Wortstrom: Herz¦los¦welt, Basiskonfiguration

Aufraffen.

Immer wieder aufraffen. Immer weitermachen, nie zurückschauen. Vergangenheit macht schwach. Voran, voranschreiten musst du, Schritt um Schritt, auch wenn es langsam geht, einen Fuß vor den anderen, nicht stehenbleiben. Denn dann stehst du. Stehst.

Und raffen.

Immer weiter raffen, mit vollen Händen raffen. Sammeln, anhäufen, was immer glücklich macht. Was immer dir vorgaukelt, dein Glück zu sein: Raff es auf, lass nichts liegen, was zurückbleibt, geht dir verloren. Auf immer. Das wird dir fehlen. Ewig.

Waffen.

Bau dir ein Schutzschild. Verteidige dich mit Waffengewalt. Lass nichts durchgehen, sondern schieß zurück. Geschütze prallen an deinem Schutzwall ab. Lass nichts durchdringen, es bringt dich sonst um. Dein Schutz, dein strahlendes Lächeln, damit blende deine Gegner. Und dann schlag zurück.

Affen.

Sei dir sicher, jeder macht dir etwas vor. Vertrau keinem, lass dich nie fallen, sei nicht schwach. All die Affen wollen dich nur äffen. Vertrauen macht schwach. Und du willst nicht schwach sein. Nie.

Erschaffen.

Glückwunsch, deine neue Welt ist jetzt perfekt, in der es immer weiter geht, es keinen Stillstand gibt, all deine Sinne unterhält, du dir Glück erkaufst und nie mehr Schmerzen fühlst, dich kein Mensch mehr aufwühlt, und du allein regierst, du kleiner Herr über deine Gefühlswelt. Klingt gut, wie wir’s grad eben konfiguriert haben? Dann unterschreib schnell hier und hier – das ist ein Gratiskuli -, und gib dein Herz bei dem Mitarbeiter an der Kasse ab. Wir kümmern uns um die Entsorgung.

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5 Gedanken zu “Wortstrom: Herz¦los¦welt, Basiskonfiguration

  1. Verehrteste, dies‘ ist mal wieder ein Manifest, welches ich einfach gerne vervielfältigen möchte und all‘ den konsumtölpeligen Gratiskuliabgreifern an die Stirn tackern möchte. Bravorös, Madame.

    • Liebste Käthe, wenn Sie wüssten, wie und woraus solche Texte entstehen, Sie würden es kaum glauben. Umso mehr erfreut es mich, dass sich Ihnen eine Message daraus erschließt, die Sie gar an die Brettstirn gratiskuliheischender Konsumaffen tackern wollen. Wie ich Ihre Kommentare schätze!

      • Mir schwant wohl der Ursprung Ihrer Wortgefüge und verfügte ich über die Ihrige Wortstromerei, würde ich wohl ähnliches schreiben. Aber viel lieber lese ich bei Ihnen, reflektiere und vergleiche. Und die Wertschätzung liegt ganz meinerseits.

  2. Konsum hat gesiegt, kauft und seid lieb …

    Aber lieb war ich noch nie. Und so schnell kaufe ich nicht. Das zumindest kann ich unterschreiben. Danke für deinen Text. Er gefällt. Wie immer. :-)

    • Vielen lieben Dank! Und schön, dich wieder zu lesen. Konsumkritik. Ja, letzten Endes wurde aus den verschwurbelten Gedanken in meinem Kopf eben Konsumkritik, wobei jedes Wort einmal wieder inspiriert wurde von einer realen Begegnung. Die Erschaffung einer perfekten Welt mit tausendprozentiger (Selbst-)Kontrolle und dem Verweigern negativer Gefühle – ja, vielleicht ist das letztendlich wirklich konsuminspiriert.

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