Madame macht Urlaub

Gestern war der erste Urlaubstag, zwei ganze Wochen stehen bevor. Heute sollte Madame eigentlich ein wenig aufräumen zu Hause und den Koffer packen. Aber eine postalische Lieferung kam dazwischen und hält Madame seither erfolgreich von diesen Vorhaben ab. Sei’s drum, Urlaub ist Urlaub, und mit einer wundervollen Tasse Kaffee auf der kleinen Terrasse hinter dem Häuschen, in die weißen Kissen gekuschelt, lässt es sich doch aushalten. Noch dazu mit nachfolgend beschriebener, fabelhafter Lektüre. Der gute Flix, dessen Werk ich schon einmal lobbehudelt hatte, hat endlich einen wunderbar großformatigen Band seiner „Schöne Töchter“-Folgen herausgebracht und in den letzten Tagen des Juli für die ersten 1122 Besteller handsigniert. Ich konnte gar nicht anders.

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Feines Großformat, noch feinerer Inhalt. Und ein veritabler Sonnenschutz noch dazu.

Alle bisher veröffentlichen Folgen findet man in diesem Buch, sowie eine unveröffentlichte, die es wieder einmal in sich hat. Meine Lieblingsfolge ist natürlich auch dabei. Absolut schön, absolut hochwertig, immer wieder berührend.

 

Die Lieblingsfolge und noch eine weitere Errungenschaft

Und weil ein derart sensibles Buch nicht gerne alleine reist, habe ich gleich noch ein weiteres mitbestellt, das ohnehin schon lange auf meiner Wunschliste stand: „Da war mal was“, Erinnerungen an hier und drüben, wunderbar in Comicform gebracht. Gerade letztens unterhielt ich mich mit einer Anfang-Zwanzigerin, die bedauerte, dass sie „die DDR“ und die Wiedervereinigung altersmäßig nicht miterleben konnte. Ich hätte ihr dieses Buch ans Herz legen sollen.

Und die persönliche Widmung natürlich!

Sehr nett, sehr persönlich: Meine Widmung

Natürlich habe ich mich auch sehr über die persönliche Widmung gefreut. Die Frage, ob Klarname oder Pseudonym stellte sich nur kurz und wurde umgehend per Bauchgefühl beantwortet. Ich finde, Flix passt wunderbar in Madames Leben. Und er hat sich richtig Mühe gegeben, oder was meint ihr?

 

Ich würde sagen: Der Urlaub kann beginnen! Für Lektüre ist gesorgt, das Wetter soll entsprechend sommerlich werden, auch die Gesellschaft ist hervorragend. À propos Gesellschaft, Madames Mitteilungsbedürfnis ist in jeder Lebenslage vorhanden, deswegen kam ich nicht umhin, JB voller Stolz meine neue Errungenschaft zu präsentieren. „‚Für Madame C.?'“ Der fragende Blick genügte, dass ich ihm die ganze Flix-Geschichte erzählte und damit meinen Bloggernamen fast-preisgab. Dass ich schreibe, weiß er. Lesen mag er aus Rücksicht auf meine Kreativität nicht, was mir sehr recht ist – es würde mich tatsächlich zu sehr einschränken, und am Ende müsste ich ihm noch erklären, wer eigentlich dieser JB ist …

Noch mal

Madame Contraire wünscht allen eine gute Zeit!

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Seitenfüllender Scheißherzchensuperlativ

Unbeschriebene Seiten sind dem Schreiberling ein Graus. Er findet daran keinerlei Eleganz oder vornehme Zurückhaltung. Seiten füllen, Dinge beschreiben, Geschichten erzählen, die Zeilen wieder und wieder lesen – es ist ihm Bedürfnis und Zwang zugleich. Es ist im Leben nicht anders.

„Wären wir unbeschriebene Blätter, ich glaube, das fände ich gar nicht so gut“, gestand mir JB gestern. Vorangegangen war ein Gespräch, wie wir es seit ein paar Monaten immer führen, abends, in der kurzen Zeit zwischen Tagesende und Nachtbeginn. Egal, ob die Tage bis obenhin mit Berichtenswertem angefüllt waren oder eher nichtssagend leer geblieben sind (was deutlich seltener vorkommt). Es gleicht einer Lesung, dem Nachschlagen des tagesaktuellen Kapitels. Wir lesen uns gegenseitig ausgewählte Passagen vor und erwarten Reaktion, Kritik, Zustimmung. Die Protagonisten darin haben sich mittlerweile vertraut gemacht.

Gestern wollte sich der Schlaf nicht zu uns gesellen, obwohl eine kurze Nacht bevorstand. Die beste Gelegenheit, sich ein Buch vorzunehmen, um auf seinen Seiten Ablenkung, Abenteuer und schließlich Müdigkeit zu finden. Wir blätterten also die dicht beschriebenen Seiten unserer jeweiligen Biografien durch und blieben, wie erwartet, am unübersehbar großen Lesezeichen im Kapitel „Liebesleben“ hängen. Daran schreiben wir zur Zeit gemeinsam. Es ist zwar nicht erforderlich, die bisherigen Entwürfe zu konsolidieren, aber das Darinblättern ist durchaus spannend. Unweigerlich suchen die Augen, sucht der Finger die Stelle, die eine der brennendsten Fragen beantworten soll: „Wie viele?“ Und dann beginnt der verbale Eiertanz um eine Sache, aus der manche ein wohlgehütetes Geheimnis, andere nicht den geringsten Hehl machen.Fingerspitzengefühl ist gefragt.

Langsames Vortasten: „Wie viele was?“
Die Suche nach der rechten Formulierung: „Partner.“
Zeitschinderei, der Situation angemessen: „Definiere ‚Partner'“.
Bereitwillige Aussage, geschickter Zug: „Ernsthafte. Ohne die Spielchen“
Kurze, wiederum angemessene Verzögerung, dann die ehrliche Zahl.
Ehrliche Verwunderung, durchaus als positive Reaktion einzuschätzen.

Die Gegenfrage blieb aus, die Antwort kannte ich bereits. Kein Schlaf in Sichtweite. Weiterblättern, durch die bunten Seiten der Kindheit, das ist immer unterhaltsam. Lesezeichen finden sich zuhauf, das ist gut, denn manche Kapitel mag man einfach überblättern. Zu düster manchmal für einen gewöhnlichen Abend, zu eng beschriebene Seiten in krakeliger Schrift, oder tränengeschuldet ausgeblichene, schwer lesbare Zeilen. Doch ich bin gedanklich noch beim vorherigen Kapitel. Ich will noch mehr lesen. Und lesen lassen: „Und so insgesamt? Interessiert dich das?“

Langsames Vortasten: „So insgesamt was?“
Die Suche nach der rechten Formulierung: „Insgesamt eben. Partner plus Spielchen.“
Zeitschinderei, der Situation angemessen: „Deine?“
Bereitwillige Aussage, dankbar für diesen Zug: „Ja.“
Verzögerung fraglicher Angemessenheit: „Du hast die Zahl parat?“
Dialog: „Na hör mal. Aber dir ist schon klar, dass ich dann die Gegenfrage stelle?“ – „Ja. Aber ich muss … ein bisschen blättern…“ – „Es sei dir gestattet.“

Blasse Zahlen. Seine übersteigt meine, natürlich, keine große Kunst. Blasse Gestalten dahinter. Die nüchterne Erkenntnis: Uninteressant. Unerheblich. Unwichtig. Und während wir weiter blättern, erinnern, schmunzeln, jeder für sich, denn es gibt Dinge, die behält man einfach besser für sich, füllen sich die Seiten des tagesaktuellen Kapitels. Am Ende wartet eine Auflösung. „Es war ein Test.“

„Ein Test? Wozu?“
Die Suche nach der rechten Formulierung: „Ein Test für beide Seiten.“
„??“
Dieses Mal ohne Umschweife: „Ich wollte wissen, wie es sich anfühlt. Welche Gefühle entstehen, wenn wir uns gegenseitig von unseren Verflossenen erzählen.“
Ein berechtigt-konsterniertes, aber in seinen Grundzügen verständniswilliges „Aha. Hm. Und?“
Seitenfüllendes Lächeln.
Dialog: „Es ist total ok.“ – „Ja, ist es, tatsächlich.“ – „Toll, oder?“ – „Total.“
Seitenfüllendes Lächeln auf der gegenüber liegenden Seite. „Nein, ich bin wirklich froh, dass wir keine unbeschriebenen Blätter sind“, beendet JB das Kapitel.

Denn in diesem Moment erschien Bruder Schlaf, der Ersehnte, nahm mir mein Buch sanft aus den Händen und legte es zur Seite, in dem ich gerade noch einmal das abgegriffene Kapitel meines Kleinmädchentraums las und mich wiederum wunderte, wie nah Fiktion und Realität beieinander liegen können, auch wenn sie Jahrzehnte trennt. Ein verdammtscheißherzchenguter Literaturabend.

angeF(l)ixT

Manchmal kann ich mir selbst nicht mehr zuhören, wenn ich von meinem Leben erzähle. Man fragt mich halt, oder man fragt nicht, ich gebe auch ungefragt Antwort, erhalte Bestätigung, aber die meiste Zeit werde ich angeschaut, als käme ich aus dem Urlaub in einem weit entfernten Sonnensystem und hätte seltsame Bräuche und Sitten mitgebracht. Das liegt vielleicht auch daran, dass mein näheres Umfeld fast ausschließlich aus Pärchen besteht, die verständlicherweise lieber gar nienicht damit konfrontiert werden wollen, was da mit mir passiert ist.

Heldentage

Alles neu - So sieht es auch gerade in Mme Contraires Wohnzimmer aus

Alles neu – So schaut’s in Mme Contraires Wohnzimmer aus

Um so schöner, wenn man sich irgendwo aufhält, wo man sich auf seltsam-vertraute Weise verstanden fühlt. Seit wie vielen Jahren ich Flix nun lese, weiß ich gar nicht mehr. Es begann mit seinen Seitenwechsel-Comics bei SpOn (vom Studenten zum Zeichendozenten), bis ich seine Homepage entdeckte. Fast jeden Tag gab (und gibt es noch) einen neuen Comic, die Heldentage 2.13, in denen er über Erlebtes und Gemachtes reflektiert. Dabei gefällt mir sehr, wie viel Gedanke und Emotion in diesen Bildchen stecken. Manchmal muss man unheimlich grinsen, wenn man sich ertappt dabei fühlt, schrecklich Profanes und Albernes vollstens nachempfinden zu können, was man sich selber vielleicht gar nicht eingestehen mag. Oder man kriegt Gänsehaut, die einer (selbst hineininterpretierten?) Tiefgründigkeit geschuldet ist. Ich kam kürzlich mal wieder an die ersten Heldentage, in denen Flix seine Trennung verarbeitet, und dachte mir: Ja, genau so fühle ich mich gerade. Vielleicht bin ich doch kein Alien und es gibt noch mehr von meiner Sorte… Ich wünsche viel Spaß beim Durchklicken, um zwischen Lobgesängen auf Nutella und Kaffee dann und wann in den Spiegel zu schauen!

Schöne Töchter

Mitten ins Herz

Nicht nur seine Heldentage machen Flix lesenswert. Ich warte immer in regelrecht freudiger Erwartung darauf, dass es einen neuen „Schöne Töchter„-Comic gibt. Sie handeln durchweg von, tja, schönen Töchtern eben, Mädchen, Frauen und ihrer Gefühlswelt. Oder was sie in der Gefühlswelt anderer verursachen. Wtf?? Wie kann ein Kerl sich bitteschön in die weibliche Psyche hineinversetzen? Das kann ja nur lächerlich werden! Ganz falsch. Das Gefühl beim Lesen stimmt einfach, zusätzliches Highlight ist die oftmals geniale Anordnung, Ausrichtung – Komposition. Ich erkläre mir die vielen vor allem weiblichen Fans anhand eigener Erfahrungen: Ich muss jeden Tag stark sein und kämpfen. Das muss jeder. Meine Interessen vertreten und tough sein, mich nicht in die Schublade „blödes Weibchen“ stecken lassen, und vor allem will ich eines: ernst genommen werden. Wenn ich dann vor dem Bildschirm sitze und Flix‘ Hommage an die Weiblichkeit lese, die uns zu jeder Zeit in einem positiven Licht erscheinen lassen, erlaube ich mir, Stärke und Schutzpanzer an der Garderobe abzugeben und einfach Mädchen zu sein: *seufz*. Die Folge 19 ist mein persönlicher Favorit, er traf mich mitten ins Herz.

Don Quijote

DQ CoverUnd wenn man das noch toppen will: Flix hat sich nach seiner Adaption von Goethes Faust, in der er den Titelhelden seinem Gretchen mit Migrationshintergrund im heutigen Berlin begegnen lässt, Cervantes‘ Don Quijote vorgenommen und – meiner Meinung nach – meisterhaft verarbeitet. Dabei fiel selbst mir (normalerweise Nicht-Comicleser) eine veränderte Strichführung verglichen mit vorhergehenden Werken auf. Es fühlte sich insgesamt ernster an beim Lesen, das Gesamtbild ist in Teilen sicherlich noch komisch, aber auch düster, schwer – bedeutsam. Seine Interpretation des Ritters von der Traurigen Gestalt ging mir unheimlich nah, vor allem die letzten Seiten des Buches waren ein unglaublich intensives – ein durchaus bekanntes Erlebnis. Auf seiner Homepage kann man sich auch durch die einzelnen Folgen klicken, die er vor Erscheinen des Buches seinen Lesern vorab täglich zur Verfügung stellte. Schön übrigens die Aufmachung in Anlehnung an diese abgenutzten, zerlesenen Reclam-Heftchen, die so manchem aus der Schulzeit in Erinnerung geblieben sein dürften.

Flix himself

Ich hatte letztes Jahr im September das Glück, einer Comiclesungen beizuwohnen. Auch das: ein tolles Erlebnis, ich kanns echt nur empfehlen. Anschließend wurde signiert, und so durfte ich ein paar persönliche Worte mit Flix wechseln, was meinen positiven Eindruck, den ich aus seinen Werken meinte herauslesen zu können, zusätzlich verstärkte.  Ob ich viel Intelligentes von mir gegeben habe, bezweifle ich, mir ging immer nur im Kopf rum: „Das isser! Das is der Flix! Den du nahezu jeden Tag liest! Don Quijote … ! Das isser! …“ Und dann steht da ein ganz normaler, einfach sympathischer Mensch vor dir, unterhält sich locker und zeichnet dir was in dein Buch, das du die ganze Zeit über an dich geklammert hast … Es war ein echt schöner Abend.

Ich könnte noch ewig so weiter lobhudeln. Gerne hätte ich auch noch die Reihe „Da war mal was“ erwähnt, persönliche Geschichten und Erlebnisse unterschiedlichster Menschen zum Thema Mauer, die einem immer wieder Gänsehaut auflegen. Aber es soll nun wirklich genug sein. Ich wollte euch einfach teilhaben lassen an ein paar schönen Dingen, die mir Freude machen und mich zum lächeln bringen. Die Bücher eignen sich übrigens hervorragend als Geschenk – ich habe mittlerweile mehr davon weitergegeben als selbst im Schrank daheim stehen, einfach weil man damit immer noch ein extra Lächeln mitverschenkt. Dankesehr, Flix!

Abstinent

Ich habe mich in letzter Zeit ein wenig in Abstinenz geübt. Vor allem nichts geschrieben hier, aber auch versucht, mal einen Monat oder sogar länger nichts beim in Misskredit geratenen Online-Versandhandel zu bestellen. Auch bei der Ernährung achte ich zur Zeit darauf, mir nur  – naja, hauptsächlich – Gutes zu tun und auf eher nicht so Gutes zu verzichten (außer Schokolade, DAS würde ich keine Woche überstehen!).

Positive Effekte? Schon! Ich bin immer noch brav dabei, mit meiner Waschfrau zu arbeiten, bin gelobt worden und habe neue Erkenntnisse über mich gewonnen. Feine Sache. Meine Arbeit und die sonstigen Aufgaben erledige ich ebenfalls brav und finde sogar Zeit wieder zu lesen – gut, Zeit zum Lesen ist immer, nur der Kopf fehlt oft. Den habe ich also auch. Mir scheint, mit mehr Kopf ist es auch möglich, die schönen Dinge im Leben (die es ja durchaus gibt, auch wenn man über Schlaglöcher fährt und sich über die Menschheit insgesamt aufregt) zu sehen und zu spüren. Gleich zu drei Gelegenheiten wurde mir bewusst, dass ich ja nicht am Faden hänge und mich fremdsteuern lasse, nein! Sondern, dass ich selbst etwas bewegen kann, und sei es nur durch eine Kleinigkeit; ein Brief, der beim Empfänger nicht nur physisch, sondern auch im Herzen angekommen ist; einen kleinen Funken Inspiration pflanzen und sehen, dass er prachtvoll erblüht; ein Ohr leihen und eine Freundin dafür bekommen. Schöne Dinge, die mich an mich selbst glauben lassen.

Und derart motiviert reifen Pläne in mir, weiterzugehen, nicht nur den Kleiderschrank auszumisten, sondern auch die Küche, den ungeliebten Wohnzimmerschrank, umsortieren, ganze Räume umorganisieren und zum Teil renovieren – das zwar nicht allein in meinem Kopf, aber ich denke, sobald ich anpacke, meinen Lebensraum zu verändern, zu verbessern, verbessere ich meine Gesamtsituation. Das mal als Plan der nächsten Wochen.

Abschließend möchte ich noch auf Lesestoff hinweisen. Diese Dame hier bloggt noch nicht so lange, scheint aber ein angeborenes Talent dafür zu haben, gut zu unterhalten. Ich lese regelmäßig gerne ihre kleinen und wirklich amüsant beschriebenen Alltäglichkeiten, meine sogar, zwischen witzigen Formulierungen auch etwas Melancholie zu entdecken und freue mich einfach, dass jemand hierher gefunden hat und mit so viel Spaß an der Sache schreibt. In jedem Fall eine Inspiration, das Leben nicht immer so verbissen zu sehen. Vielleicht versuche ich mich demnächst auch mal an einer amüsanten Geschichte – ich schicke meine Schwermütigkeit einfach mal in den Urlaub und probiere ein wenig herum. Möglicherweise wird’s ja was!

Grüße

Vor dem Fest wollte ich unbedingt noch etwas schreiben. Unter anderem natürlich frohe Festtage wünschen – all jenen, die das lesen. Mir fallen täglich so manche Begebenheiten ein, die ich gern in Worte fassen würde, mit-teilen möchte, weil ich Freude daran habe. Ich habe wieder neue Musik im Auto, und ich habe ein neues Buch gestern fertig gelesen. Darüber könnte ich erzählen.  Allein – gerade jetzt in diesem Moment klopft schon der Vorläufer-Weihnachtsstress an meine Tür und mahnt mich, die Uhr nicht aus den Augen zu verlieren. „Du musst noch dies und das und jenes und duschen und Geschenke einpacken und, und, und …“ Das kann nicht der Sinn von Weihnachten sein, und doch ist es jedes Jahr das gleiche. Noch dazu kommt meine melancholische Grundstimmung, die ich seit ein paar Monaten mit mir herumtrage, und sie kratzt heute besonders laut an der Oberfläche. Ich bin selbst schuld. Es gibt Dinge, die ich lieber sein lassen sollte, und ich tue sie trotzdem, obwohl ich weiß, dass es weh tun wird. Mein Plan ist, mit eben diesen Dingen bis zum Jahresende ins Reine zu kommen und 2013 einen Neustart zu wagen. Einen Neustart dahingehend, Hilfe anzunehmen und wirklich daran zu arbeiten, dass es besser wird. Und nicht einfach nur eine mögliche Zukunft in meinem Kopf auszusäen und heranzuzüchten, dann vergessen sie zu gießen und sie welken und sterben zu lassen. Ich habe mich eine sehr lange Zeit nicht so furchtbar gefühlt wie momentan (momentan = die letzten drei Monate). Es ist mir, als wäre ich wieder 15 – und das war keine schöne Zeit! (Außer der Musik, die ich damals gehört und geliebt habe, das muss ich zugeben. Ohne sie wäre ich nicht mehr.) Ja, ich glaube, wenn ich wieder in Ordnung gekommen bin, dann habe ich auch die Zeit und die Kraft, für andere da zu sein. Ich habe keine Weihnachtsgrüße verschickt, keine Karten geschrieben. Ich ziehe mich zurück in die Feiertage, zu meiner Familie, und bin auch fast ein bisschen froh über die abgerauchte Festplatte – …

In diesem Sinne: Frohe Festtage, macht das Beste draus!

So gut …

Da bin ich wieder. Im wahrsten Sinne. Nachdem ich mal wieder ganz tief drin war, hat die letzte Woche mich irgendwie wieder herausgerettet. Und das, obwohl sich Plus und Minus nicht viel genommen haben. Heute ist auch ein wirklich guter Tag. Die Arbeit lief erstaunlich gut, so dass ich sogar auf die geplanten Weihnachtseinkäufe lächelnd verzichtet habe, um noch ein Überstündchen dranzuhängen. Denn morgen ist immerhin auch noch ein Tag. Oder Übermorgen. In guter Gesellschaft arbeitet es sich noch mal so motiviert, und wenn es keine Gesellschaft gibt, dann gibt es Musik – mein MP3-Player ist übrigens über den Jordan gegangen. Doch zum Glück hat mein stinkiges, kleines, lädiertes Handy (ich habe es trotz allem immer noch) eine MP3-Playerfunktion, die mich sehr zufriedenstellt. Meine bisherige Playlist heute:

– Factory of Faith (RHCP) Könnte ich gebrauchen
– Ode to my Family (Cranberries) Ihr seid toll, ich liebe euch
– Chasing Pavements (Adele) Should I give up? Och nö
– Hedonism (Skunk Anansie) Passt nicht. Und passt doch.
– Shake your Hips (The Bosshoss) Sieht sehr lustig aus aufm Bürostuhl
–  In the Dark (Nina Simone) Nichts lieber als das
– … t.b.c.

Und sonst? Die Festplatte meines Laptops hat sich verabschiedet. Blöder Mist. Aber es hat auch was Gutes. Jetzt hänge ich wenigstens nicht mehr allzu sinnlos vorm Internet und warte auf Dinge, die sowieso nie passieren werden. Dafür habe ich gestern endlich wieder ein Buch in der Hand gehabt. Nichts Anspruchsvolles. David Safiers „Happy Family“ – die Kritiken hatten recht, der schwächste Band bisher. Aber eben gut zum Abschalten. Dafür nun kürzliche persönliche Neuentdeckungen, die nur darauf warten von mir gekauft und konsumiert zu werden:

– Carlos Ruíz Zafón „Der Gefangene des Himmels“ Barcelona und Bücher – ich komme!
Carlos Ruíz Zafón „Marina“ Wenn ich schon dabei bin
– Ken Follett „Winter der Welt“ Muss – den ersten Band hab ich schon verschlungen
– Marie-Sabine Roger „Das Labyrinth der Wörter“ Zufallsfund. Ich freu mich drauf.

Die beiden besten Bücher der letzten Zeit waren übrigens Eduard von Keyerlings „Wellen“ und, natürlich „Das dreizehnte Kapitel“ von Martin Walser.

Und das vergangene Wochenende erst! Ein kleiner Urlaub vom Alltag mit guten Freunden in einer, sagen wir mal, etwas gewöhnungsbedürftigen, aber dennoch herzerwärmenden Atmosphäre. Viel gelacht, viel gefreut und – so komisch es klingt – die Abwesenheit gewisser Störfaktoren mehr als genossen.

Soweit, so gut. Was steht bis zum Jahresende noch an?

– Steuererklärung. Wird morgen fertig.
– Kontenwechsel. Heute noch mal kontrollieren, ob’s läuft.
– Weihnachtsgeschenke. Aaaah!
– MediaMarkt. Um Festplattenreparatur/-austausch bitten. Und ein neues Handy kaufen ;)
– Urlauben. Fest eingeplant.
– Äh, ja. Und dann ist das Jahr auch schon wieder vorbei.

Schön, wirklich schön. Das für heute. Reicht ja auch.

Mme C.