Freitagsblues

+++wieder einmal an der Zeit+++Dritter Meckermonat in Folge+++

Dürfen, müssen, sollen wollen – wie oft Verbiegen macht letztlich kaputt? Macht Nichtverbiegen nicht auch kaputt?

Ich habe kein Maß dafür. Mir fehlt der Blick. So einfach ist das – und darum auch wieder nicht. Gerade nicht.

Lernt man wirklich dazu oder sind das Schleifenfahrten, die das Leben mit einem treibt? Immer wieder von Anfang, andere Situation, gleiches Problem.

Hat man manche Dinge einfach viel zu schnell wegsortiert und abgehakt, fallen sie einem irgendwann wieder in die Hände und man wundert sich, wie unfertig sie noch sind. Dabei ist der Unfertig-Stapel so hoch, man weiß gar nicht, wie und wo man das jetzt noch unterbringen soll.

Hinterher ist alles leicht. Ja, wegsortiert und abgehakt. War gar nicht so schlimm. Hauptsache aus dem Blick.

Ich frage mich, ob das auf die Dauer so funktioniert, wenn ich Punkt B bearbeite, wo ich Punkt A noch nicht abgeschlossen habe. Worauf sich wiederum Punkt C und D und so weiter aufbauen. Habe ich dann nicht ein Loch im Konstrukt? Mag vielleicht durchaus halten, aber es ist ja nicht nur Punkt A, sondern so viele mehr. Ein löchriges Konstrukt, mein Leben also. Wie viele andere. Nur Vermutung. Die Fassaden lassen selten einen tieferen Blick zu. Man hört manchmal „Ich bin gescheitert“, gefolgt von einem „Es geht jetzt aber weiter“. Besser, reifer, mehr gelernt. Sagt man so, passt in die Fassade. Seltener bis gar nicht hört man „Ich bin gerade dabei zu scheitern. Und ich habe keine Ahnung, wie ich da wieder rauskomme“. Obwohl uns allen das Gefühl gut bekannt ist. Nur, wer gibt das gerne zu? Hinterher, lieber dann, wenn alles vorbei ist, Gescheitertsein abgeschlossen, Ergebnis: Gescheitert, aber weise. Kann ja jedem mal passieren.

Das mit dem Neuanfang, irgendwie hat das doch nie so richtig funktioniert. Aber was habe ich auch erwartet? Sehr wahrscheinlich ist es aber auch so, dass ich mir selbst gegenüber viel zu kritisch bin. Ich habe durchaus etwas erreicht. Aber mir ist ja nie was recht, was ich mache. Ich könnte es doch auch anders machen, war so eine Idee. Und dann sitze ich bei Besprechungen und höre mich Dinge sagen, die so gar nicht danach klingen, wie das, was ich nächtens in Traumdialogen ausgefochten und erkämpft habe. Plötzlich ist die Birne leer und am Ende, wie auch immer das passiert ist, steht ein goldgelbes Ja im Raum, oder zumindest ein blasses Na gut. Weil nämlich genau die Argumente nicht fallen, die ich mir zusammengesponnen hatte. Oder weil die Hirnaktivität aussetzt, sobald weitere Personen die Bühne betreten.

Ich sollte mal eine Weile verreisen, rät mir eine kleine Stimme irgendwo zwischen Herz und Bauch. Diese dämliche Selbstfindung, so nervig wie mein Autoschlüssel, den ich ständig suche, weil ich in verlegt habe. Mit dem Schlüsselkästchen geht es neuerdings. Ob es ein Selbstfindungsaufbewahrungskästchen gibt? Und gleich noch eins für die Selbstachtung und die Lebensfreude. Dass ich sie nicht ständig wieder suchen muss. Mit Deckel am besten.

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