Wortstrom: Worte und ich

Im gewissen Sinne – Worte und ich – man könnte sagen, uns verbindet mehr, als uns lieb ist.

Ich lebe von Worten, im gewissen Sinne, von Worten, die nicht meine sind.
Die mich tagtäglich arg ärgern, die ich zerbröseln muss, um Sinnschwund darin zu finden.
Im gewissen Sinne bin ich Ab- und -satzaufdrösler, Wortewechsler, Synonymsucher, nur um diesen Worten, die nicht meine sind, einen Sinn zu verleihen, einen ganz gewissen, damit auch der dümmste anzunehmende User sie anwenden kann.
Ob meine Worte mit dem gewissen Sinn die besseren sind – ich weiß es nicht.
Weder meine Worte, noch meine Sprache, und ganz gewiss nicht mein Sinn, aber es hält mich am Leben, so ganz im Sinne von Nahrung, Kleidung, Finanzierung des stillen Kämmerleins, in dem die Wortschmiede steht, gemiedene Worte, die fremden, wie fremde Hemden über vertrauten, verbauten Satzgestellen, konstruiert, hingeschmiert ohne Punktkommastrich, Wortgemisch mit Informationsessenz, im gewissen Sinne anleitend, ab- und überleitend zu weiteren Konstrukten, gedruckten Wortballen am Ende, erst entwirrt, dann wieder verworren, die sowieso kein Schwanz liest, weil – man weiß es ja besser, intuitiv.

Tiefstapeln daher die Devise, fiese Kommentare, weil ich nun mal nicht reden kann, wo ich doch schreibe, mit entschuldigendem Lächeln beileibe nicht abzuschmettern.
Denn Worte, die nicht meine sind, kommen mir so schlecht über die Lippen, Klippen, an denen ich tagtäglich scheitere, mehr noch als an den fremden Hemden, von denen ich derweil schon weitere gebügelt und auf Bügelkonstrukten zu Hügeln drapiert habe, kapiert, nein, kapituliert vor gewaltigen Worten an Orten, wo Wortgewalt wehlich waltet – alliteriert sogar, weil sie’s können, die anderen, die besseren, selbst wenn sie Worte verwässern, solange sie flüssig aus deren Mundhöhle sprudeln, sich zu Rudeln formen, mich überfluten und mir jede Glut auslöschen an den Gedanken, ich sei gut in dem was ich tu …
– bereit für ein Stückchen mehr Unzufriedenheit?

Im gewissen Sinne aber lebe ich für Worte, sinnlich gewissenhaft, solange sie die meinen sind und ich sie leiten kann in solche Weiten, in die mein gesprochenes Wort nie dringen wird.
Oft unterbrochen, mittendrin, habe ich aufgegeben, sprechen können zu wollen,  klamm und wortleer mein Mund also, dafür um so wortvoller der Kopf, es tropft aus meinen Fingern, sobald ich die Tastatur berühre, selbstentführt in meine Wortwelt, in der Weltworte zu Toren werden.

Im gewissen Sinne l¦i¦ebe ich doch Worte, nur erwidern sie das manchmal nicht.

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6 Gedanken zu “Wortstrom: Worte und ich

  1. Sie ringen um Fassung, Sie ringen um Haltung, Sie ringen um Form und vermissen Inhalt?
    Was soll ich Ihnen dazu sagen? Alles Ringen, das Sie leisten, ist Arbeit mit sich selbst. Fremden Worten Seele geben wird von der Gebrauchsanweisung bis zum literarischen Text nur gelingen, wenn da etwas ist hinter der förmlichen Unzulänglichkeit. Und Ihr Hunger nach Verve, nach Fluss und Gestalt und Reiz und Belang wird sich um Ihren eigenen Inhalt ranken, Ihre Wahrheiten, Weisheiten und Contrairerien. Sie nennen sich Madame Contraire? Besser könnte ein Text nicht beschreiben, was ich konstruktiven Hader nennen würde. Im Ergebnis der Form allein schon enthält er Perlen en masse. In was für ein Grüppchen Feuerwerker bin ich denn hier nur geraten?

    • Verehrteste, ich spüre die Wortliebe um mich herum und bin glücklich. Aber die Welt der Banalworte – so trefflich! – hat mich fest im Griff derzeit, und das Schwert bzw. die spitze Feder dagegen anzuführen würde mein momentanes Leid nur verlängern. Also geduldig und ganz Contenance ausharren und wiederkehren, sobald es mir möglich ist und ich das nächste contraire Tiefkühlhähnchen Richtung Nonbanalität erwische.

      • Wir harren geduldig Ihrer und auch eine neue Verwüsterei ist bisher nicht in Planung. Ich harke nur ab un zu mal durch Ihren Vorgarten und befreie wenn es nottut den Gartenzwerg vom Schnee. Soll ich ein paar Meisenknödelchen auhängen?
        Auf die Wortfeuerwerker, sie leben hoch!

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