Waschtag…jahr

„Denk nicht so viel nach“, „Mach’s dir doch nicht selbst immer so schwer“, „Bleib mal locker“…

Danke für die vielen tollen Ratschläge. Ich soll die Gedanken, die mich schwer beschäftigen, loslassen. Einfach loslassen. Fallen lassen, wegwerfen. Wie kann ich das? Das bin ich, das ist mein Leben, das sind meine Gedanken. Und sie verdienen Beachtung.

Dass das mit der Seelenmüllhalde nur bedingt funktioniert hat, dass mich dann der Gestank weggeworfener Gedanken und Emotionen dann doch sehr belästigt hat, bewog mich zur Annahme, dass aufarbeiten vielleicht doch am Ende effizienter ist als entsorgen, Augen verschließen, es nicht mehr an sich herankommen lassen. Jetzt heißt es erst mal nicht mehr Ärmel hochkrempeln und weiter geradeaus marschieren, auch wenn der Blick in die Zukunft vernebelt ist. Eben mal nicht ignorieren, was da in meinem Kopf durcheinanderwirbelt – unmittelbare Vergangenheit, weit Zurückliegendes, verquirlt mit neueren Rückschlägen und tagesaktuellen Aufregern. Eben mal nicht meine Bedüfnisse hinten anstellen, wenn so viele andere Dinge für andere Leute wichtiger erscheinen.

Nope, definitiv. Jetzt bin ich mal dran. Selbst dieser Satz fällt mir immer noch schwer, deswegen sag ich ihn vielleicht auch so oft, leise vor mich hin, etwas lauter zu anderen, eine Art Rechtfertigung, warum das Sitzungsprotokoll noch nicht fertig ist oder ich nicht angerufen habe oder, oder. Auch wenn keiner danach fragt.

Ich stelle mir die nächste Zeit so vor: Im Moment sieht es in mir aus wie in meinem Kleiderschrank. Alles mögliche an Klamotten, sprich Gedanken, Emotionen, Erinnerungen, liegt zerknüllt und ungeordnet in den Regalen. Manches liegt sogar unterm Schrank. Oder dahinter. Mache ich die Tür auf, fliegt mir gleich alles entgegen, und was ich suche, muss ich erst mal aus dem Riesenberg herauswühlen. Ah ja, Madame ist eigentlich ein totaler Chaot, wer hätte das geahnt. Was mach ich also?

Zunächst einmal erkennen, dass ich meine schmutzige Wäsche nicht ohne Hilfe bewältigen kann. Ich nehme nach und nach ein paar Stücke heraus, nicht groß geordnet, so wie’s eben kommt. Stopfe sie in die Waschmaschine, um sie von Staub und Mief zu reinigen. Ich lass sie mal durchchecken, nachdem die Einzelstücke getrocknet sind, ob man sie ausbessern muss, ob ich sie überhaupt noch brauche. Dann werden sie gebügelt und zusammengelegt. So leert sich hoffentlich langsam mein vollgestopfter chaotischer Kleiderschrank, und der Stapel mit sauberen, geprüften und schön gefalteten Erinnerungen, Emotionen und Gedanken wächst. Joa. Schrank auswaschen nicht vergessen. Und wenn ich dann irgendwann so weit bin, habe ich einen ordentlich aufgeräumten Schrank, aus dem mir nichts mehr entgegenfällt, in dem ich genau weiß, wo was ist, und wie ich damit umgehen muss.

Naja, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

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2 Gedanken zu “Waschtag…jahr

  1. Es ist interessant, dass Du die Sachen erst waschen willst und danach entscheidest, ob Du sie aussortierst. Unter der Annahme, dass Du keine völlig verschmutzte „Wäsche“ im Schrank hast, könntest Du sie auch gleich aussortieren. ;)

  2. Mancher Schmutz sitzt tief … und stell dir vor, du legst versehentlich ein getragenes Wäschestück zurück in den Schrank. Sein Geruch von Getragensein kontaminiert die ganze übrige Wäsche. Das Waschen und Ausbessern und Stapeln und schließlich Sortieren und die Entscheidung am Ende war – ist – ein Prozess, in dem keine der Komponenten fehlen durfte.

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