Siebenmeilensteine

Ich will. Schreiben. Ich will endlich schreiben. Aber es passiert nichts in meinem Kopf. Manchmal überfallen mich Gedanken, aus denen sich was bauen ließe – was genau dabei herauskommt, das weiß ich anfangs nie, aber einmal angefangen zu formulieren, wächst ein Textchen, ein Gedichtchen meist schon ganz von selbst. Aber auch das will mir nicht gelingen.“Zu glücklich“, klagte ich dieser Tage. Und, ehrlich gesagt, auch ein wenig überdrüssig, immer wieder über mich und mein Leben zu referieren. Seien es die ach-so-neuen Erkenntnisse, dass es mir jetzt abermillionenmal besser geht als noch vor 14 Monaten (14,5 Monaten, will man genau sein) oder diese verflixt-klebrigen Scheißherzchen allüberall, die sich an jeden Gedanken heften, der sich in meinem Kopf entspinnt. Kürzlich las ich, dass der Körper sich nach 12 bis 24 Monaten an diesen Rauschzustand biochemischen Ursprungs gewöhnt hat. Es besteht also noch Hoffnung.

Derweil ich auf der Oxytocinwelle schwimme, fallen mir leider nur die neusten Entwicklungen in meinem nicht-mehr-ganz-so-neuen Leben ein, über die ich berichten könnte: Ich habe Sperrmüll angemeldet. Oh ja, ein nicht zu unterschätzender Schritt! Aber auch nur, weil es tatsächlich dringlich und notwendig wird; der zukünftig vom gesammelten Sperrmüll befreite Platz muss mit Feuerholz für den Winter bestückt werden, und das muss ich zeitnah ordern, sonst geht es mir wie im vergangenen Winter, dass ich nichts mehr bekommen habe und vor der Wahl stand, von überall her Restholz zusammenzukratzen oder mir den hübschen Hintern abzufrieren. Und da ich ja Verantwortung für zwei Katzen habe, die nichts in der Welt mehr lieben, als sich fett und faul vor dem Ofen auszustrecken, entschied ich mich fürs Holzbetteln.

Mittlerweile funktioniert unsere Mensch-Katze-Beziehung sehr viel besser als noch zu Beginn unseres mehr oder minder fremdarrangierten Zusammenlebens. Seit meine Scheidungskinder Freigang haben, habe ich weniger Mord- und Tierheimabschiebegedanken, weniger (und doch noch beachtlich viele) Katzenhaare (überall. Wirklich. Überall.) und bessere Nerven. Katzpfotige, schnurrnasige Meilensteine. Bliebe tatsächlich nur noch, an mir selbst zu arbeiten, nachdem Haushalt und Heimtierpflege offensichtlich in besseren Bahnen laufen.

Mein Schneckenhaus war mir ein begehrter Rückzugsort in allen Lebenslagen. Brach ein Stürmchen los, zog ich ruckzuck die Fühler ein und wartete, bis es vorüberzog. Fremde Menschen, neue Herausforderungen? Hach nein, daheim im Häuschen ist noch so viel zu tun! Aber ich arbeite daran. Zwinge mich nach draußen. Buche einen Flug und ein Hotelzimmer und hoffe, dass ich nicht aufgefressen werde, wenn ich ohne Schneckenhaus, aber mit ganz viel Lust und Vorfreude im Gepäck demnächst ganz allein verreise. Nix besonderes? Für mich schon. Es bedeutet für mich einen gewaltigen Schritt nach vorne und eine ganze Fülle an neuen Erfahrungen: nicht nur die Reise selbst, alleinst und höchstselbst geplant, und die große Stadt; vorallem sind es die voraussichtlichen Begegnungen, fernab vom PC, über den es so viel leichter ist zu kommunizieren, wenn man sich nicht dabei in die Augen sieht … Herz¦mit¦teilen ist offensichtlich ungemein einfacher als Augen¦blicke¦teilen. Was muss ein Mensch manchmal so alt werden, um Dinge zu tun, die für andere völlig selbstvertändlich sind…

Ha, und da hat sie’s schon wieder getan, die Madame! Über ihr ach-so-tolles-neues Leben referiert. Langweilig! Und deshalb, ich habe es mayumi versprochen, hier die Auflistung der häufigsten Suchanfragen, die bisher hierher geführt haben:

    • Platz eins belegt, wer hätte es gedacht: mme contraire – Fühlst du dich angesprochen? Ich weiß, wer du bist. In echt.
    • was tun gegen katzenexkrement auf fußnoden? – Herrlich. Egal ob Fußnoden, -boden oder -hoden, ich gebe hier den ultimativen Geheimtipp: aufwischen.
    • pubertierende schwärmt für erwachsene – Möglicherweise kokettiert die pubertierende Menschheit mit einem höheren Entwicklungsstadium, nur eine Vermutung.
    • bella blond im möbelmarkt – Na danke.
    • pulververschwörung – Guy Fawkes lässt grüßen
    • liebesverlust geschmolzene herzen – Geht es bei mir wirklich so schwülstig zu? I am deeply sorry!
    • müde glanzlose augen – Oft ein Zeichen von Überlastung. Kenne ich. Kannte ich.
    • wortbasteleien – Gibt es bei mir auch.
    • vom braven mädchen zum metaller – Hell yeah. Grüße an Frau Knobloch an dieser Stelle.
    • ektorp sitzkissen verliert federn – Bitte wenden Sie sich an Frau Blond ein paar Punkte weiter oben … Schweinerei, das.
    • gehen, bleiben Lope de Vega – Stimmt, darüber habe ich auch mal was geschrieben.
    • oh contrair – Ja, fast.
    • fräulein contraire – Ach, dankeschön, ich erröte …
    • will contenance werden – Ich auch, mein(e) Liebe/r. Ich auch.
    • 11 Stunden nach einem Waidwundschuss – …ist die Jägerin wieder auf der Pirsch. Was dachtest du denn?
    • was ist drin im lebensrucksack – Über¦lebens¦ge¦wichtiges?
    • geschrammel cash – Still a burning thing

Warum tun wir das? Ich könnte mich genau so gut über solche Suchanfragen (auch wenn diese hier weit weniger spektakulär sind) still und heimlich beömmeln, ohne euch damit zu belästigen. Aber statt dessen breite ich sie vor euch aus und kommentiere sie auch noch. Vielleicht, weil ich momentan nicht viel Kreatives zu sagen habe. Aber, wie schon gesagt: es besteht Hoffnung. In 12 bis 24 Monaten.

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7 Gedanken zu “Siebenmeilensteine

  1. Wie lange siehst Du James Bond jetzt schon? Das sind doch bereits einige Monate. Entsprechend sind es doch vielleicht nur noch 9-21 Monate. Übrigens stört mich das überhaupt nicht. Die meisten schreiben über negative Dinge. Entsprechend ist das eine schöne Ausnahme.

  2. Meine Liebe, ich ließ mir Zeit, weil ich Ihnen Zeit lassen wollte. Doch jetzt bleibt mir nix anderes übrig: Meine Neuntausendbepuschelung hat jetzt einen weiteren Grund mehr in die Öffentlichkeit geschickt zu werden. Leider hat mir der Befehlsleseknecht auch diesen Ihren Famostext mit Selbstbenörgeleyanteil (Pah!!!) verschwiegen. Doch es ist mir ja liebgeworden, des Abends nochmal schnell eigenklickerisch nach Ihnen zu sehen. Nimm dies, Befehlsleseknecht!

      • So, jetzt Ihren Beitrag in Ruhe nochmal gelesen. Gestrigabend bin ich ja stantepede zurückgeflitzt, um meine Bewohlwortung einzupflegen.
        Ich lese das gern, Ihre Befindlichkeiten katzen-, holzsammel- und suchanfragenbetrefflich. Von mir aus kann die Oxytocinwelle Sie weitersurfenlassen, weils ja gerade so schön ist, mit J.B. auf’m Brett zu stehen. Und außerdem gibts ja noch diesen schönen Nebenraum, genannt Archiv. Nur mal so geschrieben für alle, die hier ungeduldig Neues erwarten. Alles Liebe und was könnte ich mir doch die Haare raufen, drittoktoberlich. Mist. Pardon, Ihre Frau Knobloch, dilemmierend.

        • Danke für Ihren Zuspruch! Und dankefeinst (Ihre Wortwahl), sowieso für die wunderbaren Warmworte von gestern Abend sowie die vielen neuen Besucher, die Sie zu mir gelotst haben. Ein paar davon sind tatsächlich hängen geblieben. Und da drängt sich mir auch der Gedanke auf, dass mein scheißherzchenkatzenneulebensthematisches Geschreibe wohl doch in gewisser Weise unterhaltsam ist. Ich könnte es ohnehin nicht ändern: mein Vorgärtchen hier, das ist mir Tagebuch, gute Freundin, Schreibbuch, Spielwiese und Experimentierfeld in einem. Ich bin viele, und die brauchen einen gemeinsamen Platz zum Austoben. Ich bin wie wir sind wie ich bin, ohne starre Begrenzung. Und ja, mich schmerzt Ihre drittoktoberliche Abwesenheit sehr. Ich wollte schon alles absagen und gar nicht hingehen, aber jetzt muss ich ja, alles in trockenen Tüchern und voller Vorfreude. Das nächste Mal, Frau Knobloch! In bonfortionöser Runde!

          • Die Eineichbinviele grüßt warmlachend die Andereichbinviele. Und ich fürchte, mein Drittoktoberdilemma wird mir so lange anhängen, bis ein weiterer Termin in trockenen Tüchern ist. Tackern Sie bitte mal in meinem Namen schon die anderen Silbersilbengesellen und Wortkapriziösen auf Wiederholungstat fest. Und bis dahin scheißherzeln Sie wie es Ihnen auch immer beliebt. Ihre herznahe Frau Knobloch.

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