Scio nescio

Ich weiß, ich weiß nichts, kann nichts wissen – wer kann schon in die Zukunft schauen? – und doch weiß ich so viel, meine viel zu wissen, ohne zu wissen woher. Kann Zukunft sichtbar(er) werden? Zukunft kann vorstellbar(er) werden, bis hin zum trügerischen Empfinden, man wisse, obwohl man nichts weiß, nur empfindet. Überhaupt, Zukunft wird einem auch von so vielen Außenstehenden eingeredet. Was man muss. Was man unbedingt muss. Was man unbedingt niemals muss. Müssen sollte. Und die guten Ratschläge! Mein inneres Rebellenkind würde sich im Normalfall dagegen auflehnen, ob gerechtfertigt oder nicht, Hauptsache, das Contrairsche behält die Oberhand, viel zu lange war dies nämlich verschüttet. Aber muss man aus Prinzip immer verneinen und dagegen sein, wenn man eigenständige Entscheidungen treffen will? Ist es manchmal nicht auch ganz schön, wenn man ohnehin schon weiß, was man will, und sich über fremde Ansichten und Prognosen rückversichert, dass diese Ahnung ja nun gar nicht so falsch sein kann, die man mit sich rumträgt. Sie kultiviert, Tag für Tag, und so liebend gerne mit in die Zukunft nähme, eine Wahrheit daraus machte. Eine neue Art der Contenance; nicht mehr ein Aufbegehrenwollen-und-doch-nicht-Können, nicht mehr dieses Gefühl der Machtlosigkeit, verborgen hinter einem Vorhang aus Höflichkeit und Selbstbeherrschung. Eher ein Abwartendschauen, das Herz, nie zu kurz, aber dennoch sicher an der Leine halten, bis die Ahnung zur Gewissheit wird. Und die Zwischenzeit genießen, sogar die guten Ratschläge, fremden Ansichten und Prognosen – sie tun nicht mehr weh, noch reizen sie zum Widerwortegeben. Contraire nicht mehr als absoluter Gegenpart, sondern als emotionale Stütze bei der Willensfindung. Contenance nicht mehr als verhüllende Decke, sondern als doppelter Boden, sollte die kleine wilde Maid beim Saltoschlagen doch einmal von ihrem Hochseil abrutschen. Vielleicht haben die beiden schon immer zusammen gehört, nur jetzt kommen sie endlich auch mal gut miteinander aus.

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Ein Gedanke zu “Scio nescio

  1. So ist es wohl an der Zeit, daß die beiden händesichreichend unter dem Hochseil stehen, kichernd und giggelnd die Salti mitzählen und voneinander lernen. Ich freue mich murmeligkringelig für Sie, liebe MmeMme und schlage flugs einen Salto mit. Mit Feinstgrüßen, Ihre Frau Knobloch, zugetan.

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