Abrechnungsmonat: Vanitas

Alles leer und eitel.

Das neue Leben, von dem ich so oft sprach, am 1. September nun beginnt es. Begann schon viel früher, spätestens seit der Geburt unserer kleinen Madame steht es Kopf und treibt wunder-wundervolle Blüten. Aber gut, es gibt ein Datum, an dem alles Bisherige endlich endet. Das neue Heim macht sich bereit, das alte muss sich leeren. Und so bin ich seit einiger Zeit dabei, auszuräumen. Diesmal richtig. In den hintersten Ecken noch Reste alter, unbrauchbar gewordener Wäsche, verstaubte Erinnerungen, die kein Mensch mehr braucht. Oder will. Trübgewordener Inhalt, Dornröschenschlaf ohne Happy End. Vertrocknete Lippen empfangen keine Küsse.

Säckeweise verstummter Schmerz, kaum mehr wahrnehmbar. Tüten voll abgelegter Trauer und Schuhkartons verblichener Gefühle – wohin damit? Mit Sicherheit nicht ins neue Heim, weder auf den Speicher, noch in den Keller. Mein Herzgerüst ist zwar erstarkt und stabiler denn je, aber ich werde es nicht mit alten Laste¦r¦n füllen, dazu ist es mir zu schade. Der Platz wird benötigt für Neues, Schönes und all das, was noch kommt, schön oder nicht. Keine Einmachgläser mehr voll eingekochter Begegnungen. Schauen heißt jetzt vorwärts. Vorwärtsfreuen, vorwärtsleben. Fürs Zurück fehlt mir glücklich jegliche Zeit.

Konsequent – jetzt endlich bin ich es – wird aussortiert, entsorgt, entrümpelt. Endgültig. Die neuen Gestade locken, und leicht fällt mir der Abschied, jeden Tag ein bisschen mehr. Und sei es, dass mich der Inhalt des einen oder anderen Müllsacks dennoch fesselt – ein wenig Wühlen mag erlaubt sein – ruft mich aus der Wiege leises Wehklagen zurück in meine Zukunft. Nie war mir leichter als jetzt, das Ende zu Füßen, der Anfang klar voraus.

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