Tut weh

„Hast du geweint?“ Nicken.
– „Er fehlt dir auch, was?“ – „Ja. Und ich hab ein richtig schlechtes Gewissen.“

Damit ist das ausgesprochen, was mich gestern beschäftigte. Ich habe den Abend mit Taschentüchern auf der Couch verbracht, hab in mein Glas Wein geweint, den lieblichen Bacchus mit etwas Salz angereichert. Edelpralinen und ein Päckchen Fleur de Sel habe ich mal an Weihnachten verschenkt und dazugedichtet „Süße und Salz: das Leben“. Aber ich schweife ab.

Es war nicht das schlechte Gewissen, zwischen den Tränen lächeln zu müssen, kichern, lachen sogar, wenn ich an das vergangene Jahr mit Schnuddel dachte. Es ist der Gedanke, dass die Trauer für den Kleinen so stark ist und mich – uns so heftig übermannte, im Vergleich zum Verlust geliebter Menschen so anders und erstaunlich schmerzhaft. Ich erkläre mir das auf zweierlei Art:

¦¦Schnuddels Tod ging nur uns etwas an. Keine Gedanken an „Wie sag ich’s den anderen?“ oder „Was ist zu tun und zu organisieren?“ Zeit für reine Trauer.
¦¦Tiere sind reine Geschöpfe. Sie tun nichts, was uns absichtlich verletzt, sie begehen keine Fehler. Unsere Erinnerungen sind durchweg positiv, ungetrübt. Und ohne jeden Vorwurf. Zeit für reine Trauer.

Vor einiger Zeit hätte ich das alles noch als albern abgetan. Aber so geht es mir nun mal, und ich halte es für einen Schritt in die richtige Richtung, Gefühle zuzulassen und zu akzeptieren. Mal die Waschfrau fragen, aber ich denke, es ist ein gutes Zeichen.

Schnuddel_1

2010 – 2013

Entgegen eines anderen Vorsatzes poste ich heute doch ein privates Foto. Die nächste Zeit werde ich immer mal wieder vor der Tür stehen und Ausschau nach dir halten. Dein Körbchen hab ich weggeräumt, ich denke du hast nichts dagegen, sollte irgendwann ein anderes Kätzchen seinen Platz darin finden. Und danke, dass du mich gestern gleich im Traum besuchen kamst, jetzt weiß ich, dass es dir gut geht.

Advertisements

2 Gedanken zu “Tut weh

  1. Testament einer Katze

    Wenn Menschen sterben, machen sie ein Testament,
    um ihr Heim und alles, was sie haben
    denen zu hinterlassen, die sie lieben.

    Ich würde auch solch´ ein Testament machen,
    wenn ich schreiben könnte.

    Einem armen, sehnsuchtsvollen, einsamen Streuner
    würde ich mein glückliches Zuhause hinterlassen,
    meinen Napf, mein kuscheliges Bett,
    mein weiches Kissen, mein Spielzeug
    und den so geliebten Schoß,
    die sanft streichelnde Hand,
    die liebevolle Stimme,
    den Platz, den ich in jemandes Herzen hatte,
    die Liebe, die mir zu guter Letzt
    zu einem friedlichen und schmerzfreien Ende helfen wird,
    gehalten im liebendem Arm.

    Wenn ich einmal sterbe, dann sag‘ bitte nicht:
    „Nie wieder werde ich ein Tier haben,
    der Verlust tut viel zu weh!“

    Such Dir eine einsame, ungeliebte Katze aus
    und gib‘ ihr meinen Platz.
    Das ist mein Erbe.

    Die Liebe, die ich zurück lasse, ist alles,
    was ich geben kann.

    (Margaret Trowton)

  2. Vielen Dank, liebe Freundin, für diese einfühlsamen Worte!
    Ich habe gefühlt, dass es richtig ist, mehr von dieser Liebe in mein Leben zu lassen. Vielleicht – nein, sehr wahrscheinlich wirst du hier bald neue „Liebesgeschichten“ lesen, deren illustre Protagonisten – Karamellchen und Puderzuckerl – sich derzeit einen Platz in meinem Herzen erschleichen :)

Kommentare? Stets willkommen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s