Unfeine Masche

Einen Tag nach dem letzten Telekomanruf klingelt es, um die Mittagszeit, ich stecke gerade bis zum Hals in Arbeit. Ein junger Mensch in schwarzer Windjacke mit grauem Telekomlogo macht sich gerade wieder aus dem Staub, sieht mich dann leider doch und kehrt um. Verflixt. Ich stehe in der Tür, meine Körperhaltung sagt deutlich „Hau bitte wieder ab!“. Er ist ein paar Jahre jünger als ich, zittert vor Kälte in seiner schnieken schwarzen Stoffhose und spult sein Kundenprogramm runter.

Bei der beiläufig eingestreuten Bemerkung „Rechnung per E-Mail oder Post…“ hake ich nach. „Moooment!“ – und erkläre ihm den seit Jahren andauernden Missstand. Völlig verwundert ob dieser nicht nachvollziehbaren Tatsache berichtet er, das könne man gleich per Handy erledigen, tippt ein paar Zahlen ein und ruft meine Anschlussdaten ab. Und dann bittet er um einen Tisch und einen Stuhl (soll ich rausbringen oder was? Käffchen auf der Sonnenterrasse?) – zur Erfassung der neuen Vertragsdaten. Wie bitte? Entertain-Paket? Brauch ich nicht, will ich nicht. Aber ich wittere die Chance, eventuell eine Namensänderung zu erwirken, also bitte ich ihn dann doch herein und weise ihm einen Stuhl und einen Platz am Chaos-Tisch. „Und ein Taschentuch, wenn möglich“, schnieft er. „Die Nase…“ Läuft, ist mir nicht entgangen. Wie unfein.

Er wurschtelt sich mit mir durch den Vertrag, der – wer hätt’s geahnt – DSL 25T mit einschließt UND natürlich das Entertain-Paket, das ich nicht will. „Das will ich aber nicht“, sage ich. „Das ist aber automatisch dabei beim 25.000er DSL“, argumentiert er, als wäre ich ein Alien und hätte nur wie durch ein Wunder die letzten Jahre ohne Entertainpaket überlebt.
– „Ich brauch’s trotzdem nicht. Gibt es nicht noch einen anderen Tarif?“  Nein, gebe es nicht. Ich lasse den Jungen also weiter im Vertrag herumkritzeln und werfe nebenbei ein, wie toll es wäre, wenn die Telekom endlich meinen neuen Namen akzeptieren könnte. Er telefoniert deshalb mit der Zentrale, macht einen auf supercool und reißt ein paar Kumpelsprüche. Weiter im Text. Mehrfach fällt auch der Satz „Was ich Ihnen jetzt anbiete, dürfen Sie aber keinem verraten, sonst krieg ich Ärger mit meinem Chef…“ Ich denke: Was für ein Kaspertheater, und freue mich still über seine steigende Nervosität. Soll ich aufhören, sarkastische Bemerkungen zu jedem Punkt einzustreuen? Das ist auch unfein. Aber amüsant.

„So,“ meint er. „Hier musst du unterschreiben – ähm, bitte mit deinem alten Namen, damit das in der Zentrale durchgeht, wegen Datenschutz und so.“ Jetzt duzt er mich auch noch, die Antifaltencreme kann tatsächlich was. Hgrmpf! Auf in die nächste Runde: „Wie stellen Sie sich das vor? Ich trage diesen Namen seit drei Jahren nicht mehr, und Sie verlangen da so einfach eine Unterschrift? Das ist nicht Ihr Ernst!“ Stotter, stammel, ääähm. Ich lenke ab: „Sagen Sie, machen Sie Ihren Job eigentlich gerne?“ Leuchtenden Auges antwortet Mr. Telekom „Aber ja! Seit zwei Jahren, ich bin sogar Trainer für Kundenberater!“ – „Ach“, entgegne ich. „Ja! Merkt man, oder?“ An dieser Stelle kann ich nichts entgegnen, zu sehr bin ich darum bemüht, hysterisches Gelächter zu unterdrücken.

„Also, dann unterschreiben Sie doch bitte hier, hier und…“ – „Nein.“ – „Äh, wie bitte?“ Konsternierte Telekommitarbeiter live und in Farbe, so ein Spaß! „Ich sagte: nein, ich unterschreibe Ihnen hier und heute nichts. Sie haben mich nicht überzeugt. Und Abmarsch.“ Ich stehe auf, scheuche den verschreckten jungen Mann mit der Triefnase und einer stark von der Realität abweichenden Selbsteinschätzung – „Husch, husch!“ – aus meinem Haus und werfe ihm die Kladde mit dem nicht unterzeichneten Vertrag hinterher. Ein befriedigender Tag.

… nein, der letzte Absatz war leider reine Fiktion. In echt hab ich dämliche Kuh natürlich diesen bekloppten Vertrag unterzeichnet, mir danach noch ein Gespräch mit der Telekomzentrale zum Thema Kundenzufriedenheit geleistet und anschließend den Vertrag schriftlich widerrufen. Auf diese Möglichkeit machte mich nämlich die Rechtsbehelfsbelehrung aufmerksam. Warum komme ich immer wieder in solche Situationen? Wegen so naiver und gutgläubiger Aliens wie ich einer bin, ziehen diese nervigen und, wie ich nach einiger Recherche glaube, nicht mal von der Telekom autorisierten Kundenkasper von Tür zu Tür und jubeln einem ungewollte Entertainpakete unter.

Ich schäme mich dafür, ganz aufrichtig.

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