Nach¦trag¦ik

Ursache und Wirkung, manchmal ist es so einfach, dass man es glatt übersieht. Vor einiger Zeit nahm ich die Laufschuhe zu Hilfe, um mich zu befreien von zu viel seelischem Ballast. Laufen und schreiben. Weder das eine noch das andere konnte ich der letzten Zeit verfolgen, heute also schreibe ich, und ab morgen sind auch die Laufschuhe wieder an der Reihe. Was ist eigentlich aus meinen drei herznahen Menschen geworden, fragt man sich vielleicht, deren Schicksale mich an den Rand meines Weltver¦besser¦wisser¦tums brachten? Ich möchte einen Nachtrag wagen, denn nicht immer muss alles, was in manchen Momenten schlimm aussieht, tatsächlich den Bach runter gehen.

Meine liebe Nahestehende hat gekämpft. Hat nicht locker gelassen, hat geredet, sich umfassend informiert und ist nun an einem Punkt angelangt, der nicht mehr „Scheidung“ heißt, sondern „Zusammenbleibenwollen“. Weil sie ihn immer noch liebt. Und er sie. Deshalb kämpfen sie jetzt gemeinsam gegen die Schatten der Vergangenheit. Es sieht gut aus.

Meine liebe gute Freundin hat es angepackt. Ihre neue Wohnung eingerichtet, ganz nach ihren Vorstellungen, den letzten Kontakt zum Ex gekappt und ist trotz Heimweh und schlaflosen Nächten da geblieben, wo sie letztlich gefunden hat, was sie suchte: Unabhängigkeit, Eigenständigkeit. Mittlerweile hat sie die Vorzüge des Singledaseins erkannt. Und auf der Arbeit läuft es jetzt besser, seit sie ein neues Arbeitsgebiet bekommen hat und richtig Spaß daran findet – weg von der Kollegin und damit aus der Schusslinie des Chefs. Der sie nun kleinlaut lobt, anstatt ihre Zweifel lautstark zu schüren.

Und meine Dritte im Bunde, sie hat auch gekämpft und nicht aufgegeben. Mit der richtigen Unterstützung hat sie ihre Krebserkrankung in den Griff bekommen, und das hat sie so sehr bestärkt, dass sie nun auch andere Dinge in Angriff genommen hat, die seit langem im Argen lagen. Bei unserem letzten Treffen war sie quietschvergnügt, fiel mir um den Hals und sprach mir eine Einladung zu ihrer Hochzeit aus – in drei Jahren, wenn alles in trockenen Tüchern sei. Ich habe gerne zugesagt.

Und selbst wenn sich viele Dinge scheinbar von alleine lösen – ich werde nicht aufhören, mich um meine Lieben zu sorgen und für sie da zu sein. Ich bin so. Ich will es so.

Und es wird sich nicht¦s ändern.

10:21 Uhr: „Die Ärzte haben bei Jen einen Tumor festgestellt. Er hat es uns gerade geschrieben. Ich habe alle Termine abgesagt und fahre nachher hin. JB.“

… Es wird sich nicht¦s ändern …

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2 Gedanken zu “Nach¦trag¦ik

  1. Mit deinem letzten Satz machst du einen Schritt zurück in die Spirale aus Hoffnungslosigkeit und Melancholie. Aber ein erkannter Feind verliert jeden Schrecken. Das hat schon Musashi gewusst, Japans größter Samurai.

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