Madame und der vierbeinige Mond

Nicht, dass ich mich wieder, wie so oft, in meinem Schmerz ergangen habe, wie die kleine Konversation zwischen mir und mir selbst vermuten lassen könnte. So viel ist da gar nicht mehr. Die Retrospektive habe ich zum größten Teil abschaffen können, auch das Zu-weit-in-die-Zukunft-blicken-wollen. Anterospektive, lehrt mich ein Internetartikel, heißt der Begriff. Natürlich nicht ohne ein wenig Weitblick zu behalten – wobei, den überlasse ich derzeit JB. Eine Frage des Vertrauens, eine neue Lektion in Sachen Liebe und so. Und der Restschmerz verblasst dann auch ganz schnell.

Introspektiv allerdings bin ich nach wie vor tätig – und mit Erreichen kleinerer und größerer Meilensteine, die ich auf meinem Weg durch das Leben quasi en passant erreiche, ist immer mal wieder Zeit, sich das aktuelle Entwicklungsstadium zu vergegenwärtigen. Wo stehe ich jetzt?

Nach einem fulminanten Jahresstart – anders kann ich es nicht bezeichnen – ereilte mich im Hochsommer sowohl ein fieser Infekt (40 °C Außentemperatur, 40 °C Madametemperatur) als auch ein kleines, ebenso fieses Tief, gegraben und geflutet von vielen netten und weniger nett gemeinten Ratschlägen von außen, woher sonst. Es ist mir nach wie vor ein Rätsel, warum ich so viel darauf gebe und mir mein Leben dadurch mies machen lasse. Wieder stelle ich fest, dass sich jeder seine eigene Welt so schön oder schlecht redet, wie er will. Anderen Menschen wird darin die passende Rolle auf den Leib geschrie¦b¦en, um so lauter, je deutlicher der Nebendarsteller Protest anmeldet, weil er lieber etwas anderes spielen möchte. Beispielsweise die Hauptrolle in seinem eigenen Lebensfilm (wie vermessen!). Es wird gebogen und manipuliert, dass das Nervenkonstrukt ächzt. Vielleicht hatte es der Infekt deshalb so leicht, sich hinter die fleddrigen Kulissen zu mogeln. Aber ich will nicht hadern. Immerhin hat mir diese kleine Auszeit von insgesamt fünf Wochen (zwei Wochen darniederliegend, zwei Wochen Urlaub, eine weitere halbe Woche halbdarniederliegend) auch diverse selbsternannte Lebensregisseure vom Leib gehalten.

Hatte ich mich davor noch über das mir aufgeschwatzte Drehbuch geärgert, mir an dessen Szenen und Regieanweisungen Herz und Kopf zerbrochen und von selbstgefälligen Hauptdarstellern erzählen lassen, was genau ich beim Schau¦spielen falsch machte und wie ich gefälligst zu agieren habe, lasse ich mich mittlerweile auf keine Diskussionen in puncto Schauspielkönnen mehr ein. Ich bin es nämlich leid, Kameraeinstellungen korrigieren zu wollen, wenn ich der Meinung bin, dass die Perspektive da eventuell etwas verschoben sein könnte. Ich bin es leid, Handlungsabläufe erklären zu müssen, nur um ein Fetzelchen Verständnis für meine Situation zu erheischen. Lohnt sich nicht, ist alles bereits festgeschrieben im unabänderlichen Drehbuch aus der Feder jener Lebensregisseure, die keine weitere Revision desselben gestatten.

Künftige Regieanweisungen? Ich freu mich schon drauf:

– „!!!“
– „Der Mond hat vier Beine, sagst du? In Ordnung, der Mond hat vier Beine. Nein, wenn du dir da sicher bist, hat der Mond eben vier Beine. Doch, tatsächlich. Ein vierbeiniger Mond. Der Mond hat vier Beine? Der Mond hat vier Beine! Absolut.“
– „???“

Man glaubt es kaum, aber seit dieser Erkenntnis, dass es völlig egal ist, was man ebensolchen Personen entgegensetzt, dass man sich am besten keine weiteren Gedanken darüber macht und damit Hauptdarsteller seines eigenen Lebens bleibt, geht es mir erheblich besser. Der Infekt abgeklungen, das kleine Tief durchwandert, Madame schwimmt wieder obenauf und genießt das Leben wie selten. Das alles beflügelt mich so sehr, dass ich zwei neue Projekte begonnen habe, langgehegten Ideen für Haus und Hof Taten folgen lasse und mich vor allem weder mit Zukunft noch Vergangenheit streite. Erstere kommt sowieso. Letztere war schon da und ist bereits abgereist. Ich spüre die Bretter, die die Welt bedeuten, unter meinen Füßen vibrieren und genieße es, der gefeierte Star in meinem eigenen kleinen Theater zu sein. Und es ist mir ganz schön scheißegal, ob der Mond nun vier Beine hat oder acht oder gar keine. Ihm wahrscheinlich auch.

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4 Gedanken zu “Madame und der vierbeinige Mond

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