe angezogen – damit es nicht mehr ganz so weh tut, wenn ich mein Unwesen treibe – buhu! Drückt mir trotzdem lieber die Daumen, dass James mich nie wieder aus seinem Aston Martin aussteigen lässt. Sicher ist sicher.

Happiness, redefined.

Wortstrom: Anfangs¦ende

Jedes Mal ein letztes Mal. Ein Anfang ohne Ende.

„Wie geht’s? Wollen wir reden?“ – „Na gut“
Und alles, was ich höre, ist: „Ich“. Ich, ich ich.

Du fragst nicht. Du redest. Schaffst absurde Welten mit deinen Worten. Und willst die Wirklichkeit mit deinem Schweigen töten.

„Warum bist du so angepisst?“ – „Na hör mal…“
Und alles, was du sagst, ist: „Weil.“ Weil, weil, weil.

Du hörst nicht zu. Du rechtfertigst dich. In Dauerschleife. Und du erkennst es nicht. Dass die Dämonen, die mich quälen, nur ein einziger sind.

„Mir fällt das hier nicht leicht.“ – „Dito.“
Und alles, was du denkst, ist: „Hätte“. Hätte, hätte, hätte.

Hättest du mal gefragt. Mal zugehört. Nicht totgeschwiegen. Nicht „hätte ich“ oder „hätten wir“. Du.

„Was ist damit?“ – „Nein.“
Und alles, was ich je sagen wollen sollte, ist: „Nein.“ Nein, nein, nein.

Es reicht. Hier endet es. Nicht „ich“, nicht „weil“, nicht „hätte“ und schon gar nicht wir. Sondern „nein“. Zum Ersten und zum Letzten.

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Ein Brief

Liebe Waschfrau,

ja, ich weiß, unsere Treffen sind schon lange vorbei. Ich habe mein Seminar erfolgreich abgeschlossen, das haben wir beide so gesehen, uns gegenseitig verbal auf die Schulter geklopft, und ich bin pfeifend aus Ihren Räumlichkeiten gehüpft, Ihr Lächeln als mein virtuelles Diplom in der Tasche. Es gibt auch keine akute Gefährdung meiner erwobenen Erkenntnisse – mir geht es gut mit der erfolgten Wäschebergentsorgung. Alles weitere, was erforderlich ist, läuft. Manchmal stockend, aber ich kriege es hin, zu handeln und mich zu wehren, wenn jemand gar zu frech wird.

Manchmal aber wünsche ich mir Ihr kompetentes Ohr zurück. Ein paar Anstöße, wenn ich mal wieder nicht so recht weiß, ob ich das alles richtig handhabe. Natürlich kann ich mittlerweile ein Wäscheschildchen lesen und für mich interpretieren. Ich habe alles, was ich brauche, zur Hand: Waschmittel für Helles und Dunkles, Weichspüler, sparsam zu dosieren, ich habe sogar Fleckensalz, Waschmaschinenenkalker und einen prima Wäscheständer. Es läuft, und zwar recht rund, so pro Waschgang, darf ich behaupten.

Warum also? Was ist mein Problem? Ich scheine nicht loslassen zu können. Das würde man, wollte man es objektiv beurteilen, so beschreiben. Ich hänge offensichtlich noch am Ex-Wäscheberg, den ich eigenhändig entsorgt habe, und kann nicht loslassen. Warum sonst warte ich auf E-Mails, Anrufe und gar Spontanbesuche, die ich schon am Klingeln erkenne? Der Plan war ein ganz anderer. ich wollte nichts mehr hören und sehen. Nichts von ihm, auch nicht von all dem, was noch dran hängt. Aber das ist mir nicht gegönnt. Mein Ex-Wäscheberg sucht meine Nähe, wohlwissend, dass es natürlich aus und vorbei mit uns ist, allerdings auch ohne Ambitionen, an diesem Zustand etwas zu ändern. Nun bin ich aber noch immer seine Vertraute. Wir besprechen Dinge, da könnte man glatt glauben, wir seien die besten Freunde. Wir tauschen Waschtipps aus, er erzählt mir von seinem neuen Kleiderschrank, den er bald bezieht, und tatsächlich sprechen wir über Dates und Flirt(miss)erfolge. Grotesk, echt.

Soll ich mal in mich hineinhorchen, liebe Waschfrau? Was sagt mein Innerstes? Das sagt nichts, es schreit: Lass mich doch endlich in Ruhe! Hass mich doch, bittebitte, wenigstens ein kleines bisschen! Dafür, dass ich dich ausgesetzt habe! Und stell mich nicht weiterhin auf einen Sockel und versuche nicht gleichzeitig mich kleinzumachen mit deinen wohlgemeinten Ratschlägen! Aua! Ja, so in etwa klingt das in meinem Innersten. Wie kann ich mit einer Sache abschließen, die noch ständig um mich herumschwirrt? Ich hatte so schön ausgemistet. Aufgeräumt. Renoviert gar, alles gut, alles neu. Und da hängt er an mir, dieser impertinente Wäscheberg. Wie diese langen weißen Katzenhaare, kennen Sie das? Keine Kleiderbürste, kein Wäschetrockner dieser Welt kriegt die vollends weg. Widerhakige, kleine Biester.

Ich habe mein Umfeld damit schon genervt. Die sagen mir alle, ich soll das endlich sein lassen, mich nur noch um mich kümmern und Abstand halten und den auch einfordern. Und doch nehme ich immer wieder den Hörer ab, lese die Nachrichten, bleibe freundlich. Ich versuchte sogar mal die andere Taktik, verletzend sein, vor den Kopf stoßen. Das klappte, aber nicht mit dem gewünschten Ergebnis. Diese Katzenhaare, zu hartnäckig. Was nun, wenn ich jemand anderes, neues in mein Leben lasse, der gegen Katzenhaare allergisch ist? Eine Zeit lang mag man das noch tolerieren, aber irgendwann … „Entweder die Haare oder ich“, mir klingt das quasi schon im Ohr, und diese Entscheidung … ist eigentlich eine ganz leichte. Eigentlich. Vielleicht sollte ich meinem Gewissen mal in den Allerwertesten treten, dass es mir – zu Unrecht – vorgaukelt, ich hätte immer noch  was gutzumachen. Man stelle sich mal vor, der Ex-Wäscheberg fände in absehbarer Zeit eine neue Bleibe, einen neuen Schrank und eine neue Waschmaschine, die sich mit gewünschter Hingabe um ihn kümmert. Bliebe ich da nicht endlich links liegen? Die Ex- und die Neuwaschmaschinen sind nämlich zumeist völlig inkompatibel und kaum im selben Raum zu halten, weiß Fräulein Erfahrung, zum heutigen Zeitpunkt um einige Falten und graue Haare reicher. Fragte dann noch jemand nach mir?

Ja, liebe Waschfrau, so geht es mir zur Zeit. Im Grunde gut, die üblichen Zweifel, nichts, was mich allerdings verzweifeln ließe. Eine Antwort werde ich nicht bekommen, denke ich mal. Eigentlich schreibe ich Ihnen auch nur, um mich abzulenken. Von anderen Briefen, die geschrieben gehören, zu denen ich mich aber auch nicht überwinden kann. Verdrängen und vermeiden, aber das gehört auch der Vergangenheit an. Wir beide wissen, nicht wahr, wie befreiend ein Brief sein kann. Und deshalb gehe ich das jetzt an. Jawoll. Und wenn ich damit fertig bin, dann folgen vielleicht noch weitere Briefe. Um Dinge endlich abzuschließen, Dinge endlich anzusprechen. Sich von den Worten befreien, die einem schon die ganzen Zeit Herz und Hirn blockieren. Rausschreiben. Freischreiben. Deshalb.

Liebe Waschfrau: danke. Für alles. Vielleicht sogar fürs Lesen, man weiß ja nie, ob und wo man sich ein zweites Mal im Leben begegnet.