Wärme

13 Stunden bis Abflug. Ich habe gepackt, sitze in meiner Küche und versuche noch ein wenig runterzukommen. Ich habe so lange auf diesen Urlaub gewartet. Und verdient habe ich ihn mir allemal. In vielerlei Hinsicht. Jetzt hoffe ich natürlich, dass er mir das bringt, was ich erhoffe. Ein bisschen Abenteuer in der großen Stadt, viel sehen und erleben, alles mitnehmen. Und Ruhe. Das erste Mal habe ich fünf Tage Nichtstun geplant. Ich bin gespannt, ob ichs durchhalte.

Als ich da so sitze, alle Sorgen verpackt, alle Bedenken für einen anderen Zeitpunkt aufgehoben, fühle ich mich allein. Richtig allein. Sonst, wenn ich so durchs Leben renne, arbeite, kommuniziere, habe ich gar keine Zeit mich allein zu fühlen. Jetzt gerade schon. Allein. Harrend. Vermissend. Grübelnd.

„Mau?“ Ein Fellgesichtchen schaut mich an. Und schon sitzt Mademoiselle 1 auf meinem Schoß, blinkert mich mit großen Augen an, und ihr braunes Näschen beschnüffelt meine Hände – ich maniküre gerade. Mau, ja. Mau fühle ich mich, aber das zählt für Mademoiselle nicht. Viel zu interessant ist die Nagelfeile, und der verlockende Duft! Ich muss an das Bild vom Hufschmied denken, wenn er den Pferden ein wenig Horn vom Huf hobelt. Hü! Mademoiselle 2 ist neugierig, was ihre Schwester Interessantes entdeckt hat, und so stapft sie auf meinen Beinen herum, krallt sich ein wenig fest, um nicht gleich wieder runterzufallen. Egal. Meine Beine sehen ohnehin aus wie das Opfer eines veritablen Rasurunfalls. Die rosa Nase steckt Mademoiselle 2 aber lieber unter ihre Pfote und fängt fast sofort an behaglich zu schnurren.

Sagte ich, ich fühle mich allein? Ich komme ja kaum dazu, muss nun synchron Katzenohr und Katzenkinn kraulen, zum Alleinfühlen keine Zeit. Sie haben es tatsächlich drauf, mit ihren winzigen Gehirnen und riesigen Augen und spitzen Ohren, mich für eine Weile völlig zu vereinnahmen und alle weniger schönen Gedanken in ihrem Schnurren untergehen zu lassen. Während ich noch tippe, liegen beide, Kopf an Kopf gekuschelt, auf mir, dreieinig, unzertrennlich, bis mich nachher ein fast bis zur Amputation eingeschlafenes Bein zwingen wird, das bunte Katzenklüngel von mir zu nehmen. Zurück wird Wärme bleiben, so ein Katzenfell heizt ungemein. Katzenliebe auch.

Advertisements

3 Gedanken zu “Wärme

  1. Ich bitte gnädigst um Entschuldigung – ich bin in der Zeitfalle gefangen, um mich herum rennt sie, und ich bewege mich in Slow Motion. Nein, im Ernst: Ich habe zur Zeit ein paar Probleme, die mich vom Schreiben abhalten – Schreiben ist ein wichtiger Teil von mir, mich schmerzt eben jeder Tag, an dem ich nicht dazu komme. Schlimmer noch, es warten Schreibaufträge und die dazugehörigen ungeduldigen Menschen … ich bleibe nicht absichtlich fern, bewahren Sie Geduld.

Kommentare? Stets willkommen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s