Gewitter konkret

Es regnet gerade in Strömen. Hat sich im Laufe des Tages angekündigt, dieses Gewitter. Hoffen wir mal, dass es Abkühlung und auch sowas wie Reinigung mit sich bringt – noch bin ich skeptisch.

Gestern habe ich mal wieder die Waschfrau besucht, nach einem recht anstrengenden Tag. Kaum geschlafen am Wochenende, Bürodienst gehabt und noch einen liebgewonnenen Kollegen verabschiedet, Stau, brütende Hitze und das Cabrioverdeck ging wegen Kofferraumüberbeladung nicht auf … aber das nur nebenbei. Die Waschfrau erkundigt sich sporadisch noch nach den weiteren Erfolgen, nachdem das gemeinsame Projekt „Wie miste ich einen Kleiderschrank effizient und nachhaltig aus“ ja nun in den letzten Zügen der Vollendung liegt. Im Fokus steht heute mein Wohlbefinden, und das bewerte ich, wie ich da so auf dem bequemen Stuhl meiner Waschfrau gegenüber sitze, als durchweg positiv. Hätte ich gewusst, dass es mir hernach so gut geht, wäre ich dieses Projekt vielleicht schon viel früher angegangen.

Und was sind die näheren Aussichten? Hatte ich zu Beginn dieses Jahres noch Panik, weil ich einfach nichts mehr vor mir gesehen habe, kein Weg mehr, keine Ziele, so bin ich jetzt doch um einiges gelassener, als ich antworte: „Nun… nichts konkretes, eigentlich.“ Das weiße Blatt Papier vor meinen Augen ist so wenig bedrohlich wie eine Schicht frischer Pulverschnee. Es ist weiß, es ist rein, es ist alles neu. Um nicht zu sagen: frisch. Nur ich selber fühle mich heute alles andere als frisch. Es geht zurück, zum Kleiderschrank, der noch eingeräumt werden muss. Es steht Putzarbeit an. Es steht vor allem Veränderung an, und gerade heute, an diesem trägen schwülen Tag, macht mein Kopf eher Anstalten platzen zu wollen als sich kreativ und voller Elan um das Thema Veränderung zu kümmern.

Zu hoffen (und zu bangen) steht nämlich noch das: Dass ich nicht wieder den selben Fehler mache und meinen Schrank vollmülle, nur weil ich nicht weiß, wie ich effizient aufräume. Dass ich wiederum zu aktiv sein will und mir Probleme und Sorgen anderer überstreife und Lösungen suche, die keiner braucht. Dass ich – und jetzt wird’s leider persönlich – wieder in die Mutter-Frau-Rolle reinrutsche und mir einen Kind-Partner ans Bein binde, der mich wiederum aussaugt bis aufs Letzte, und ich bei all dem fürsorglichen Stress nicht erkenne, was ich wirklich will und brauche. Nur, woran erkenne ich, ob ich da einem männlichen potenziellen Partner begegne oder ob’s wieder nur ein großes Kind ist? Ehrlich, in letzter Zeit ist mir noch keiner begegnet, der sich auf Dauer als wirklich männlich herausgestellt hat … Meiner Meinung gehört’s dazu nämlich, mal das im allgemeinen zur routinierten Selbstdarstellung gebrauchte ach-so-große Mundwerk aufzumachen, auch wenn die Situation gerade nicht so prima ist. Gerade dann. Mal konkret werden. Mal Ansagen machen und nicht einfach die Klappe zu- und nie wieder aufmachen. Ich für meinen Teil komme mit An- bzw. Absagen immer noch besser zurecht als mit kryptischem Schweigen und Belanglosigkeiten, die sich nach „Haupsache mal was gesagt“ anfühlen. Und noch was, ich hab echt keine Lust mehr, mich für euch zu verbiegen – ich bin nun mal so, und ich bin eben vielschichtig, was auch nicht immer nur positiv ist. Geb ich offen zu. Entweder ist das für euch ok, oder eben nicht, aber ein Zwischending gibt’s leider nicht.

Na, das war mal’n Gewitter. Für ein paar Momente hatte ich meine Schreibfeder nicht im Griff und wurde konkret, bin von meinen sonst so gern genutzten Bildern und Metaphern abgerückt und hab geblitzt und gedonnert. Abkühlung? Nein. Reinigung? Eventuell. Konsequenz? Auf jeden Fall, denn ich verstecke mich ab jetzt nicht mehr. Macht ihr doch grad daraus, was ihr wollt.

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3 Gedanken zu “Gewitter konkret

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