Denk¦pause

Ist es schon zu viel gedacht, wenn man denkt, man denke zu wenig?

Und zwar denke man womöglich zu wenig an andere, obwohl man ständig an andere denkt, weil man selbst denkt, man denke nicht oft genug an sie – die denken ja bestimmt, man denke nicht an sie -, weil man diesem Denken keinen kommunikativen Ausdruck verleiht. Du denkst nur an dich, denke ich dann. Und die bestimmt auch.

Mal nicht denken. Nicht denken müssen. Weil alles einfach so läuft, wie es läuft, ohne dass man versucht, mit Gedanken eine Sache in eine bestimmte Richtung zu lenken. In eine Richtung zu denken – Szenarien, die so oft beim Versuch, sie weiter und weiter zu denken, in einer Sackgasse landen. In einem dichten dunklen Sack, in dem die ganze Masse von hineingedachten Gedanken bis zur Unkenntlichkeit verwirbelt. Wenn ich da hineinsehe, in gleißend helle und nachtschwarze, ineinander gedrehte und verwirrte Gedankenstränge, wird mir ganz schwindelig.

Aber ich denke ja schon wieder.

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Manny: Kämpfer, Krafttier, Schleifenträger

Pünktlich zum Wochenende wurde mir, wurde uns die Ehre zuteil, der Leserschaft ein neues Krafttier vorzustellen: Manny, benamt von Frau Knobloch, entworfen von Mo Beumers, erbeten von Madame. Ein kleiner Waschbär mit einer großen Aufgabe, nämlich für den Kampf gegen Brustkrebs einzustehen und das Bewusstsein hierfür zu fördern – und zu fordern.

Waschbärstarkes Bewusstsein

 

Verschiedene Fragen mögen sich ergeben, was Madame sich nun genau vorstellt. Ich versuche es mal:

Wie soll Manny eingesetzt werden?
Mir persönlich gefiele es, wenn jeder, der sich mit Manny identifizieren kann, ihn auf seiner Seite verlinkt und gerne ein oder zwei Worte zum Thema Brustkrebs verliert. Wenn gewünscht. Sich wortlos solidarisch zeigen ist in meinen Augen aber genau so wertvoll und wünschenswert.

Warum?
Siehe Mannys Aufgabe. Mir, uns liegt daran, das Bewusstsein für diese Erkrankung zu fördern und zu fordern. Solidarität für Betroffene, Angehörige, Freunde zu bekunden. Das Bewusstsein dafür zu wecken, dass wir eine Verantwortung haben. Für uns selbst und für andere.

Und sonst?
Wenn ich schon am Fordern bin – und das habe ich in den letzten Tagen oft getan – dann möchte ich gerne noch dieses loswerden: Greift zum Telefon, macht einen Vorsorgetermin aus, besser heute noch als morgen – auch Ihr, liebe Jungs! Die Untersuchung dauert nicht lange, und durch eine Früherkennung stehen die Chancen einer vollständigen Heilung gut. Gerade bei einer familiären Vorbelastung ist es wichtig, regelmäßige Untersuchungen durchführen zu lassen, auch schon vor 30. Die Ärzte haben dafür im allgemeinen großes Verständnis. Mein Termin ist am 31.10. um 10:30 Uhr.

The Post-London Diaries of Little Miss Contrary II

Where is the Power Animal when you need it?

Angefixt, voller Begeisterung und, wie immer, mit einer viel zu großen Klappe verbrachte ich den Abend vor meinem Abflug mit dem Ausdrucken und Ausschneiden meines, unseres Spanky, der sich selbst bewarb mit dem Slogan Spank Against The Fake! German Waschbärpower. Überall, wo mir spankenswerte Unzulänglichkeiten auf der Insel begegneten, gelobte ich, wolle ich eine Spankykarte anheften und fotodokumentieren. Mein Hasenherz hatte sich bis dato noch nicht zu Wort gemeldet, wahrscheinlich schlief es noch unter den begeisterungsaufgeheizten contrairschen Schwingen meiner Reiselust.

Ich könnte nun argumentieren, dass mich all die Sinneseindrücke dieser wahrlich bemerkenswerten Stadt so sehr in ihren Bann gezogen hatten, dass ich nicht in der Lage war, auch nur einen Moment an Spanky zu denken – ja nicht mal zum Fotografieren sei ich gekommen! So eine Speicherkarte ist schneller vernichtet, als man glauben mag.

Im Flugzeug bekam Spanky zum Aufwärmen einen Platz neben den verteilten englischen Keksen und am hochgeklappten Tischchen, in London selbst wagte ich nur mehr, ihn auf den Toiletten des Landes zu verteilen – wahrscheinlich motiviert von den Gesprächen junger Frauen über die „Sinnlosigkeit des Studienfachs BWL“ und der Notwendigkeit, sich hochzuarbeiten, um eines Tages in der Lage zu sein, First Class fliegen zu dürfen – oder mindestens Business Class, denn in der Holzklasse bei all den gewöhnlichen Economy-Touristen, also bitte, dafür habe man ja nun nicht studiert und ein Praktikum nach dem anderen absolviert! Letztendlich fand Spanky noch einmal Anwendung, als ich in einer Kaffeehauskette einen Milchkaffee orderte und mich die sofortige Erkenntnis mit unumstößlicher Gewissheit nach dem ersten Schluck ereilte: Sonnenklar, weshalb dies ein Volk von Teetrinkern ist. Alles in allem eine sehr unbefriedigend verlaufene Kampagne.

Der letzte Abend gestaltete sich unterhaltsam, ein Musicalbesuch stand natürlich auch auf dem Programm. Das Geburtstagsgeschenk für meine werte Mitreisende, der ich die Bedeutung von Spanky nicht hatte erläutern können, ohne dass meine Tarnung, sprich: die Tatsache, dass ich hier als Madame Contraire bloggend mein Unwesen treibe, aufgeflogen wäre. Wer mich in Hamburg kennengelernt hat, weiß, dass ich das meinem Umfeld momentan lieber vorenthalte, sonst wäre ich nicht mehr in der Lage, so frei zu schreiben, wie ich es tue. Jedenfalls endete die Darbietung damit, dass die Zuschauer begeistert von ihren Sitzen sprangen, lauthals mitsangen und anschließend einer Ansprache lauschen durften, in der auf den Breast Cancer Awareness Month – Oktober – eingegangen wurde. Um Unterstützung für den Kampf gegen diese schreckliche Krankheit wurde gebeten, für 20 Pfund könne man ein T-Shirt erwerben, dessen Erlös zur Gänze die Forschung unterstütze. Oder an den Ausgängen das eine oder andere Pfund in ein Eimerchen rollen lassen. Money bucket challenge. Und was ging nun Madame im Kopf herum, als sie sich am Ausgang herumdrückte, die Abendbegleitung schon an ihrer Hand zerrte, ob man nun nicht endlich nach Hause wolle?

Excuse me, Miss … May I introduce this little fellow to you? His name is Spanky, he is a German … was heißt jetzt Waschbär auf Englisch, verflixt … a German power animal. I found your speech so very moving, and the first thought I had when you reported on male and female breast cancer was that people suffering from this terrible disease would need a power animal just like Spanky to … recover their strength and move on and fight …

Aber mein persönliches Krafttier war nicht da an diesem Abend. Hätte man mich belächelt? Hätte man sich statt meines Gestammels lieber ein paar zusätzliche Pfund  im Eimer gewünscht? Was sind Worte, wenn Geld eine viel mächtigere Sprache spricht. Ich war trotzdem sehr enttäuscht von mir, dass ich es nicht gewagt hatte, wenn ich schon nur ein paar wenige Münzen gespendet hatte, wenigstens Solidarität zu beweisen. Das wäre Spankys großer Auftritt gewesen, und ich habe ihn vermasselt. Schlafen konnte ich jetzt noch nicht, und daher beschloss ich, meine Gedanken abzuladen und etwas gegen mein mieses Gewissen zu tun: ich bat Mo Beumers, aus dessen Feder Spanky stammt, ein Krafttier zu entwerfen, das sich mit einer rosafarbenen Schleife solidarisch im Kampf gegen den Brustkrebs präsentiert. An dieser Stelle hat er die Idee bereits vorgetragen. Manny, so der Name des kleinen Kerlchens mit der großen Mission (bei der Namensfindung stand wiederum die hochgeschätzte Frau Knobloch Patin), möchte ich einen eigenen Eintrag widmen, sobald er mir zur Verfügung steht. Und dann darf Manny mit geballter Waschbärpower überall dort spielen gehen, wo er gewollt und gebraucht wird. Was das bringen soll? Ich weiß es nicht. Die eigene Beruhigung? Halbherziges Ich-tu-halt-mal-was? Vielleicht aber auch eine weitere Möglichkeit, ein größeres Bewusstsein zu schaffen für all das Schreckliche, das uns in unserem westlichen komfortablen weichgespülten Leben begegnet, und dagegen anzukämpfen. Noch ist Oktober, Breast Cancer Awareness Month. Oder machen wir ein Jahr draus. Unerheblich. Cancer never sleeps.

Schlafen konnte ich nach dieser Nachricht allerdings auch nicht. All die Worte, die ich nicht ausgesprochen hatte, rauschten noch lange in meinem Kopf.


Yes, I might have an idea what it means to …
My aunt died years ago of breast cancer, she left two young kids. Her parents never recovered.
My best friend’s sister died in 2011, it was horrible.
She left her twin babies behind.
My friend has kids on her own now and every single day she fears she might suffer the same.
She needs to grow confident again, as she was before all that happened.That nearly broke her. Not to mention her parents.
I know how it feels to lose someone dear to this illness.
My grandmother fell ill after losing her husband.
She was always a proud woman, headstrong and bold and loving.
When she died, she was a small and broken one, no more a lady as she used to be, the obvious signs of her womanhood removed, an empty shell, suffering pain until she took her last breath.
Just to ment
ion a few.
Yes, this is sounds dramatic. Excuse me for bothering you. Here, your 20 pounds. Keep the shirt, it won’t fit anyway.

Betrachtung der Differenz zwischen Präparations- und Verzehrtemperatur im kausalen Zusammenhang mit strapazierten Nervenenden

denn: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Das sollte man sich eigentlich immer vor Augen halten, wenn es zu vermeintlich überhitzten, zwischenmenschlichen Situationen kommt. Auch sollte man dabei ins Auge fassen, sich nicht nur auf eine kritikformulierende (Hitze-)Quelle zu verlassen, wenn schon mehrere Personen zitiert und damit involviert werden, sondern sich die Mühe machen, betreffenden Beiköchen seine Aufmerksamkeit zu schenken.

Letztendlich, man kann es sich denken, wurde im Fall Mme C., ihr Egoismus und dessen negativer Effekt auf ihr gesamtes Sozialleben einmal wieder viel zu heiß gekocht, und am Ende wartete ein nur mehr lauwarmes und obendrein fades Gericht auf mich. Eine Arbeitswoche voller Grübelei und Selbstzweifel, und das auf beiden Seiten – wenigstens widerfuhr mir hier ein wenig gefühlte Gerechtigkeit – quasi für die Katz‘.

Was also tun bei bis fast an den Verbrennungspunkt erhitzten Themen, bevor sie auf dem Teller vor einem landen und man sich die Gosch’n vor lauter Hast dran verbrennt? Mme Contraires Konterrezept:

1. Stehen lassen. Ein wenig ignorieren, was gesagt wurde, ein wenig so tun, als hätte man verstanden und die Sache wäre längst gegessen. Dabei steht der dampfende Teller noch am Fenster, die Umgebungstemperatur tut ihr Übriges, und in der Zwischenzeit kann man sich mit harmloserem Geplänkel und neuen Plänen beschäftigen. Und seinen Selbstwert wieder ein wenig wachsen lassen. Ablenkung ist manchmal eine hervorragende Zutat.

2. Pusten. Also den Mund gebrauchen und reden. Nicht gerade mit dem Koch oder der Köchin, der/die ist zu beschäftigt mit Anheizen und verfrühtem Anrichten. Ich wählte drei nahestehende Menschen, die nicht auf der Gästeliste des Festmahls standen. Zwar wurde mit (tatsächlich gutem) Rat aufgewartet, den aber benötigte ich nicht, denn allein der beim Reden erzeugte Luftstrom machte mir a) natürlich Luft und trug b) dazu bei, dem erhitzten Gericht noch ein wenig mehr an Temperatur zu nehmen.

3. Umrühren. Wenn alle Gäste schon am Tisch versammelt sind, beherzt zum Besteck greifen. Die Bereitschaft, die Brocken zu schlucken, kann man nicht deutlicher demonstrieren. In meinem Fall legte die Köchin noch einen kleinen überhitzten Gruß aus der Küchen obenauf, der sich aber schnell der nun verzehrfertigen Speise durch ostentativ entspanntes Umrühren derselben auf dem Teller anpasste und damit sang- und klanglos in der Masse verschwand.

4. Zuprosten. Ein wenig Friede, Freude, Eierkuchen und ein wohlgenutzter Moment, die Lage – auch wenn die Teller bereits abgeräumt sind – noch einmal aus anderer Perspektive subtil thematisieren zu lassen und das Ganze schließlich in einem geselligen Glas Whisky-Cola vollends zu ertränken.

Besser konnte meines Erachtens der Abend gar nicht laufen. Der abschließende Dessertwein in Form von extrem gut kaschierten Lob für die Sache, die zunächst so negativ hochkochte, ging mir runter wie kaltgepresstes olio d’oliva extra vergine. Ganz am Ende, vielleicht war es tatsächlich ein Bedürfnis, mir das mitzuteilen, stand die abschließende Aussage, der Herd habe derzeit halt hin und wieder ein paar technische Probleme aufgrund von Stromschwankungen. (Was mich nicht wunder nimmt; so ein kleiner Braten im Rohr verursacht wohl tatsächlich, dass die Herdplatten weiter oben hin und wieder durchbrennen.) Seither schwelgen wieder alle in Harmonie. Und ich habe beschlossen, dass ich weder daran noch an mir etwas ändern werde.

Wohl bekomm’s!

Wunder gibt es immer wieder …

… sei es, dass mich die Telekom nach jahrelang anhaltenden Ärgernissen dieser Tage so positiv überrascht hat, dass ich zweifelnd zum Kalender griff, um auszuschließen, dass es sich um einen Aprilscherz handelt. Oder sei’s, dass Madame endlich den Mut aufgebracht hat, sich wieder in ihrem Vorgärtchen blicken zu lassen. Zeit ist leider immer noch der entscheidende Faktor dafür, dass es hier sehr vereinsamt und verwildert ist. Mein heißgeliebter Job hat mich die letzten Monate sehr gefordert, ich habe Dummheiten begangen wie am Feiertag ein paar Stündchen arbeiten, im Urlaub nur schnell noch dies und das erledigen … Es pressierte schließlich, ein wichtiger Auftrag hing von der pünktlichen Abgabe ab und ich mache ja nichts lieber, als meinem Chef den Hintern zu retten…

Freitag, 17 Uhr 05: Madame schickt die letzten bearbeiteten Dateien weg.
Montag, 08 Uhr 15: Aus dem Postfach grinst mir eine Benachrichtigung entgegen, die mich wiederum dazu brachte, das Datum anhand des Kalenders zu prüfen. „Äh, das waren doch die Dateien, die wir gar nicht mehr brauchen, weil der Auftrag nicht zustande kommt?“ Vor meinem geistigen Auge rieselten die am Schreibtisch verbrachten Stunden zu einem Häuflein Staub zusammen. Die enttäuschten Gesichter von Familie und Freunden, wenn ich mal wieder nicht dabei sein konnte. James, der mich in der letzten Zeit zum Aston Martin tragen musste, weil ich zuvor schon längst mit dem Kopf auf der Tischplatte eingeschlafen war.

Nun denn, was soll’s, sowas passiert, sowas wird immer wieder passieren. A propos wiederkehrender Mist: Da glaubt Madame, sie habe endlich so etwas wie Frieden gefunden, ein Plätzchen zum Sein und Träumen, ein bisschen ausspannen noch, bevor das Leben in all seiner Schnelligkeit und Launenhaftigkeit wieder voll zuschlägt – und schon hagelt es Kritik von mehreren Seiten. Am Ende des Tages fragte ich mich: Bin ich wirklich ein so schrecklicher Mensch? Bin ich wirklich blind, falle ich tatsächlich in alte Muster zurück, obwohl es mir doch so gut geht und ich endlich, endlich in der Lage bin, mein Leben zu genießen? Anscheinend schon. Anscheinend bin ich nie und niemandem gut genug, am wenigsten mir selbst. Und leider, auch wenn sich Madame Contenance den stimmigen und durchaus zutreffenden Teil der Kritik zu Herzen genommen hat, leider ist da noch die kleine rebellische Contraire, die am liebsten genau jetzt ihre Koffer packen und der ganzen Bagage den Rücken kehren möchte, auf dass sie sehen mögen, was sie angerichtet haben. Mach ich natürlich nicht. Aber den Kritikern zukünftig die Füße küssen, den Nörglern eine Puderzuckeranwendung verabreichen, ich weiß nicht, ob ich das kann.

Ist es Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit, andere so sein zu lassen, wie sie sind? Ist es verwerflich, sich in jemanden hineinversetzen zu können und zu sagen: Ich verstehe dich? Ist es einfach nur idiotisch, jemandem in einer schwierigen Situation Zeit zu gewähren? Mein Verstand sagt mir: du funktionierst nicht richtig, du bist nicht auf dem Weg, auf dem andere dich gern sähen. Mein Gefühl sagt: es ist nicht gerecht.

We’ll love you just the way you are if you’re perfect …

 

Scio nescio

Ich weiß, ich weiß nichts, kann nichts wissen – wer kann schon in die Zukunft schauen? – und doch weiß ich so viel, meine viel zu wissen, ohne zu wissen woher. Kann Zukunft sichtbar(er) werden? Zukunft kann vorstellbar(er) werden, bis hin zum trügerischen Empfinden, man wisse, obwohl man nichts weiß, nur empfindet. Überhaupt, Zukunft wird einem auch von so vielen Außenstehenden eingeredet. Was man muss. Was man unbedingt muss. Was man unbedingt niemals muss. Müssen sollte. Und die guten Ratschläge! Mein inneres Rebellenkind würde sich im Normalfall dagegen auflehnen, ob gerechtfertigt oder nicht, Hauptsache, das Contrairsche behält die Oberhand, viel zu lange war dies nämlich verschüttet. Aber muss man aus Prinzip immer verneinen und dagegen sein, wenn man eigenständige Entscheidungen treffen will? Ist es manchmal nicht auch ganz schön, wenn man ohnehin schon weiß, was man will, und sich über fremde Ansichten und Prognosen rückversichert, dass diese Ahnung ja nun gar nicht so falsch sein kann, die man mit sich rumträgt. Sie kultiviert, Tag für Tag, und so liebend gerne mit in die Zukunft nähme, eine Wahrheit daraus machte. Eine neue Art der Contenance; nicht mehr ein Aufbegehrenwollen-und-doch-nicht-Können, nicht mehr dieses Gefühl der Machtlosigkeit, verborgen hinter einem Vorhang aus Höflichkeit und Selbstbeherrschung. Eher ein Abwartendschauen, das Herz, nie zu kurz, aber dennoch sicher an der Leine halten, bis die Ahnung zur Gewissheit wird. Und die Zwischenzeit genießen, sogar die guten Ratschläge, fremden Ansichten und Prognosen – sie tun nicht mehr weh, noch reizen sie zum Widerwortegeben. Contraire nicht mehr als absoluter Gegenpart, sondern als emotionale Stütze bei der Willensfindung. Contenance nicht mehr als verhüllende Decke, sondern als doppelter Boden, sollte die kleine wilde Maid beim Saltoschlagen doch einmal von ihrem Hochseil abrutschen. Vielleicht haben die beiden schon immer zusammen gehört, nur jetzt kommen sie endlich auch mal gut miteinander aus.

Kaffeepäuschen

So vergehen die Tage, der Frühling, heißt es, soll Einzug erhalten. Diesen Winter hätten wir uns gespart. Aber ich bleibe achtsam, er mag noch irgendwo lauern und auf ein Comeback warten. In meiner Abwesenheit kümmerte sich die werte Frau Knobloch um mein Gärtchen, und damit spiegelt sich eine reale Begebenheit vortrefflich wieder, wie die Wolken in einer Wasserpfütze: Denn soeben erwischte ich noch eine andere Dame mit festem Platz in meinem Herzen, meine liebe Frau Mama, wie sie versuchte, klammheimlich durch den töchterlichen Garten zu huschen und nach den nach Wasser dürstenden Pflanzen zu sehen. Ha, erwischt! Beide! Ihr müsst jetzt einen Kaffee mit mir trinken, das ist MmeMmes Gesetz. Kopfkino, ich liebe es.

Und während wir in unserer Dreierrunde am kleinen Kaffeetischchen sitzen, aus den ebenso imaginären wie herzrührend-hübschen Sammeltässchen schlürfen und stumm das Sahnekännchen und die dazu passende Zuckerdose mit Rosendekor bewundern, reflektiere ich die letzte Zeit, in der ich dieser imaginären Welt ferngeblieben bin und mich der realen verstärkt gewidmet habe. Ja, doch, es hat schon was für sich, dieses echte Leben, da draußen, mit echten Menschen, vor denen ich nun sehr viel weniger Angst habe, als zu Beginn meiner neuen Daseinsform.

Je weniger ich mich ausschließlich nur mit mir beschäftige, desto mehr fallen mir Menschen ins Auge, Typen, Charaktere. Von Austernmenschen halte ich mich fern, bisher erfolgreich. Ich bin es leid, an ihrer harten Schale zu scheitern. Ich lasse sie in Ruhe. Sollen sie sich öffnen, wenn sie wollen und wemauchimmer gegenüber – ich öffne meine Hände wie zum Beweis: Da, kein Brecheisen, keine Öffnungsabsichten, kein Interesse. Keine Panik. Manchmal muss man etwas aufgeben, um es zu erreichen. Nein, ich habe mich nicht aufgegeben, auch nicht gehen lassen. Allerdings, losgelassen habe ich mich. Losgelassen, um zu sehen, wie weit es mich trägt, das Leben, wie weit ich schweben kann, den Boden unter den Füßen im Blick, das Herz zielgerichtet auf die Zukunft.

Der Nebel lichtet sich. Auf meinem Weg begegne ich ihnen; Menschen, die mich bisher begleitet haben, Menschen, die mich begleiten wollen. Und Menschen, die einfach mal kurz Hallo sagen und dann wieder verschwinden. Konstanten und Variablen. So langsam wächst mein Verständnis für diese Dinge. Und zwar insofern, als dass ich erkenne, dass ich nicht verstehen muss. Dass ich nichts kontrollieren muss, dass ich geschehen lassen darf, was geschieht, und dass ich nicht Schuld daran bin, wenn der Weg sich gabelt; wenn der Weg für andere zu Ende ist oder in eine andere Richtung führt. Warum denn immer dieser Rechtfertigungsdrang? Abschalten. Wege winden sich, Wege kreuzen sich, manche wieder und wieder, manche nie. Wie und wann, das wird man nicht herausfinden, wenn man sie nicht beschreitet.

In meinem Herzkörbchen habe ich sie alle gesammelt. Alle, die mit mir gingen, lange Strecken, kurze Stücke. Und ich sammle weiter und verspüre Freude. So mancher entschlüpfte schon durch die großzügigen Herzkörbchenmaschen, freiwillig und unfreiwillig. Das tut mir leid. Dass ich manchmal unachtsam war. Dass ich auch manches Mal Ballast abwerfen musste, um weiterzukommen. Doch die Zukunft erwartet mich. Die Zukunft. Konstant variabel.

„Vorzüglicher Kaffee“, bemerkt Frau Mama dazwischen, sie rührt mit einem winzigen Silberlöffelchen drei Körnchen Rohrzucker in ihr goldberandetes scheußlich-schönes Sammeltässchen. Die Herzdame Käthe – ja, so vertraut sind wir bereits – nickt und liebäugelt mit ein paar weiteren Tröpfchen Sahne aus dem rosendekorierten Sahnekännchen auf dem Puppenstubenkaffeetischchen. Bestimmt formuliert sie gerade einen passenden Kommentar zu meinen gerade gehörten Ausführungen. Dabei weiß ich nicht mal, ob sie wirklich Kaffee mag.

Atemnotauslösendefamosumarmerin

Großartige, rebloggenswerte Gedanken zu einer, ja, ich würde sagen, lebens-wichtigen Sache, nach der viele von uns streben, die in einem einzigen Moment mehr ausdrückt als alle Worte in jeder Sprache dieser Welt, und die von manchen leider erst dann geschätzt und vermisst wird, wenn sie nicht mehr verfügbar ist. Großartig.

Die sich gerne den Atem rauben lassende
Mme C.

… und hier noch zwei nette Artikel zum Thema:

10 Reasons Why We Need at Least 8 Hugs a Day
“We need four hugs a day for survival. We need eight hugs a day for maintenance. We need twelve hugs a day for growth.”

Personal Growth – Have you hugged anyone lately?
„And when a two-year-old cries, to comfort him, you do not philosophize but hold him on your lap.“

Wortstrom: Silbeng¦l¦anz

Du flüsterst meinen Namen, und es klingt wie eine Offenbarung. Ich liebe es, und zwar sehr, wenn du meinen Namen flüsterst in samtenen Nächten, die Stimme voll Erregung. Es klingt nie beiläufig, wenn du meinen Namen sagst, nicht wie ein Ruf oder fragend. Keine Aufforderung. Es klingt eher wie ein fremdes Wort, das beschreiben mag, was du fühlst. Ein seltsames Gefühl wohl, kaum in Worte zu fassen. Mein Name strömt oft aus deinem Mund wie ungezählte Silberperlen. Silbenperlen. Du legst alles hinein in diese paar winzigen Silblein, so kommt es mir vor. Und nie kürzt du mich ab. Dafür dank‘ ich dir. Es ist so: Du sprichst mein Ich aus. Mein Ich schwebt im Raum und klingt ein wenig nach. Dich erfüllt mein Ich. Und eben damit füllst du mein Ich, mit meinem Namen. Wie wundersam, ich kehre mein Innerstes nach außen und gebe dir mich und du – gibst mir mich zurück. Du füllst mich mit mir. Doch wo bist du? Bist du denn schon so sehr ich? Von keinen Lippen klingt mein Name schöner. Seit mein Name von deinen Lippen fiel, fühle ich mich, als würde ich meine Flügel öffnen und davonschweben. Davonleben. Hörst du, wie es knistert, das Flügelausbreiten? Federrauschen. Rauschen im Kopf. Rauschzustand. In samtener Nacht kreist mein Name über uns beiden. Nie fühlte ich mich wärmer, seitdem du meinen Namen wie eine sanfte, sanfte Decke über uns breitest.

Früher, da habe ich meinen Namen abkürzen lassen. Gekappt, in der Mitte. Ich dachte, das bringt Nähe und damit Freundschaft. Aber es zerriss mich. Ich war damit nicht mehr glücklich, fühlte mich immer nur so halb und unvollständig. Du hingegen hast mich nie abgekürzt. Hast mich immer als Ganzes gesehen. Hast auch nie gemeint, da fehle was an mir, hast nie versucht, mich umzuformen, oder zu vervollständigen. Ich bin schon ganz, und mit dir bin ich es auch. Mögen mich alle anderen abkürzen; aber du sollst meinen Namen sagen, so wie er ist: identitäts- und intimitätsstiftend. Das ist das größte Geschenk, das du mir machen kannst. Wenn du meine Namen sagst, weiß ich, du meinst mich. „Schatz“, „Hase“, „geiles Stück“, alles schon gehört. Ich weiß, ich kann das alles sein, ein Teilchen Schatz, ein Teilchen Hase … Aber du sagst meinen Namen und ich weiß, du meinst mich. Ganz mich, Ganz-Ich. Schenk mir meinen Namen. Schenk ihn mir, jedes Mal, wenn du kommst. Oder gehst. Oder bleibst.

Sphinxgedanken

Tränen am Weihnachtstag. Willkommen zur ultimativen Tränendrüsenjahresüberproduktionsperiode. Rührung in der Stillen Nacht. Vermissen derer, die fehlen, ob tot oder lebendig. Vermissen des Gefühls, das doch immer da war, wenn die Kerzen brannten und die roten Kugeln am Plastikbaum selig den schönen Schein wiedergaben. War es immer da? War es nicht so, dass es Jahr um Jahr immer mehr verblasste? Dass das Weihnachtsherzweitgefühl immer mehr der Hektik und der Furcht gewichen ist? Furcht vor dem, was kommt: streiten wir uns wieder unterm überschmückten Christbaum, jede Kugel, jeder Anhänger ein Betäuben des Eindrucks von Weihnachtsheuchelei? Nervt Schwiegeroma, weil ich es nicht schaffe, den ganzen verdammten Abend zu lächeln, sondern mich hin und wieder, wenn ich mich unbeobachtet fühle, zurückziehe in mich selbst, meinen Körper in Gedanken verlasse und am Sandstrand Muscheln suche, allein in der Südseesonne? Werden Hund und Katz und Kind wieder den Baum zu Fall bringen und die üblichen zwei bis acht Glaskugeln zersplittern lassen? Tränen zwischen zerknülltem Geschenkpapier.

Herausgewachsen. Abgestreift. Des Gefühls der Weihnachtspanik entledigt, freiwillig und bei vollem Bewusstsein. Nix zu vermissen. Oder? Warum laufen die Tränen trotzdem und lassen sich nicht stillen? Das Emotionskonto ist voll, ich habe dieses Jahr gespart, gespart und nichts davon ausgegeben, alles zurückgehalten. Und nun läuft es über, pünktlich zu Weihnachten, wie passend. Wo das Fest der Liebe doch Emotionen ausdrücklich fordert und fördert.

Gutes Timing, Amtsgericht, den Scheidungstermin zum 24. Dezember zu verschicken. Ich meine, wessen Herzenswunsch ist das nicht? Tolle Aktion, sogenannter bester Freund, mich per Handynachricht zusammenzufalten und mir verbal in den Hintern zu treten, ich soll es künftig unterlassen, Weihnachtspäckchen zu verschicken. Einleuchtendes Argument, Freunde hätten sowas nicht nötig (und gefallen hat’s ihm darüber hinaus auch nicht). Aber ja, das muss Freundschaft sein, nur gute Freunde sind in der Lage, sich übers Jahr immer wieder so schwer zu verletzen, bis dass der Schwächere am Weihnachtstag von früh bis spät mit Tränen in den Augen und einem Messer im Herzen rumläuft. Ein großes Dankeschön, verdammt, wie hab ich das Gefühl vermisst! Gelockt werden bis auf Reichweite, um dann wieder weggestoßen zu werden, das macht dir Spaß, nicht wahr? Elender Emotionskrüppel, ich habe genug von euch Austernmenschen. Steck’s dir sonstwohin. Ach nein, da steckt ja schon der Stock, mit dem du geboren wurdest …

Gäbe es nicht auch Menschen, die mich tatsächlich schätzen, wie ich bin, ich hätte aufgeben wollen. Mich wieder zurückgezogen hinter den Vorhang. Mich als Sphinx überlebensgroß vor meinem Herztempel postiert und darüber gewacht, dass niemals wieder jemand Zutritt erhält, mit kalten Augen und steinernem Lächeln verteidigt, bis mich Sand, Wind und Zeit selbst zu einem Häuflein Sand korrodiert haben. Dabei habe ich noch Glück, kann meine überlaufenden Emotionen in Worte fassen und sie niederfließen lassen, bis sich der Herz- und Hirndruck soweit abgebaut hat, dass ein Lächeln wieder möglich ist. Ein schiefes, aber immerhin ein unversteinertes. Und so sitze ich am Küchentisch, wisch mir immer wieder die Tränen aus dem Gesicht und packe Päckchen. Für die Familie, für Freunde, und schreie den Gedanken, ob ich es nicht mal wieder übertreibe, mit einem lauten „Ich will es aber so!“ nieder.

Herzen heilen. Irgendwann. Narben sind eine Zier. Ich trage sie mit Stolz.