Wortstrom: Anfangs¦ende

Jedes Mal ein letztes Mal. Ein Anfang ohne Ende.

„Wie geht’s? Wollen wir reden?“ – „Na gut“
Und alles, was ich höre, ist: „Ich“. Ich, ich ich.

Du fragst nicht. Du redest. Schaffst absurde Welten mit deinen Worten. Und willst die Wirklichkeit mit deinem Schweigen töten.

„Warum bist du so angepisst?“ – „Na hör mal…“
Und alles, was du sagst, ist: „Weil.“ Weil, weil, weil.

Du hörst nicht zu. Du rechtfertigst dich. In Dauerschleife. Und du erkennst es nicht. Dass die Dämonen, die mich quälen, nur ein einziger sind.

„Mir fällt das hier nicht leicht.“ – „Dito.“
Und alles, was du denkst, ist: „Hätte“. Hätte, hätte, hätte.

Hättest du mal gefragt. Mal zugehört. Nicht totgeschwiegen. Nicht „hätte ich“ oder „hätten wir“. Du.

„Was ist damit?“ – „Nein.“
Und alles, was ich je sagen wollen sollte, ist: „Nein.“ Nein, nein, nein.

Es reicht. Hier endet es. Nicht „ich“, nicht „weil“, nicht „hätte“ und schon gar nicht wir. Sondern „nein“. Zum Ersten und zum Letzten.

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28 Gedanken zu “Wortstrom: Anfangs¦ende

  1. Mich deucht, Ihr Ichsagendesgegenüber ist ein typischer Schuldzuweiser. Das ist eine ganz schwer verdauliche Spezies. Wie Gewölle kaut man auf denen rum, immer wieder quellen sie kehlwärts auf und nur gekonnte Speierey (das Thema umfängt mich heute wohl) führt zur Endentsorgung. Madame, ich applaudiere zur Dämonenidentifizierung.

    • Schwerlich zu erklären, wie es in der Realität ist, jeder hat ja so seine persönlichen Empfindungen und eigene Realitäten – lebende oder totgeschwiegene, ganz unerheblich – doch scheint mir die angeführte Speierey das einzig probate Mittel, sich solcher allzupersonalisierter Gedanken um das Thema zu entledigen. Und das tat ich. Spie hier und spie das mir angebotene offene Ohr voll, und was soll ich sagen… es hat sich etwas gesetzt. Also immer fein raus damit, was einen quält und würgen lässt! Man könnte ihm fast dankbar sein, dem Ichsager und Hättsteweilundüberhauptrechtfertiger, er brachte mich zum Schreiben/spreiben/speien/seiern/reihern … feiern? Au weiern.

      • Vom Schlechten das Gute. Fein, wenn es das ist, was übrig bleibt. Noch ein wenig auweiert, aber nicht mehr geeiert. Fetzt.

        Der Befehlsleseknecht hat Sie schon wieder ignoriert. Bloß gut, wollte ich die leeren Meisenknödelchen entfernen und kam auf direktem Wege hierher. Was lob‘ ich mir meine Lieblinksliste.

        • Besten Dank für Ihre Fürsorge. Ich könnte heute noch so viel weiterweiern und seiern, über das Menschein und das Schlechtsein. Aber dann laufe ich wahrscheinlich wirklich Gefahr, unter Wortlawinen begraben und verloren im Phrasendschungel zu sein. Lieber nicht, nein, nein.

          • Ich muß ebenst zur Poststelle flanören, ich nehme Sie einfach mit: Über die Brücke, unter dem das Flüßchen murmelnd seinen Geschäftchen nachgeht, wie Ententragen, Kieselsteine wenden und Fischchen flossenwedelnd machen. Vorbei an der Uraltweidenmuhme, die uns mit ihren Kätzchenaufderlauerliegezweigen über’s Haar streicht, schräg den Platz gequert. Der Pinkepinkefink gibt das Tempo unserer Schritte vor und eingehakt beobachten wir den Protzprolltypen, der es nicht schaft, seinen Pseydogeländewagen vernünftig einzuparken..

          • Ein erfrischender Ausflug, raus aus meinem Kopf, und hinein in den Ihren. Führen Sie mich ruhig noch ein wenig an Ihrem Arm herum, ich folge brav und prompt und mache auch keine Umstände.

          • Haben Sie die zwei Bahnreisenden an den Geleisen gleich neben der Poststelle gesehen, wie innigst die zwo sich anschauten und hielten? Nur ein Rucksack zwischen ihnen. Abschied wohl. Aber so wie sie scherzten und lachten wohl nur ein Abschied auf Zeit. Und dann der Spatz, der begeistert auf dem viel zu großen Stücksken Fladenbrote von dem türkischen Imbiß auf der anderen Straßenseite einpickte und sich auch von den eiligen Menschenbeinen nicht davon abbringen ließ. Auf dem Rückweg lehnen wir uns noch ein wenig ans Brückengeländer und schauen den geschäftigen Flüsterwellen hinterher. Und wenn wir lange genug da stehen bleiben, verstehen wir flussisch. Und singsangen leise mit: Hinzumgroßwasserhinhinhin.

          • Hinzumgroßenwasserhin… Hin zum großen Ganzen, ein Teil werden vom Allüberall, das uns in seinen detailreichen Facetten oft so bezaubert wie verwirrt. So singsangen unsere Seelen, wohlnichtwissend, dass sie bereits teilgeworden sind, was sie zu sein erstreben. Werden, was man ist. Anstreben, was man hat. Flieg, Vogelseelchen, fort zurück hinaus nach Haus‘.

          • Werden, was man ist. Anstreben, was man hat. Und schon wieder haben Sie neue Wortwahrheitenwegbereiter geschmiedet, meine Liebe. Mich deucht, die gemeinsamen Spaziergänge, die Allüberallbeobachtung tun uns gut. Sie wissen natürlich, was dies tut…?

  2. Der Befehlsleseknecht ist wahrlich ein unzuverlässiger Geselle. Der Emailknecht ist dafür zuverlässiger.

    Ich finde es sehr gut, dass Sie dem Hättsteweilundüberhauptrechtfertiger nochmal die Gelegenheit zum Austausch gegeben haben. Ohne die genauen Hintergründe zu kennen, so ist ein Gespräch doch meistens die beste Art wieder zueinander zu finden oder aber eben nicht. In diesem Fall kann man von letzterem ausgehen. Das ist zwar schade, aber zeigt zum einen, dass die damalige Trennung die richtige Entscheidung war und zum anderen, dass diese Entscheidung auch noch heute die richtige Entscheidung ist. Sowohl der Hättsteweilundüberhauptrechtfertiger als auch Sie hatten ihre Chance und haben sie (bewusst) nicht genutzt.

    Jetzt ist es Zeit weiter zu gehen. Die Frau Knobloch ist bestimmt eine famose Gesellschafterin für die ersten Schritte.

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