Wortstrom: Sinkende Steine

Hochwasserzeit

Mein Tränensee ist angefüllt

Schwarz

Die sonst so glatte, schimmernde Fläche kräuselt sich.

Steinernes Halbrund spannt still sich über den Erdsee

Von rauher Höhlendecke

Hängen bündelweise schwere Steine

Geschnürt in faserige Seile, aus Emotion und Vergangenheit.

Es ist an der Zeit.

Seil um Seil trug Last genug

Zerzeitet, bricht und reißt nun endlich.

Die Last fällt tief, taucht ein in schwarze Tränenflut

Kreise durchziehen nun die schimmernde Fläche.

Stein um Stein sinkt auf den Grund

Läßt den Tränenseespiegel stetig steigen

Unaufhaltsam, bis heiß es aus den Augen rinnt.

Bald ist es gut. Bald fortgespült und ausgeschwemmt.

Die Last ruht.

Steine

Auf dem Herzensgrund, wo auf ewig sie verharren.

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15 Gedanken zu “Wortstrom: Sinkende Steine

  1. Man will es nicht und Mann schon gar nicht, aber mit etwas Abstand muss ich immer wieder feststellen, dass es eigentlich eine gute Sache ist, wenn man weinen kann. Es verlässt den Körper und nimmt eine Menge unnützer Gedanken mit. Lass es fließen.

      • Ich muss zugeben, dass mich der Eintrag und Dein Kommentar mal wieder nicht loslässt. Es ist ja maximal ein Pyrrhus Sieg, wenn Du noch mehr Steine ablagerst, damit es fließt. Die erste, na ja eher so die zehnte, Überlegung war, dass Du analog einer Flussbettausbaggerung Dein Herz ausbaggern solltest. Dann könnte es wieder besser fließen. Allerdings weiß man, dass es dadurch immer wieder zu schlimmen Hochwasser kommt. Viel besser, aber auch langwieriger erscheint da eine Renaturierung. Da wirst Du zwar immer noch Steine auf dem Grund haben, aber der Fluß fließt herum. Dann brauchst Du noch etwas Freiraum, damit eventuelles Vielwasser rechtzeitig abfließen kann. Alles ganz einfach, wenn man es nur tippen muss.

        • Danke für deine Anteilnahme. Das Schöne an den Worten und Bildern ist, finde ich, dass sie da sind und so sind, wie sie sind. Ob weitere Überlegung folgen muss, wie Missstände zu beheben seien? Die „Renaturierung des Herzens“ klingt natürlich höchst poetisch. Deine Sorge ist, dass das Herz irgendwann so voll ist, bis sich Steine bis zur Höhlendecke türmen und kaum Tränenwasser mehr vorhanden sein kann. In meiner Fantasie wird das aber nicht passieren. Da lagern die Steine auf dem Herzensgrund, und mit der Zeit werden sie kompakter. Der Tränenseespiegel ist nie ernstlich in Gefahr und steigt nur dann über die Augen hinaus, wenn frische Last hineinfällt – was ja auch eine Art Ent-Lastung ist, da hängt nichts mehr an der Herzenshöhlendecke und beschwert das Gemüt. Das Bild, das ich gezeichnet habe, ist düster, das muss ich zugeben. Aber heute scheint schon wieder ein wenig Licht durch die Herzöffnung, der See ist glatt, alles ist gut für den Moment.
          (Über Gefühle schreiben können dürfen, teilen können wollen dürfen UND noch Resonanz bekommen ist eine superheilsame Sache)

  2. Irgendwie zwar doof, von sich auf andere zu schließen, aber ich wage es trotzdem: Letztes Jahr um diese Zeit hielt großer Kummer mich fest umschlungen. Schnürte mir die Luft ab, ließ mich erstarren. Trotzdem mußte ich weiter funktionieren, andere trösten sogar. Es war höllenartig. Einziger Trost abendstundig in die Badewanne, Gutduft, Kerzen, Rotwein, Schwermusik und lösenlaufenlassen. Heulen, winseln, jammern, klagen, alles muß raus. Dann erst erschöpft, aber leergeweint in die Arme der Lieben. Allabendliches Ritual zu der Zeit. Luxus im Überfluß, ich weiß. Aber ohne dies‘ wäre ich zu Stein geworden.

    • Tatsächlich! Dies Kommentar wurde kommentarlos als Spam verkannt und in den entsprechenden Ordner geschwemmt. Unerhört. Aber das nur nebenbei.

      Nein, so schwerwiegend scheint mir meine Situation dann doch nicht. Meist halte ich diese düsteren Schwerwiegemomente fest, wenn sie mich zufällig an der Tastatur überfallen. Meist sind auch nur Worte der Auslöser, die sich auf der Zunge glatt und weiterspinnenswert anfühlen und sich temporärer Gefühle als Vehikel raus aufs Papier bedienen. Und ja, ne Scheißzeit war’s dennoch, war nötig und richtig und wichtig – wäre schlimm, wenn es nicht so gewesen wäre. Immerhin versanken da 12 Jahre meines Lebens mit dem letzten losen Steinbündel im Dunkeltief.

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