Stromlos.

Stromlos geschaltet. De-energized. Still. Bewegungslos.

Mein Geist befindet sich im Pause-Modus. Zur Zeit will nichts so recht gelingen, nichts neues kommt hervor. Ein, zwei Versuche habe ich unternommen, aber dort, wo sich sonst ein roter Faden spinnt und Anfang, Mitte und Ende miteinander verknüpft, blicke ich ins Leere. Nun macht mich das zwar unzufrieden, aber nicht so sehr, dass es mich unglücklich macht. Es ist eben nicht an der Zeit, Neues zu schaffen. Anlaufschwierigkeiten sind aller Jahre Anfang. Der Januar ist für mich der zäheste Monat überhaupt.

Es wollen Dinge geregelt werden, reale Dinge, die meine Energie fordern. In der ersten Februarwoche wird ein dicker Schlussstrich gezogen, formal. Formalitäteninduzierend. Kleinigkeiten. Aber die gehören halt geregelt. Ich habe den Berg überschritten, und, wie sonst auch, sieht er vom Jetzt aus betrachtet doch nicht so groß und mächtig aus. Auch der war zu bewältigen. Ein bisschen schade, dennoch. Das, was im Rückblick nun gar nicht mehr so schwierig aussieht wie zu Beginn der Reise – kann man sich über dessen Bewältigung eigentlich gebührend freuen? Es stellt sich ein Gefühl von „Noch mal bräuchte ich das nicht, aber wenn, dann wüsste ich immerhin, wie es zu handhaben ist“ ein.

Stumpft man ab? Nimmt man mehr und mehr hin? Oder ist das jetzt einfach diese zähe Jahresanfangszeit, in der so vieles zu regeln ist, dass man sich kaum an den schönen Dingen erfreuen kann, die sie bietet? Bieten könnte, wenn man es zulässt? Es ist Wochenmitte, und ich freue mich schon auf das Wochenende. Ohne Arbeit. Ohne Strom, ohne Druck. Da werde ich Energie tanken. Bis dahin ist noch einiges zu erledigen, aber dann wird die Welt für ein paar kleine Momente still stehen, und ich auch. In diesen Zeiten ist selbst für Mme Contraire Stillstand eine willkommene Abwechslung. Und danach, mal sehen, werden die Versuche vielleicht doch noch zu Erfolgen.

Stromlos also. Und dennoch gespannt. Für den Moment aber lehne ich mich erst mal zurück, hoch oben auf meinem Ausguck, schließe die Augen und höre zu, was mein Inneres mir zu erzählen hat.

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16 Gedanken zu “Stromlos.

    • Ganz bestimmt, mein Lieber. Schön, von Ihnen zu lesen. Diese Leere scheint wirklich eine Jahresanfangskrankheit zu sein. Wieder von vorne – obwohl doch nichts wiederbeginnt, sondern immer weiter geht. Trotzdem. Meine Leere – seit Jahren sagt sie mir das: Nun hast du das Jahr hinter dich gebracht, und schon musst du wieder ein neues bewältigen. Och nö, sage ich. Noch nicht. Die Zwischendenjahrenzeit, zwischen den Welten schweben, darf ruhig noch etwas anhalten, bis sich die Leere langsam wieder füllt…

        • Das, lieber Freund, ist ein wunderschönes Kompliment. Nichts anderes habe ich bisher getan, vor mich hingeschrieben. Und unter anderem Ihr Wohlwollen geerntet. Aber auch da soll es ein wenig Veränderung geben. Mal sehen, ob die angestrebte Ernsthaftigkeit noch reichere Ernte einbringt, oder ob ich lieber weiterhin mit Leichtigkeit und quasi nebenbei die Wörter von den Bäumen pflücke, wie sie mir gerade gefallen.

          • Das nehme ich dankend an. Ich muss zugeben, dass ich mit zunehmenden Alter das „Umarmen“ immer mehr verstehe. Als Kind habe ich es gehasst. Später habe ich es ertragen und mittlerweile verstehe ich, warum es so wichtig ist. Ich glaube Sie haben mich gerade auf eine schöne Idee für einen Eintrag gebracht. Vielen Dank

          • Umarmen halte ich für lebenswichtig. Umarmungen geben und erwidern, wenn schon nicht aus Überzeugung, so doch aus dem Wissen heraus, dem anderen lebenswichtig Gutes damit zu tun – ebenso wunderbar. Kann nicht jeder. Und es ehrt mich, Ihnen einen winzigen Inspirationsfunken ermöglicht zu haben – ich habe zu danken.

  1. Seit ich in Deutschland lebe ist mir Weihnachten und sind mir die Rauhnächte ein Begriff. Ich mochte diese magische Zeit zwischen den Jahren immer, die gern auch etwas länger dauern kann. Ich glaube diese empfundene Leere kommt daher, dass wir quasi von Vollgas auf Ruhemodus schalten. Und plötzlich stehen wir da, überwältigt von allerlei sentimentalen Dingen, wir besinnen uns, hinterfragen und schaffen dann den Neustart nicht.

    • Eine gute Erklärung. Der Neustart folgt zu schnell. Wenn die Vorweihnachtszeit besinnlicher wäre, wäre das vielleicht weniger ein Problem. Ein Plan? Sich übers Jahr verteilt Besinnlichkeitsphasen schaffen, mal ein Wochenende nichts vorhaben und abschalten? Sich nicht zwingen, all das Unerledigte anzugehen, sondern einen Tag pro … Woche/Monat/Quartal zum Besinnen nutzen? Weihnachten, Rauhnächte quasi übers Jahr verteilt. Was für ein Vorsatz. Ich versuche das dieses Wochenende mal umzusetzen. Danke :)

  2. Ist der Jänner nicht immer ein Schwebemonat irgendwie, meine Liebe? Bleiben Sie ruhig in sich, tasten Sie sich nach, stillstehen Sie ein wenig. Das Pendel ruht und sammelt Mumm für den nächsten Ausschlag. Ich schwieg mehrere Jahre und quelle jetzt förmlich über. Möchte fast weinen, wenn ich nicht schreiben kann. Auch nicht immer nur schön.
    Ich grüße Sie von Herzen und freue mich über Ihre raren Wortperlen.

  3. Ach welch herrliche Kommentare. Und wegen ihren Wortwolkenblüten,,,,sie kommen,,,sie kommen. Geduld. Man kann nicht immer Zaubern.

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