Ex¦tern¦herz

Und so sitze ich auf deiner Bettkante, dein Kopf in meinem Schoß, wie jeden Morgen. Nicht fähig dir übers Haar und die schläfrigen Wangen zu streicheln. Die Leere in mir lässt nichts spüren. Lässt deine Wärme nicht in mich hinein, ein hölzernes, eckiges Behältnis voller Leere. Ich habe mein Herz verlegt. Irgendwo da draußen streunt es umher wie ein ausgesetzter Hund. Ich suche nicht, ich habe es selbst weggeschickt. Manchmal muss man sich auch solcher Dinge entledigen, die eigentlich gut sind. Das gesunde Maß ward überschritten, es gibt von allem ein „zu viel“, auch vom Herzen. Wenn allzuviel Herzblut fließt, wird es empfindlich schwach und angreifbar. Es musste einfach mal raus..

Ich habe es beurlaubt, damit es sich erholen kann. Ertrug den Schmerz darin nicht mehr, denn es war kein sinnvoller Schmerz, es war unnötiger Stress und unsinnige Aufregung. Nichtigkeiten, im großen Kontext gesehen, fremdverschuldet von unwichtigen Menschen, doch herzinnerlich mit großem Druck potenziert, wieder und wieder. Und nun steht das Herzkästchen leer, die Läden sind geschlossen. Die Vertretung, Rationalität, hat alle Hände voll zu tun, denn Frau Contenance meldete sich zu Beginn der Woche ebenfalls krank und überließ der wilden Contraire das weite Feld, frei von jeglicher Selbstbeherrschung. So ist das mit verlegten Dingen: im einen Moment werfen wir sie achtlos beiseite, im nächsten benötigen wir sie wieder und stehen dann betrtoffen und mit leeren Händen da.

Ich blicke von außen auf mich herab, wie ich auf deiner Bettkante sitze, dein Kopf in meinem Schoß, wie jeden Morgen. Nicht fähig dir übers Haar und die schläfrigen Wangen zu streicheln, während extern mein beurlaubtes Herz überquillt vor Heimweh. Leihst du mir deines, solange meins sich erholt?, möchte ich dich fragen. Und kann es nicht. Mein Herz hat seine Sprache in die Auszeit mitgenommen, sein gutes Recht. Und mir fehlen sie nun beide, ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass sie gesund wieder nach Hause kommen.

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9 Gedanken zu “Ex¦tern¦herz

  1. Liebste, ich streiche Ihnen das Schlagwort „bescheuert“ sanftfingerkuppig aus dem Sinn und ersetze es durch ein banges, zitterndes „verwundet“. Das emotionale Gedächtnis eines Herzens wirkt länger nach, als man manchmal ertragen kann und plötzlich scheint das Herzkästchen leer. Bitte schauen Sie genau nach, ganz hinten, da wo ein wenig Bangpuder noch flittert, da strahlt auch ein kleiner Splitter Hoffnung.

    Ohne hier gelesen zu haben, formulierte ich justamente bei Bittemito genau die Grüße, die auch hier passen: Sanftsicherruhige. Die ich gerne bonfortioniere. Weil das halt so ist bei uns beiden.
    Von Immomentstarkherz zu Fluchtexternherz, das doch weiß, wo sein Platz ist, alles Liebe, Käthe.

    • Liebe Käthe, Sie haben die bemerkenswerte Fähigkeit, Ihre Worte wie einen sanfttröstenden Schleier um mich zu legen. Ich sollte so viel gelernt haben, um zu wissen, dass man ein verwundetes Herz nicht wegschickt, bis es genesen, sondern sich um dessen Pflege bemühen muss. Glücklicherweise gibt es Menschen, die ich damit beauftragen kann – auch Sie gehören dazu – und im Moment kann ich sagen, dass die Therapie anschlägt. Es heilt, auch wenn es an anderen Stellen immer wieder aufreißt, aber das gehört sicher dazu, das erleben wir Tag für Tag. Ja, so ist das halt bei uns, liebe Käthe, wir finden bei allen Fluchtexterngedanken doch immer wieder unsere Hoffnungssplitter, die uns zusammen halten. Alles Liebe auch für Sie, und auf bald! Mme C.

      • Die wieder aufreissenden Stellen, die gehören zu jedweder Heilung dazu, denke ich. Weil manchmal der Druck schlicht zu gewaltig sich bauscht, nicht auszudenken, wenn nicht ein Riss sich fände und ein wenig Herzensdruck erleichtert das Weite suchte. Entsinnen Sie sich noch des Kraters, mit dem ich mein Loch im Herzen verglich? In den Krater rauscht unter Schmerzgetöse all das Gerölle und füllt ihn langsam aber stetig. Die dabei entstehenden Risse am Abgrund, die beobachte ich sicherheitsabständig und wachse an den zitternden Fluchtgedanken, in dem ich meinen Standpunkt verfestige…

        Ach, meine Liebe, ich sende Ihnen spankorbweise Hoffnungssplitter, schauen Sie nur im nächsten Gewitterregen auf Maienblattgrün, wie es neufunkelt.
        Fremdnahzugetan, die Ihre.

  2. Wie kannst du sagen, dass dein Herz beurlaubt sei, wenn du uns Lesern doch so viel Herz zeigst? Ein weiches, ruhig pumpendes Herz, welches wir vorsichtig berühren möchte, weil es uns berührt.

    • Danke, Ben, für deine Worte.
      Vielleicht ist es nur die Angst, die dieses „Beurlaubungsgefühl“ hervorruft. Die Angst, dass es tatsächlich weg sein könnte. Kennst du das, wenn man den Eindruck hat, man stünde neben sich, würde sich von ganz weit weg beobachten? Manche Ängste kommen manchmal noch hervor, wenn man eigentlich ganz sicher ist, dass sie keinen Platz mehr in unserem Leben haben.

  3. Das Schlimme ist, du merkst zwar das es deinem Herz nicht gut geht, doch das es schon am Kofferpacken ist und wann genau es loszieht um sich in der Welt umzuschauen, das , nein dieser Moment ist so schwer zu bemerken. Aber ich kenne sie so gut, deine Trauer darüber….

    Ach, mit lieben Grüßen doch dazu :)

    • Danke für deine Worte, Mia.
      So ganz freiweillig ist es ja nicht losgezogen, mein kleines Herz. Es hängt an mir, wie ich an ihm. Ein wenig Abstand hat in dem Moment nicht geschadet, aber das Vermissen war schlimm. Ein gutes Zeichen wiederum. Kennst du das? Eine Eigenschaft, die dich manchmal wahnsinnig macht, aber ohne die du eigentlich nicht sein willst.
      Liebe Grüße auch für dich!

      • Und ob ich die kenne… Wir sind eben mehr als eins. Und so gut wir meinen uns selber zu leiten,,zu kennen und zu bestimmen, so siehst du genau daran, das uns er ich quad eigenständig handelt ;)

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