Premieren, Pannen, Pustekuchen Vol. III – It’s not hard to grow …

Und wieder zogen sieben Wochen ins Land. Richtige Normalität ist bislang noch nicht eingekehrt, noch immer sieht’s bei mir zu Hause nach Baustelle und Halbfertig aus. Aber ich habe die anfangs ins Auge gefasste Zeitspanne, um alles fertig zu bekommen, einfach auf unbestimmte Zeit verlängert. Bringt ja nichts, mich unter Druck zu setzen, wenn es verzögernde Faktoren gibt, auf die ich keinen Einfluss habe.

Täglich gibt es Neuigkeiten vom Wäscheberg. Täglich schwanken die Tendenzen um 180°. Das geht mir ziemlich oft auf die Nerven und sitzt sie ganz platt, aber am Ende, das weiß ich, wird alles gut. Muss ja. Zumindest steht’s so im Vertrag, und da ich grundsätzlich optimistisch bin, glaube ich auch daran. Vielleicht stehe ich nächste Woche schon wieder im Wohnzimmer und reiße alte Tapeten von den Wänden. Mein Lieblingssport zur Zeit, Aggressionsabbau.

Zwischenmenschliches. Das Sommerkleidchen – ich hatte es bewusst verdrängt und es gelang mir tatsächlich, die Fransengeschichte zu vergessen – tauchte aus seiner Versenkung auf und fragte sporadisch nach meinem Befinden. Ich war maximalbelustigt. Beim letzten Mal konfrontierte ich es mit dem Wissen um die neue Kundin, die es zwischenzeitlich erstanden hatte, und bei der es sich offensichtlich nicht so blöd anstellte. Der Kassenzettel wurde mir immerhin halboffiziell präsentiert. Ich bekundete daher meine aufrichtige Freude. Seither herrscht verschreckte Funkstille. Mir grad recht. Das Emotionsnavi lernt langsam. Der Sommer ist vorbei, und mir ist es nach einem warmen, kuschligen Pulli. Und Herbst und Winter sind lang … genug Zeit für weitere Premieren, Pannen… passt.

Ich habe die Waschfrau mal gefragt, wie weit ich mit meiner neugewonnen Freiheit und meinem neuentfesselten Ich gehen darf. Ich habe nämlich irgendwann richtig Angst bekommen, vor mir selbst, vor meiner großen Klappe und dem Reiz des Neuen. Angst vor was eigentlich? Dass irgendwann der Dämpfer kommt? Mme Contraire im Wunderland, und gerade als es anfängt Spaß zu machen, kommt plötzlich jemand und weckt mich auf? Und dann wache ich auf und all die bunten Blumen sind verwelkt und verwandeln sich in Schlangen? Selbstwert zu Selbstzweifel, Lebenslust zu Lebensfrust? Aber das muss nicht die logische Abfolge sein. Genießen, schauen, staunen, freuen. Egal was kommt, die Zukunft ist immer besser als die Vergangenheit – und gestaltbar. Ich weiß jetzt auch, warum ich vor einiger Zeit Panik hatte, dass ich meine Zukunft nicht mehr vor mir sah, und jetzt so entspannt bin, dass ich sie immer noch nicht vor mir sehe. Weil ich sie in der Hand habe. Das war mir nicht bewusst damals. Der oppressive Fremdbestimmer ist weg, und ich lerne, eigene Entscheidungen zu treffen. Und davor habe ich jetzt fast gar keine Angst mehr.

Ein wenig zu melancholisch, aber mir ist gerade danach, weil es irgendwie nach Lächeln, angenehmem Whatever und Kuscheln klingt:

(… when you know that you just don’t know)

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