Wenn, dann heftig

Nun ist es passiert. Wovor man mich vor nicht allzu langer Zeit warnte – Frau Knobloch tat’s, und ahnte – und doch warf ich meine gesamte Kondition hinein in den Strudel von Taten, Drang und Arbeitskraft, allein um Dinge zu bewegen, gut zu machen, der Gemeinschaft zu dienen. Erwartet habe ich nichts, bekommen habe ich unverdienterweise all den Tadel, der an anderen abperlt wie Regen an der imprägnierten Speckschwarte. Nur leider fällt dieser Tadelregen bei mir stets auf allzu fruchtbaren Boden und treibt die furchtbarsten Blüten. Die Folge: Nicht einmal mehr Zeit und Muße, all die wundervollen Beiträge hier zu lesen und zu kommentieren, geschweigedenn wieder das Schönschreiben zu üben. Zwischen dem Alltag und der Nacht versuchte ich mich zu erholen, was leider gründlich daneben ging, bis nun also eines der letzten verbliebenen Nervenfädchen riss. Und schmiss. Und zwar das mir so teure Smartphone, meine Standleitung in die Welt, mein Wecker und Wachhalter, Terminverwalter, WordPresserleichterer, Herzensneffenbilderspeicher und so manches mehr. Exitus. Finito.

Und mit einem Mal ebbt das Rauschen in meinem Kopf ab. Ich existiere virtuell nicht mehr, bin gleichzeitig nicht mehr nervbar zu jeder Tages- und Nachtzeit, kann/muss nicht mehr umgehend reagieren. Und lebe trotzdem noch. Ich habe keine To-Do-Listen mehr vor Augen, keine Termine und keine unbeantworteten Nachrichten. Wie sich das auf die Dauer mit dem Alltag vereinbaren lässt, wird sich zeigen. Nur – jetzt im Moment ist es, als hätte ich diese meine grüne Wiese wiedergefunden, auf der ich doch so gern flanierte, sorglos und – glücklich. Wenn das so ist … dann lasse ich mir am besten mit der Reparatur dieses, wie ich glaubte, lebenserhaltenden Geräts noch eine Weile Zeit. Oder länger. Meine Liebsten wissen, wie sie mich erreichten, und, oh Wunder, Kommunikation kann man auch mündlich betreiben! So viel persönlicher und direkter, es ist mir fast schon ein Fest. Und was ich ebenfalls feststellen konnte: die Welt dreht sich weiter, ohne dass Madame „existiert“. Auf den Tadel kann ich ohnehin sehr gut verzichten, möge sich einstweilen ein anderer Sündenbock finden, Madame macht jetzt erst einmal Urlaub.

Und langsam, langsam lebe ich wieder. Was ist wohl befriedigender, sich jeden Abend vor dem Schlafengehen den kleinen Herzensneffen auf dem kleinen Display zu betrachten, oder mit verknutschter Wange, dem Halstuch voll Sabber und anderer babytypischer Erzeugnisse und dem Herzen voller Kinderlachen nach Hause zu kommen? Dem Herzliebsten in die Augen zu sehen oder sich elektronisch-summende Herzküsschen hin und her zu schicken? „Was meinst du? Stehen wir das noch eine Weile durch, ohne Handy?“ – „Klar. Ziehen wir halt zusammen, wollten wir doch eh…“ Nein, das war ein ganz und gar fiktiver Dialog, aber es muss ja nicht heißen, dass Unausgesprochenes weniger wahr und bedeutsam ist.

Es wird Zeit, sich neue Herausforderungen zu suchen. Die erste lautet: zur Ruhe kommen. Sich frei machen von all dem Ballast, den ich noch immer mit mir herumschleppe.  Und sich dann wieder in den Trubel stürzen. Aber in den richtige Trubel dieses Mal. Nicht wieder dieses Sackgassentadelding, sondern etwas mit Zukunft. Kann man ja auch mal verlangen: Leistung gegen Entlohnung. Und die hätte ich endlich mal gerne. Aber ich sehe schon: ich werde sie mir am besten selbst auszahlen.

Advertisements

5 Gedanken zu “Wenn, dann heftig

  1. Ich versuch solche Pausen ja ohne Schrott zu produzieren :)
    Kinder sind in meinen Augen etwas vom Eindeutigsten, was einem zeigt: Hey, online versäumst du ganz schön viel Leben! Es gibt auch andere „Hinweiser“, aber um die kleinen Sabberhelden kommt man fast nicht drum herum.
    Ich wünsche dir ganz viel Leben und das Entdecken von Wegen, wie das stets mit der nötigen Währung zusammenspielt.

    • Das Schrottphone war leider nicht das einzige, was in seine Bestandteile zerfiel an jenem Tag. Aber es war eine gute Lektion, möchte ich sagen.
      Vielen lieben Dank für deine Wünsche – ich sitze einstweilen still auf meinen Händen, um nicht noch mehr zu zerstören, und lasse den Blick in die Ferne schweifen, um die neuen Wege auszuloten. Nie zu viel planen, mahnte mich gestern jemand. Leben klingt aber gut, immer. Und Schreiben.
      Herzliche Grüße und bis bald!

Kommentare? Stets willkommen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s