Wunder gibt es immer wieder …

… sei es, dass mich die Telekom nach jahrelang anhaltenden Ärgernissen dieser Tage so positiv überrascht hat, dass ich zweifelnd zum Kalender griff, um auszuschließen, dass es sich um einen Aprilscherz handelt. Oder sei’s, dass Madame endlich den Mut aufgebracht hat, sich wieder in ihrem Vorgärtchen blicken zu lassen. Zeit ist leider immer noch der entscheidende Faktor dafür, dass es hier sehr vereinsamt und verwildert ist. Mein heißgeliebter Job hat mich die letzten Monate sehr gefordert, ich habe Dummheiten begangen wie am Feiertag ein paar Stündchen arbeiten, im Urlaub nur schnell noch dies und das erledigen … Es pressierte schließlich, ein wichtiger Auftrag hing von der pünktlichen Abgabe ab und ich mache ja nichts lieber, als meinem Chef den Hintern zu retten…

Freitag, 17 Uhr 05: Madame schickt die letzten bearbeiteten Dateien weg.
Montag, 08 Uhr 15: Aus dem Postfach grinst mir eine Benachrichtigung entgegen, die mich wiederum dazu brachte, das Datum anhand des Kalenders zu prüfen. „Äh, das waren doch die Dateien, die wir gar nicht mehr brauchen, weil der Auftrag nicht zustande kommt?“ Vor meinem geistigen Auge rieselten die am Schreibtisch verbrachten Stunden zu einem Häuflein Staub zusammen. Die enttäuschten Gesichter von Familie und Freunden, wenn ich mal wieder nicht dabei sein konnte. James, der mich in der letzten Zeit zum Aston Martin tragen musste, weil ich zuvor schon längst mit dem Kopf auf der Tischplatte eingeschlafen war.

Nun denn, was soll’s, sowas passiert, sowas wird immer wieder passieren. A propos wiederkehrender Mist: Da glaubt Madame, sie habe endlich so etwas wie Frieden gefunden, ein Plätzchen zum Sein und Träumen, ein bisschen ausspannen noch, bevor das Leben in all seiner Schnelligkeit und Launenhaftigkeit wieder voll zuschlägt – und schon hagelt es Kritik von mehreren Seiten. Am Ende des Tages fragte ich mich: Bin ich wirklich ein so schrecklicher Mensch? Bin ich wirklich blind, falle ich tatsächlich in alte Muster zurück, obwohl es mir doch so gut geht und ich endlich, endlich in der Lage bin, mein Leben zu genießen? Anscheinend schon. Anscheinend bin ich nie und niemandem gut genug, am wenigsten mir selbst. Und leider, auch wenn sich Madame Contenance den stimmigen und durchaus zutreffenden Teil der Kritik zu Herzen genommen hat, leider ist da noch die kleine rebellische Contraire, die am liebsten genau jetzt ihre Koffer packen und der ganzen Bagage den Rücken kehren möchte, auf dass sie sehen mögen, was sie angerichtet haben. Mach ich natürlich nicht. Aber den Kritikern zukünftig die Füße küssen, den Nörglern eine Puderzuckeranwendung verabreichen, ich weiß nicht, ob ich das kann.

Ist es Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit, andere so sein zu lassen, wie sie sind? Ist es verwerflich, sich in jemanden hineinversetzen zu können und zu sagen: Ich verstehe dich? Ist es einfach nur idiotisch, jemandem in einer schwierigen Situation Zeit zu gewähren? Mein Verstand sagt mir: du funktionierst nicht richtig, du bist nicht auf dem Weg, auf dem andere dich gern sähen. Mein Gefühl sagt: es ist nicht gerecht.

We’ll love you just the way you are if you’re perfect …

 

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12 Gedanken zu “Wunder gibt es immer wieder …

  1. Liebe MmeMme, welch eine Freude von Dir zu lesen. Erinnere Dich zurück, als es Dir nicht gut ging. Wer war damals für Dich da? Diesen Menschen solltest Du Aufmerksamkeit schenken. Der Rest kann Dich mal hinten rum heben. Und zum Aston Martin getragen zu werden ist ja nicht das Schlimmste auf Erden.

      • Nun, dann erfreue Dich, dass Du auch in der Krise so viele Menschen um Dich herum hattest, dass Du sie jetzt nicht alle so behandeln kannst, wie Du und sie es gerne hätten. Du hast sozusagen eine Art Luxusproblem.

        • Schön, wieder hier zu sein. Danke für deine aufmunternden Worte.
          Wie immer ist der heutige Eintrag nur eine Momentaufnahme und absolut subjektiv – doch wo, wenn nicht in meinem Vorgärtchen, darf ich wüten und lamentieren nach Herzenslust?

  2. Verehrte Mme Contenance, vielleicht läßt sich der doch aufkommende Ärger in eine kleine Entrümpelungsaktion des Vorgärtchens ummünzen ? Liebe Mme Contraire, vielleicht möchten Sie vor Ihrem Aufbruch wohin auch immer noch ein bisschen im Vorgarten wühlen ?
    Vielleicht treffen sich die beiden Damen auf einen Tratsch. Stelle ich mir nett vor ….

    • Liebe Myriade,
      das ist ein trefflicher Vorschlag! Gelegentlich schaffen die Damen es, glänzend miteinander auszukommen. Zuweilen aber, wie die meiste Zeit, arbeiten sie gegeneinander und behindern sich gegenseitig. Die beiden unter einem Vorwand an gleiche Stelle zu locken und eine Aussprache herbeizuführen scheint einen Versuch wert. Sehen wir, was dabei heraus kommt …

  3. Verehrteste, ich bin jetzt unangemessen zu Ihren Worten erstmal geschlagene 5 Minuten gepurzelbaumt vor lauter Murmeligkringeligkeit, von Ihnen zu lesen! Pardöngsche, es ging nicht anderster..
    Nun, zwar immer noch frohlockjapsend zu Ihren Worten: Menschen, die Ihnen Ihr klitzekleines Friedlichkeitsplätzchen nicht gönnen und es Ihnen sogar nicht möglich machen, es zu genießen, nun, gehören solche Menschen tatsächlich in Ihren Tanzbereich?! Ich weiß, es ist immer alles komplizierter, als Außenstehende es sehen können, doch ich sehe Ihnen in’s Herz und da steht: Ich brauche noch Zeit, ich bin noch unsortiert, ich feinfeile noch an den Niggeligkeiten. Nehmen Sie sich die Zeit, meine Liebe. Nur Sie können wissen, was gut für Sie ist. Und solange JB Sie auf seinen Armen trägt ( Ich stelle mir das Bild gerade vor, hachach!), können Sie den Kopf ruhig mal stillfein an seine Schultern lehnen und die anderen rumnörgeln lassen. So, ich geruhe jetzt weiter zu purzelbaumen, bis mir schwindelig ist. Und Sie sind schuld! Und wissen Sie, was das tut? Jaaaa, genau: es fetzt!

    • Liebe, liebe Käthe, genau das sagt mir der eigene Blick ins Herz: Ich brauche noch Zeit. Und ich weiß ja selbst, was noch alles im Argen liegt, und ich gelobte mir selber auch schon Besserung, allein – der Nächststehenden Kritik verletzt am meisten, heißt es. Ich bin noch unsortiert – kein valides Argument gegenüber solchen, die sich keine Schwäche selbst erlauben. Doch genügt es nicht schon, eine Kopfanlehnschulter zu haben und starke Zumautoundnochweitertragearme sein zu wissen? JB trägt, erträgt, verträgt so einiges und das aus freien Stücken und quasi liebend gern. Den behalte ich, ganz unter uns, der hat mich jetzt am Halse. Eine gemeinsame Runde purzelbaumen? EIn wenig Umhalsen und Dank sagen, dass Sie da sind und mir feinstäugig in mein scheißegoistischselbstsüchtiges Herzelein gespäht haben.

      • Werteste! Ein Feinstrügchen! Ich habe alles mögliche in Ihren Herzkämmerchen gefunden, Verzagtheit sogar in dem einen Eck, ansonsten viel Ichbinliebundkanneszeigen, Meinegrößeistmanchmaleineganzkleinfeine und jede Menge Ihrseiddochauchgutsowieihrseids. Doch nirgendwo fand ich Scheißegoistischselbstsüchtigkeit. Wollen Sie mich narreteien?
        Jene, die sich und vor allem anderen keine Schwäche erlauben, die verderben uns die Menschlichkeit. Punkt. Die Strafe, die mit einem Feinstrügchen einhergeht beinhaltet eine weitere Famosatemlosmachumarmung, die ich in diesem Fall dem Herrn Guinness überverantworte. So!

        • Da möchte man gar nicht ablassen von Famosumhalsereyen. Wie gläsern mein Herzkämmerchen Ihnen gegenüber ist, war mir bisher nicht bewusst. Oder haben Sie den berühmten Röntgenblick? Man trägt ja so viel mit sich herum, was es schwierig für andere macht, durchzublicken. Trotzdem brummkreiseln dieser Tage die Gedanken in meinem Hirnkästchen, sie halten einfach nicht still und werfen Fragen über Fragen auf. Vielleicht sollte ich sie mit der Vorfreude auf ein möglicherweise baldiges Treffen mit der Achse des Bonfortionösen stumm schalten. Ja, vielleicht ist das eine gute Idee. Und den werten Herrn Guinness, den sollten wir so lange triezen, bis er verbindlich zusagt.

          • Kein Röntgenblick, Verehrteste. Ich weiß doch auch nicht, wieso ich Sie so gut erkenne. Sind Sie vielleicht ein Spiegel für mich oder ein Schulterblick? Es ist, als würde ich Sie Jahre kennen. Ich nehme es einfach hin…
            Ich wähnte den famosen Herrn Guinness schon urlaubend, so rar machte er sich, umso schöner, ihn hier zu finden. Ich fürchte allerdings, daß jedwede Triezerey nichts nützen wird, er liebt seine Anonymität, was ja auch in Ordnung ist. Die Achse des Bonfortionösen dürfen wir jedoch keinesfalls außer Acht lassen und spätestens beim Knoblochverpilcherungsfest, welches mir fest in den Hirnkasten eingetackert ist, da muß er Pragmatikerfarbe bekennen. Kein Herr Guinness, kein Verpilcherungsfest!
            Herzgrüße einstweilen, ganz Ihnen zugetan, Ihre Frau Knobloch.

      • Die Damen, ich urlaube noch nicht. Ich musste nur feststellen, dass ich mittlerweile zu vielen Blogs folge und alleine mit Lesen kaum noch hinterher kam. Dem Treffen stehe ich weiterhin positiv gegenüber. Bei der großen Lesung in HH muss ich einfach sehen ob es klappt. Aufgrund Wies’n sind die Flüge sehr sehr teuer und Zug/Auto sind dann doch sehr aufwendig.

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