Weltver¦besser¦wisser

(von der Seele ab¦geschrieben)

Vor einiger Zeit habe ich gelernt, dass man sich nicht die Emotionen anderer Menschen überstülpen (lassen) muss. Man kann zuhören, ohne dass man sich am Ende schlechter fühlt als derjenige, der sein Herz ausschüttet. Ich sehe es aber so, dass dazu ein gewisses Maß an Stärke vorhanden sein muss. Ich kann von Glück sprechen, dass ich mich im Moment tatsächlich stark fühle. Und wenn das mal nicht der Fall ist, habe ich ein gutes Mittel, das mir hilft, den Kopf freizuhalten: Reden. Und Laufen. Es fallen zwischen JB und mir oft so viele Worte, dass wir nicht zum Schlafen kommen, weil alles erzählt sein will. Und falls Reden einmal nicht hilft, dann eben Laufen. In der Frühlingssonne, bis einem die Puste ausgeht. Und dann ist die Welt wieder schön.

Weniger schön ist die Welt momentan für andere Menschen. Wenn eine sehr nahestehende Person mir sagt, sie brauche Rat, wie ist das denn mit Trennung und Haus und … dann denke ich: Prima. Scheidungsexpertin, die ich bin, da habe ich es echt weit gebracht. Aber bei nahestehenden Menschen geht es nicht rein um Fakten, Zahlen, Vorgehensweisen. Ich spüre, wie es ihr im Herzen brennt, wie enttäuscht sie ist, und dass sie eigentlich gar keine Trennung will. Aber das Maß ist fast voll. Und ich verstehe beide Seiten. Nicht Betrug, nicht körperliche Gewalt, sondern eine Krankheit, die schleichend Besitz ergriffen hat von ihrem Mann, aus der er sich nicht allein befreien kann. Ratschläge, und seien sie noch so gut, sind und bleiben Schläge, vor denen er sich zurückzieht. Es tut so weh.

Einer anderen lieben Person, mit der ich schon so vieles geteilt habe, geht es auch nicht gut. Nach dem Jobwechsel und der Trennung von einem Partner, der ihr nicht gut tat, wird sie zum ersten Mal auf eigenen Füßen stehen. Aber die Zweifel sind übermächtig. Das allein genügt eigentlich schon, um einen aus der Bahn zu werfen. Die vielen Gedanken, wie es weitergehen wird, was die Zukunft bringt – und dazu noch eine Situation, die sich nun schon zum zweiten Mal wiederholt. Vor einem Jahr hat sie die Firma gewechselt, weil ihr Chef immer zudringlicher wurde und Gerüchte streute, dass zwischen ihnen etwas liefe. Natürlich ein gefundenes Fressen für die Kolleginnen. Und nun, im neuen Betrieb, hat sie genau so einen Chef, der versucht, sie und ihre direkte Kollegin gegeneinander auszuspielen – und immer zudringlicher wird. Sie weiß nicht weiter, und ich spüre in mir, wie sehr sie der Zweifel an sich selbst und an der Welt schmerzt.

Ich versuche also, das bisschen Zeit, das neben Job, Zuhause und JB bleibt, mit diesen beiden Menschen zu verbringen, die ich einfach nur in den Arm nehmen und trösten möchte. Ich kann nichts ändern, nichts gut machen. Aber vielleicht hilft es einfach, da zu sein, zu reden. Und zu laufen. Den Schmerz runterlaufen, ihn nach draußen reden. Alles andere erledigt die Zeit.

Ein dritter, unglaublich lieber Mensch schleppt sich seit einiger Zeit durchs Leben, die familiäre Situation ist kompliziert, ihre Arbeit im Hospiz fordert sie oft mehr, als sie zugeben will. Aber sie ist immer fröhlich, wenn wir uns treffen. Sie ist etwas jünger als ich, hat schon zwei tolle Kinder im Teeniealter, hat viele Hobbies und einige Tiere, die sie versorgt. Gestern war sie plötzlich in meinen Gedanken. Für mich ist das oft ein Zeichen, das man nicht ignorieren darf. Ich textete: „Hallo, wie geht es dir?“ und sie fragte zurück: „Warum??“ Alles in Ordnung? Was ist denn los?

Es gibt Dinge, die lassen sich nicht wegreden. Nicht weg- und runterlaufen. Jetzt bin ich am Ende mit meinen fragwürdigen Ratschlägen, an die ich mich selbst kaum halte, am Ende mit dem offenen Ohr, und die Laufschuhe in der Ecke kommen mir vor wie Materie gewordener Spott. Es gibt Sätze, die einen betäuben und kampfunfähig machen. „Ich habe Krebs. Ich habe  gerade erfahren, dass die Chemo nicht angeschlagen hat. Ich darf erst eine weitere machen, wenn ich psychologischen Beistand habe. In 8 bis 12 Monaten bekäme ich einen Platz. Und bis dahin bin ich tot.“ Seitdem rauscht es in meinen Ohren und ich spüre – nicht einmal mehr Schmerz. Die Welt ist hässlich. Und stärker als ich.

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Contenance, Maman !

Vor einer Woche.
Fassungslos blicke ich meine Mutter an. Hat sie das gerade wirklich gesagt? Ich lächle unsicher.

Im Büro.
Fassungslos blicke ich auf meinen Monitor. Ich lächle unsicher. Habe ich gerade wirklich meinen Kolleginnen erzählt, was meine Mutter gesagt hat?

Gestern Abend.
Fassungslos blicke ich auf meine Fußspitzen. Hat JB gerade wirklich gesagt, meine Mutter hätte absolut recht mit dem, was sie sagte? Ich muss lächeln, ein wenig unsicher.

Also tausche ich meine Fassungslosigkeit gegen den Inbegriff der Contenance, lächle mich unsicher im Spiegel an und sage, nun deutlich gefasster: „Na, wenn ihr alle meint…“

 

„Rattenscharf“, so lautete Mamans Urteil, als ich die neue schicke Brille beim Optiker aufprobierte. Nicht gerade dezent. Aber völlig gefasst.

Ich verschone euch lieber damit, was meine Mutter kürzlich zum Thema One Night Stands sagte …

Denk¦pause

Ist es schon zu viel gedacht, wenn man denkt, man denke zu wenig?

Und zwar denke man womöglich zu wenig an andere, obwohl man ständig an andere denkt, weil man selbst denkt, man denke nicht oft genug an sie – die denken ja bestimmt, man denke nicht an sie -, weil man diesem Denken keinen kommunikativen Ausdruck verleiht. Du denkst nur an dich, denke ich dann. Und die bestimmt auch.

Mal nicht denken. Nicht denken müssen. Weil alles einfach so läuft, wie es läuft, ohne dass man versucht, mit Gedanken eine Sache in eine bestimmte Richtung zu lenken. In eine Richtung zu denken – Szenarien, die so oft beim Versuch, sie weiter und weiter zu denken, in einer Sackgasse landen. In einem dichten dunklen Sack, in dem die ganze Masse von hineingedachten Gedanken bis zur Unkenntlichkeit verwirbelt. Wenn ich da hineinsehe, in gleißend helle und nachtschwarze, ineinander gedrehte und verwirrte Gedankenstränge, wird mir ganz schwindelig.

Aber ich denke ja schon wieder.

Wie schön

Sie ist eigentlich gar noch nicht so alt. Dieses Jahr wird sie 56, am 3. Oktober. Wie schön, oder? An einem Feiertag Geburtstag zu haben. Das finden vor allem die gierigen Anverwandten, die den ganzen Tag nichts vor haben und schon zur Mittagszeit wie die Heuschrecken über Braten, Salat und Eierspätzle herfallen. Spätze und Kartoffeln und Erbsen und Karotten. Es gibt bei jeder Feier das gleiche, die Verwandten freuen sich schon darauf, es gibt also kein Entrinnen aus der Küche an ihrem Geburtstag. Oder am Geburtstag ihrer Söhne oder ihres Ehemannes. Der, ob nun sein oder ihr Geburtstag oder der seiner Kinder, immer in gleicher Pose und teilnahmslos im Nebenraum vor dem PC sitzt. Zu viele Menschen. Seit Jahren zu viele Menschen, auch wenn sie keine Gäste haben. Sie gibt ihr Bestes, immerzu, trotzdem ist ihm kein Lob zu entlocken, wofür auch, Pflicht ist Pflicht, und dass ihm ihr Essen nicht schmeckt – noch nie – ist weder seine noch ihre Schuld. Bier füllt den Magen ebenso gut. Und Starkraucher essen sowieso nicht viel. Immerhin spricht er nach dem Schlaganfall vor anderthalb Jahren nicht mehr viel, und sie arrangiert sich damit, dass er das wenige, was er von sich gibt, ja gar nicht so meinen kann.

Am Vortag werden Kuchen gebacken, eine herrliche Fülle von Sahnequark und frischen Früchten, was das Verwandtenherz begehrt. Kaum ist der Mittagstisch abgeräumt, ein kleines Pläuschchen gehalten, während sie in der Küche steht und spült – nein, helfen braucht man ihr nie, sie macht das am liebsten alleine, dann geht es sogar schneller – bringt sie schon das Kaffeegeschirr und zwei Kannen Kaffee, belädt die Teller mit süßen Köstlichkeiten und freut sich, dass Tante Maria ihren Käsekuchen lobt, derweil sich die Neffen und Nichten im Nebenzimmer unter den Rauchschwaden ihres Onkels lautstark um die Playstation streiten. Die Katze hat ein Nierenleiden und erbricht sich still und vorwarnungslos auf ihre Füße. Nicht schlimm, das passiert fast täglich, lächelt sie und wischt das angedaute Katzenfutter fort. Dann lässt sie ihre Gäste kurz allein, der Hund muss noch mal raus, und ihren jüngeren Sohn, dem die verwöhnte Töle eigentlich gehört, will sie nicht wecken, es war spät gestern, sie blieb so lange wach, bis sie den Schlüssel im Schloss und ihn die Treppen hinaufwanken hörte. Und da war es eigentlich schon fast Zeit zum Aufstehen. Sie wollte nämlich noch Bad und Wohnzimmer gästetauglich herrichten.

Es ist ein trüber Tag, aber sie freut sich immer aufs Gassi gehen, egal bei welchem Wetter. Herbie, so heißt der kleine Mischling, Herbie hört ihr zu, wenn sie ihm ihre Gedanken anvertraut. Sie steckt sich, kaum dass sie nach draußen getreten ist, eine Zigarette an. Zigarettenschmal ist ihre Silhouette, auch wenn der Mantel viel zu groß ist. Zigarettendünn ihre Knochen, die sich am ganzen Körper abzeichnen. Ihr Gesicht gleicht einem Totenkopf, sie war schon immer auffallend schlank. Das einzige, was lebendig an ihr wirkt, sind ihre Augen, wenn sie an die Tasse Kaffee denkt, die sie sich gleich gönnen wird. Kaffee und Zigaretten, ja, eigentlich würde sie für sich ja gar nicht kochen brauchen, aber die Kinder müssen etwas essen und die Schwiegermutter auch. Sie wohnen alle unter einem Dach, wie schön, wenn man Familie hat. Seit dem Schlaganfall ihres Mannes und seiner vehementen Weigerung, die Reha geschweigedenn weitere Ärzte zu besuchen, woraufhin er keine Jobangebote mehr erhielt, arbeitet sie noch mehr. Die Gassipausen am Abend und an den Wochenenden sind dann so etwas wie ihre Insel, auf der sie eine kleine Weile abschalten kann. Sie bückt sich, um Herbies Hinterlassenschaften vorbildlich in einer schwarzen Plastiktüte zu verstauen. Schade, dass Herbie ein wenig zu faul ist, um längere Spaziergänge zu machen und daher immer gerne den Acker direkt gegenüber ihres Hauses benutzt. Sie blickt auf und sieht in ihr hell erleuchtetes Wohnzimmer, glaubt Onkel Franzens kahlen Hinterkopf zu erkennen, stellt sich Tante Marias leicht hysterisches Lachen vor – wenn Franz gerade wieder einen seiner obszönen Witze zum besten gibt – und aus dem Nebenzimmer meint sie lautstarken Kinderstreit dringen zu hören. Gleich wird sie wieder den typischen Geruch ihres Zuhauses in der Nase spüren – eingetrocknetes Katzenfutter, Hundehaare und kalter Zigarettenrauch. Wie schön, wenn man weiß, wo man hingehört.

Für I., in meinem Herzen

Manny: Kämpfer, Krafttier, Schleifenträger

Pünktlich zum Wochenende wurde mir, wurde uns die Ehre zuteil, der Leserschaft ein neues Krafttier vorzustellen: Manny, benamt von Frau Knobloch, entworfen von Mo Beumers, erbeten von Madame. Ein kleiner Waschbär mit einer großen Aufgabe, nämlich für den Kampf gegen Brustkrebs einzustehen und das Bewusstsein hierfür zu fördern – und zu fordern.

Waschbärstarkes Bewusstsein

 

Verschiedene Fragen mögen sich ergeben, was Madame sich nun genau vorstellt. Ich versuche es mal:

Wie soll Manny eingesetzt werden?
Mir persönlich gefiele es, wenn jeder, der sich mit Manny identifizieren kann, ihn auf seiner Seite verlinkt und gerne ein oder zwei Worte zum Thema Brustkrebs verliert. Wenn gewünscht. Sich wortlos solidarisch zeigen ist in meinen Augen aber genau so wertvoll und wünschenswert.

Warum?
Siehe Mannys Aufgabe. Mir, uns liegt daran, das Bewusstsein für diese Erkrankung zu fördern und zu fordern. Solidarität für Betroffene, Angehörige, Freunde zu bekunden. Das Bewusstsein dafür zu wecken, dass wir eine Verantwortung haben. Für uns selbst und für andere.

Und sonst?
Wenn ich schon am Fordern bin – und das habe ich in den letzten Tagen oft getan – dann möchte ich gerne noch dieses loswerden: Greift zum Telefon, macht einen Vorsorgetermin aus, besser heute noch als morgen – auch Ihr, liebe Jungs! Die Untersuchung dauert nicht lange, und durch eine Früherkennung stehen die Chancen einer vollständigen Heilung gut. Gerade bei einer familiären Vorbelastung ist es wichtig, regelmäßige Untersuchungen durchführen zu lassen, auch schon vor 30. Die Ärzte haben dafür im allgemeinen großes Verständnis. Mein Termin ist am 31.10. um 10:30 Uhr.

The Post-London Diaries of Little Miss Contrary II

Where is the Power Animal when you need it?

Angefixt, voller Begeisterung und, wie immer, mit einer viel zu großen Klappe verbrachte ich den Abend vor meinem Abflug mit dem Ausdrucken und Ausschneiden meines, unseres Spanky, der sich selbst bewarb mit dem Slogan Spank Against The Fake! German Waschbärpower. Überall, wo mir spankenswerte Unzulänglichkeiten auf der Insel begegneten, gelobte ich, wolle ich eine Spankykarte anheften und fotodokumentieren. Mein Hasenherz hatte sich bis dato noch nicht zu Wort gemeldet, wahrscheinlich schlief es noch unter den begeisterungsaufgeheizten contrairschen Schwingen meiner Reiselust.

Ich könnte nun argumentieren, dass mich all die Sinneseindrücke dieser wahrlich bemerkenswerten Stadt so sehr in ihren Bann gezogen hatten, dass ich nicht in der Lage war, auch nur einen Moment an Spanky zu denken – ja nicht mal zum Fotografieren sei ich gekommen! So eine Speicherkarte ist schneller vernichtet, als man glauben mag.

Im Flugzeug bekam Spanky zum Aufwärmen einen Platz neben den verteilten englischen Keksen und am hochgeklappten Tischchen, in London selbst wagte ich nur mehr, ihn auf den Toiletten des Landes zu verteilen – wahrscheinlich motiviert von den Gesprächen junger Frauen über die „Sinnlosigkeit des Studienfachs BWL“ und der Notwendigkeit, sich hochzuarbeiten, um eines Tages in der Lage zu sein, First Class fliegen zu dürfen – oder mindestens Business Class, denn in der Holzklasse bei all den gewöhnlichen Economy-Touristen, also bitte, dafür habe man ja nun nicht studiert und ein Praktikum nach dem anderen absolviert! Letztendlich fand Spanky noch einmal Anwendung, als ich in einer Kaffeehauskette einen Milchkaffee orderte und mich die sofortige Erkenntnis mit unumstößlicher Gewissheit nach dem ersten Schluck ereilte: Sonnenklar, weshalb dies ein Volk von Teetrinkern ist. Alles in allem eine sehr unbefriedigend verlaufene Kampagne.

Der letzte Abend gestaltete sich unterhaltsam, ein Musicalbesuch stand natürlich auch auf dem Programm. Das Geburtstagsgeschenk für meine werte Mitreisende, der ich die Bedeutung von Spanky nicht hatte erläutern können, ohne dass meine Tarnung, sprich: die Tatsache, dass ich hier als Madame Contraire bloggend mein Unwesen treibe, aufgeflogen wäre. Wer mich in Hamburg kennengelernt hat, weiß, dass ich das meinem Umfeld momentan lieber vorenthalte, sonst wäre ich nicht mehr in der Lage, so frei zu schreiben, wie ich es tue. Jedenfalls endete die Darbietung damit, dass die Zuschauer begeistert von ihren Sitzen sprangen, lauthals mitsangen und anschließend einer Ansprache lauschen durften, in der auf den Breast Cancer Awareness Month – Oktober – eingegangen wurde. Um Unterstützung für den Kampf gegen diese schreckliche Krankheit wurde gebeten, für 20 Pfund könne man ein T-Shirt erwerben, dessen Erlös zur Gänze die Forschung unterstütze. Oder an den Ausgängen das eine oder andere Pfund in ein Eimerchen rollen lassen. Money bucket challenge. Und was ging nun Madame im Kopf herum, als sie sich am Ausgang herumdrückte, die Abendbegleitung schon an ihrer Hand zerrte, ob man nun nicht endlich nach Hause wolle?

Excuse me, Miss … May I introduce this little fellow to you? His name is Spanky, he is a German … was heißt jetzt Waschbär auf Englisch, verflixt … a German power animal. I found your speech so very moving, and the first thought I had when you reported on male and female breast cancer was that people suffering from this terrible disease would need a power animal just like Spanky to … recover their strength and move on and fight …

Aber mein persönliches Krafttier war nicht da an diesem Abend. Hätte man mich belächelt? Hätte man sich statt meines Gestammels lieber ein paar zusätzliche Pfund  im Eimer gewünscht? Was sind Worte, wenn Geld eine viel mächtigere Sprache spricht. Ich war trotzdem sehr enttäuscht von mir, dass ich es nicht gewagt hatte, wenn ich schon nur ein paar wenige Münzen gespendet hatte, wenigstens Solidarität zu beweisen. Das wäre Spankys großer Auftritt gewesen, und ich habe ihn vermasselt. Schlafen konnte ich jetzt noch nicht, und daher beschloss ich, meine Gedanken abzuladen und etwas gegen mein mieses Gewissen zu tun: ich bat Mo Beumers, aus dessen Feder Spanky stammt, ein Krafttier zu entwerfen, das sich mit einer rosafarbenen Schleife solidarisch im Kampf gegen den Brustkrebs präsentiert. An dieser Stelle hat er die Idee bereits vorgetragen. Manny, so der Name des kleinen Kerlchens mit der großen Mission (bei der Namensfindung stand wiederum die hochgeschätzte Frau Knobloch Patin), möchte ich einen eigenen Eintrag widmen, sobald er mir zur Verfügung steht. Und dann darf Manny mit geballter Waschbärpower überall dort spielen gehen, wo er gewollt und gebraucht wird. Was das bringen soll? Ich weiß es nicht. Die eigene Beruhigung? Halbherziges Ich-tu-halt-mal-was? Vielleicht aber auch eine weitere Möglichkeit, ein größeres Bewusstsein zu schaffen für all das Schreckliche, das uns in unserem westlichen komfortablen weichgespülten Leben begegnet, und dagegen anzukämpfen. Noch ist Oktober, Breast Cancer Awareness Month. Oder machen wir ein Jahr draus. Unerheblich. Cancer never sleeps.

Schlafen konnte ich nach dieser Nachricht allerdings auch nicht. All die Worte, die ich nicht ausgesprochen hatte, rauschten noch lange in meinem Kopf.


Yes, I might have an idea what it means to …
My aunt died years ago of breast cancer, she left two young kids. Her parents never recovered.
My best friend’s sister died in 2011, it was horrible.
She left her twin babies behind.
My friend has kids on her own now and every single day she fears she might suffer the same.
She needs to grow confident again, as she was before all that happened.That nearly broke her. Not to mention her parents.
I know how it feels to lose someone dear to this illness.
My grandmother fell ill after losing her husband.
She was always a proud woman, headstrong and bold and loving.
When she died, she was a small and broken one, no more a lady as she used to be, the obvious signs of her womanhood removed, an empty shell, suffering pain until she took her last breath.
Just to ment
ion a few.
Yes, this is sounds dramatic. Excuse me for bothering you. Here, your 20 pounds. Keep the shirt, it won’t fit anyway.

Mit dir ist die Vergangenheit erloschen.

Du bist mir ein Licht gewesen, hast mein Herz erfreut. Ich bin oft so froh gewesen, dass es dich gab. Ein Stückchen Geborgenheit, ein Stückchen dessen, was mir bereits verloren war. Nur geborgt. Dazugeschlichen habe ich mich, unter deine Flügel und in dein großes Herz, in dem schon so viele Platz fanden, und doch gab es ungefüllten, unerfüllten Raum. Die Türen hast du aber immer gut verschlossen gehalten. Auch dein Schmerz war hinter großen dunklen Toren verborgen, und nur selten schauten seine Ausläufer durch den winzigen Spalt darunter hervor. Denn was bringt es, wenn man sich zeitlebens aufopfert und liebt und tröstet und zuhört und pflegt, wenn keiner sonst mit der gleichen Intensität zurückliebt und tröstet und zuhört. Mich schmerzte das, ich hätte dich gern ein wenig mehr auf Händen getragen, hin und wieder, aber das stand mir nicht zu, weil ich allzu angepasst gewesen war. Und meine eigene Sorge, die habe ich ebenso gut verborgen wie du die deine. Ich glaubte dich zu verstehen. Mit dir zu fühlen. Vielleicht habe ich deshalb so lange gezögert. Um ehrlich zu sein, als ich das Donnergrollen von weitem nahen hörte und wusste, das Unwetter kommt unweigerlich auf mich zu, da dachte ich zuerst an dich. Ich dachte, alle anderen werden damit zurecht kommen, aber dich, ausgerechnet dich, wollte ich nicht verletzen. Doch du verstandest. Liebtest weiter, auch wenn gerade Liebe hier endete und das Ende dieser Liebe der Donnerschlag und seine Folgen waren. Ich bin so froh, dass wir uns im Frühjahr noch sahen, so als wäre nichts, als hätte sich zwischen uns nichts geändert. Hat es auch nicht. Wir trugen uns immer noch gegenseitig im Herzen. Du schlichst dich in meine Gedanken, kurz bevor es zu Ende ging. Ich wollte noch nach dir fragen, da erreichte mich die Nachricht, dass du nach schwerem Kampf von uns gegangen bist. Ich war da, dich zu verabschieden, und es tat weh. Tut immer noch weh. Wie schmerzhaft muss dein Tod erst für diejenigen sein, die dich noch viel länger und zeit ihres Lebens kannten? Ich klammere mich an den Gedanken, dass der Tod auch einen Sinn erfüllen muss: an jenem Tag waren wir alle gleich, all jene, die zu deiner Verabschiedung kamen. Wir waren alle eins, so entzweit wir doch schienen. Keine Schmerzverursacherin, keine Zurückgelassenen. Schmerz bekommt in Zeiten der Trauer eine neue Dimension. Und ich fand Trost in der Berührung, in der Umarmung und selbst im stummen Kopfnicken und hoffte, dass auch ich Trost geben konnte. Du mochtest Rosarot. Ich hatte keine Blumen mit, aber in Gedanken schickte ich dir einen rosaroten lieben Gruß hinterher, hinab, da wo die Sehnsucht deiner letzten Jahre bereits begraben lag. Dich einmal noch in den Arm nehmen. Vielleicht besuchst du mich ja bald im Traum, dann sagen wir uns noch einmal Tschüss. Und ich werde dir Danke sagen. Für alles, was du für mich warst. Und dafür, was du selbst im Tod für mich getan hast: Mit dir ist die Vergangenheit erloschen. Nun sind wir alle bloß noch Mensch.

Betrachtung der Differenz zwischen Präparations- und Verzehrtemperatur im kausalen Zusammenhang mit strapazierten Nervenenden

denn: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Das sollte man sich eigentlich immer vor Augen halten, wenn es zu vermeintlich überhitzten, zwischenmenschlichen Situationen kommt. Auch sollte man dabei ins Auge fassen, sich nicht nur auf eine kritikformulierende (Hitze-)Quelle zu verlassen, wenn schon mehrere Personen zitiert und damit involviert werden, sondern sich die Mühe machen, betreffenden Beiköchen seine Aufmerksamkeit zu schenken.

Letztendlich, man kann es sich denken, wurde im Fall Mme C., ihr Egoismus und dessen negativer Effekt auf ihr gesamtes Sozialleben einmal wieder viel zu heiß gekocht, und am Ende wartete ein nur mehr lauwarmes und obendrein fades Gericht auf mich. Eine Arbeitswoche voller Grübelei und Selbstzweifel, und das auf beiden Seiten – wenigstens widerfuhr mir hier ein wenig gefühlte Gerechtigkeit – quasi für die Katz‘.

Was also tun bei bis fast an den Verbrennungspunkt erhitzten Themen, bevor sie auf dem Teller vor einem landen und man sich die Gosch’n vor lauter Hast dran verbrennt? Mme Contraires Konterrezept:

1. Stehen lassen. Ein wenig ignorieren, was gesagt wurde, ein wenig so tun, als hätte man verstanden und die Sache wäre längst gegessen. Dabei steht der dampfende Teller noch am Fenster, die Umgebungstemperatur tut ihr Übriges, und in der Zwischenzeit kann man sich mit harmloserem Geplänkel und neuen Plänen beschäftigen. Und seinen Selbstwert wieder ein wenig wachsen lassen. Ablenkung ist manchmal eine hervorragende Zutat.

2. Pusten. Also den Mund gebrauchen und reden. Nicht gerade mit dem Koch oder der Köchin, der/die ist zu beschäftigt mit Anheizen und verfrühtem Anrichten. Ich wählte drei nahestehende Menschen, die nicht auf der Gästeliste des Festmahls standen. Zwar wurde mit (tatsächlich gutem) Rat aufgewartet, den aber benötigte ich nicht, denn allein der beim Reden erzeugte Luftstrom machte mir a) natürlich Luft und trug b) dazu bei, dem erhitzten Gericht noch ein wenig mehr an Temperatur zu nehmen.

3. Umrühren. Wenn alle Gäste schon am Tisch versammelt sind, beherzt zum Besteck greifen. Die Bereitschaft, die Brocken zu schlucken, kann man nicht deutlicher demonstrieren. In meinem Fall legte die Köchin noch einen kleinen überhitzten Gruß aus der Küchen obenauf, der sich aber schnell der nun verzehrfertigen Speise durch ostentativ entspanntes Umrühren derselben auf dem Teller anpasste und damit sang- und klanglos in der Masse verschwand.

4. Zuprosten. Ein wenig Friede, Freude, Eierkuchen und ein wohlgenutzter Moment, die Lage – auch wenn die Teller bereits abgeräumt sind – noch einmal aus anderer Perspektive subtil thematisieren zu lassen und das Ganze schließlich in einem geselligen Glas Whisky-Cola vollends zu ertränken.

Besser konnte meines Erachtens der Abend gar nicht laufen. Der abschließende Dessertwein in Form von extrem gut kaschierten Lob für die Sache, die zunächst so negativ hochkochte, ging mir runter wie kaltgepresstes olio d’oliva extra vergine. Ganz am Ende, vielleicht war es tatsächlich ein Bedürfnis, mir das mitzuteilen, stand die abschließende Aussage, der Herd habe derzeit halt hin und wieder ein paar technische Probleme aufgrund von Stromschwankungen. (Was mich nicht wunder nimmt; so ein kleiner Braten im Rohr verursacht wohl tatsächlich, dass die Herdplatten weiter oben hin und wieder durchbrennen.) Seither schwelgen wieder alle in Harmonie. Und ich habe beschlossen, dass ich weder daran noch an mir etwas ändern werde.

Wohl bekomm’s!

Wunder gibt es immer wieder …

… sei es, dass mich die Telekom nach jahrelang anhaltenden Ärgernissen dieser Tage so positiv überrascht hat, dass ich zweifelnd zum Kalender griff, um auszuschließen, dass es sich um einen Aprilscherz handelt. Oder sei’s, dass Madame endlich den Mut aufgebracht hat, sich wieder in ihrem Vorgärtchen blicken zu lassen. Zeit ist leider immer noch der entscheidende Faktor dafür, dass es hier sehr vereinsamt und verwildert ist. Mein heißgeliebter Job hat mich die letzten Monate sehr gefordert, ich habe Dummheiten begangen wie am Feiertag ein paar Stündchen arbeiten, im Urlaub nur schnell noch dies und das erledigen … Es pressierte schließlich, ein wichtiger Auftrag hing von der pünktlichen Abgabe ab und ich mache ja nichts lieber, als meinem Chef den Hintern zu retten…

Freitag, 17 Uhr 05: Madame schickt die letzten bearbeiteten Dateien weg.
Montag, 08 Uhr 15: Aus dem Postfach grinst mir eine Benachrichtigung entgegen, die mich wiederum dazu brachte, das Datum anhand des Kalenders zu prüfen. „Äh, das waren doch die Dateien, die wir gar nicht mehr brauchen, weil der Auftrag nicht zustande kommt?“ Vor meinem geistigen Auge rieselten die am Schreibtisch verbrachten Stunden zu einem Häuflein Staub zusammen. Die enttäuschten Gesichter von Familie und Freunden, wenn ich mal wieder nicht dabei sein konnte. James, der mich in der letzten Zeit zum Aston Martin tragen musste, weil ich zuvor schon längst mit dem Kopf auf der Tischplatte eingeschlafen war.

Nun denn, was soll’s, sowas passiert, sowas wird immer wieder passieren. A propos wiederkehrender Mist: Da glaubt Madame, sie habe endlich so etwas wie Frieden gefunden, ein Plätzchen zum Sein und Träumen, ein bisschen ausspannen noch, bevor das Leben in all seiner Schnelligkeit und Launenhaftigkeit wieder voll zuschlägt – und schon hagelt es Kritik von mehreren Seiten. Am Ende des Tages fragte ich mich: Bin ich wirklich ein so schrecklicher Mensch? Bin ich wirklich blind, falle ich tatsächlich in alte Muster zurück, obwohl es mir doch so gut geht und ich endlich, endlich in der Lage bin, mein Leben zu genießen? Anscheinend schon. Anscheinend bin ich nie und niemandem gut genug, am wenigsten mir selbst. Und leider, auch wenn sich Madame Contenance den stimmigen und durchaus zutreffenden Teil der Kritik zu Herzen genommen hat, leider ist da noch die kleine rebellische Contraire, die am liebsten genau jetzt ihre Koffer packen und der ganzen Bagage den Rücken kehren möchte, auf dass sie sehen mögen, was sie angerichtet haben. Mach ich natürlich nicht. Aber den Kritikern zukünftig die Füße küssen, den Nörglern eine Puderzuckeranwendung verabreichen, ich weiß nicht, ob ich das kann.

Ist es Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit, andere so sein zu lassen, wie sie sind? Ist es verwerflich, sich in jemanden hineinversetzen zu können und zu sagen: Ich verstehe dich? Ist es einfach nur idiotisch, jemandem in einer schwierigen Situation Zeit zu gewähren? Mein Verstand sagt mir: du funktionierst nicht richtig, du bist nicht auf dem Weg, auf dem andere dich gern sähen. Mein Gefühl sagt: es ist nicht gerecht.

We’ll love you just the way you are if you’re perfect …

 

Lebens¦zeich¦n¦en

Du liebe Güte, wie sieht es hier nur aus? Verspinnwebte Ecken, eingestaubtes Wortmaterial, die Schmiede voll mit Fragmenten und Gedankenfetzen – doch kein neues Werk in Sicht, keine Pläne, keine Skizzen. Wie lange war ich weg? Dem Gartenzweg hat’s die Mütze vom Kopf geweht, nachdem meine beiden Famoskommentatoren meine About-Seite erneut und scheißherzchenstapfend vandalisiert haben – zurecht, meine Lieben, doch musste der Kuhfladenangriff auf die geschlossenen Läden wirklich sein? Jetzt sitze ich hier und kratze wort¦wörtlich die Scheiße aus den filigranen Holzlamellen.

Real kratze ich auch gerade das letzte bisschen Scheiße aus meinem Leben. Leider habe ich dazu nur ein dünnes Nädelchen namens Zeit und ein Miniskalpellchen Motivation zur Verfügung. Mehr wird mir momentan von dieser Institution namens Arbeit nicht zugestanden, und darüber hinaus ist es weitaus verlockender, jedes kleine Fetzelchen Freizeit auf der rosa Wolke zu verbringen. Man möge Nachsicht üben, nur fliegen ist schöner.

Ich habe ernsthaft überlegt, ob es nicht an der Zeit ist, dieses Blog zu schließen. Es ist vor über einem Jahr entstanden als eine Art Selbsttherapie, während der ich nach mir selbst gesucht habe. Ein Hilfeschrei an mich selbst, ein Ventil für all die abgelebten und ungel¦i¦ebten Gefühle. Dabei habe ich unglaublich viel gelernt. So, und nun kann ich sagen, ich bin zufrieden mit der Entwicklung. Ich musste lernen, erst mal eins zu werden. Auf dem Weg dahin bin ich oftmals ganz schön daneben getreten. Und ich habe verletzt und verstört. Das hat mir gezeigt wie verletzt und verstört ich selbst gewesen bin. Es tut mir wahnsinnig leid, das ist nicht gut zu machen, aber anscheinend war auch das notwendig. Und es ist notwendig, dass zumindest ich mir selbst das verzeihe. Shit happens. Ich glaube nicht, dass sich auch nur einer derjenigen, die mich in der Vergangenheit verletzt haben, so viele Gedanken machen. Absolution.

Jetzt seid ihr allesamt gefragt: Soll es weitergehen mit Mme Contraire? Auch wenn es in nächster Zeit hier weniger oft und dafür Scheißherzchen regnen wird? Ich kann selbst noch nicht abschätzen, wie sehr es mich in meiner Schreiberei beeinträchtigen wird, dass ich der Melancholie zwangsweise erst einmal abgeschworen habe – die wird nämlich unglaubwürdig, wenn man den ganzen Tag mit einem überbreiten Grinsen herumläuft. Ich werde zunächst einmal ein wenig entstauben hier, mit dem haarfeinen Pinsel, der mir zur Verfügung steht. Die abgelegten Worte sortieren, kategorisieren, eventuell probeweise zusammensetzen. Vor allem die Späne unter der Werkbank beseitigen. Die Skizzen werden sich im Laufe der Zeit selbst niederzeichnen, Pläne reifen, wenn man sie nur in Ruhe lässt. Dann ist noch Gartenarbeit angesagt. Spuren beseitigen, neue Blümchen pflanzen und einen Elektrozaun installieren, damit es anspruchsvoll bleibt für meine Famoszaungäste. Es wird eine Weile dauern, bis der Alltag wieder einkehrt – hoffentlich dauert es ein Leben lang -, und die nächsten Monate bleiben sowieso spannend: Ich arbeite an einem Wiegebettchen, mit Kissen aus süßen Worten, einem Himmel aus Freudentränen und einem Grundgerüst aus weitvorfälliger Liebe gewoben. Man wird nur einmal zum ersten Mal Tante.

(Von Cash zu Cave. Ich halte das für konsequent.)