Wortstrom: Sub¦attraktion

Die Neun fließt über. Schon meine Acht. Vermehrt durch Subtraktion – wer hätte das gedacht?
Denn da kommt man mit seinen Sieben lang – zum sechsten Mal schon, bang, wieder fünf Stunden unter vier Augen.
Die Wunden könnens schier nicht glauben und schauen drein, als ob die zwei nichts anderes beseelt, als eins zu sein.
Es zählt: von null auf zwei auf eins auf – zehn? Mit Logik hat das kaum zu tun.
Wer subtrahiert, gewinn hinzu? Ist doch ganz einfach zu erseh’n:

Wenn weniger mehr ist, ist mehr wohl weniger, wenig mehr als nichts nicht weniger als alles.
Und all das Nichts und Alles, so zeitlos und pupillengroß.

Canción de caza

Cicatrización – ich heile. Im Zickzack heilt die Welt um mich.
Die Wundwelt nach dem Waidwundschuss – zumindest fühlt sie sich so an.
Nicht schön, die Zickzacknaht, doch dicht, stabil. Belastbar – später, später doch einmal.

Cauterización – vermieden, denn zu kaputt, das gibt es nicht.
Es wächst noch an, was abgetrennt mir schien.
Die Bindung hier, der Wunsch nach Ganzheit, unversehrt.

Intervención – ich eile. Eile nicht. Im Zickzack eilt die Welt um mich.
Ich seh ihr zu. Bin ruhig. Bin wach, erholt nach kurzem Dämmerschlaf.
Im Traum, nein, es ist Wirklichkeit, wo Sieben und Sieben zur Acht gereicht.

Caza, cazadora, no descanses.

Lichtbrücken und Dunkelab¦gründe

Und als ich so wanderte, frisch losgelöst von Jahre währendem Ballast, sah ich ein Licht in der Ferne. Ich hob meine Laterne, um zu sehen, wer da ebenfalls wanderte, und du sandtest Lichtsignale zurück. Ich verstand sie, eine ähnliche Frequenz. Wir kommunizierten, meist in der Nacht, denn am Tag überschien die Sonne unser Leuchten. Nicht lange darauf trafen wir uns, am Rande einer kleinen Klippe, nachdem die Lichtkommunikation den Wunsch nach einer Begegnung von Angesicht zu Angesicht stark werden ließ. Zwischen uns, so stellen wir fest, lag eine Kluft, angefüllt mit unerfüllten Sehnsüchten und Träumen. Wir reichten uns die Hände darüber. Dieses Meer wallte auf, als wir unsere Verletzungen und Enttäuschung dazuwarfen; waberte zwischen uns wie eine Gischtwolke, und wir tauchten ein, nicht wissend, ob wir uns darin verlieren und jemals wieder auftauchen würden. Das war uns erst einmal egal.

Was haben wir geredet. Licht- und luftgetragen, alle denkbaren Dinge in unseren Köpfen zusammengeworfen, immer mehr Licht erzeugt. Der Dunst schien sich zu lichten. Und wir begannen eine Brücke über den Abgrund zu flechten aus Worten, Taten, Lachen und Licht. Unsere Basen nun verbunden, rannten wir ein ums andere Mal ausgelassen über die Klippen, zueinander, und wieder zurück. Wie sie schaukelte, die Hängebrücke. Alles war gut, solange wir nicht hinunter schauten. Fuchs sein fetzte wie noch nie. Dein Blick wanderte, suchte Schwachstellen, fand – suchte weder Lösung noch Konsens, sondern verband die Stellen mit mehrlagiger unangezweifelter Akzeptanz. Ich ging souverän und mit geschlossenen Augen über die Brücke, fühlte mich oft stark, oft schwach, doch dein Arm war immer da, an dem ich mich festhalten konnte. Darin fühlte ich mich geborgen, akzeptiert und unterstützt. Das gleiche hoffte ich zu geben.

Einmal ging ich über die Brücke, und sie schwankte und erzitterte. Ich öffnete die Augen und wusste plötzlich nicht mehr, wo ich war. Mir wurde schwindelig. Hoch oben, über dem Abgrund, über dem Meer, auf schwankendem Boden, betrachtete ich meine Basis. Eine Basis, die ich mir geschaffen und erkämpft hatte, teuer, schmerzhaft. Da lag sie, in der Ferne, da stand ich, im Freien, freier Fall. Und meine Höhenangst kehrte auf einen Schlag zurück. Zurück zur Basis! schrie meine Panik. Doch zu welcher? Das Hin- und Hergeschaue trug nicht gerade zur Verbesserung bei, also schloss ich irgendwann die Augen und – rannte los. Als ich erwachte, lag ich am Abgrund. Ich war mit ausgebreiteten Pelikanflügeln gegen die Pfeiler meiner Basis geflogen, abgeprallt, gestürzt. Die Brücke hinter mir zerbarst, mit einem einzigen lauten Seufzer. Der Winter kam plötzlich. Viel zu schnell. Aber rate man mal jemandem mit Höhenangst, nicht panisch zu werden, langsam zu machen und die Herzfrequenz niedrig zu halten, wenn man ihm vorher erlaubt hat, überall hinzurennen und den Puls zu pushen, wann immer sich die Möglichkeit dazu ergibt.

Im Wachtraum dringen Worte zu mir. Worte aus meinem Mund, die ich hinüber rufe, und die sich derart grenzdebil anhören, dass ich sie mir am liebsten verbieten möchte. So sinnlos, das alles. Mein Nacken schmerzt. Die Augen brennen. Mein Herz – wo ist das überhaupt? Hatte ich denn eins? Das fragst du dich zurecht. Und das tut weh. Dass es weh tut, lässt mich wissen, dass ich eines habe. Aber vielleicht behalte ich das lieber für mich. Es ist wahrscheinlich einfacher, loszulassen, wenn man sich verraten fühlt. Ob das nun so ist oder nicht. Lieber einen guten Schuss Wut auf die blöde Bitch, die Brücken flicht aus Worten, Licht und Sehnsucht, und sie vorwarnungslos wieder kappt mit ihrer offensichtlich destruktiven Selbstverwirklichungsrumspinnerei, als die Aussage verstehen zu müssen: „Ich habe Höhenangst“.

Stufe 3 auf der Fujita-Skala

Wie schön die Sonne heute scheint. Vogelgezwitscher. Eine leichte Brise. Ich hebe die blutigen Hände zum Himmel. Die noch warme Flüssigkeit rinnt zäh über die Innenseiten meiner Unterarme und sammelt sich in den Armbeugen. Um mich herum frühlingshafte heitere Stille. Totale Zerstörung. Ein laues Lüftchen, so angenehm, so warm und lieblich, ist zu einem ausgewachsenen Herztornado geworden. Ist hier durchgewirbelt und hat alles auf den Kopf gestellt. Dächer abgedeckt. Bäume entwurzelt. Eine Menge Material ist in den Herzsee geschleudert worden, alles wurde überschwemmt und durchnässt. Wassertropfen auf den Trümmern glitzern im warmen Sonnenlicht wie Diamanten. Ich strecke mich der Sonne entgegen, das Blut läuft weiter, an meinen Oberarmen entlang bis in die Achseln, seitlich tropft es herab. Klebrig. Die ersten Frühlingsblumen brechen durch die warme Erde, die zarte junge Wiese lockt mit säuselnder Stimme. Ich will mich hinlegen. Rolle mich zusammen, das blutige Herz noch in meinen Händen. Presse es an mich, fest an meine Brust. Es will nicht hinein, noch will es heraus. Wo gehört es hin? Ich wiege es in den Armen. Der Tränenfluss bahnt sich weiß durch das angetrocknete Rot. Wenn ich lange genug weine, vielleicht wäscht es sich ganz von mir ab.

Es ist Nacht. Sternenklar. Ein halber Mond gießt blasses Blau über die Wiese, auf der ich liege. Noch sind die Nächte kühl und die Wassertropfen gefrieren zu schimmernden Perlen auf meinen Wangen. Blau und Rot und Weiß und Grün, und doch alles Grau im blassen Mondenschein. Wachgeträumte Gedankenfetzen hängen von gezackten Trümmerteilen, lautlos in der windstillen Kälte. Herz, das ich dich in meinen nackten Armen halte, du bist auch gefroren und drohst zu zersplittern. So viel Hitze, und dann die Kälte, das macht kein Material auf Dauer mit. Sobald ich aufstehen kann, noch vor der Sonne, packe ich deine Trümmer in den Mörser und zerstoße dich zu feinem Pulver. Das säe ich dann auf der jungen Wiese aus und lasse die Sonne das ihre tun. Herzblumen, wie ein Meer aus rotem Mohn, sollen einmal daraus wachsen. Im Wind sich wiegen und Sonnenstrahlen speichern. Vom Lächeln der Betrachter leben.
Nun aber – ruhe unter Erde, Tränen, Blut und Mondlicht.

Unterschiede

WordPress denkt sich, quid pro quo, Madame, wenn du mich hängen lässt, lass ich dich auch hängen. Vielleicht habe ich es durch meine längere (und dabei, objektiv betrachtet, gar nicht so lange) Abwesenheit verärgert, derweil mein WordPress-Reader überquillt vor kreativen Gedanken und literarisch hochwertigen Produkten.

Nun weigert sich WordPress heute, mir das Rebloggen eines herzerfrischenden Artikels zu ermöglichen. Schreib gefälligst selbst etwas! Nun gut. Dann eben anders, denn die folgenden Gedanken, die sich das Fräulein Cassiopeii über gewisse Unterschiede bei den wunderbarsten Menschen dieser Welt gemacht hat, möchte ich nicht vorenthalten. Auch wenn WordPress das offensichtlich anders sieht.

„Wie unterschiedlich wir Menschen sind, stelle ich immer wieder in meiner Umgebung fest, oder aber auch an unseren Kindern. Oder die der Anderen…also die Kinder der Anderen. Oder aber wie unterschiedlich Kinder unterschiedlichen Alters auf die gleichen Situationen reagieren, oder aber unterschiedliche Probleme bei gleicher Thematik haben. Ich erkläre das mal an einem Beispiel […]“