Sprach¦los¦worte

Seit Madame gelernt hat, wie man spricht und dass es weitaus zielführender ist, Wünsche durch Kommunikation und nicht durch stumme Blicke und Gedankenbeschwörung zu äußern, was die Erfüllung selbiger in sehr viel nähere Reichweite rückt, plappert sie gerne drauflos, ohne groß den Hirnfilter dazuwischen zu schalten. Das ist herzerleichternd und oft jamesbonderheiternd. Und ehrlich. Einer von vielen glücksfördernden Faktoren.

Und so sprechen sich Tag um Tag eine Menge Soglücklichwienochnies und Sofrohdassdudabists und auch das ein oder andere Habdichlieb. Sie plätschern durch die Nacht, wenn Madame und JB sich aneinander festhalten müssen, um nicht davonzufliegen, weil sie’s einfach noch nicht fassen können, reihen sich buchstäblich wie silbrige Perlen mit einem Pling oder Plong auf der medialen Kommunikationsschnur aneinander. Eingebrannt ins Display, eingestickt mit einem Purpurfaden in das Herzgewebe.

Da sind aber noch andere Worte, solche, die nicht so einfach von den Lippen perlen. Die Worte, die man denkt und die man zurück hält, verschließt und versucht, sie durch die Augen schimmern zu lassen. Vor lauter Bedenken, dass sie irgendwie blöde klingen. Vor lauter Scham, der erste gewesen zu sein, der sie benutzt. Vor lauter Angst, dass sie nicht durchdringen, nicht erwidert werden. Vor lauter Panik, den falschen Zeitpunkt erwischt zu haben. Und dann kommt einer dieser Abende. Einer dieser schönen, entspannten Abende mit Freunden, alles ist gut. Nur der Herznächste, der ist physisch nicht anwesend. Die mediale Kommunikationsschnur aber ist gespannt. „Ich liebe Dich“ plingplongt es auf der anderen Seite. Und schon schießen Madame Bedenken, Scham, Angst und Panik zugleich in Kopf und Magen. „Jetzt ist es gesagt“ schicke ich nach, eine laue Entschuldigung. Kein Antwort-Plingplong. Selber schuld, Madame.

Und selbst wenn er das doof fand! Ich lass‘ mir mein Herz nicht verbieten! Soll er’s doch sagen, wenn er das doof fand! Mir egal, es war immerhin nicht gelogen! Doofmadame. „Je ne regrette rien“ plingplonge ich dann am nächsten Tag. Angriff ist die beste Verteidigung. Das Wiedersehen tags darauf fällt so wie immer aus, und ich vergesse einfach, was passiert ist. Ich kann damit leben, was ist schon Reden, wenn man Fühlen haben kann. Zudem beschäftigt mich auch noch meine immer noch anhaltende Erkältung, und daher bin ich schweigsamer als sonst, sehne mich nach meinem Kissen und der Nachtruhe. Die Augen geschlossen, das Hörvermögen noch aktiviert, aber bereit zum Herunterfahren, treten diese Worte an mein Ohr: „Ich liebe dich natürlich auch. Das wollte ich dir aber persönlich sagen. Ich liebe dich.“ Ploiing, hellwach. Und da wird mir die ganze Tragweite bewusst, als ich überlege, wie ich gerade aussehe: zerzauselt, aus glasigen Fieberaugen in blitzendblaue Lachsonnen starrend, mit rotgeschneuzter Nase und krankverschwitztem Schlafshirt. Wenn das nicht die absolut goldrichtige Situation ist, dann weiß ich auch nicht. Siebenzueins für JB.

Und ich? Schweige. Stillvergnügt. Und ein wenig entsetzt. Mir selbst kommen nämlich keine Worte über die Lippen. So gerne ich möchte, sie kommen einfach nicht, sie trauen sich nicht, immer noch nicht, obwohl doch alles gut ist. In der Hinsicht bin ich sprachlos. Wortleer und gefühlgefüllt.

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14 Gedanken zu “Sprach¦los¦worte

  1. (Ich hasse den Lesebefehlsknecht, ich werde ihn teerfedern lassen, ich werde ihm irgendwann in seine dämliche Apperatur, die verdammichunzuverlässige ordentlich ein reinkrawummen, damit er’s endlich lernt: MmeMme neueste Einträge sind mir unverzüglich anzuzeigen… )

    Liebe Madame Contraire, auch dieses muß man sich erst trauen lernen. Sie machen das schon richtig. Das ist nicht bescheuert, das ist narbenabtastend. Wenn man explizite Liebesworte schon zur Genüge früher verschleudert hat, wird man vorsichtiger. Wegen des Heilungsprozesses. Man will ja nicht zu früh… Und langsam erscheint JB als einer, dem Sie sich getrost in seine Blitzblaubergseeblauaugen reinfallen lassen können. Der wird Sie nicht absaufen lassen. Herzfeine Grüße, Ihre Frau Knobloch, die Sie jetzt mal erst entfolgt und dann wieder hurraend einfängt. Vielleicht klappts dann ja endlich mit dem Doofleseanzeigknecht, mannmannmann.

    • Liebe Frau Knobloch,
      ein starkes Stück, was dieser Doofbefehlsleseknrecht sich leistet! Ich hoffe, Sie haben ihn gebührend windelweich geklopft – ansonsten trete ich gerne noch einmal nach. Kann ja gar nicht sein, nachdem wir beide schon in drittoktoberlicher Trauer versinken müssen. Und der Antwortknecht treibt heute auch seine Spielchen mit mir….

      Vielen Dank für Ihren Zuspruch! Sie haben so recht, da sitzt die Angst vor nichterwiderten Liebworten noch sehr tief. Nichterwiedert, ja angewidert abgeschmettert wurden sie einst, als allzu oft gebraucht verteufelt und keinerlei Änderung am Jahre zuvor festgesetzten Status quo machend bezeichnet – wo doch Liebworte mir als Nährstoff und statusquoerhaltend scheinen. Sei’s drum, was schert mich der Schmerz von gestern. Aktuell bade ich lieber im blitzeblauen Bergsee und lasse mich von luftmatratzensicheren Liebworten tragen. Es kommt die Zeit, da darf ich auch mit Worten tragen.
      Liebfeine Grüße und einen Liebdrücker mit lachweinenden drittoktoberlichblickenden Augen,
      Ihre MmeMme

      • Es ist immer wieder erschreckend, welche tiefe Macht den Worten innewohnt. Einerseits frohherzklopferschreckend, wenn sie sanft und warm und vertraut einem angetragen, wie umhüllender Sommerregen. Und dann wieder zerfetzenderschreckend wie harsche Hagelschauer, wenn sie durchsetzt von Angewidertheit sich tief in’s Gewebe graben. Worte, nicht’s als Worte hat mal einer gesagt. Ich sage: Worte, alles sind Worte.
        Herzgrüße, die Lesebefehlsknechtknechterin.

          • Madame, heute beglücken Sie mich überaus. Worte sind meine ganze Habe. Ich liebe es.
            Worthabe
            Wortgabe
            Wortnahme
            Ich habe Worte, die ich Ihnen gebe und nehme die Ihrigen zurück. Worte rühren an den unsichtbaren Fäden und wenn sie anklingen, braucht das Herz keinen Übersetzer. Zutiefst verbunden, Ihre Frau Knobloch.

          • Frau Knobloch, heute ist ein besonderer Tag. Sie inspirieren mich wieder, ich könnte, hätte ich nicht auch noch andere Pflichten, heute Worte um mich schmeißen, Wortgaben verteilen, meine und Ihre Worthabe vergrößern, überall scheinen heute Worte pflückens- und verarbeitungswert. Zur Erklärung: Meine kleine Erkältung warf mich darnieder und verbot mir diese Woche den täglichen Broterwerb. Täglich Ärgernis und Schufterey blockieren meine Wortströme, scheint’s. Ich sollte daran arbeiten. Nein, eines Übersetzers bedarf es nicht, wenn zwischen uns die zarten Saiten erklingen, wenn Worte daran rühren. Heute eine wundersame Melodey, noch lange nachhallend.
            Stets die Ihre, Mme C.

          • Meine liebe MmeMme, fast müßte man Ihnen eine Schleichgenesung wünschen, was natürlich überhaupt nicht in Frage kommt. Mit Entsetzen lese ich von täglich Ärgernis und Schufterey. Wenn Sie so weitermachen, blockiert das bald nicht nur die Wortströme, was ja schlimm genug ist. Aber es drohen auch ganz andere Blockaden, wenn täglicher Ärger nackenbeugendschlägt. Nichts gegen gesunde Schufterey, der Körper tut schon das, was er vermag. Ärger jedoch, täglich in Dosen verabreicht, wirkt langsam aber sicher.
            Umso schöner ist es, heute soviel Wundersames von Ihnen zu lesen, ich sende ein Dutzend Wohlmelodeyen hinterdrein. Innigst, Ihre Frau Knobloch.
            P.S.: Dem Lesebefehlsknecht habe ich jetzt die kalte Schulter in Form der Elektropostbenachrichtigungsaktivierung gezeigt. Pah!

          • Ach naja, liebe Frau Knobloch … es gibt immer und überall Phasen, da läuft es icht so gut, da ärgert an sich, über sich, über andere, über Dinge und Tatsachen, und ändert damit nichts. Ich habe aber gelernt, Dinge zu ändern, die mir nun absolut nicht gefallen. In diesem Fall ist es noch tragbar und hat seine Vorteile, die ich in nächster Zeit noch nicht missen möchte. Solange halte ich mich an die schönen Seiten des Lebens, fange das Glück mit ausgestrecktem Arm und halte es fest an mich gepresst. Neue Aufgaben warten schon, sind aber noch nicht reif genug, angepackt zu werden. In Geduld muss ich mich also üben, nur Geduld.
            Dem haben Sie’s jetzt gezeigt, dem Dooflesebefehlsknecht! Da war nun die Geduld am Ende – sehr nachvollziehbar.
            Auf bald! Ihre MmeMme

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