As Damien puts it …

In Gedanken ist man ja nicht immer so feinfühlig und beherrscht. Manchmal würde man gewissen Personen im Falle einer realen Begegnung gerne mal genau das an den Kopf werfen, was man sich nächtelang zusammengedacht und auf den Punkt gebracht hat. Nein, das ist ganz und gar nicht so fein, wie die Contenance das oftmals von uns verlangt. Man bleibt doch meist höflich, zurückhaltend, dezent. Aber kann man damit seinen ganzen angestauten Frust so ausdrücken, wie man sich wünscht, dass diese gewisse Person eben diesen Frust genau so am eigenen Leibe erfahren möge? Na? … Fail. Auf der ganzen Linie.

Ich habe ein seltsames Faible für T-Shirts, auf denen man sein momentanes, tagesabhängiges Statement buchstäblich auf die Brust geschrieben trägt. Vorteil: Man muss nicht über seine Verfassung sprechen, es ist ja weithin sichtbar, oder aber so dezent gehalten, dass es lediglich diejenigen Mitmenschen erfassen können, die man nah genug an sich heranlässt. Eine interessante Möglichkeit, gewissen Personen sein Statement aufzudrücken, ohne verbal ausfällig zu werden. „Hab ich ja nicht gesagt, steht halt nun mal da – wenn du das auf dich beziehst, deine Schuld! Aber hey – gute Auffassungsgabe, mein Lieber.“ Daher entwerfe ich zwischendurch immer mal wieder solche netten und auch sehr unnetten Sprüche, die ich mir auf einem T-Shirt wünsche. Zur Ausführung ist es bisher leider nie gekommen. Ich vermute, die intensive Beschäftigung mit der Textaussage selbst und deren möglichst passendes Erscheinungsbild auf einem Stück Textil führt zu ausreichender Auseinandersetzung mit der Materie und dem dahinterstehenden Frustgefühl, so dass die Umsetzung dann auch nicht mehr nötig ist. Selbst-Therapie vom Feinsten. Oder Zeitverschwendung. Das liegt immer im Auge des Betrachters.

Nun also für euch, mein neuster Entwurf für ein T-Shirt, ein eindeutiges Statement, was man von seinem Gegenüber halten mag, und gleichzeitig eine (weitere) Hommage an den großartigen Damien Rice:

Damien_2

So. Und nun? Wer möchte, kann versuchen, dieses „Zitat“ hier nachzuvollziehen.
Warnung: Sehr wahrscheinlich ist das nur in meinem Kopf treffend, geistreich und überhaupt. Ich jedenfalls höre immer die Klänge dieses Stücks, wenn ich an besagte gewisse Person denke. Entfruster par excellence. Danke, Damien.

Advertisements

Schlagloch

Es ist toll unabhängig zu sein. Es ist ein großer Schritt in die Freiheit, nicht einfach, aber machbar. Die Erkenntnis, sich selbst zu genügen, sich selbst zu achten und nicht davon abhängig zu sein, was andere über einen sagen und denken – großartig. Großartige Gefühle, die ich verspüre. Ich war schon immer irgendwie stark, auf meine eigene Weise. Auch wenn das nach außen selten so gewirkt haben mag. Eher verletzlich und einsam. Das rief immer wieder Beschützerinstinkte hervor – und verstärkte meine Unsicherheit. Mme Freud lässt grüßen. Es bleibt nun mal nicht aus nach gefühlten tausend Wochen Selbstreflektion und das ständige Reden über Fortschritte und Wünsche und Rückschläge und den ganzen Mist. Ich habe fleißig an meinem Wäscheberg gearbeitet, aber die Ergebnisse, die ich beim Durchwühlen fand, wollen mir nicht immer so gefallen.

So. Fein. Jetzt bin ich immer noch stark, auch nach außen sichtbar. Ich habe einen Weg beschritten, von dem ich vorher schon wusste, dass er nicht leicht sein wird. Heute hänge ich an ein paar Schwierigkeiten, stellen wir sie uns mal als Schlaglöcher vor, in die ich reingefallen bin. Hab mir ein wenig die Knie beim Stürzen aufgeschürft, was solls. Das werden nicht die einzigen Verletzungen bleiben im Laufe dieses Weges. Ich fürchte eher noch schlimmeres. Den Blick geradeaus, es geht weiter.

Aber nicht mehr heute. Heute mache ich eine Pause. Ich fühle mich heute klein und verletzlich und einsam. Ich wünsche mir gerade nichts mehr als jemand, der mich in den Arm nimmt. Ganz fest, ganz lange, ohne zu fragen. Der Preis dafür, stark sein zu wollen und das auch zu zeigen: Ich weiß nicht wohin. Statt dessen schicke ich meine Gedanken – die ich doch lieber mit einem Freund teilen sollte, in der Hoffnung, dass der mich einfach in den Arm nimmt und mich damit tröstet – statt dessen schicke ich das alles ins World Wide Web, raus in die Welt, wo sie ungehört, tja, und eben trostlos verschallen werden. Super Taktik.

Ich bin wohl doch noch nicht so weit. Mir kommt gerade der Gedanke, dass Starksein vielleicht auch heißt, Schwäche zuzulassen und Trost zu suchen. Na gut, dann dreh ich mal noch ne Runde. In der echten Welt. Die Sonne scheint.

Der großartige Damien Rice und Lisa Hannigan

Unvorstellbar.

Was hat sie gedacht… was hat sie gefühlt … hat sie es bereut, dann, als es längst zu spät war … ? Fragen, keine Antworten. Spekulationen, Bilder vor meinem geistigen Auge, mit¦gefühlte Schmerzen, Fassungslosigkeit, lähmendes Entsetzen. Sie schwebt über mir, eine Dunstwolke, ein Nichts, so unfassbar. Ich kannte sie kaum, und doch – sie fehlt so sehr. Was fehlte ihr, was haben wir ihr nicht geben können? Warum wachen wir erst auf, wenn es zu spät ist? Und warum lernen wir nie daraus? Ich bin unvorstellbar traurig. Das eine Mal war schon zu viel, und es passiert trotzdem immer wieder, irgendwem. Uns daher auch. Bitte, nicht noch ein weiteres Mal. Aber wer fragt schon groß?

Ich wünsche mir so sehr, dass du deinen Frieden gefunden hast, dort wo du ihn suchtest.

Happy ½ year – ach, doch nicht…

So ist das eben, wenn man sich vornimmt, einen Artikel zu einem ganz bestimmten Datum zu schreiben: Entweder fehlt die Zeit oder die Idee. In meinem Fall heute fehlt irgendwie beides. Aber ich will. Und ich werde. Ich bin schon dabei. Und ich stelle gerade fest: Ich bin voll schlecht in Mathe. Es ist eben kein halbes Jahr, es sind, äh, fünf zwölftel eines Jahres. Ach verflixt. Und es ist trotzdem feiernswert, sag ich.

Heute auf den Tag ist es also ein halbes Jahr fünf Monate her, dass ich den Entschluss, einen eigenen Blog zu erstellen, in die Tat umgesetzt habe. Getrieben dazu hat mich die zunehmende Beschäftigung mit Blogs und das Bedürfnis, meinem Herzen endlich mal ungezwungen Luft zu machen in einer Form, die ich am besten von allen Möglichkeiten der menschlichen Kommunikation beherrsche. Denn es ergaben sich im Vorfeld Dinge, mit denen ich nicht wirklich gut zurecht kam, über die ich aber auch nicht wirklich reden konnte. Und was soll ich sagen, nach einem halben fünfzwölftel Jahr bloggen? Es macht Spaß, es befreit, es tut unheimlich gut. Und weil ich das primär für mich getan habe, macht es mich umso zufriedener, dass ich unter euch ein paar Leser gefunden habe, die bereit sind, meine Gedanken und damit mein Innerstes zu teilen. Danke fürs Lesen, für eure Kommentare und Likes. Das tut mir sehr, sehr gut.

Und wer die kleine Mme Contraire genauer verfolgt, der stellt fest, dass sich einiges zum Positiven entwickelt hat. Mein Leben nimmt gerade, zugegebenermaßen, seltsame und teilweise komische Wendungen an. Das ist nicht immer harmoniefördernd, aber ich fühle mich bisher gut dabei. Ich mag den wandelnden Widerspruch, viel mehr als zu Beginn. Das strenge Fräulein Contenance fühlt sich  ziemlich in die Ecke gedrängt. Ja, da sieht sie mal, wie das ist!

Stolz kann ich zudem berichten, dass die Telek♥m nach meiner letzten „bösen“ E-Mail weder angerufen noch an meiner Tür geklingelt hat. Es tut sich was. Und ich habe mittlerweile bestimmt mehr Themen, über die ich schreiben kann – und werde! -, als die!

Der persönliche Fortschritt beweist sich, für mich jetzt, auch gerade darin, dass ich dieses Geschreibsel trotz meines Rechenfehlers in die Weiten des Internets schicke. Hätte ich vorher nie gemacht! Hätte mein Perfektionismus zu verhindern gewusst. Und Contenance, du hältst jetzt mal gepflegt die Klappe.

Nun denn, auf das nächste halbe, fünfzwölftel, achverflixtisdochschietegal! Auf die nächste Zeit. Feiern kann und soll man am besten immer. Be happy

 

Kacke, es war nicht mal der 50. Artikel zum Fünfmonatigen. Was solls. Wo kämen wir hin, wenn ich mich hier so wahnsinnign ernst nähme!

Über¦gangs¦weise

Blind. Ich wandle blind durch die Welt. Blind meinen Mitmenschen gegenüber. Blind gegenüber mir selbst. Blind was meine  Bedürfnisse betrifft. Blind. So blind.

Geblendet von dem, was ich in mir sehe, spüre. Was ich erfahren darf und was ich erfahren muss. Geblendet von Überirdischem, von abgrundtiefer Hässlichkeit, von Erkenntnissen, so tiefgreifend, dass es mich erschüttert. Dass ich die geblendeten, blinden Augen nicht abzuwenden vermag.

Es bannt mich, zieht mich zu sich, ich wehre mich – und will doch genau dort hin. Muss ich überhaupt dagegen ankämpfen? Mein Verstand sagt, ja! Zweifellos. Kämpfe, wehre dich! Du darfst nicht schwach werden! Und mein Herz – mein Herz ist – blind. Müde. Es schmerzt. Es schlägt, dennoch.

Transition… Ein Schweben zwischen den Welten, weder vor noch zurück können – und doch von beiden Seiten gezogen werden. Zerrissen werden. Wo ist die Alternative? Gibt es überhaupt einen anderen Ausweg? Nicht ganz und nicht halb sein können dürfen müssen. Lediglich wählen zwischen Verletzen und Selbstverstümmelung. Nicht mal Tränen lindern den blinden Blick auf das, was ist.

Schlafen. Wachen. Routinieren. Konditioniert. Fremdgesteuert. Leblos.

→ Esc

Mädchen…

…sein ist toll. Doch, wirklich! Mit diesem Gedanken bin ich heute aufgewacht. Habe mich ein bisschen mehr als sonst für die Arbeit rausgeputzt. Ein wenig öfter als sonst in den Spiegel geblickt. Mal dezenten Lippenstift ausprobiert. Fein fühlte sich das an! Und dann auch noch Sonne! Die Hormone führen gerade einen regelrechten Veitstanz in mir auf, es ist unglaublich.

Ein Kollege fragt mich, wie ich meine Nägel so schön lackiert bekomme (er hatte seine Brille nicht auf) – wenn er das bei seiner Tocher macht, sieht das immer ganz schrecklich aus. Mein Tipp lautet: zwei Mal, mit schnelltrocknendem Lack. Wieder einen Kleinmädchentraum vom alleskönnenden Papa gerettet. Und nebenbei den häßlichen babyrosa Nagellack losgeworden.

Einen Schokoriegel geschenkt bekommen. Zum Weltfrauentag. Das Leben ist schön.

Ich darf so viele Schuhe haben, wie in den Schuhschrank passen. Diverse Geheimverstecke habe ich sowieso schon gefunden und besetzt. Ich darf bunte Farben anhaben und niemand hält mich für schwul, wenn ich pink trage. Oder Puder benutze. Ich dürfte sogar ab und zu zickig sein, wenn ich denn wollte, und niemand wäre mir lange böse.

Angesichts der vorgenannten Oberflächlichkeiten müsste ich jetzt normalerweise das große Erbrechen bekommen. Bleibt aber aus. Weil ich ein Mädchen bin. Weil ich in der westlichen Welt lebe und mir keine Sorgen um Genitalverstümmelung machen muss. Oder Verschleierung. Oder Missachtung meiner Grundrechte. Echt jetzt. Und weil meine Hormone Tanzwut haben.

Das Konterprogramm: Gestern hörte ich mal wieder einen Song von James Blunt im Auto. „No Bravery“ geht durch Mark und Bein, wenns einem mal wieder zu gut geht. Blunt verarbeitet darin seine Erlebnisse während seiner Stationierung im Kosovo. Mich trifft es jedes Mal wieder, ich muss es mir dann meistens zwei Mal hintereinander anhören: einmal zum laut mitsingen und einmal zum stillen Lauschen. Großartig traurig. Großartig.

Tabula rasa .. so’n bisschen

Gestern habe ich meine Waschfrau versetzt. Peinlich. Ich habe den Termin schlichtweg vergessen und – untypisch für Mme Contenance – auch den ganzen Tag nicht in meinen Kalender geschaut. Wir haben uns daher nur kurz getroffen, nichts gearbeitet, sondern lediglich ein bisschen über die letzten Ereignisse geplaudert. Ich habe ihr von Avenger Duck erzählt. Sie klatschte Applaus. Das vorherrschende Motto heißt raus aus der Passivität und selbst aktiv werden. Nicht: mal schauen, was der Tag bringt, sondern: mal schauen, was ich aus dem Tag machen kann.

Tabula rasa, das sollte doch gar nicht so schwer sein. Einfach mit dem Spatel über die beschriebene Wachsoberfläche und schon ist die Seele wieder geglättet. Mein Wachstäfelchen ist eng beschrieben mit kleinen, zum Teil tiefgehenden Buchstaben. Einige davon scheinen vollkommen durchgedruckt zu sein. Und an so mancher Stelle fehlt ein größeres Stück. Herausgekratzt. Herausgerissen. Einfach mit dem Spatel drüber hätte zur Folge, dass nichts als ein sehr dünnes, dünnhäutiges  Seelchen zurückbleibt. Immerhin glatt. Aber unvollständig.

Nicht nur ausmisten, sondern auch auffüllen, heißt es jetzt wohl. Damit mein Seelchen nicht zur unbrauchbaren, ausgedienten Wachstafel wird. Mal schauen wo ich den einen oder anderen passenden Wachsklumpen auftreiben kann …

… and I feel good …

It’s a new dawn, it’s a new day, it’s a new life – naja so ähnlich. Kennt ihr Avenger Duck? Bei uns in Deutschland kennt man ihn als Phantomias, den etwas tollpatschigen Retter der Schwachen – gut, es ist schon Jahrzehnte her, dass ich Disney-Comics gelesen habe, aber heute, da fühlte ich mich als hätte ich ein schwarzes Cape, eine Avenger-Duck-Maske und einen schicken Avenger-Duck-Anzug mit dicken Turnschuhen. Und es tat gut!

Ich war heute fleißig, habe mich endlich an ein Stück Wäsche getraut, das da schon lange vor sich hinstank und gammelte. Die Gelegenheit war gut. Ich habe es begutachtet – lange schon war ich im Begriff , etwas daran zu ändern, es aufzuarbeiten, endlich einen Abschluss zu finden. Und heute war also dieser Tag, als das Wäschstück vorwitzigerweise aus dem Wäscheberg lugte und ich quasi darüberstolpern musste. Ich habe abgerechnet. Und zwar allein, meine Waschfrau hat sonntags frei. Es war … befreiend. Es geschah souverän. Es war Avenger Duck, vielleicht körperlich nicht allzu stark, dafür rhetorisch um so mehr. Diesen Kampf habe ich gewonnen, habe mich von diesem verlausten stinkigen Kleidungsstück getrennt und – ich fühle mich gut dabei. Es war so nötig. Und es war so gut, dass ich es so lange habe liegen lassen. Meine Gedanken haben sich bis zum heutigen Tag, an dem sich die Gelegenheit bot, soweit selbständig formuliert, so dass es am Ende eigentlich klar war, wer hier gewinnen wird. Yes.

Das absolut passende Lied für den heutigen Tag:

It’s a new life. Der erste, nein, die ersten Schritte sind getan. Die neue Haarfarbe ist schmückendes Beiwerk. Good bye blonde. Ab heute trage ich Avenger Duck bei mir.