Countdown 4 Tage

Natürlich gehört das auch in meinem Vorgärtchen reblogged, nachdem Frau Ahnungslos von westendstorie und ich uns schon über (mehr oder weniger) geheime Erkennungszeichen ausgetauscht haben. Denn ich komme nach Hamburg natürlich wegen der großartigen Candy Bukowski, Sabine Wirsching und Andreas Glumm, aber auch, um euch zu treffen – ja, euch da draußen, die ihr hier den Like- und Kommentarbutton bemüht, und die ich zum Teil ebenfalls gerne verfolge. Und, nicht zuletzt, wegen Hamburg selbst. Ich freue mich auf euch! Ich bin die mit Schleifchen irgendwo.

10-Wörter-Versuch: Feierabendgedanken

Mein erster Versuch, westendstories Einladung zu folgen und die vorgegebenen 10 Wörter zu einem Text zu verarbeiten. Der erste Versuch schlug fehl, der zweite brauchte tatsächlich ca. 15 Minuten für seine Entstehung. Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht, obwohl ich zunächst nicht dachte, dass ich mit den Vorgaben arbeiten kann. Eine schöne Schreibübung. Jetzt aber: Hier ist mein Text:

 

Montagnachmittag, an der roten Ampel, verselbständigte sich einmal wieder ihre Fantasie. Was wäre, schwänge sie sich zu Hause angekommen noch einmal auf ihr Fahrrad und radelte, bei dem momentanen Sauwetter und  von Wahn getrieben, in den Tiermarkt, um noch Katzenfutter zu kaufen? Katzenfutter und Streu, so ein 20-Kilo-Sack, hinten auf dem Gepäckträger. Wo Futter, da auch Stoffwechselendprodukte, ein nicht zu durchbrechender Kreislauf. Deswegen. Streu war auch fällig. Und dann würde sie so die Straße entlang radeln und hätte nicht bemerkt, dass der Katzenstreusack ein Loch hatte, und das Streu würde sich hinter ihr auf den Asphalt ergießen, und der nächste Krankenwagen, der vielleicht Blutkonserven geladen hat, würde ins Schleudern geraten – Werden Blutkonserven von Krankenwagen transportiert?  – und all das Spenderblut würde sich – platsch! – auf der Straße verteilen. Mann, was für ein Massaker. Gut, dass dann schon das Katzenstreu da läge, das gäbe Megablutklumpen, die man super wegschaufeln könnte. Würde man das jetzt Glück im Unglück nennen? Katastrophal, ihre Feierabendgedanken. Bei der Männerquote in ihrer Firma konnte man sich als eine der wenigen Frauen auch nur katastrophal fühlen. Sie hatte dieses Erhardt-Zitat über ihrem Schreibtisch kleben, „Frauen sind die Juwelen der Schöpfung. Man muss sie mit Fassung tragen.“ Ein Kollege hatte ihr das mal ausgedruckt, sie hatte sich darüber gefreut, aber irgendwie blieb ein schaler Nachgeschmack, bis heute. Sie hatte abgelehnt, mit ihm was trinken zu gehen, das war schon Jahre her. Warum fiel ihr das gerade jetzt wieder ein? Es nahm sie jedenfalls kaum Wunder, dass sie nach Feierabend abstruse Katzenstreublutklumpengedanken überfielen. Vielleicht sollte sie sich wirklich mehr Gesellschaft suchen. Menschliche Gesellschaft. Ihre Katzen gaben ja zumeist keine qualifizierten Antworten, und sie konnte sich auch nicht immer nur damit beschäftigt halten, das Unkraut in ihrem kleinen Gärtchen hinter dem Haus zu jäten. Das Gemüse war noch schweigsamer als ihre Katzen. Eingekocht ruhte es still und stumm in ihrer Tiefkühltruhe, und nach sechs oder zwölf Monaten warf sie es dann meist weg, weil sie so viel allein nicht essen konnte. Katzenfutter. Würden ihre Stubentiger mal Wirsinggemüse oder grüne Bohnen fressen, dann müsste sie jetzt bei dem Sauwetter nicht noch mal raus und Futter und Streu kaufen, und der Krankenwagen käme nicht ins Schleudern und die Blutklumpen müssten nicht weggeschaufelt werden. Katastrophal. Die Ampel sprang auf Grün, endlich. Morgen würde sie das Erhardt-Zitat über ihrem Schreibtisch entfernen. „Unkraut“, dachte sie noch, „vergeht nicht, aber man kann sich trotzdem dranwagen.“

Mit dir ist die Vergangenheit erloschen.

Du bist mir ein Licht gewesen, hast mein Herz erfreut. Ich bin oft so froh gewesen, dass es dich gab. Ein Stückchen Geborgenheit, ein Stückchen dessen, was mir bereits verloren war. Nur geborgt. Dazugeschlichen habe ich mich, unter deine Flügel und in dein großes Herz, in dem schon so viele Platz fanden, und doch gab es ungefüllten, unerfüllten Raum. Die Türen hast du aber immer gut verschlossen gehalten. Auch dein Schmerz war hinter großen dunklen Toren verborgen, und nur selten schauten seine Ausläufer durch den winzigen Spalt darunter hervor. Denn was bringt es, wenn man sich zeitlebens aufopfert und liebt und tröstet und zuhört und pflegt, wenn keiner sonst mit der gleichen Intensität zurückliebt und tröstet und zuhört. Mich schmerzte das, ich hätte dich gern ein wenig mehr auf Händen getragen, hin und wieder, aber das stand mir nicht zu, weil ich allzu angepasst gewesen war. Und meine eigene Sorge, die habe ich ebenso gut verborgen wie du die deine. Ich glaubte dich zu verstehen. Mit dir zu fühlen. Vielleicht habe ich deshalb so lange gezögert. Um ehrlich zu sein, als ich das Donnergrollen von weitem nahen hörte und wusste, das Unwetter kommt unweigerlich auf mich zu, da dachte ich zuerst an dich. Ich dachte, alle anderen werden damit zurecht kommen, aber dich, ausgerechnet dich, wollte ich nicht verletzen. Doch du verstandest. Liebtest weiter, auch wenn gerade Liebe hier endete und das Ende dieser Liebe der Donnerschlag und seine Folgen waren. Ich bin so froh, dass wir uns im Frühjahr noch sahen, so als wäre nichts, als hätte sich zwischen uns nichts geändert. Hat es auch nicht. Wir trugen uns immer noch gegenseitig im Herzen. Du schlichst dich in meine Gedanken, kurz bevor es zu Ende ging. Ich wollte noch nach dir fragen, da erreichte mich die Nachricht, dass du nach schwerem Kampf von uns gegangen bist. Ich war da, dich zu verabschieden, und es tat weh. Tut immer noch weh. Wie schmerzhaft muss dein Tod erst für diejenigen sein, die dich noch viel länger und zeit ihres Lebens kannten? Ich klammere mich an den Gedanken, dass der Tod auch einen Sinn erfüllen muss: an jenem Tag waren wir alle gleich, all jene, die zu deiner Verabschiedung kamen. Wir waren alle eins, so entzweit wir doch schienen. Keine Schmerzverursacherin, keine Zurückgelassenen. Schmerz bekommt in Zeiten der Trauer eine neue Dimension. Und ich fand Trost in der Berührung, in der Umarmung und selbst im stummen Kopfnicken und hoffte, dass auch ich Trost geben konnte. Du mochtest Rosarot. Ich hatte keine Blumen mit, aber in Gedanken schickte ich dir einen rosaroten lieben Gruß hinterher, hinab, da wo die Sehnsucht deiner letzten Jahre bereits begraben lag. Dich einmal noch in den Arm nehmen. Vielleicht besuchst du mich ja bald im Traum, dann sagen wir uns noch einmal Tschüss. Und ich werde dir Danke sagen. Für alles, was du für mich warst. Und dafür, was du selbst im Tod für mich getan hast: Mit dir ist die Vergangenheit erloschen. Nun sind wir alle bloß noch Mensch.

Einst war Gestern Heute, das Wiederkehrende, das Nun von Morgen, Jetzt.

Das Heute

Ich sitze hier, vor einem weißen Blatt. Starre vor mich hin, still, unbewegt. In mir aber tobt und rauscht es. Wohin mit all diesen Emotionen, ein Meer, das hart gegen die Klippen der Realität geschleudert und durcheinander gewirbelt wird?

Das Gestern

Ich habe die Erlaubnis, das Schiff meines Herzenskapitäns allein zu entern, er ist noch nicht zurück – wieder eine dieser Besprechungen, in Hochzeiten seiner vielen Aktivitäten sind das bis zu fünf pro Woche. Aber es dauert nicht lange. Sagte er. Etwa bis neun, halb zehn. Ich lese in den Seekarten, fahre mit dem Finger die Längen- und Breitengrade nach, und erst als ich in den Himmel sehe, weiß ich, warum ich so müde bin: halb elf. Gut, dann beziehe ich schon mal die Koje, denn um 0430 beginnt der morgige Tag. Ein besonderer Abend, ein Experiment: Morgen schiffe ich mich direkt von seinem Ankerplatz aus zur Arbeit ein, lege nicht zu Hause an, sondern direkt im Büro. Ich schlafe ein.

Und werde wach. Halb zwölf. Ich vernehme ein Rauschen. Es schwillt an, stetig. Und da rollt sie heran, diese Welle. Eine Welle, die sich mir seit Jahren immer wieder in die Herzküste frisst, ihr die Substanz abträgt und sie offenwundig und bloß zurück lässt. Die Welle, die nichts bestehen lässt. Nichts außer dem Gefühl von Nichtwertsein. Was ist los? fragt die Küste, Angst in der Stimme, warum bin ich allein? Warum schützt mich niemand? – Alles in Ordnung, antwortet der Kopf. Wichtige Dinge. Oder einfach noch ein wenig gemütlicher Austausch, du weißt doch, wie Kapitänssitzungen sind. Doch die Welle rollt erneut heran, beißend, scharfkantig, der Zweifel reißt mit Macht das aufgebaute Vertrauen Stück für Stück nieder.

Das Wiederkehrende

Nein, nichts ist in Ordnung. Er ist wieder da. Dort, wo er nichts zu suchen hat. Aber ich bin stark jetzt. Denke ich. Verteidige meine Küste – mir reißt niemand mehr etwas aus und lässt mich allein und blutend zurück. Ich bin stark und ich bin bereit zu meutern, nicht genau wissend, gegen was eigentlich – gegen die Welle? Gegen den Kapitän, der mich gerade allein lässt? Gegen den alten Schmerz, den ich doch überwunden glaubte? Oder gegen meinen eigenen Verstand, der zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr durchdringt, zu viel Sand ist aufgewirbelt und versperrt mir die Sicht, blockiert mein Hörvermögen, begräbt mein Herz unter sich, mit jedem neuen Atemzug etwas mehr. Mit Mühe halte ich den Sextant, der über Bord zu gehen droht. Ich beschließe ein für alle Mal, nie wieder im Treibsand zu versinken und stehe auf. Ziehe mich an. Zücke das Funkgerät. Formuliere die Nachricht. Keine Sekunde zu früh, ich spüre die Erschütterung des Fallreeps, als ich den Funkspruch absetzen will, aber nicht kann. Zum Glück. Nicht havariert, dieses Mal.

Was los sei, verwundert, ohne jeden Vorwurf, besorgt das Gesicht des Kapitäns. Derweil zimmere ich meinen Verteidigungswall an der zerfressenen Küste zusammen aus dem Treibholz, das mir vom letzten Schiffbruch noch blieb, krumm und schief und alles andere als haltbar. Will ich das Rettungsboot, das auf mich zusteuert, wirklich abhalten? Wo unter all dem Sand ist das Vertrauen? Ich streite noch mit mir selbst, hämmere die rostigen Nägel ins faulige Holz, ziehe sie an anderer Stelle wieder raus, platziere salzverkrustete Kanonen, finde die Kanonenkugeln nicht – bis man mir sanft den Hammer aus der Hand nimmt und die Wahrheit das Holzkonstrukt still zu Staub zerfallen lässt.

Das Einst

Die Welle kam aus der Vergangenheit, als ich unzählige Nächte damit zubrachte, zweifelnd und allein in der Koje, ängstlich und verstört von den unsteten Bewegungen auf dem schwarzen Wasser, und mich fragte, warum ich so wenig wert sei. Was ich falsch machte, womit ich es verdiente, mein Leben lang darauf zu warten, endlich das Ufer zu erreichen. Und statt dessen nach halbdurchwachter Nacht Branntweinatem mir nur fremde Sorgen, Nöte und Hirngespinste in mein Ohr presste, in denen weder mein Name noch meine Person je eine Rolle spielte. Irgendwann gab es keine Küste mehr, kein Land zum Ankern, wellenzerfressen und aufgelöst, nur noch weites Meer. Ich drohte zu ertrinken. Entschied: Einer muss jetzt untergehen, aber ich will es nicht sein.

Das Nun

Ich werfe meine Geschichte wie Ankertaue blind in die Dunkelheit, und mein Kapitän fängt sie auf. Zum ersten Mal fängt jemand meinen Anker mit weit geöffneten Armen, mit festem Blick, mit offenem Herzen. Wie von tausend Händen gezogen erreicht meine Nussschale das Ufer, die neue Küste heißt Verständnis und kennt offensichtlich keine Grenzen. Die Uhr sagt mittlerweile halb zwei. Die Müdigkeit ist irgendwo da draußen im schwarzen Meer geblieben. Anstatt endlich einzuschlafen, werfen wir uns immer wieder Seile zu, immer dünner, immer feiner, wir fangen gegenseitig unsere Fäden auf, verketten sie und weben weiter an unserem Schirm, der ein Baldachin ist, der uns vor Regen schützt, und ein Leintuch, das uns auffangen soll, wenn wir zu fallen drohen. Die Wellen kräuseln sich sanft, bis sie endlich schweigen. Im Traum wandere ich an einer Küste entlang, Wrackteile und gerissene Taue auf dem nassen Sand. Ich weiß, dass es ein Traum ist, das ist die alte Küste, die nicht mehr existiert. Schmerz, der nicht mehr existieren dürfte.

Das Jetzt

Noch schweigen die ersten Sonnenstrahlen, als der neue Tag für mich beginnt. Wackelige Planken tragen mich ins Badezimmer, die heiße Dusche wäscht den letzten Sand aus den Haaren, spült die Algenschlingen fort. Das Salz auf den Wangen vermischt sich mit Geräuschen aus der Küche. Schiffsfrühstück. Morgens um 5. Nie hat jemand so etwas für mich getan. Meinen Meeressturm besänftigt, mir die Kanonenkugeln entrissen, meinen Anker vertäut und mein Herz in Verwahrung genommen. Und mir anschließend Frühstück gemacht. Morgens um 5.

Das Morgen

Ich sitze hier, vor einem gefüllten Blatt. Starre vor mich hin, still, unbewegt. In mir rauscht es immer noch. Wohin mit all diesen Emotionen, glitzernde Wogen, die sanft an eine intakte Küste gespült und von ihr geküsst werden?

Wortstrom: Füll¦feder¦halterin

Wie ein Buch lieg‘ ich vor dir, Welt
Recke meine weißen Seiten dir entgegen
Bitte stumm darum, gefüllt zu werden
Nicht leer bleiben will ich, niemals mehr.

Septembersonne brennt, Punkt für Punkt,
Mir sommerwarme Zeichen auf die helle Haut
Nadelspitzen formulieren sanft und stetig
Auf dem Zellstoff Rosenpurpurstickerei.

Ein Rebenmeer schreibt, Zeil‘ um Zeile,
Sehnsuchtsworte in mich hinein
Herzfarbenweit blickst du mich an
Herzweitgefärbt  mein Blick auf  dir.

Dich lass‘ ich die Feder führen, Seit‘ um Seite
Füllst du mich mit blauem Lebenstintenstrom
Nie versiegen lass ihn, die Feder leg‘ nicht nieder
Denn leer bleiben will ich niemals mehr.

 

Nachtdialog II

– „Ich glaube, ich hätte dich gern schon früher so gut gekannt.“

– „Nein, sicher nicht. Ich war früher noch etwas anders als heute. Sehr viel … egoistischer. Eigentlich war das keine gute Zeit.“

– „Okay. … Ich war damals auch anders. Noch viel aufopferungsbereiter. Und still. Auch keine gute Zeit.“

– „Das hätte sicher nicht so gut funktioniert mit uns.“

– „Nein. … Wir hätten uns gegenseitig kaputt geliebt.“

Sprach¦los¦worte

Seit Madame gelernt hat, wie man spricht und dass es weitaus zielführender ist, Wünsche durch Kommunikation und nicht durch stumme Blicke und Gedankenbeschwörung zu äußern, was die Erfüllung selbiger in sehr viel nähere Reichweite rückt, plappert sie gerne drauflos, ohne groß den Hirnfilter dazuwischen zu schalten. Das ist herzerleichternd und oft jamesbonderheiternd. Und ehrlich. Einer von vielen glücksfördernden Faktoren.

Und so sprechen sich Tag um Tag eine Menge Soglücklichwienochnies und Sofrohdassdudabists und auch das ein oder andere Habdichlieb. Sie plätschern durch die Nacht, wenn Madame und JB sich aneinander festhalten müssen, um nicht davonzufliegen, weil sie’s einfach noch nicht fassen können, reihen sich buchstäblich wie silbrige Perlen mit einem Pling oder Plong auf der medialen Kommunikationsschnur aneinander. Eingebrannt ins Display, eingestickt mit einem Purpurfaden in das Herzgewebe.

Da sind aber noch andere Worte, solche, die nicht so einfach von den Lippen perlen. Die Worte, die man denkt und die man zurück hält, verschließt und versucht, sie durch die Augen schimmern zu lassen. Vor lauter Bedenken, dass sie irgendwie blöde klingen. Vor lauter Scham, der erste gewesen zu sein, der sie benutzt. Vor lauter Angst, dass sie nicht durchdringen, nicht erwidert werden. Vor lauter Panik, den falschen Zeitpunkt erwischt zu haben. Und dann kommt einer dieser Abende. Einer dieser schönen, entspannten Abende mit Freunden, alles ist gut. Nur der Herznächste, der ist physisch nicht anwesend. Die mediale Kommunikationsschnur aber ist gespannt. „Ich liebe Dich“ plingplongt es auf der anderen Seite. Und schon schießen Madame Bedenken, Scham, Angst und Panik zugleich in Kopf und Magen. „Jetzt ist es gesagt“ schicke ich nach, eine laue Entschuldigung. Kein Antwort-Plingplong. Selber schuld, Madame.

Und selbst wenn er das doof fand! Ich lass‘ mir mein Herz nicht verbieten! Soll er’s doch sagen, wenn er das doof fand! Mir egal, es war immerhin nicht gelogen! Doofmadame. „Je ne regrette rien“ plingplonge ich dann am nächsten Tag. Angriff ist die beste Verteidigung. Das Wiedersehen tags darauf fällt so wie immer aus, und ich vergesse einfach, was passiert ist. Ich kann damit leben, was ist schon Reden, wenn man Fühlen haben kann. Zudem beschäftigt mich auch noch meine immer noch anhaltende Erkältung, und daher bin ich schweigsamer als sonst, sehne mich nach meinem Kissen und der Nachtruhe. Die Augen geschlossen, das Hörvermögen noch aktiviert, aber bereit zum Herunterfahren, treten diese Worte an mein Ohr: „Ich liebe dich natürlich auch. Das wollte ich dir aber persönlich sagen. Ich liebe dich.“ Ploiing, hellwach. Und da wird mir die ganze Tragweite bewusst, als ich überlege, wie ich gerade aussehe: zerzauselt, aus glasigen Fieberaugen in blitzendblaue Lachsonnen starrend, mit rotgeschneuzter Nase und krankverschwitztem Schlafshirt. Wenn das nicht die absolut goldrichtige Situation ist, dann weiß ich auch nicht. Siebenzueins für JB.

Und ich? Schweige. Stillvergnügt. Und ein wenig entsetzt. Mir selbst kommen nämlich keine Worte über die Lippen. So gerne ich möchte, sie kommen einfach nicht, sie trauen sich nicht, immer noch nicht, obwohl doch alles gut ist. In der Hinsicht bin ich sprachlos. Wortleer und gefühlgefüllt.