The Post-London Diaries of Little Miss Contrary II

Where is the Power Animal when you need it?

Angefixt, voller Begeisterung und, wie immer, mit einer viel zu großen Klappe verbrachte ich den Abend vor meinem Abflug mit dem Ausdrucken und Ausschneiden meines, unseres Spanky, der sich selbst bewarb mit dem Slogan Spank Against The Fake! German Waschbärpower. Überall, wo mir spankenswerte Unzulänglichkeiten auf der Insel begegneten, gelobte ich, wolle ich eine Spankykarte anheften und fotodokumentieren. Mein Hasenherz hatte sich bis dato noch nicht zu Wort gemeldet, wahrscheinlich schlief es noch unter den begeisterungsaufgeheizten contrairschen Schwingen meiner Reiselust.

Ich könnte nun argumentieren, dass mich all die Sinneseindrücke dieser wahrlich bemerkenswerten Stadt so sehr in ihren Bann gezogen hatten, dass ich nicht in der Lage war, auch nur einen Moment an Spanky zu denken – ja nicht mal zum Fotografieren sei ich gekommen! So eine Speicherkarte ist schneller vernichtet, als man glauben mag.

Im Flugzeug bekam Spanky zum Aufwärmen einen Platz neben den verteilten englischen Keksen und am hochgeklappten Tischchen, in London selbst wagte ich nur mehr, ihn auf den Toiletten des Landes zu verteilen – wahrscheinlich motiviert von den Gesprächen junger Frauen über die „Sinnlosigkeit des Studienfachs BWL“ und der Notwendigkeit, sich hochzuarbeiten, um eines Tages in der Lage zu sein, First Class fliegen zu dürfen – oder mindestens Business Class, denn in der Holzklasse bei all den gewöhnlichen Economy-Touristen, also bitte, dafür habe man ja nun nicht studiert und ein Praktikum nach dem anderen absolviert! Letztendlich fand Spanky noch einmal Anwendung, als ich in einer Kaffeehauskette einen Milchkaffee orderte und mich die sofortige Erkenntnis mit unumstößlicher Gewissheit nach dem ersten Schluck ereilte: Sonnenklar, weshalb dies ein Volk von Teetrinkern ist. Alles in allem eine sehr unbefriedigend verlaufene Kampagne.

Der letzte Abend gestaltete sich unterhaltsam, ein Musicalbesuch stand natürlich auch auf dem Programm. Das Geburtstagsgeschenk für meine werte Mitreisende, der ich die Bedeutung von Spanky nicht hatte erläutern können, ohne dass meine Tarnung, sprich: die Tatsache, dass ich hier als Madame Contraire bloggend mein Unwesen treibe, aufgeflogen wäre. Wer mich in Hamburg kennengelernt hat, weiß, dass ich das meinem Umfeld momentan lieber vorenthalte, sonst wäre ich nicht mehr in der Lage, so frei zu schreiben, wie ich es tue. Jedenfalls endete die Darbietung damit, dass die Zuschauer begeistert von ihren Sitzen sprangen, lauthals mitsangen und anschließend einer Ansprache lauschen durften, in der auf den Breast Cancer Awareness Month – Oktober – eingegangen wurde. Um Unterstützung für den Kampf gegen diese schreckliche Krankheit wurde gebeten, für 20 Pfund könne man ein T-Shirt erwerben, dessen Erlös zur Gänze die Forschung unterstütze. Oder an den Ausgängen das eine oder andere Pfund in ein Eimerchen rollen lassen. Money bucket challenge. Und was ging nun Madame im Kopf herum, als sie sich am Ausgang herumdrückte, die Abendbegleitung schon an ihrer Hand zerrte, ob man nun nicht endlich nach Hause wolle?

Excuse me, Miss … May I introduce this little fellow to you? His name is Spanky, he is a German … was heißt jetzt Waschbär auf Englisch, verflixt … a German power animal. I found your speech so very moving, and the first thought I had when you reported on male and female breast cancer was that people suffering from this terrible disease would need a power animal just like Spanky to … recover their strength and move on and fight …

Aber mein persönliches Krafttier war nicht da an diesem Abend. Hätte man mich belächelt? Hätte man sich statt meines Gestammels lieber ein paar zusätzliche Pfund  im Eimer gewünscht? Was sind Worte, wenn Geld eine viel mächtigere Sprache spricht. Ich war trotzdem sehr enttäuscht von mir, dass ich es nicht gewagt hatte, wenn ich schon nur ein paar wenige Münzen gespendet hatte, wenigstens Solidarität zu beweisen. Das wäre Spankys großer Auftritt gewesen, und ich habe ihn vermasselt. Schlafen konnte ich jetzt noch nicht, und daher beschloss ich, meine Gedanken abzuladen und etwas gegen mein mieses Gewissen zu tun: ich bat Mo Beumers, aus dessen Feder Spanky stammt, ein Krafttier zu entwerfen, das sich mit einer rosafarbenen Schleife solidarisch im Kampf gegen den Brustkrebs präsentiert. An dieser Stelle hat er die Idee bereits vorgetragen. Manny, so der Name des kleinen Kerlchens mit der großen Mission (bei der Namensfindung stand wiederum die hochgeschätzte Frau Knobloch Patin), möchte ich einen eigenen Eintrag widmen, sobald er mir zur Verfügung steht. Und dann darf Manny mit geballter Waschbärpower überall dort spielen gehen, wo er gewollt und gebraucht wird. Was das bringen soll? Ich weiß es nicht. Die eigene Beruhigung? Halbherziges Ich-tu-halt-mal-was? Vielleicht aber auch eine weitere Möglichkeit, ein größeres Bewusstsein zu schaffen für all das Schreckliche, das uns in unserem westlichen komfortablen weichgespülten Leben begegnet, und dagegen anzukämpfen. Noch ist Oktober, Breast Cancer Awareness Month. Oder machen wir ein Jahr draus. Unerheblich. Cancer never sleeps.

Schlafen konnte ich nach dieser Nachricht allerdings auch nicht. All die Worte, die ich nicht ausgesprochen hatte, rauschten noch lange in meinem Kopf.


Yes, I might have an idea what it means to …
My aunt died years ago of breast cancer, she left two young kids. Her parents never recovered.
My best friend’s sister died in 2011, it was horrible.
She left her twin babies behind.
My friend has kids on her own now and every single day she fears she might suffer the same.
She needs to grow confident again, as she was before all that happened.That nearly broke her. Not to mention her parents.
I know how it feels to lose someone dear to this illness.
My grandmother fell ill after losing her husband.
She was always a proud woman, headstrong and bold and loving.
When she died, she was a small and broken one, no more a lady as she used to be, the obvious signs of her womanhood removed, an empty shell, suffering pain until she took her last breath.
Just to ment
ion a few.
Yes, this is sounds dramatic. Excuse me for bothering you. Here, your 20 pounds. Keep the shirt, it won’t fit anyway.
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7 Gedanken zu “The Post-London Diaries of Little Miss Contrary II

  1. Pingback: Mo Beumers | Breast Cancer Awareness Month. Weil es für Schicksal keine Abkürzung gibt.

  2. Liebes, ich halte Sie jetzt einfach mal fest im Arm. Es war nicht Feigheit, die Sie innehalten ließ. Vielleicht ahnten Sie schon, ohne sich dessen bewußt zu seyn, daß es andere Wege in der Heimat gibt, die es zu beschreiten gilt. Jeder wirkt da mit seinen möglichen Kräften, wo er am meisten ausrichten kann. Ich spüre hier gerade, vergeben Sie mir bitte meinen Pathos, etwas entstehen, was vom sanften Silbersilbenklingen zum Mächtigverbundgewebe sich wandeln kann. Ich staune, lasse mich anrühren, einweben und will weiter Teil des Ganzen seyn. Ich freue mich darauf. So, ich lasse Sie wieder los, Sie können jetzt Ihre Gewänder glätten, Sie wirken ein wenig zerranscht…
    Hervolle Grüße, Ihre Frau Knobloch, immens zugetan.

  3. Pingback: Krafttierfamilienfetzerey | bittemito

  4. Ich wünsche Manny Bekanntheit weithin und danke Ihnen dafür, dass Sie sich anrühren ließen und das taten, was uns allen gut tut: Teilen. Dadurch entstehen Krafttiere und ich webe Mannys Netz nach Möglichkeiten gerne mit.

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