Weihnachten mal anders?

– „Jammer, jammer, Weihnachten und der Konsumterror, herzloser Schund und billiger Scheißdreck – wo bleiben die wahren Werte? Wir haben uns verkauft!“

– „Dann mach du es doch anders.“

– „Haben wir in der Familie doch schon probiert, aber irgendwann fängt wieder jemand mit dem Schenken an…“

– „Mach du es doch anders.“

– „Ja, aber der Zwang! Wenn doch jeder …“

– „Mach es doch anders.“

– „Wir sind aber nun mal eine konsumlastige Gesellschaft! Die ideellen Werte sind längst verloren gegangen.“

– „Mach es anders.“

– „…“

Es scheint, als unterlägen wir Konsumsklaven allesamt dem allumfassenden, nicht zu entrinnenden Kaufzwang sündhaft-sinnloser Geschenke, dazu verdammt, in weißen, schmiedegeeisten Ketten made in Winterwonderland an der Tannengirlande entlang in die überfüllten Geschäfte zu pilgern, Zeit und Gesundheit zu opfern, um uns durch die quälenden Staus und das Gedränge auf den oh-so-schrecklichen Weihnachtsmärkten zu drücken – Regenfeuchte Kälte kriecht derweil an uns herauf -, die Taschen vollzubaggern und zu schaufeln , bis dass der Einkaufswagen ächzt und die Kreditkarte quietscht und der unsägliche Weihnachtsstern die Blätter hängen lasst, und all das mit penetrantem Weihnachtsduft in der Nase und dem Geschmack überwürzten Glühweins am Gaumen. Verstehe, wenn dir da das Kotzen kommt, lieber Freund*.

Hätte ich einen Spankyaufkleber zur Hand gehabt, *dieser Herr hätte ihn ruckzuck auf seiner Stirne kleben gehabt. Was nutzt alles Jammern über den Verfall der Gesellschaft, wenn man seinen eigenen Hintern nicht hochbekommt? Ich sage nicht, dass es einfach ist, aus alten Strukturen zu fliehen oder sie gar aufzubrechen. Aber sich so gar nicht dagegen zu wehren? So richtig meine ich, nicht nur mit jammernden Posts, in der Hoffnung, jemand antwortet und schlägt in die selbe Kerbe?

„Hach ja, die blöde Menschheit, alles geht den Bach runter“ – „Oh, du hast ja so vollkommen recht!“ – „Komm, wir zünden eine virtuelle Kerze an zum Gedenken an all die Weihnachtsveteranen und Konsumversehrten.“

Spanky X-Mas!

 

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12 Gedanken zu “Weihnachten mal anders?

  1. Weihnachten habe ich erstmals als kleines Mädchen in Deutschland erlebt. Ja, ich bekam durchaus Geschenke. Aber es war nie sinnloses Zeug. Ein neuer Karate-Anzug und andere Nützlichkeiten. Unsinn schenkten nur die anderen. Meine Eltern haben das Fest quasi japanisch adoptiert. Aber sie sind nie dem „Kauft und seid lieb“ Rausch verfallen und haben mich mit Buddhas Lehre geprägt.

    Trotzdem mag ich die Weihnachtszeit, was auch am Winter liegt. Leckere Speisen, Zimtgeruch, die Menschen werden besinnlicher und lesen gar ein Buch. Was mich nachdenklich macht sind Lebkuchen schon im September und Prominente, die sich für Weihnachtswerbung verkaufen.
    .

    • Danke Mayumi, für deine weihnachtliche Erinnerung.

      Ich mag Weihnachten auch – wieder, möchte ich sagen. Wenn ich zuvor haderte, dann wegen der Art und Weise, wie mir Weihnachten lange Zeit begegnet ist. Das Hetzen zwischen den Familien, tatsächlich der Zwang, einem jeden ein kleines Geschenk zu besorgen, und den Kindern möglichst Spektakuläres – nicht in meiner Familie, in der anderen, und es schlich sich so ein, dass ich sowohl alle Ideenfindung als auch die Kosten dafür an der Backe hatte. Das gibt es nun nicht mehr.

      Dieses Jahr spielen wir Weihnachten ganz nach meinen Vorstellungen – meine Location, meine Regeln. Freude genug haben wir dieses Jahr alle, wenn wir in hoffentlich wenigen Tagen ein neues Familienmitglied begrüßen dürfen. Sonst pflegte meine Familie sich eher zu dezimieren, weshalb wir seit ein paar Jahren mit der Familie meines Schwagers zusammen feiern. Damit niemand allein sein muss. Es wird Selbstgebasteltes und Selbstgebackenes geben, gutes, gemeinsam zubereitetes Essen, Geschichten und, wie ich doch sehr hoffe, Kindergeplärr und Katzenjammer. Ich freu mich so sehr.

  2. Ich balanciere ja auch eben wieder auf diesem schmalen Grat zwischen Konsumterror und Kundenbeglückung. Nicht privat, da ist Weihnachten besinnlich geblieben und ohne Schenkwahn und dergleichen; nein, geschäftlich. Die dusseligste Frage ist jedes Jahr die gleiche: „Sagen Sie, was ist denn dieses Jahr Trend?“ Standardantwort: „Trend? Unbedingt Tannenduftgrün, Bratapfelrot, Silberglockenglanz, Nußschalenbraun und Schneeflockenweiß. Wer mag, ein wenig Goldeselleuchten.“ „Häh? Ich sah so pinke Pinguine, hellblaue Eisbären und singende Elche?“ „Das ist kein Trend, Verehrteste, das ist Bjäch!“

    • Und daher, liebe Käthe, richten wir uns doch eine Bjäch-freie Zone ein. Alles andere wird gnadenlos verspankysiert. Vielleicht sollten Sie überlegen, einige Christbaumkugeln mit Spanky zu verzieren und diesen zum Trend für Bjäch-Freunde zu machen? Sie werden staunen, wie schnell er sich im Lande verteilt! Waschbärpower against the Bjäch!

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