Kunst¦pause

Wieder bewies es sich, dass ich mit meiner Selbstbeschreibung so völlig recht behalte – unbelehrbar und widersprüchlich wandelt Madame Contraire durch die Welt, reißt sich ein Bein nach dem anderen aus und hat nichts, absolut nichts gelernt aus den Lehren der Waschfrau, die Selbsterkenntnis liegt verstaubt im Regal, und das Gedankenkarussel quietscht vor sich hin. Ich habe den Verdacht, dass sich meine Situation einzig und allein nur deshalb so zuspitzt, weil ich keine Zeit zum Schreiben finde. Die Zeit für diese Zeilen stehle ich mir gerade, nachdem man mir schon den Vorgarten zertrampelt und mit weiterer Randale gedroht hat – ich liefere! Ich versprech’s.

Es fehlt  mir, das Schreiben. Es ist mehr als Zeitvertreib. Es ist etwas, was mich, die ich schon so einige Hobbies und Interessen begonnen, durchexerziert oder abgebrochen habe, seit dem Tag begleitet, da ich Buchstaben und Wörter bilden lernte. Es ist mein Ventil, meine Therapie. Seit ich hier bin, geht es bergauf.

In meinem Urlaub verbot ich mir Internet und jegliche Kommunikation – was ich auch durchgehalten hätte, wäre da nicht jemand, der mir so gut tut, dass er mir keinen Tag fehlen darf. Gegen Ende ereilten mich wunderbare Gedanken, der goldene Sand und die warmen Wellen brachten mir Entspannung und ein einzigartiges Gefühl, das mich so plötzlich überkam, das ich in dieser Form noch nicht verspürte: Glück. Ungebrochenes, unbelastetes Glück. Und die Erkenntnis, dass meine Entscheidung noch immer unbereut ist.

Und nun, wieder zu Hause, zerrt es an mir, in alle Richtungen. Den meisten Druck mache ich mir selbst, weil ich wieder alles, alles erledigen will, weil sich so viel mittlerweile angesammelt hat, das ich vernachlässigt habe. Madame hat sich gehen lassen, hat es sich gut gehen lassen und Sorgen, Papierkram und Renovierung hinten angestellt. Der anstehende Berg macht mich sprachlos. „Nicht auf den Berg schauen. Einen Schritt nach dem anderen gehen. Wie der Straßenfeger bei Momo.“ Und damit wurde ich quasi mit meinen eigenen Worten geschlagen. Ich hab ja nur auf den Tag gewartet, da man mir meine eigenen gutgemeinten Ratschläge um die Ohren haut und ich denke: Ja. Es ist leichter, auszuteilen als anzunehmen. Hat wohl auch was mit geben und nehmen zu tun. Im Moment muss ich vor allem lernen, mich anzunehmen und nicht wieder in Angst zu verfallen, dass ich „nicht recht“ sein könnte, dass ich anderen auf die Nerven falle, nur weil ich Nähe suche. Solange ich schreiben und reflektieren kann und darf, wird mir das hoffentlich gelingen.

Der schönste Satz für heute, den ich mir ganz fest hinter die Ohren schreiben werde, weil er mich lächeln macht: „Ich dich auch.“

Advertisements

3 Gedanken zu “Kunst¦pause

  1. Schreiben sie, Madame! Aber nie (sich!) ab. Diese Kunstpause wollte ich ebenfalls machen, die Koffer waren quasi schon gepackt. Aber nun sind es schon wieder viele Zeilen geworden. Und es werden ständig mehr. Auf baldiges Wiederlesen. Ich (lese) dich auch ;-)

  2. Verehrteste, nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, um sich anzunehmen. Rechtseinwollen ist ein fieser Schleicher gollumschen Wesens und Schreiben nicht das schlechteste Ventil. Ich bin da ganz bei Ihnen.

    Ich stell flugs noch den Gartenzwerg wieder auf und harke nochmal durch. So, alles wieder hübschig.

Kommentare? Stets willkommen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s