So mancher Vorsatz …

… wird ja nicht unbedingt vorsätzlich gebrochen. Vielmehr führen oft äußere Umstände dazu, geplante Vorhaben, Dinge, die man sich vorgenommen hat, nicht in die Tat umsetzen zu können. Gestern noch gelobte ich, zukünftig weniger Melancholie auf diesen Seiten zuzulassen und vielmehr die Dinge in einer anderen, positiveren Sichtweise anzugehen. Etwas fröhlicher wollte ich wirken, unterhaltsam, amüsant – primär um auszutesten, ob ich das überhaupt kann, ob ich das überhaupt bin.

Und so fiel mir heute wieder eine Episode aus meinem Adoptiv-Katzenmama-Dasein ein. Monsieur Erdbeernase haart nämlich stark. Richtig dicke weiße Haare hängen regelmäßig nach seinen Knuddelattacken auf Pullover und Hose, gerne auch auf der Couch und dem Flurteppich. Monsieur liebt Kuscheln dem Anschein nach noch mehr als seine Leckerli – die er auch nur selten bekommt, und nur auf ultrastarkes Betteln hin, bis ich mich kaum mehr halten kann und seinem Schnattern und Brabbeln nachgebe.

Gut, den vollgehaarten Pulli kann ich ausziehen, die Hose (bevorzugt jene, an denen weiße Katzenhaare besonders gut haften bleiben) bearbeite ich mit der Kleiderbürste oder, zur allerhöchsten Not, mit Klebeband. Nun stieg ich aber gestern erfrischt aus der Dusche und freute mich schon auf meine reichhaltige Bodylotion, während Monsieur von und zu Schokopunkt im Nebenraum zu ruhen pflegte – schnarchend und seufzend vor Behaglichkeit, ich hätte ihn küssen mögen. Just als ich fertig war und die reichhaltige Bodylotion noch ein wenig einwirken lassen wollte, entstieg mein Gummifüßchen seinem Schlafplatz, zwängte sich durch die angelehnte Badezimmertür und steuerte, liebesbedürftig wie stets, geradewegs auf meine duftenden und sehr klebrigen Beine zu. Ich muss nicht erwähnen, welch albernen Tanz ich im Badezimmer aufführte, um dem katzeneingenen Um-die-Beine-Streifen meines kleinen Freundes zu entgehen. Ich muss auch nicht erwähnen, dass ich nach misslungenem Versuch und unter heftigen Lachkrämpfen abFuß bis in Katzenhöhe so aussah, als hätte man mich dreizehn lange Jahre in einer Höhle ohne Damenrasierer eingesperrt. Kurz überlegte ich, die Kaltwachsstreifen zu zücken, entschied mich dann aber zu einer erneuten Dusche – cremt euch mal von Kopf bis Fuß mit reichhaltiger Bodylotion ein und erliegt dann NICHT dem charmantesten Schmusekater der Welt, haarig hin oder her.

Und was soll ich sagen? Ich bin froh, dass ich mit ihm noch eine Runde auf dem Badezimmerteppich gekuschelt habe, und damit eine weitere Dusche in Kauf nehmen musste. Diese kleine Kreatur, die als einzige in der letzten Zeit in der Lage war, die berühmten drei Worte aus mir herauszulocken, mein Schnuddelkater, mein Baby, ist gestern Abend von einem Auto erfasst worden und war sofort tot. Ich wusste bis gestern nicht so wirklich, wie sehr das weh tut. Keine Katzenhaare mehr, keine Kleiderbürste vonnöten.

Er ruht jetzt unter einem schattigen Baum, ganz nah an meinem Grundstück. Ich habe ihm ein Kerzchen angezündet und seine obligatorischen sieben Leckerli hingelegt. Ich bin unglaublich traurig und vermisse ihn. Hoffentlich geht es ihm gut, dort, wo er jetzt ist.

Und so muss man manchen Vorsatz eben brechen. Und einen Nachsatz hinterherschicken:

Ich werde dich immer lieben, Erdbeernäschen, Gummifüßchen, Schokopünktchen.

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