What the heck …

Irgendwas hat am heutigen Tag gedreht. Fand ich das Salatbufett in der Kantine schon immer so attraktiv und reichhaltig, dass ich mich fragen muss, warum ich nicht öfter hingehe? War es schon immer wunderschön, mit dem Schirm im strömenden Regen vom Parkhaus zur Firma zu spazieren und nasse Füße dabei zu bekommen? Seltsam, wirklich. Wie um alles in der Welt habe ich es geschafft, nach nur drei Stunden Schlaf (und zweieinhalb davon regunglslos aufgrund kätzischer Belagerung, genau auf den Knien) und lediglich einem Energydrink so wach zu sein, als käme ich erholt aus dem Urlaub? Im Spiegel sehe ich meine Augen schalkhaft aufblitzen. Hallöchen, kleine Erinnerung: Du hast dich gerade von einem Wäschestapel getrennt, der ich über ein Jahrzehnt begleitet hat. Ist es angesichts dessen wirklich angebracht, dieses widerlich-süße Grinsen auf dem Gesicht zu tragen und zu strahlen, als hätte man dir einen Leuchtturm in die Birne gepflanzt? Mal die Waschfrau fragen. Ach halt! Die weiß ja noch gar nichts davon, die hatte Urlaub! Die kippt aus den Latschen, prophezeihe ich hier und jetzt.

Ich geh mir mal rasch ne Zitrone besorgen, vielleicht ist noch eine von gestern da …

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Ich hab’s getan

Hallo.

Da bin ich wieder. Tja. Mir fehlen die Worte.

Seltsam, wie sich zwei sehr unterschiedliche Gefühle ineinander verschlingen in mir drin, wie sie aufeinanderprallen und dann verschmelzen. Und wieder auseinanderdriften. Ständig in Bewegung. Da ist diese tiefe Traurigkeit, die mich seit Jahrzehnten begleitet, jetzt plötzlich konzentriert und präsent wie ein Joch auf meinen Schultern. Da ist aber auch etwas Neues, etwas ganz unbeschreiblich schönes, ein Gefühl von Zuversicht und – ich.

Ich habe es getan. Habe meinen Kleiderschrank ausgemistet und zwei Stapel gebildet. Einen davon musste ich loswerden, um weiterzukommen, und das habe ich auch gemacht. Er ist nicht ganz weg, ist immer noch präsent und ich werde ihm in nächster Zeit weiterhin begegnen, weil er so lange Teil meines Lebens war. Ich weiß, dass ich mich für den richtigen Stapel entschieden habe, denn gleich danach ging es mir schon besser. Als wäre ein Knoten in mir geplatzt, der mein Herz so lange umschlossen gehalten hat und der meine Seele fesselte, so fest, dass sie sich nur noch wenig bewegen konnte. Langsam strömt das Leben in mich, manchmal überwältigt es mich noch, wenn ich davon koste. Wie ein Kind vor dem Süßigkeitenregal. Wie ein Ausflug ans Meer, gewaltige Wellen und Wind und meine eigene Stimme, die gegen das Rauschen anlacht.

Mein Gott, ich liebe es schon jetzt. Wünscht mir Kraft, das alles durchzustehen.

Irgendwann …

… wird ein Irgendwann tatsächlich zu einem Jetzt. Jetzt ist dieses Irgendwann, das ich schon so lange vor mir herschiebe, verdrängt habe, und von dem ich hoffte, es wird irgendwann ein Nirgendwann. Aber ich habe gelernt. Diese Irgendwanns sind blöd und gefährlich. Eigentlich sollte mich mein letztes Irgendwann immer noch schmerzlich daran erinnern, dass es zu spät sein kann. Auch so ein Blödling, dieses Eigentlich. Also: Wenn nicht jetzt, dann passiert etwas viel schlimmeres als diese Sache endlich anzugehen, auch wenn’s sehr wahrscheinlich weh tun wird, sehr sogar.

Ich habe immer versucht, niemandem weh zu tun, war ein Totschweiger und Vermeider, und hab dabei mich dabei selbst so sehr verletzt, dass ich gar nicht mehr klar sehen konnte, dass ein offenes Wort viel weniger Schwierigkeiten bereitet, als ich jemals gedacht hätte. Was hab ich mich in der Vergangenheit verrückt gemacht! Meine Waschfrau hält mir einen großen Plastiksack hin und sagt: „Ein Päckchen müssen Sie da jetzt reinschmeißen. Völlig egal welches, nur machen Sie’s jetzt. Sie sind so weit, das schaffen Sie!“

Die Wahl ist längst getroffen, aber das Anpacken, das Anpacken … Dabei sieht die Welt ohne belastendes Päckchen so viel besser aus. Ob ich irgendwann bald jetzt dann doch da hin komme, wo ich eigentlich wirklich hinwill?

Ganz zufällig …

… stieß ich eben bei der Recherche (fachfremd *hüstel*) auf ein paar Erasmus-Zitate, die mir heute mehr denn je aus der Seele sprechen. Heute heißt: Nach diesem Wochenende. Ich war hobbymäßig mit ein paar guten Freunden unterwegs und habe auf der Fahrt dorthin meine andere Hälfte, sprich Mme Contenance, am ersten Rastplatz ausgesetzt. War das herrlich! So befreit war ich seit … äh … ich glaube, noch nie. Und so spricht er mir aus der Seele, Erasmus Desiderius von Rotterdam, wenn er sagt:

Egoismus ist eine Tugend der Selbständigkeit.

Nicht schlecht. Da fühle ich mich gleich besser. Das nächste berührt mich besonders, denn so ganz ohne diese miesepetrige Contenance fühlte ich endlich mal, was es heißt, eins zu sein, und nicht so zerrissen wie üblich:

Höhepunkt des Glücks ist es, wenn der Mensch bereit ist,
das zu sein, was er ist.

Es ist unglaublich befreiend, mit anderen Gleichgesinnten einfach herzlich und laut zu lachen, ohne dass sich jemand beschwert, das sei zu laut oder nicht angebracht. Dieses Hochgefühl trage ich heute bei mir, und hoffentlich auch noch den Rest der Woche. Zum Abschluss noch dieses, was mir mit einem Augenzwinkern doch am besten gefällt und keiner Erläuterung bedarf:

Maxime peccantes qui nihil peccare conantur
– Wer nicht zu sündigen wagt, begeht die grösste Sünde.