Es ist immer zu wenig

Immer zu wenig, nie genug. Immer fehlte ein kleines Stück. Und wenn man mir sagte: es ist gut, es ist genug, wusste ich, es stimmt nicht. Worte konnten mir nichts geben, das innere Gefühl war viel zu stark, und der Gedanke hämmerte stets in meinem Kopf: Ich bin nicht genug. Du spürtest das, noch ehe Du wusstest. Es war oft ein Spiel für Dich, ein leichtes. Begriffst Du, was das in mir tat? Ich zweifle.

Aufgabe um Aufgabe, Projekt um Projekt – nie zu langfristig, denn langfristig genug sein, das ist ja ein Albtraum. Beginnen, dann triumphieren  – selten scheitern. Letzteres vermieden, so oft es ging, bis es unvermeidlich wurde. Das Scheitern holte mich ein. Es dauerte lange, bis ich begriff, dass ich schon längst genug war, dass ich nur lernen musste, mir selbst zu genügen. Und Scheitern wurde leichter. Angenehm war es bisweilen, nicht mehr nur der Genüge nachzueifern, sondern sich mit dem zufriedenzugeben, was machbar ist, ohne sich dabei selbst zu geißeln.

Jenen, denen gegenüber ich mich nie genug fühlte, die meine Emotionen einbetonierten und mich so weit in die Tiefe zogen, bis ich mich nahezu lebens- und liebensunwert fühlte, warf ich schließlich aus meinem Leben, solange es noch irgendwie den Namen verdiente, weil ich erkannte, dass nicht ich ihnen, sondern sie mir nicht genug waren. Mich nicht mehr erfüllten. Ich beschloss: ich wollte nie wieder ein Spiegel für die Unzulänglichkeiten anderer sein.

Doch eine Sache pocht und rührt: Was ist mit Dir? Bin ich Dir nicht Vertraute, war ich Dir nie Vorbild genug, als es von mir verlangt wurde? Weil ich mich irgendwann zu scheitern entschloss, mich endlich selbst wahr nahm? Ich dachte, Dein Ziel sei es, mich glücklich zu sehen, Vertraute, Vorbild nun Du, in umgekehrten Rollen? Was willst Du wirklich? Muss ich mehr geben oder weiter scheitern, damit Du zufrieden bist? Nun suche ich das Wort, das mir so lieb geworden, doch Du ziehst das Schweigen vor, Dein emotionaler Beton, eingetauscht gegen Dein Repertoire aus scharfen Wortklingen und spitzer Kritik.  Ich nehme den Spiegel von der Wand meines Herzens, hänge ihn mit dunklen Tüchern ab, denn das ertrage ich nicht. Dass gerade Du mir nicht mehr genug sein könntest.

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2 Gedanken zu “Es ist immer zu wenig

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