Signe de vie

Madame ist verreist. Endlich weg vom Alltag, der mich seit Jahresbeginn fordert, und der mich in den letzten langen Wochen sogar vom Schreiben (und vielen anderen wichtigen Dingen) weggezerrt hat. Deshalb lasse ich euch auf die Schnelle ein kleines Lebenszeichen zukommen; es geht mir gut, nur das Wetter könnte sich noch ein wenig mehr zusammenreißen.

Wer weiß, wo ich mich gerade aufhalte?

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Des petits plaisirs

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Viele Grüße aus …? Ich denke an Euch! Bis hoffentlich bald!

Realitäts¦ver¦lust

Heimat, im physischen Sinne, ist ein überholtes Konzept. Das Herz sucht sich seinen Platz, ihm sind Distanzen und Umstände völlig egal. Mir wären Distanzen und Umstände gerne genau so egal, aber die Realität mit all ihren Einwohnern hat eine ganz andere, eine eigene Meinung. Aber, muss meine Realität zwingend die gleiche sein? Wenn Meinungen verschieden sein können, dann auch Realitäten. Eure Tatsachen gegen meine, euer Leben und meins. Und überhaupt, wer bestimmt, dass man sich auf eine Realität, diese eine Tatsache, dieses Leben festlegen muss? Ein überholtes Konzept, Heimat, wenn die Realitäten in ihr sich aneinander reiben. Eure Tatsachen, euer Leben. Aber ohne mich. Lust am Verlust.

Was, wenn die See die ganze Zeit das war, was ich unter Heimat verstand? Was, wenn meine Heimat gar keine war, weil sie mich immer wieder geschüttelt, gezogen und wieder verlassen hat? Was, wenn ich die ganze Zeit gar nicht nach ihr, sondern nach einer anderen Freiheit gesucht habe? Das erklärt, weshalb mir fester Boden unter den Füßen stets brüchiger, unsicherer schien als das Meer selbst, wenn nicht einmal eine Sandburg darauf lange hielt. Es ist Zeit für den Kurswechsel. Sandige Gestade, unbesetzter Leuchtturm, euch lasse ich im Rücken und setze die Segel, auf dass der Wind mich hinaustrage, so richtig weit fort. Denn er bläst stark, von Land. Ich habe es erst jetzt zu deuten verstanden. Die Sirenengesänge waren nur ein fernes Echo, die scharfen Klippen ließen sie abprallen und verschleierten ihre Herkunft.

Auf See schlägt man keine Wurzeln. Irgendwo da draußen ruft ein anderer Hafen. Neues Land zeichnet sich ab auf dem Herzradar. Dafür nehme ich Verlust in Kauf und schlage meinen persönlichen Gewinn daraus. Mein Leben, meine Realität.

Detox

– 2. Mai 2016 –

Abwarten. Und Tee trinken. Eine meiner liebsten Beschäftigungen – nicht. Warten war für mich schon immer ein Graus, einerseits. Andererseits habe ich viel Zeit verwartet, aufgeschoben und ausgehofft, auf dass sich unangenehme Dinge von selbst verflüchtigen. Meist hat das sogar wirklich funktioniert und tut es noch. Aber auf die schönen, die angenehmen Dinge zu warten, das fällt mir immer noch schwer.

Also Tee trinken. „Detox“ fiel mir ins Auge und gleich darauf in den Einkaufswagen. Eine Entgiftung, dachte ich bei mir, klingt wünschenswert. Von innen heraus, weg mit dem, was krank macht. Wovon ich mich auch äußerlich lösen sollte, wenn ich mir die Wartezeit auf ebenjene schönen und angenehmen Dinge nicht unnötig vergällen oder gar verlängern lassen will. Es klingt so einfach: Weg mit unliebsam gewordenen Aktivitäten! Weg mit Menschen, die mir nicht gut tun! Ausmisten auf der Freundesliste, Sperrmüll im Herzkästchen. Und so einfach wäre es, wäre da nicht diese angeborene Überfunktion an Pflichtgefühl und Gedankenspinnerei.

Es reicht also nicht, den Schnitt zu setzen. Die postoperative Wundversorgung nimmt den meisten Raum ein, die Achtsamkeit, dass sich das bloßgelegte Fleisch nicht entzünde. Höchste Sauberkeit, antibakteriell von außen, und inneres Ausfluten mittels Entgiftungstee. Klare Indikation, Umsetzung schwierig. Im Angebot ist nämlich eine Menge meist subkutan verabreichter Medikation, oft gegen meinen Willen. Ich finde, dass jeder selbst bestimmen sollte, was ihm unter die Haut geht. Was schwierig ist, wenn an jeder Ecke die Spritzen aufgezogen werden und nur darauf gewartet wird, bis ich hineinlaufe. Bei der Wahl meiner Mittel muss ich  sorgfältiger vorgehen und nicht alles schlucken, was mir an Möglichkeiten dargeboten wird.

Lange, viel zu lange habe ich all jenen vertraut, denen ich eine Behandlungskompetenz zugesprochen habe. Ich dachte, vertrauen ist das einzige, was ich kann. Ich dachte, Vertrauen ist eine gegenseitige Einrichtung. Ist es nicht.  Nicht überall. Ich habe viel zu lange auf die falschen Konten eingezahlt, meine Ersparnisse sind weg, einfach verraucht, ohne dass ich selbst etwas davon hatte. Das soll mir eine Lehre sein.

 

Schulmedizin

Ich habe es ja verstanden. Zu viel Meckern macht krank. Oder umgekehrt. Nur, beides bringt so gut wie nichts, außer maximal einer Auszeit, und da ist es fraglich, wie erstrebenswert sie wirklich ist. Ich habe mich über mich selbst gewundert, als ich da so saß, wieder einmal wochenends, wieder einmal Klinikum. Ich wusste, was auf mich zu kommen würde. Und trotzdem war ich – ruhig, ja. Was hätte ich auch machen sollen, in solchen Momenten nützt weder hadern noch meckern, man muss sich auf Gedeih und Verderb fremden Menschen ausliefern, denen man aufgrund der Profession und dem weißen Kittel eben Vertrauen entgegenzubringen hat. Madame und ihre allererste OP. Ich schicke gleich vorweg, es war nichts Wildes, nichts Lebensbedrohliches, maximal war es akut und etwas unangenehm. Gut, dass es gleich am selben Tag erledigt werden konnte, eine längere Wartezeit hätte mir wahrscheinlich doch die mir nur zu gut bekannte Panik beschert. So durfte ich direkt bleiben, hatte sogar ein Zimmer für mich und diese nette kleine blaue Beruhigungspille, die alles andere als matschig im Kopf macht, wie ich eigentlich dachte.

Die Narkoseärztin hatte hübsche grüne Augen, das Schmerzmittel ließ mir orangefarbene Streifen quer über den Rücken laufen und das Narkosemittel war hammergut. Aufgewacht bin ich wenig später zwischen den Zweigen eines Apfelbaums mit schönen runden Pink-Lady-Äpfeln. Ich habe keine Ahnung, wie ich ausgesehen haben mag, als man mich wieder auf die Station rollte, aber ich dachte daran, wie toll ich es als Kind gefunden hatte, ein Bett mit Rollen zu besitzen, mit dem man, auf unzählige Kissen gebettet, in die Schule hätte fahren können. Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett lässt grüßen. Kurz nach einer OP so gut drauf zu sein kam mir selbst ein wenig pervers vor. Vor allem, wenn der Liebste am Bett sitzt und mit dem Kreislauf zu kämpfen hat, während ich fröhlich am Tropf hänge und von meinem Apfelbaumabenteuer erzähle. Aber keine Sorge, spätestens zurück in den einsamen vier Wänden, verlassen vom Pflegepersonal, da kehrt der Blues zurück.

Wie konnte es soweit kommen? „Pech“, ist die lapidare Aussage des Assistenzarztes, und dieses Mal ist es endlich eins dieser seltenen, durchaus ansehnlichen Exemplare. Aber ich weiß es besser, natürlich, unbelehrbar, wie ich bin. Immer dieses Verbiegen, das muss doch auf die Dauer schlecht für den Körper sein. „Für irgendwas muss es dennoch gut sein“, klingt es wohlbekannt aus der Plan-B-Schmiede. Vierzehn Tage Zwangsurlaub sind schon mal ganz in Ordnung, und halbliegenderweise kann ich sogar bloggen, und auch meine Katzen freut es ungemein, dass ich nicht den ganzen Tag wie sonst im Haus herumlaufe, ohne die Beine stillhalten zu können.

Und wie ich so entspannt versuche, den Tag herumzubringen, offenbart sich einmal wieder eine dieser kleinen, spitzen Ungeheuerlichkeiten des zwischenmenschlichen Umgangs. Sofort ist mein Puls auf hundertachzig. Aber anstatt ihn wieder herunterzubringen, statt den sonst indizierten Achnichtsoschlimms und Daskannjamalvorkommens pocht die Enttäuschung einen Tick zu laut gegen die Herzwand und mäandert sich ungehindert durch den Körper ins Gehirn, wo der Entschluss so schnell heranreift wie kürzlich diese andere Sache, die operativ entfernt werden musste. Operativ entfernen. Genau das ist es. Es gibt Dinge, die sich einfach nicht mit Nachsicht und Geduld kurieren lassen. Versucht man es, kommen sie doch immer wieder, und mehr Nachsicht und Geduld sind gefordert, ein jedes Mal. Und dabei macht man sich lächerlich. Die immer mit ihrer Geduld! Mit der kann man echt machen, was man will. Ich fühle mich plötzlich wie eine kleine unverbesserliche Esoterikerin zwischen hunderten von Schulmedizinern, die sich nicht scheuen, ihr Skalpell kühl und berechnend einzusetzen, ihr Beruhigungsmittel und andere Gifte zu injizieren, wenn es gerade zupaß kommt. Und ich, mittendrin, jongliere noch immer mit Globuli und Kräutertee.

Nichts da, dieses Mal greife ich auch mal zur Knochensäge. Akribisch bereite ich den Eingriff vor, notiere mir die notwendigen Schnitte, lege Tupfer und sogar ein Pflaster bereit und greife zum Telefonhörer. Natürlich ist die Performance noch holprig und nicht so elegant, wie meine Notizen das vorsehen, aber das Wichtigste ist, dass der entscheidende Schnitt richtig platziert ist. Und das ist er. Mein Patient versteht sofort und versucht auch nicht, mich daran zu hindern, die Amputation zu Ende zu bringen. Immerhin liegt hier genug Eigenverschulden vor, auch eine Entschuldigung erweist sich als kontraindiziert.

Anstatt nun überglücklich zu sein, dass ich diese Operation erfolgreich durchgeführt habe, wandert nun der Phantomschmerz paukend und trompetend durch mich hindurch. War das richtig? Soll ich meine Glaubwürdigkeit riskieren und es doch schnell wieder annähen? War ich zu rigoros? Dann betrachte ich meine eigene Operationsnarbe und frage mich ernsthaft, ob ich das so oder so ähnlich noch einmal durchleben möchte. Nein, sicher nicht. Ich war auch nicht zu rigoros, ich war so freundlich und habe noch den Verband ordnungsgemäß angebracht, anstatt den Patienten verbluten zu lassen. Trotzdem bleibt ein Gefühl der Leere. Bedauern. Aber damit muss ich jetzt leben. Es wird besser werden, je öfter ich es übe. Daran muss ich glauben, wenn ich zukünftig öfter andere dran glauben lasse.

Schnitte

Freitagsblues

+++wieder einmal an der Zeit+++Dritter Meckermonat in Folge+++

Dürfen, müssen, sollen wollen – wie oft Verbiegen macht letztlich kaputt? Macht Nichtverbiegen nicht auch kaputt?

Ich habe kein Maß dafür. Mir fehlt der Blick. So einfach ist das – und darum auch wieder nicht. Gerade nicht.

Lernt man wirklich dazu oder sind das Schleifenfahrten, die das Leben mit einem treibt? Immer wieder von Anfang, andere Situation, gleiches Problem.

Hat man manche Dinge einfach viel zu schnell wegsortiert und abgehakt, fallen sie einem irgendwann wieder in die Hände und man wundert sich, wie unfertig sie noch sind. Dabei ist der Unfertig-Stapel so hoch, man weiß gar nicht, wie und wo man das jetzt noch unterbringen soll.

Hinterher ist alles leicht. Ja, wegsortiert und abgehakt. War gar nicht so schlimm. Hauptsache aus dem Blick.

Ich frage mich, ob das auf die Dauer so funktioniert, wenn ich Punkt B bearbeite, wo ich Punkt A noch nicht abgeschlossen habe. Worauf sich wiederum Punkt C und D und so weiter aufbauen. Habe ich dann nicht ein Loch im Konstrukt? Mag vielleicht durchaus halten, aber es ist ja nicht nur Punkt A, sondern so viele mehr. Ein löchriges Konstrukt, mein Leben also. Wie viele andere. Nur Vermutung. Die Fassaden lassen selten einen tieferen Blick zu. Man hört manchmal „Ich bin gescheitert“, gefolgt von einem „Es geht jetzt aber weiter“. Besser, reifer, mehr gelernt. Sagt man so, passt in die Fassade. Seltener bis gar nicht hört man „Ich bin gerade dabei zu scheitern. Und ich habe keine Ahnung, wie ich da wieder rauskomme“. Obwohl uns allen das Gefühl gut bekannt ist. Nur, wer gibt das gerne zu? Hinterher, lieber dann, wenn alles vorbei ist, Gescheitertsein abgeschlossen, Ergebnis: Gescheitert, aber weise. Kann ja jedem mal passieren.

Das mit dem Neuanfang, irgendwie hat das doch nie so richtig funktioniert. Aber was habe ich auch erwartet? Sehr wahrscheinlich ist es aber auch so, dass ich mir selbst gegenüber viel zu kritisch bin. Ich habe durchaus etwas erreicht. Aber mir ist ja nie was recht, was ich mache. Ich könnte es doch auch anders machen, war so eine Idee. Und dann sitze ich bei Besprechungen und höre mich Dinge sagen, die so gar nicht danach klingen, wie das, was ich nächtens in Traumdialogen ausgefochten und erkämpft habe. Plötzlich ist die Birne leer und am Ende, wie auch immer das passiert ist, steht ein goldgelbes Ja im Raum, oder zumindest ein blasses Na gut. Weil nämlich genau die Argumente nicht fallen, die ich mir zusammengesponnen hatte. Oder weil die Hirnaktivität aussetzt, sobald weitere Personen die Bühne betreten.

Ich sollte mal eine Weile verreisen, rät mir eine kleine Stimme irgendwo zwischen Herz und Bauch. Diese dämliche Selbstfindung, so nervig wie mein Autoschlüssel, den ich ständig suche, weil ich in verlegt habe. Mit dem Schlüsselkästchen geht es neuerdings. Ob es ein Selbstfindungsaufbewahrungskästchen gibt? Und gleich noch eins für die Selbstachtung und die Lebensfreude. Dass ich sie nicht ständig wieder suchen muss. Mit Deckel am besten.

Risse

Nach dem Telefonat wiegt er sein Handy noch eine Weile in der Hand und blickt in die Ferne. Das Display hat Risse. Ein halbes Jahr alt war es, als er es aus Unachtsamkeit auf den Asphalt fallen ließ. Das passiert eben. Es funktioniert ja noch, und in ein paar Monaten holt er sich ein neues. Über das alte mit dem rissigen Display freut sich bestimmt noch jemand, wenn er es billig verscherbelt. Macht er immer so. Und wenn es keiner haben will, vertickt er es eben im Internet, da kann man immer noch was rausholen. Er hat seine Leute dafür.

Nach dem Gespräch steigt er in sein Auto und fährt nach Hause. Er blickt in die Ferne. Wieder einmal die Kurve gekriegt. Relativ früh hatten sich erste Risse gebildet, aus Unachtsamkeit. Das passiert eben. Aber nichts, was man mit Worten und Beteuerungen nicht wieder kitten könnte. Es funktioniert ja noch. Und so ist er eben. Er hat seine Leute, und die wissen das. Was sollten sie auch ohne ihn machen? Sie brauchen ihn, ganz klar. So ein bisschen Unachtsamkeit und die paar Risse!

Nach seiner Nachricht schaltet er das Handy aus. Er blickt in die Ferne. Endlich hat er sich Luft gemacht. Ob die anderen die Risse nicht bemerkt haben? Ob sie ihnen egal sind? Immer tiefer, immer breiter wurden sie, und niemand hat sich mehr darum gekümmert, wie sonst. Es funktioniert so nicht. Er dachte, er hätte seine Leute dafür. Wie unachtsam sie sind! Risse im eigenen Herz fühlen sich ganz plötzlich viel schlimmer an als anderswo. Der Kitt aus Worten und Beteuerungen bedeckte nur die Oberfläche. Was, wenn es dieses Mal irreparabel ist? Er braucht sie doch, ganz klar. Was sollte er denn ohne sie machen?

Federn und Klinge

Analysen¦konsequenz

Oder: To¦Do is To¦Be is To¦Do is To¦Be …

Ich habe keine Ahnung. Wirklich, ich weiß nicht, was heute anders ist als Freitag vor einer Woche. Es liegen lediglich sieben Tage dazwischen, sagt der Kalender. Ganze, große, weite Welten, sagt mein Gefühl. Also das im Bauch. Und das im Kopf nickt bestätigend. Starten wir sie, eine:

Analyse

Nach einer dunklen, viel zu früh herbeizitierten und daher sehr langen Nacht glitzerten noch die Hoffnungstautropfen, die ich beim Schlafengehen beiseite gelegt hatte, um mich dumpfen und ziellosen Gedanken hinzugeben. Vielleicht war’s die Sonne, die mich auf meinem nachfolgenden Streifzug – ich ganz allein mit meiner Seele an der Hand – so hell begleitete. Wir verbrachten einen wunderbaren Vormittag zusammen, sie erzählte mir so einiges, als wir durchs Land streiften, und ich hörte ihr aufmerksam zu. Währenddessen habe ich kein einziges Mal auf die Uhr geschaut, ich ließ die Zeit einfach Zeit sein, ohne Druck und ohne die Vorgabe, sie möglichst sinnvoll zu nutzen. Jene Stunden, die wir glücklich und frei verbringen, was dagegen ist sinnvoller? Und so war ich in guter Stimmung und erfüllte meiner kleinen Seele an meiner Hand den einen oder anderen Wunsch, wenn sie plötzlich stehen blieb und sich die Nase an den Schaufenstern voller Süßigkeiten plattdrückte. Ich hakte gar nicht nach, ob „sinnvoll“, „nahrhaft“ oder gar „gesund“. Es machte mir einfach Spaß, die Kleine glücklich zu sehen, ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen und zuweilen völlig selbstvergessen. Kaum mehr etwas zu ahnen von der nicht einmal 24 Stunden zurückliegenden Quälerei mitten im Nichts.

Und siehe da: Als wir uns fröhlich kichernd und gegenseitig neckend auf den Heimweg machten, hatte noch niemand vergeblich angerufen, niemand vor verschlossener Türe gewartet. Nur die beiden Mademoiselles gebarten sich, als kehrten wir erst nach mehrwöchiger Weltreise wieder heim. Aber das ist nichts Ungewöhnliches. Und ein bisschen hatten sie es auch im Gespür mit der Welt¦en¦reise…

Oder sind vielleicht doch Frau Knoblochs Blautadelchen schuld am plötzlichen Sinnes¦wandel, die beim Lesen Sinne wandeln ließen über das Meer? Womöglich ist es überhaupt nicht schlimm, da draußen zu sein, wenn man die rechte Ausrüstung mit sich führt. Es gilt noch immer auszuloten. Dieser Vorgang ist noch nicht abgeschlossen und kann unmöglich einfach so übersprungen werden. Man sollte auch keinen Kuchen anschneiden, ohne vorher den Teig für einige Zeit dem Ofen anvertraut zu haben und, auch wichtig, ihn auskühlen zu lassen, sonst ist das Ergebnis mit Sicherheit nicht das gewünschte. Die Verdächtigen – die Hoffnungstautropfenschenkerin, die Sonne und die Blautadelchenverfasserin – mögen daher meinen breitgestreuten Dank annehmen. Erkenntnisse ziehe ich ebenso aus dem Seelenspaziergang. Aber nicht nur Erkenntnisse, es darf daraufhin gerne eine Anpassung erfolgen, um sich nicht wieder zu diesen viel zu langen, dunklen Nächten hinreißen zu lassen. Et voilà, eine mögliche:

Konsequenz

Eine To¦Do-Listenrevolution steht an. Ja, ich bin ein Listenmensch, ich kann nicht ohne sie, weil ich sonst alles vergesse. Vom Einkaufszettel über die täglichen Arbeitsnotizen bis zur generellen (also die mit den utopischen Vorhaben, beispielsweise endlich die Garage aufzuräumen) und der wöchentlichen To-Do-Liste mit kleinen und größeren Haushaltsaufgaben. Letztere hat meist einen triftigen Grund, dieses Mal sind Gäste geladen, und das Häuschen soll daher etwas „Repräsentatives“ ausstrahlen. Sagt man doch so. Mit zwei Mademoiselles leidet leider die Sauberkeit zuweilen aufgrund von Katzenhaaren allüberall. Ein junger Neffe, im vollerblühten Erkundungs-, Krabbel- und Hinfallmodus, soll nach seinem Besuch nicht unbedingt aussehen wie ein haariges Äffchen oder Gefahr laufen, anstatt einer der beiden Mademoiselles aufgrund akuter Verwechslungsgefahr in meinem Haushalt zu verbleiben, wenn seine Eltern den Heimweg antreten. Kurz gefasst, es muss etwas getan werden, und das liste ich mir gerne auf, um jede Aktivität, und sei sie noch so gering, von der Liste zu streichen. Das befriedigt ungemein. Unbefriedigend dagegen ist das rasche Anwachsen solcher Listen. Auf meinem Schreibtisch tummeln sich sehr viele von ihnen. Ein Hilferuf in Richtung des Herrn Papa soll zumindest vorerst Abhilfe schaffen, ein Sammelkästchen wird benötigt, das der Herr Papa anzufertigen imstande ist. Kaufen kann ja jeder. Aber auch gebündelt und hübsch aufbewahrt bleiben To-Do-Listen immer noch eines: meist lästige Pflichten. Und hier greift der Sinneswandel und wandelt Sinnen in reale Verhaltensanpassung:

Ich nehme mir vor, pro von mir angelegter Pflichtenliste einen Punkt auf einer „Schöne-Dinge-Liste“ zu ergänzen. Dinge, die ich gerne mache, die ich schon lange nicht mehr gemacht habe, die mir einfach Freude machen und in denen kein tieferer Sinn liegt. Meistens. Manchmal schon. Ein Beispiel setze ich darunter. Auch das bereitet mir Freude, sich die Zeit nehmen und einfach mal ein Bildchen schießen, das zum Thema passt. Diesen Punkt sollte ich vielleicht auch gleich ergänzen auf meiner Liste. Solange es nicht zum Zwang wird.

To Dos und To Loves

Man sieht es schon an der Schrift, was mir mehr liegt … Grüße an dieser Stelle an Gérard Otremba von Sounds&Books! Dessen Empfehlungen, die ich gerne mal wieder in Ruhe nachlesen möchte, kann ich meist uneingeschränkt weiterempfehlen.

Kleine Wünsche, große Wünsche

Wenn ich an früher denke, fällt mir mein kleines Wünschekistchen ein. Ich habe es vor über drei Jahren angelegt, das war in den ersten Tagen, als mein Blog hier laufen lernte. Es steht heute im Regal, und ab und zu sehe ich hinein und lese meine damaligen Wünsche, auf weißes Papier geschrieben mit meinem Füller und dunkelroter Rosentinte. Ich dachte, das macht sie zu etwas Besonderem. Und das waren sie, sind sie noch. Kleine, wirklich kleine Wünsche. Auf einem Zettel steht „Einmal Kaffee ans Bett gebracht bekommen.“ Es rührt mich, denn schon zu dem Zeitpunkt, als ich das aufschrieb, war mir klar, das sollte etwas Selbstverständliches sein. Den Partner bitten: „Bring mir Kaffee ans Bett“, natürlich gerne als Frage formuliert und den üblichen Höflichkeitsfloskeln und dem Augengeklimper und ein wenig kokettem Schauspiel, jetzt absolut nicht selbst aufstehen zu können aufgrund ungeheurer morgendlicher Erschöpfung … Es ist nie passiert, in diesem Früher. Ein weiterer Zettel: „Einfach mal grundlos in den Arm genommen werden.“ Ich spüre den Stich, den ich damals schon spürte, wenn ich wieder um jede kleine Berührung kämpfte und meist verlor. Um so größer und bedeutsamer auch der nächste Wunsch „Jeden Tag geküsst werden.“ Man bedenke, ich befand mich zu der Zeit in einer festen Beziehung, wie man das so schön nennt. Eine Beziehung ohne Küsse und Umarmungen? Ohne Kaffee?? Jetzt wisst ihr’s.

Diese Zettelchen, feines, weißes Papier, Rosentinte, die Ränder kunstvoll mit verschiedenen Zacken- und Bordürenschnitten veredelt – so wichtig waren sie mir, so viel Bedeutung maß ich ihnen bei. Es macht mich heute noch traurig, einerseits. Einige dieser Zettelchen, unter anderem die oben genannten und einige mehr, tragen nun ein schwungvolles Häkchen, und ein Name steht darunter. Erledigt. Erfüllt. Ich könnte fast jeden Tag ein Häkchen setzen, aber dann könnte man mittlerweile nichts mehr entziffern auf diesen Zettelchen, also muss ein großer Haken genügen um auszusagen: Ja, das habe ich erreicht, hat man mir ermöglicht, ist man bereit mir täglich zu schenken. Was für ein hübsches, sonniges Glück.

Ich habe noch ein paar weitere Wünsche hinzugefügt, Wünsche, die mir erfüllbar erscheinen, aber die man sich nicht so mir nichts, dir nichts ständig erfüllten könnte. Weil einige Arbeit dazu nötig ist. Am besten mache ich es wie bisher und lasse das Wünschekistchen eine Weile verschlossen, um später einmal wieder hineinzuschauen und im besten Fall ein paar schwungvolle Haken setzen zu dürfen. Und dann vielleicht zu denken: Unglaublich, dass ich das mal als Wunsch aufgeschrieben habe, obwohl es so selbstverständlich ist. Kleine Wünsche, große Wünsche. Weshalb eigentlich diese Klassifizierung? Ist nicht jeder Wunsch gleich groß und gleich wertvoll? Die Machbarkeit, die Situation entscheidet letztlich, ob ein Kaffee im Bett genau so leicht oder hart verdient sein will, wie eine Weltreise. Oder ein Neuanfang. Der Neuanfang, damals, war tatsächlich leichter zu erreichen als jene Tasse Kaffee, jene grundlose Umarmung oder jener so ersehnte Kuss.

Mein 200. veröffentlichter Beitrag auf diesem Blog seit Oktober 2012. Ein wenig Versöhnliches anlässlich dieser schönen Wegmarkierung.

Ein roter Punkt im Nichts

„Ganz schön ungerecht ist die Welt“, denke ich, als ich versuche, meinen kleinen Kahn durch die hohen Wellen der schwarzen See zu manövrieren. „Ganz schön ungerecht. Immer hänge ich zu allen Tageszeiten die Laterne an den Bug, damit jeder sieht: ‚Ah, da vorne gibt’s Halt, da kann man mal anlanden und sich’s gemütlich machen.‘ Und wenn ich selbst ein wenig Land gebrauchen könnte – keine Laterne in Sicht. Sogar der große Leuchtturm hat sich umgedreht und hält sich die Augen zu. Echt, so was Ungerechtes.“

Aber der Reihe nach. Man mag sich fragen, was ich da schon wieder mache, allein draußen auf der schwarzen See. Aber bin ich dort nicht schon immer, immer wieder? Mein Leben, mein Element, das Meer. Natürlich träume ich vom Landgang, natürlich werfe ich ab und an mal den Anker, um wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren. Aber lange halte ich es da nicht aus. Warum eigentlich? Weil ich keinen festen Ankerplatz habe. Dort, wo ich mich niederlasse, fängt nach einiger Zeit alles an zu bröckeln, kleine und größere Landmassen, die das Meer verschlingt, langsam, stetig. Es zersetzt sich alles unter meinen Füßen, und so setze ich sie wieder in den Kahn, fahre weiter an der Küste entlang. Ich habe nämlich das Gefühl, dass es nur da bröckelt, wo ich gerade bin. Das muss man dem jeweiligen Ankerplatz auch nicht antun, ihn der schleichenden Zerstörung und Zersetzung anheim geben, nur weil unter meinen Füßen alles bröckelt. Ich schippere also zwischen zwei Punkten hin und her, um wenigstens ein bisschen das Gefühl von Heimat zu haben. Eine Strecke, tausendfach befahren, kann auch so etwas wie Heimat sein, bewegliche Heimat, ein Hierundort und ein Sonstnirgends.

Anstrengend wird es, wenn wieder einmal ein Sturm aufzieht. Ich kann mich nirgends festmachen und bin ihm ausgeliefert. Entweder kommt er vom Land und drängt mich von der Küste ab aufs weite Meer oder er klatscht mich gegen die Klippen, wenn er von draußen, vom kalten großen Wasser kommt. Momentan bläst er also vom Land aus, ich sitze in meinem Kahn, irgendwo da draußen zwischen Nichts und Horizont, oben graue Wolken, unten schwarze See, ringsum wassertropfengraue Nebelwand und in der Mitte ich. Die Laterne baumelt noch am Bug, die Kerze ist fast heruntergebrannt. „Ich ersetze sie erst einmal nicht, wenn sie ausgeht“, denke ich. Erst muss ich wieder zurück finden, in meine Fast-Heimat, an meine Quasi-sowas-wie-Landestelle. Es wird dort immer schwerer für mich, den Anker immer und immer wieder aus dem Wasser zu ziehen, wenn er einmal unten ist. An jedem Punkt schlingen sich sogleich die Algen um ihn, überlagert ihn der Sand, als ober er ihn mit seiner dumpfen Umarmung nie wieder loslassen will. Manchmal glaube ich, meine Arme werden das nicht mehr lange mitmachen. Länger und länger werden sie, von Muskelaufbau kaum die Rede, eine nicht wirklich gute Übung, im Gegenteil.

Gerade das könnte mein Problem sein. Ich bin oft so ermüdet von diesem Ankerlassen und Ankeraufziehen, dass ich mich nicht in der Lage fühle, ein Paddel zu nehmen und mich wieder in die Nähe des Hafens – Verzeihung, der Häfen – zu bringen. Ich fühle mich müde, ausgelaugt. Dummerweise habe ich schon wieder vergessen, ein Tau festzumachen, am Bug, dort wo eigentlich die Laterne hängt. Daran könnte ich mich wieder zurück hangeln, zurück auf meine Heimat-Heimatlosstrecke. Die Laterne bringt in der Nebelsuppe auch nichts. Vielleicht Rufen? In alle Richtungen? Vielleicht hört mich jemand und holt mich ab? Aber meine Stimme trägt nichts weiter. Nur ein bisschen Gejammere und Gewinsel, und wer reagiert schon auf sowas? Naja, dann bleibe ich eben still. Strecke mich eine Weile im Kahn aus, mein Kaputzenpulli, ein winziger roter Punkt zwischen Nichts und Horizont, zwischen grauen Wolken und schwarzer See, inmitten einer wassertropfengrauen Nebelwand. Ich lasse mich treiben. Und hoffe, hach ja! Ich hoffe tatsächlich noch, hier, inmitten vom Nichts, dass der vermaledeite Leuchtturmwärter endlich ans Telefon geht. „Von mir wird doch auch erwartet, dass ich meinen Job mache“, werfe ich noch erbost einen Gedanken über Bord in die gluckernde See. Sie lacht. Ich ziehe mir die rote Kaputze über den Kopf und schließe die Augen. Vorerst.

Mein Meer

glücklich un¦d¦zufrieden

Chronisch schlecht gelaunt bin ich seit Jahresbeginn. So lange Wochen schon, ich bin das überhaupt nicht mehr gewohnt. Wirklich, in mir schwirrte doch bisher ein stets leicht erhöhter Glückszuckerspiegel und spielte sein Spiel mit meiner Gesichtsmuskulatur – debiles Dauergrinsen, Botoxwirkung auf die Stirnfalten. Und kaum ist hier 2016, schwirrt gar nichts mehr, zumindest nicht im Blut, sondern nur noch im Kopf. Negative Gedanken den ganzen Tag, Schwarzfahren auf dem Kirmeskarussell, nämlich ohne vorher den Fahrschein beim Glücksaufsichtsbeauftragten zu lösen. Das gibt Kopfschmerzen. Mein Körper macht gerade mit mir, was er will. lässt sich hängen und fletscht nur bedrohlich die Zähne, wenn ich mir Dinge vornehme wie Laufen gehen, Frischluft tanken, gesunde Ernährung. Ein Teil von mir weiß diese Zeichen zu deuten, hat eine längere Schulungsphase durchlaufen, wie man mit derartigen Anwandlungen umgehen sollte. Das bisschen Restverstand bäumt sich denn immer mal wieder auf, und zum Glück habe ich damals auch gelernt, mein Mundwerkzeug nicht nur zum Kauen und Schlucken zu gebrauchen, sondern auch zum Kommunizieren. Mit zwei Menschen spreche ich öfter nun über meinen Zustand und ernte – positiv – keine Vorwürfe oder gutgemeinte Rat¦schläge, sondern Verständnis. Auch das war Teil meines vergangenen Seminars, sich beim Hängenlassen auch fallen lassen zu können. Am besten in die Arme solcher Menschen.

Natürlich ist der Ausblick auf meinem Elfenbeintürmchen ganz nett, wenn ich mich vor der Welt verkrieche und daheim vor mich hin lebe, auf Sparflamme, ein Teekännchen im Schlepptau, ein Wärmfläschchen und zwei lebendige Katzenfelle. Bücher, oh ja, ich habe endlich Zeit für meine geliebten und lange vernachlässigten Kinderlein und für neue, irre spannende Zeitvertreibe: Aufgetrennte Kleidungsnähte per Hand zusammennähen, Kalkablagerungen mit Zahnbürste und Essigessenz wegschrubben, im Hobbyschrank die Stoffreste nach Farbe, Webart und Verwendungsmöglichkeit sortieren. Nein, das waren keine Metaphern, das sind Tatsachen, reale, traurige Tatsachen. Aber will ich das wirklich? Mich aus der lebendigen Welt zurückziehen und wieder nur Beobachter sein? Nein, will ich nicht. Nicht noch einmal.

Was will ich dann? Schwierige Frage, formulieren wir sie umgekehrt, wie sich das für wandelnde Widersprüche gehört: Was will ich nicht? Und da schimmert es doch schon durch den Wandvorhang – was mich nicht weiter wunders nimmt, ist es doch immer das gleiche, abgehangene und doch nie bis zum Reifegrad gekommene Thema: Ich will mich nicht mehr erdrücken lassen von Verantwortung, die sich nicht gegen mich selbst richtet, sondern einer fremden Sache zugute kommt. An der ich, und das ist der wunde Punkt, zwar doch ab und an meinen Spaß habe, aber die mir großteils viel Energie raubt. Und so ist es nicht nur mit dieser einen Sache, davon gibt es noch mehr. Energieräuber, Unzufriedenheitsgeneratoren. Gut, eins dieser Dinge ist mein täglich Brot, aber damit habe ich mich arrangiert und sehe nach wie vor die guten Seiten bei aller Schwarzmalerei. Aber zu meiner nicht einmal erforderlichen Verteidigung muss ich erwähnen, ich habe schon ein wenig an den Weichen gedreht (nicht: sie gestellt, das wäre zu viel gesagt), so dass eine Änderung dieser Situation zumindest im Bereich des Möglichen liegt. Alles andere ist noch nicht zu Ende gedacht. Am besten, sagt mir so ein winziges Gefühl, wäre es doch, nicht immer eine Entschuldigung nach der anderen zu suchen, einen „Notausgang“ aus all diesen Dingen, der propagiert: “ Tja, tut mir leid, ich würde ja gern, aber die Umstände sind nun mal so und so, deswegen kann ich nicht mehr weitermachen.“ Um sich das letzte bisschen Selbstachtung zu bewahren, müsste es anders lauten: „Ich will nicht mehr. Das ist der einzige Grund, und es tut mir überhaupt gar nicht leid!“ Blöde, verantwortungsbewusste Erziehung. Immerhin, die Erkenntnis, wie es besser, richtiger laufen sollte.

Aber jede Erkenntnis muss erst einmal reifen, bis sie in die Tat umgesetzt wird. Das habe ich natürlich auch gelernt. Geduld ist also erforderlich und das berühmte Quäntchen Glück, ein wenig Zufall, ein wenig Schicksal wohl. Und so lange heißt es weitermachen, einen Tag nach dem anderen meistern, um Himmels Willen nicht aufgeben. Ein bisschen sich zwingen, zumindest nach außen normal zu wirken – es gibt Dinge, die will man der Öffentlichkeit nicht auf die Nase binden, selbst wenn es einen potenziellen Notausgang darstellen könnte. Nun ja, die meisten merken es ohnehin nicht. Zwischen all dem Gewimmel in meinem Kopf taucht seit kurzem immer mal wieder ein Begriff auf wie eine kleine Leuchtboje zwischen den hohen Wellen, der sich noch seltsam auf der Zunge anfühlt. Ja, ich habe ihn probeweise schon das eine oder andere Mal ausgesprochen, in die Stille hinein, einem Lieblingsmenschen ins Ohr, aber auch diesen Begriff lasse ich lieber noch ein wenig reifen, bis ich es nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen spüre. Wie ein Bonbon, das man hin und her wälzt. Am Ende wird alles rund, am Ende ist noch jeder Drops gelutscht. Neuer Zucker für die Blutbahn.