Ein Jahr danach

Ein Jahr danach geht es mir gut. Nein, das ist falsch ausgedrückt. Ein Jahr danach geht es mir so gut, wie ich es nicht zu hoffen wagte. Ich wusste, es würde mir gut gehen – es begann schon unmittelbar, nachdem es passierte, als die vier magischen Worte aus mir herausbrachen, dich und mich zerbrachen, obwohl wir doch schon so lange Zeit zuvor aneinander zerbrochen waren. Ich wusste also, ich würde meine eigenen Ziele jetzt endlich verfolgen und sie sogar erreichen. Aber ich wusste nicht, dass es so schnell gehen kann, sich wieder aufzurichen, nachdem man aus großer Höhe in den Staub gefallen ist. Aber so hoch war die Höhe offensichtlich nicht.

Du fragst, wie es mir geht, nach einem Jahr, versuchst die Finger in eine Wunde zu legen, die es nicht mehr gibt. Du wünschst mir nur das Beste, sagst du, und trittst nach: Hoffentlich lernst du erst einmal ein paar Idioten kennen… Seltsam. Das habe ich dir nie gewünscht. Habe gehofft, du findest jemand, der dich vergessen macht, was du verloren hast. Ich würde dir gern weh tun, einfach deshalb, weil du nicht loslassen und mich in Ruhe lassen kannst. Weil du mich immer noch versuchst, runterzuziehen. Aber was würde das bringen? Deine Scheuklappen sind angewachsen, deine Ohrstöpsel, die ich nächtens so gehasst habe, weil du nicht gehört hast, wie ich im Schlaf geweint habe um uns, sind eins mit dir geworden: Nichts sehen, nichts hören, was man nicht wahrhaben will.

Aber ich habe auch keine Lust mehr, mich damit zu belasten, mit deinen Anbiederungsversuchen, deinen Fehlinterpretationen und deinen kleinen Gemeinheiten, die du  dazwischenstreust. „Ich wünsche dir nur das Beste“ – Ach, behalt‘ es doch und hör auf mich zu nerven. Ich steige nämlich aus diesem Irrenkarussell aus, das du mit jeder Nachricht immer noch eine Runde weiter drehst. Ich gehe lieber geradeaus. Die Erkenntnis, dass ich ohne dich so viel mehr bin, ist bitter, aber nicht zu leugnen. Auch wenn das nicht durch Scheuklappen und Watte hindurchdringt – mir reicht vollkommen, dass ich es weiß.

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12 Gedanken zu “Ein Jahr danach

  1. Es scheint, dass ihm mehr und mehr bewusst wird, was er an Dir nicht mehr hat. Die Erkenntnis kommt zu spät. Hoffentlich profitiert Deine eventuelle Nachfolgerin von der Erkenntnis.

    Er hatte seine Chance. Jetzt hat JB die Chance. Lass Dich nicht runterziehen.

    • Nein, ich lasse mich nicht runterziehen. Ein bisschen aufregen darf ich mich aber doch. Trotzdem: Mit jedem Tag fällt mehr und mehr an Verantwortung von mir ab. Ich lass es ab jetzt sein, das Zurückschauen. Ein Jahr danach muss ich auch nicht mehr kommunizieren, und sei’s nur über die gemeinsam angeschafften Katzen. Den Schnitt hat er selbst gesetzt (und das ist ein wirklich bezeichnendes Bild!).

  2. Auf Abstand halten. Unbedingt. Er hat nicht den Anflug irgendeines Rechtes, Sie bewundfingern zu wollen. Da hält JB jetzt erstmal weiter innig seine Balsamhände drüber. Ich kenne den Nachtreter ja nicht, einzig der Wunsch nach Nachfolgeridioten sprengt mir fast das Mieder vor Abscheu. Wie derbe kann ein Expartner denn sein? Bitte lassen Sie sich nicht treten, jetzt lupfen Sie erstmal Ihre entzückende Kaltschulter. Das soll das einzige sein von der wunderbaren Frau, die er sowas von nicht verdient, was er zu Gesicht bekommt. Jawollende Grüße, Ihre Frau Knobloch.

    • Liebe Frau Knobloch, ich hoffe, Ihr gesprengtes Mieder hat niemanden verletzt. Ich kaltschultere konsequent. Dass er diese wunderbare Frau nie verdient hat, wird ihm in hundert Jahren nicht bewusst werden. Ich setze wie immer auf das Schicksal, das einst eine Begegnung arrangieren wird, die ihm mehr wehtun wird, als jeder Nachtritt es könnte. Wunderbarst kaltschnäuzig ersehnt. Ich halte Sie auf dem Laufenden.

    • Ich dachte es. Offensichtlich aber ist das noch nicht der Fall, sonst träfe es mich nicht so. Doch ich gelobe Besserung, ab dem heutigen Tage. Ich war kürzlich schon einmal konsequent, ich weiß, ich kann es wieder sein.

      • Genau das wollte ich hören. Jede Zeile hat dich verraten. Ich weiß, dass du es kannst. Darüber zu schreiben hilft. Es ist eine Art Therapie. Schreib deine Sorgen auf ein Blatt Papier, aber lies sie nie. Wozu auch? Die Vergangenheit ist vergangen, der neue Tag wartet und lacht. Und ein Lächeln mag ich dir auch schenken :-)

  3. Meine verehrtvermisste Madame Contraire, liebe MmeMme, ich komme nur kurz vorbei, um die Vogeltränken aufzufüllen und nach dem Gras zu schauen. Schön hoch ist diese Wiese geworden, Grillengezirp und Schmetterlingstanz in ungetrübter Stillfreude, so hoffte ich es vorzufinden. Naja, das war ein Feinlügchen. Aber sei’s drum. Hauptsache, Ihnen geht es gut, hoffentlich bonfortionös sogar. Demnächst steht eine Vorgartenverwüstung der wildsüßesten Art inklusive Tortenschlacht beim Herrn Guinness in’s Haus, nein, in den Garten und ich würde Sie schmerzlich vermissen. Und er auch, das weiß ich. Ich täte für Sie eine Extraportion Schlagsahne anrühren. Mit der Hand! Oder wären Ihnen ein paar Zimtschnecken lieber? Quarkkeulchen könnte ich auch ausbacken oder soll ich ’ne Eisbombe basteln? Mögen Sie Zuckerstangen, Liebesperlen (Bestimmt!) oder doch lieber Kalten Hund (Das dürfte der Herr Hund nicht lesen, der ist ziemlich neu dabei, aber den würden Sie auch mögen, der ist lieb und schlau; ach überhaupt sind ganz tolle neue Wortkapriziösen und Silbenschmiedgesellen hinzugekommen, aber Sie, Sie werden wir immer vermissen!)? Huchhach, jetzt verplaudere ich mich schier. Wo war ich? Achso, liebe MmeMme, ich lege Ihnen mal ein Schokoherz auf die Fensterbank, ich hab’s in Silbersilbenpapier eingeschlagen und mit einem Vergißmeinicht beschönt. Und schleiche mich wieder davon, denn stören, das will ich ganz gewiß nicht, nur flüstern: Wirvermissensie…
    Achso, JB darf natürlich mitkommen, wir mixen auch Martinis. Herzlichst, Ihre Frau Knobloch, zugetan.

    • Liebes, liebstes Fräulein Knobloch,
      mit schwerem Herzen, doch mit einem Lächeln auf den Lippen lese ich Ihre Zeilen, fand das silberpapierne Schokoherz, träume mich sehnsüchtig an Ihren Kaffeetisch mit all den angebotenen Leckereien. Glauben Sie mir, ich vermisse Sie und die anderen ebenso schmerzlich, allein – die momentane Situation lässt selbst diese kleine Nachricht nur unter schmerzendem Gewissen zu. Nicht, dass mich mein fantastischer Chauffeur zwänge, die Finger von den Tasten zu lassen; vieles, was mir derzeit begegnet, findet in Gedanken zumindest den Weg hierher, aber an der Umsetzung, an der Zeit, meine Gedanken – wie sagen Sie immer so schön: niederzuklickerdiklackern, daran hapert es. Mein Broterwerb fordert mich, 9, 10 Stunden täglich, Haus und Hof und Familie belegen die restlichen Stunden bis zur ohnehin streng limitierten Schlafenszeit. Ich will nicht jammern, denn Land scheint in Sicht: nach einem letzten wichtigen Abgabetermin Mitte August darf Mme Contraire auf mehr Entspannung hoffen und wird den gewonnenen, nein, hart erarbeiteten Freiraum wieder vermehrt zum Klickerdiklackern nutzen. Herz und Kopf sind voll, weniger sorgen- denn freudvoll, glücklich gar, silberpapierne Scheißherzchen schwitzend, mit Müh‘ und Not sich aufs Jetzt konzentrierend und sich nicht der sinnlosen Antizipation hingebend, obwohl die Zukunft so klar und rein erscheint wie … nie zuvor, möchte mein ge-JB-tes Gemüt selig lächelnd flüstern …..
      Liebe Frau Knobloch, grüßen Sie mir alle meine Lieben und richten Sie aus: Ich werde wiederkommen!

      Schokoherzchenknabbernd und stets die Ihre,
      MmeMme

      • Meine liebste MmeMme, mein Herz hüpft und ich halte Sie jetzt nicht lange auf. Ich denke Ihrer und grüße gernst weiter, beglückt über dieses behachte Lebenszeichen. Danke dafür und ich umarme Sie sanft, kraftabgebend für alles, was Sie stemmen müssen. Ihre stillhurraende Frau Knobloch.

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