Ein Augiasstall

[…]

Länger als einen Tag sollten Momentaufnahmen nicht liegen, sonst sind es keine Momentaufnahmen mehr. Natürlich nutze ich dieses Blog, um mir Dinge von der Seele zu schreiben, die sie belasten, möchte das jedoch nicht als Jammern verstanden wissen, sondern als Möglichkeit, meinen Emotionen einen Ausdruck zu verleihen – einen sprachlichen. Ärger kann tatsächlich schön sein, wenn er vaporisiert und durch ein Sieb aus Reflektion als feine Buchstaben auf Papier herniederrieselt.

Jedenfalls beschloss ich am Ende des gestrigen Tages, dass es nicht damit getan sein kann, sein Spiegelbild in anderen zu bewundern, wenn Dinge wirklich, wirklich im Argen liegen. Der kleine Hühnerstall, der die letzten Wochen olfaktorisch sehr präsent war, übertünchte eine Sache von größerer Wichtigkeit: Ein wahrer Augiasstall. Auch hier wurde und wird seit Jahrzehnten immer mehr kopros angehäuft, niemand wagte sich bisher ans Säubern. Es plätschert so vor sich hin, hat bisher immer irgendwie funktioniert, von kleineren Rückschlägen abgesehen. Aber jetzt bemerkt man auf einmal: Die Stalltür geht ja kaum noch auf! Ein Riesenbatzen Exkrement versperrt den Weg. Man hat die dafür verantwortlichen Kühe, die sich seit einiger Zeit auf dem immerselben Haufen erleichtern, nicht in ihre Schranken verwiesen. Und nun gibt es kein Vorankommen mehr. Nur noch ein bisschen, und der Stall wird für immer verschlossen bleiben. Und all das wegen der unkontrollierten Produktion von haufenweise Mist.

Wie es der Zufall aber will, schickt die von mir hochgeschätzte Frau Knobloch wunderbedeutsame Bilder fließenden Gewässers in die Welt. Ein Hoffnungsschimmer, immer, wenn sie ihre Feder bemüht.

Lassen wir es also fließen, was sich lange angestaut hat hinter Herzmauern. Ich bin nicht Herakles und will mir auch keine Rinder verdienen – wiederkäuende Paarhufer und auch Federvieh kenne ich bereits genug. Mir stehen weder Alfios noch Pinios zur Verfügung, nur ein kleines blaues Eimerchen. Aber das ist voll mit „kleinstkaskadender“ Wasserkraft, die ich mir von Frau Knobloch geborgt habe. Das schütte ich der nächsten dummen Kuh, die mir begegnet, mitten ins Gesicht. Madame Contraire hat schon die Gummistiefel an.

Advertisements

6 Gedanken zu “Ein Augiasstall

  1. Liebste, so gelangen Wichtigwahrheiten von Herz zu Herz. Ich brauche nicht erwähnen, wie stolz ich gerade auf Sie bin. Denn eigentlich wollte ich nach dem Lesen des Spiegeleintrags eine Sanftpöpeley anzetteln. Spiegel reflektieren stumm, aber manchmal wollen Antworten laut tosen. Wasserfallartig sich Bahne brechend, reinigend und unduldsam. Wasser fließt, mir machte das der wunderbare Herr Ärmel mehr als einmal deutlich. Alles fließt…
    Ich stelle mich ersatzgießkannenbereithaltend hinter Sie und summe Ihnen Piratenmelodeyen ins Ohr, Wasser marsch!

Kommentare? Stets willkommen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s