Fear the Reaper

Sensefrau mit Elefantenfüßen sucht
Opfermann mit zerstörungsbereitem Herzen.

Vielleicht hätte ich mal so eine Kontaktanzeige schalten sollen, um klarzustellen, dass mit mir nicht ausschließlich gut Kirschen essen ist. Brav war offensichtlich gestern. Wenn ich auf die vergangenen zwölf Monate zurück blicke, sehe ich eine Spur der Verwüstung, eine breite Bresche, geschlagen mit mittelscharfer Sense, übersät mit zertrampelten Gefühlen. Zumindest vermitteln mir manche Menschen diesen Eindruck.

Ich habe gehofft, dass ich mein Erlebtes ohne große Auswirkungen auf meine Umwelt verarbeiten kann. Anscheinend funktioniert das aber so nicht. Auge um Auge, Schmerz um Schmerz? Oder man interpretiert mich ständig falsch, vielleicht weil ich leicht zu begeistern (und schwer zu beeindrucken) bin und meine Physiognomie kaum kontrollieren kann, sprich: ich lächle sehr viel und sehr breit und dennoch sphingenhaft. Was mir schon alles in mein Lächeln hineininterpretiert worden ist! „Aber bitte, fass mir ruhig an den Hintern, auch wenn wir uns eben erst kennengelernt haben! Ich steh total auf plumpe Anmache.“ – „Natürlich schlafe ich mit dir, denn eigentlich weiß ich gar nicht, warum ich mich von dir getrennt habe und wieso es mir damit jetzt um ein Vielfaches besser geht.“ – „Ach was, Kinder! So ein Kinderwunsch, der lässt sich ganz fix wegwünschen, keine Sorge.“

Bin ich wirklich selbst schuld? Setze ich die falschen Signale? Ist es verwerflich, einen Weg einzuschlagen und sich dann umzuentscheiden? Woher soll ich denn wissen, was ich will, wenn ich nicht weiß, was es gibt? Ich sehe die vergangenen zwölf Monate als eine notwendige Zeit der Selbstfindung und des Experimentierens an – die Zeit, die mir in der Jugend vollkommen abging. Das war eben so. Mit mir wurde schließlich auch experimentiert, mein Herz wurde ebenfalls in den Staub getreten, meine Seele verbogen, meine Persönlichkeit niedergesenst. Und das war tatsächlich zum großen Teil meine eigenen Schuld. Wir geben offensichtlich die Erfahrungen weiter, die wir selbst gemacht haben.

Und nun, was bleibt noch zu sagen? „Sorry, ne? Ich habe doch üben müssen. Fühlt euch frei mich dafür zu hassen. Aber kommt bitte klar mit euch selbst.“ Hart, irgendwie. Gar nicht meine Art. Oder vielleicht doch? Ich fühle mich mittlerweile angekommen, so ganz und gar, und das macht mich sehr glücklich. Ich habe wirklich nicht mehr daran geglaubt, dass mir dieses, genau dieses momentane Gefühlsglück einmal zuteil werden würde, dem ich jahrelang nachgelaufen bin. Man darf aufatmen; mein Weg ist bis auf weiteres fokussiert und kanalisiert, ich werde nicht mehr senseschwingend nach allen Seiten laufen und weitere Gefühle zertrampeln. Und wenn doch, dann habe ich zuvor die Sense geschärft, den Schwung geübt und leichte Schuhe angezogen – damit es nicht mehr ganz so weh tut, wenn ich mein Unwesen treibe – buhu! Drückt mir trotzdem lieber die Daumen, dass James mich nie wieder aus seinem Aston Martin aussteigen lässt. Sicher ist sicher.

Happiness, redefined.

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8 Gedanken zu “Fear the Reaper

  1. Da hast Du aber gerade so die Kurve bekommen. Ich dachte schon James liegt in den Trümmern seines Aston Martin irgendwo am Fuße der Loreley.

    Es ist interessant zu sehen, dass Du scheinbar für zu nett gehalten wirst und entsprechend mit ungewollten Angeboten überhäuft wirst. Häufig ist es umgekehrt, dass man aufgrund scheinbarer Verschlossenheit gar nicht erst zu Gesprächen kommt.

    Viel Glück beim Fahren.

    • James lebt. Das wäre jetzt aber auch zu blöd gewesen, wenn ich hier meine Scheißherzchen verteilt hätte, um ihn gleich drauf in den Abgrund stürzen zu lassen …

      Letztendlich und im Grunde genommen, lieber Sir, liegt es allein an mir und meinem Verhalten. Das habe ich mir natürlich schon eingestanden. Aber es ist wesentlich einfacher, auf die bescheuerte Männerwelt zu schimpfen, als sich selbst zu kritisieren. Macht auch mehr Spaß, muss ich zugeben.
      Ich hoffe, dir geht es auch gut? Meine nur sporadische Anwesenheit wird sich leider noch einige Wochen fortsetzen.

      • Absolut, es ist immer besser die Schuld bei anderen zu suchen. Damit hat man schon Staaten regiert. :)

        Mir geht es gut und Deine Abwesenheit ist gerne entschuldigt, so lange Du einen guten Grund hast.

        • Danke. Den und andere, nicht so gute bzw. weniger angenehme Gründe habe ich, aber es stört mich sehr, dass ich es gerade mal schaffe, diese Seite nicht ganz sterben zu lassen, aber mir die wertvolle Zeit fehlt, all die anderen abonnierten Artikel zu lesen und zu kommentieren – mit dem vielen Zeug, das ich derzeit im Kopf habe, findet sich kein vernünftiger Beitrag, den ich zum Beispiel zu deinen letzten, sehr interessanten Fragestellungen und Gedanken leisten könnte. Ich kann nicht versprechen, dass es besser wird, aber wünschen kann ich es mir.

          • Da werden auch wieder andere Zeiten kommen und dann hast Du mehr Zeit als Dir vielleicht lieb ist. Dann kannst Du alles nachlesen. Bis dahin genieße die Zeit im Hier und Jetzt.

  2. Meine liebe MmeMme, so ganz unter uns Sensenschwingerinnen: Diese Gabe des gleichmäßigen, nunmalnotwendigen und neues Wachstum fördernden Schnittes zu erlernen, muß, genau wie die Sense an sich, immer feiner justiert werden. Erst erfolgt das etwas grobere Dengeln und dann der mit der Zeit immer präzisere feine Wetzschliff. Und solche Grobgrasnaben, wie Sie beispielsweise anführten, die müßten eigentlich mit einer stumpfen, schartigen Sichel behakt werden. Da ist in Ihr Lächeln garantiert nur der eigene Gierschling hineininterpretiert und nieundnimmer der Schimmer Ihres ureigenen Lächelns erkannt worden.
    JB scheint da von anderer Grünqualität zu sein, meine Daumendrückerey ist Ihnen gewiß, herzlichst, Ihre Frau Knobloch, mattjubilierende Grüße, die Hitze, Sie verstehen…

    • Liebe Frau Knobloch, Sie setzen den Schnitt wie immer präzise und wohldosiert. Hitzebedingt, arbeitsbedingt nicke ich einfach zustimmend und versichere Ihnen: ich werde dranbleiben, an der Feinjustage, Halm um Halm lernwillig – und gelächelt wird nur noch in Gesellschaft, die das zu schätzen und bestens zu interpretieren weiß.
      Verbunden, die Ihre.

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