Analysen¦konsequenz

Oder: To¦Do is To¦Be is To¦Do is To¦Be …

Ich habe keine Ahnung. Wirklich, ich weiß nicht, was heute anders ist als Freitag vor einer Woche. Es liegen lediglich sieben Tage dazwischen, sagt der Kalender. Ganze, große, weite Welten, sagt mein Gefühl. Also das im Bauch. Und das im Kopf nickt bestätigend. Starten wir sie, eine:

Analyse

Nach einer dunklen, viel zu früh herbeizitierten und daher sehr langen Nacht glitzerten noch die Hoffnungstautropfen, die ich beim Schlafengehen beiseite gelegt hatte, um mich dumpfen und ziellosen Gedanken hinzugeben. Vielleicht war’s die Sonne, die mich auf meinem nachfolgenden Streifzug – ich ganz allein mit meiner Seele an der Hand – so hell begleitete. Wir verbrachten einen wunderbaren Vormittag zusammen, sie erzählte mir so einiges, als wir durchs Land streiften, und ich hörte ihr aufmerksam zu. Währenddessen habe ich kein einziges Mal auf die Uhr geschaut, ich ließ die Zeit einfach Zeit sein, ohne Druck und ohne die Vorgabe, sie möglichst sinnvoll zu nutzen. Jene Stunden, die wir glücklich und frei verbringen, was dagegen ist sinnvoller? Und so war ich in guter Stimmung und erfüllte meiner kleinen Seele an meiner Hand den einen oder anderen Wunsch, wenn sie plötzlich stehen blieb und sich die Nase an den Schaufenstern voller Süßigkeiten plattdrückte. Ich hakte gar nicht nach, ob „sinnvoll“, „nahrhaft“ oder gar „gesund“. Es machte mir einfach Spaß, die Kleine glücklich zu sehen, ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen und zuweilen völlig selbstvergessen. Kaum mehr etwas zu ahnen von der nicht einmal 24 Stunden zurückliegenden Quälerei mitten im Nichts.

Und siehe da: Als wir uns fröhlich kichernd und gegenseitig neckend auf den Heimweg machten, hatte noch niemand vergeblich angerufen, niemand vor verschlossener Türe gewartet. Nur die beiden Mademoiselles gebarten sich, als kehrten wir erst nach mehrwöchiger Weltreise wieder heim. Aber das ist nichts Ungewöhnliches. Und ein bisschen hatten sie es auch im Gespür mit der Welt¦en¦reise…

Oder sind vielleicht doch Frau Knoblochs Blautadelchen schuld am plötzlichen Sinnes¦wandel, die beim Lesen Sinne wandeln ließen über das Meer? Womöglich ist es überhaupt nicht schlimm, da draußen zu sein, wenn man die rechte Ausrüstung mit sich führt. Es gilt noch immer auszuloten. Dieser Vorgang ist noch nicht abgeschlossen und kann unmöglich einfach so übersprungen werden. Man sollte auch keinen Kuchen anschneiden, ohne vorher den Teig für einige Zeit dem Ofen anvertraut zu haben und, auch wichtig, ihn auskühlen zu lassen, sonst ist das Ergebnis mit Sicherheit nicht das gewünschte. Die Verdächtigen – die Hoffnungstautropfenschenkerin, die Sonne und die Blautadelchenverfasserin – mögen daher meinen breitgestreuten Dank annehmen. Erkenntnisse ziehe ich ebenso aus dem Seelenspaziergang. Aber nicht nur Erkenntnisse, es darf daraufhin gerne eine Anpassung erfolgen, um sich nicht wieder zu diesen viel zu langen, dunklen Nächten hinreißen zu lassen. Et voilà, eine mögliche:

Konsequenz

Eine To¦Do-Listenrevolution steht an. Ja, ich bin ein Listenmensch, ich kann nicht ohne sie, weil ich sonst alles vergesse. Vom Einkaufszettel über die täglichen Arbeitsnotizen bis zur generellen (also die mit den utopischen Vorhaben, beispielsweise endlich die Garage aufzuräumen) und der wöchentlichen To-Do-Liste mit kleinen und größeren Haushaltsaufgaben. Letztere hat meist einen triftigen Grund, dieses Mal sind Gäste geladen, und das Häuschen soll daher etwas „Repräsentatives“ ausstrahlen. Sagt man doch so. Mit zwei Mademoiselles leidet leider die Sauberkeit zuweilen aufgrund von Katzenhaaren allüberall. Ein junger Neffe, im vollerblühten Erkundungs-, Krabbel- und Hinfallmodus, soll nach seinem Besuch nicht unbedingt aussehen wie ein haariges Äffchen oder Gefahr laufen, anstatt einer der beiden Mademoiselles aufgrund akuter Verwechslungsgefahr in meinem Haushalt zu verbleiben, wenn seine Eltern den Heimweg antreten. Kurz gefasst, es muss etwas getan werden, und das liste ich mir gerne auf, um jede Aktivität, und sei sie noch so gering, von der Liste zu streichen. Das befriedigt ungemein. Unbefriedigend dagegen ist das rasche Anwachsen solcher Listen. Auf meinem Schreibtisch tummeln sich sehr viele von ihnen. Ein Hilferuf in Richtung des Herrn Papa soll zumindest vorerst Abhilfe schaffen, ein Sammelkästchen wird benötigt, das der Herr Papa anzufertigen imstande ist. Kaufen kann ja jeder. Aber auch gebündelt und hübsch aufbewahrt bleiben To-Do-Listen immer noch eines: meist lästige Pflichten. Und hier greift der Sinneswandel und wandelt Sinnen in reale Verhaltensanpassung:

Ich nehme mir vor, pro von mir angelegter Pflichtenliste einen Punkt auf einer „Schöne-Dinge-Liste“ zu ergänzen. Dinge, die ich gerne mache, die ich schon lange nicht mehr gemacht habe, die mir einfach Freude machen und in denen kein tieferer Sinn liegt. Meistens. Manchmal schon. Ein Beispiel setze ich darunter. Auch das bereitet mir Freude, sich die Zeit nehmen und einfach mal ein Bildchen schießen, das zum Thema passt. Diesen Punkt sollte ich vielleicht auch gleich ergänzen auf meiner Liste. Solange es nicht zum Zwang wird.

To Dos und To Loves

Man sieht es schon an der Schrift, was mir mehr liegt … Grüße an dieser Stelle an Gérard Otremba von Sounds&Books! Dessen Empfehlungen, die ich gerne mal wieder in Ruhe nachlesen möchte, kann ich meist uneingeschränkt weiterempfehlen.

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14 Gedanken zu “Analysen¦konsequenz

  1. Ach Liebste, dieses Wellenkreiseln im Silberseelensee, es dräute auch durch meinen Tag. Ich verlieh heute den Feinstblautadelchenfüller an einen Unbekannten. Ich. Verlieh. Meinen. Herzensschreiber. Bekam ihn wohlbedankt zurück und mit ihm einen ganzen Blautopfsee voller Hoffnung und Vertrauen. Genau als ich daran dachte, daß dieser Brief an Sie womöglich mein letzter mit dieser Feder gewesen wäre…

    “ Womöglich ist es überhaupt nicht schlimm, da draußen zu sein, wenn man die rechte Ausrüstung mit sich führt.“ schreiben Sie und ich lese darin genau das, was ich selbst oft bezweifele. Erstellen Sie Listen, wenn es Ihnen danach ist, schreiben sie Briefe oder malen Sie einfach augenwassernde Scheißherzchen, so wie ich gerade; Sie können übrigens auch das Putzen auf die rechtige Liste setzen (Ähem, das bleibt aber unter uns: Haben Sie jemals verwegenfrechnacktgeputzt? Ähem!), das Oberallerwichtigste tragen wir in uns: Herzkopfbauchdreieinigkeit.

    Ich grüße Sie herzvoll zugeneigt und hinterlege noch drei !!! für den Listenpunkt Blumen.
    Immer die Ihre, endgültig nun augenwassernd.

    • Meine liebe Käthe, jetzt nehme ich mir aber die Zeit, auf Ihren augenwassernden Kommentar zu antworten! Sie verliehen Ihren Herzensschreiber? Leichten Herzens? Und dann fürchten Sie um den Verlust dieser Feder, mit der Sie mich kürzlich so freudvoll gestimmt hatten? … Ich glaube, ich lese schon wieder zwischen den Zeilen, dass wir uns schon ans Unheimliche grenzend ähnlich sind – aber da erzähle ich Ihnen ja nichts Neues.
      Nun, das Putzergebnis setzte ich gerne auf die schöne Liste, aber die Durchführung? Da die meist so planlos erfolgt wie vieles andere in Madames Haushalt, ist der Verwegenfrechnackeligputztipp vielleicht um der Nachbarn Willen besser nicht umzusetzen, da ich regelmäßig (natürlich) durchs und ums Haus und durch den Hof und manchmal sogar über die Straße staubwirbelwursteln muss, nein, möchte.
      Aber doch, Blumen. Können Sie mir sagen, ab wann ich wieder Lilien kaufen kann? Sodann wanderte dieser Punkt natürlich umgehend hinüber auf die Lieblingsliste!
      Heute herzkopfundbauchklopfend grüße ich Sie und freue mich auf baldiges Wiederlesen, Ihre Immerihre Mme C. (!!!)

      • Herrjeymitmineh, Schlamperkäthe hat da echt einen Kommentar verhudelt! Spät, aber genauso herzlich die Antworten:
        Lilien sind kalthauskompatibel, die können Sie beim Floraldealer Ihres Vertrauens jetzt mit ruhigem Gewissen ordern.
        Nacktputztipbetrefflich empfehle ich Einsteigern ein leichtes Hauskleid mitohnenüschtedrunter. Achten Sie dabei bitte außerhäusig auf Ihre Bückhaltung, zum Beispiel bei Kehrblechbenutzung.
        Der Herzensschreiber wollte wohl einfach mal gucken, wie sich andere Finger anfühlen, kam aber wohlbehalten zurück. Wiedermal ein Lehrstück in Sachen Loslassenkönnen für mich.

        Ich grüße Sie dreieinig zurück und freue mich ebenso auf’s Wiederlesen und irgendwanniges Sehen, die Ihre K., C. mit drei !!! betonend. Plus noch einem !

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