Wortstrom: Silbeng¦l¦anz

Du flüsterst meinen Namen, und es klingt wie eine Offenbarung. Ich liebe es, und zwar sehr, wenn du meinen Namen flüsterst in samtenen Nächten, die Stimme voll Erregung. Es klingt nie beiläufig, wenn du meinen Namen sagst, nicht wie ein Ruf oder fragend. Keine Aufforderung. Es klingt eher wie ein fremdes Wort, das beschreiben mag, was du fühlst. Ein seltsames Gefühl wohl, kaum in Worte zu fassen. Mein Name strömt oft aus deinem Mund wie ungezählte Silberperlen. Silbenperlen. Du legst alles hinein in diese paar winzigen Silblein, so kommt es mir vor. Und nie kürzt du mich ab. Dafür dank‘ ich dir. Es ist so: Du sprichst mein Ich aus. Mein Ich schwebt im Raum und klingt ein wenig nach. Dich erfüllt mein Ich. Und eben damit füllst du mein Ich, mit meinem Namen. Wie wundersam, ich kehre mein Innerstes nach außen und gebe dir mich und du – gibst mir mich zurück. Du füllst mich mit mir. Doch wo bist du? Bist du denn schon so sehr ich? Von keinen Lippen klingt mein Name schöner. Seit mein Name von deinen Lippen fiel, fühle ich mich, als würde ich meine Flügel öffnen und davonschweben. Davonleben. Hörst du, wie es knistert, das Flügelausbreiten? Federrauschen. Rauschen im Kopf. Rauschzustand. In samtener Nacht kreist mein Name über uns beiden. Nie fühlte ich mich wärmer, seitdem du meinen Namen wie eine sanfte, sanfte Decke über uns breitest.

Früher, da habe ich meinen Namen abkürzen lassen. Gekappt, in der Mitte. Ich dachte, das bringt Nähe und damit Freundschaft. Aber es zerriss mich. Ich war damit nicht mehr glücklich, fühlte mich immer nur so halb und unvollständig. Du hingegen hast mich nie abgekürzt. Hast mich immer als Ganzes gesehen. Hast auch nie gemeint, da fehle was an mir, hast nie versucht, mich umzuformen, oder zu vervollständigen. Ich bin schon ganz, und mit dir bin ich es auch. Mögen mich alle anderen abkürzen; aber du sollst meinen Namen sagen, so wie er ist: identitäts- und intimitätsstiftend. Das ist das größte Geschenk, das du mir machen kannst. Wenn du meine Namen sagst, weiß ich, du meinst mich. „Schatz“, „Hase“, „geiles Stück“, alles schon gehört. Ich weiß, ich kann das alles sein, ein Teilchen Schatz, ein Teilchen Hase … Aber du sagst meinen Namen und ich weiß, du meinst mich. Ganz mich, Ganz-Ich. Schenk mir meinen Namen. Schenk ihn mir, jedes Mal, wenn du kommst. Oder gehst. Oder bleibst.

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14 Gedanken zu “Wortstrom: Silbeng¦l¦anz

  1. Liebe MmeMme, Sie müssen einen bezaubernden Namen Ihr eigen nennen. Weil er Sie solche Texte formulieren läßt. Und mich anregt zu sinnieren, wie ich den meinigen am liebsten mag. Die Pünktchen müssen hell über’m a schweben und das h haucht sich leise aus. Oh, das kann der Lieblieblingsfamosgefährte sehrsehrgut.

    • Lieblieblingsfamosgesellen können so manches sehrsehrgut, vorallem Seelenschmeicheln und Herzerweichen mit Worten oder ohne. Wes Namen auch immer sie mit Hingabe aussprechen, er ist der allerklangvollschönste auf dieser Welt.

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