Was zu erwarten war

Gewusst hab ich das schon. War mir klar, wirklich. Aber die Erleichterung über meine Entscheidung hat zunächst mal ein bisschen Puderzucker über all das gestreut, was sich mir jetzt offenbart und womit ich fertig werden muss. Also da ist dieser entsorgte Wäschestapel. Dass er jetzt in der Mülltonne liegt und vor sich hinstinkt, ist klar. Dass mich sein Gestank belästigen würde, wo immer ich auch hingehe, ist nachvollziehbar. Aber dass er SO erbärmlich stinkt – daran muss ich mich noch gewöhnen.

Unfassbar zunächst, dass mein Umfeld den Gestank wohl schon viel früher wahrgenommen hat. War ich denn blind und taub? Oder wie nennt sich das olfaktorische Pendant – hab ich meiner Nase wirklich nur noch so wenig trauen können? Die Antwort muss unbedingt ja lauten. Hatte ich anfangs noch Mitleid mit dem Häufchen Elend, das da herzerweichende Signale aus der Mülltonne sandte, so nervt mich jetzt die Tatsache, dass ich das Bündel zwar niemals wieder hervorgeholt hätte, aber dennoch ständig am Müllcontainer vorbeigelatscht bin und mir meine tägliche Portion Schuldgefühle abgeholt habe – die unberechtigt sind, sagt die Waschfrau. Das ist meine Sollbruchstelle, die muss ich jetzt mehr als alles andere schützen.

Was mach ich also? Krame in meinem verbleibenden Kleiderschrank, seh mich um, was draußen so rumliegt und lege die härteren Bandagen an, damit ich nicht kaputt gehe und damit mich der Gestank nicht ohnmächtig werden lässt. Solange sich die Müllabfuhr nicht erbarmt, hab ich noch ein wenig länger dagegen anzukämpfen. Gelegentliches Versprühen von veilchenblauem Raumduft mit leichter Zitronennote helfen es auszuhalten. Oder die Flucht weit weg vom Müllcontainer, was auf die Dauer aber auch keine Lösung, sondern nur Vermeidung ist.

Was aber um so wichtiger ist: Meinem Herzen muss ich Gutes tun, damit es gesund bleibt, und ich bemühe mich wirklich, dass es ihm gut geht. Nicht nur ich. Denn ich brauche es noch, mein restliches Leben lang. Und vielleicht braucht es irgendwann jemand anders genau so sehr wie ich und hilft mir, darauf aufzupassen.

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7 Gedanken zu “Was zu erwarten war

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