„Buon Giorno Principessa!“

Seit einiger Zeit höre ich zu jeder Gelegenheit einen Klassik-Radiosender. Leichte Unterhaltung, vieles wiederholt sich, und hin und wieder gibt es auch schöne Filmmusik aus bekannten Filmen. Nicola Piovani hat den Soundtrack zu Roberto Benignis „Das Leben ist schön“ komponiert, und ein Stück daraus lief eben kürzlich im Radio.

Ich liebe diesen Film. Ich liebe die Musik. Ich habe eine unglaubliche Gänsehaut bekommen, als ich das Stück wiedergehört habe. Eigentlich kann und will ich kaum viele Worte verlieren über Roberto Benignis Werk aus dem Jahr 1997 –  eine anrührende Liebesgeschichte zwischen dem jüdischen Guido und seiner „Principessa“, Dora, während der Faschismus in Italien auf seinen Höhepunkt zusteuert.

Daher gibt es an dieser Stelle dieses wunder-wunderbare Stück aus dem Film, „Buon Giorno Principessa“.

Den ganzen Soundtrack von Nicola Piovani zu „La vita è bella“ mit einigen Sequenzen aus dem Film gibt es hier. … Genug der Worte, irgendwie stellen sie mich heute so gar nicht zufrieden. Lieber anhören und fühlen. Und natürlich bei Gelegenheit den Film anschauen.

Quid novi?

Und dann gehst du einfach hin, lässt Gedanken Gedanken sein und tust es einfach. Spontan sein kann echt schön sein!

Tatsächlich, so schnell geht es, wenn man einfach mal was tut, anstatt immer nur darüber nachzudenken. Mme Contraire war heute im Reisebüro und hat eine kleine feine Reise über ein verlängertes Wochenende gebucht. Nicht groß gefragt, nicht lang gefackelt, und schon stand ich wieder draußen, die Flug- und die Hotelbestätigung in der Hand.

Und so lerne ich langsam, auch mal meinem Ich gegenüber großzügig zu sein, es zu beschenken und zu beaufmerksamkeiten. Die letzte Zeit war überraschend positiv, es gibt zwar immer noch Dinge, vor allem Gedanken, die mich verwirren und mir den Blick in die zukunft verwehren. Aber alles in allem fühle ich mich wohl. Sehr. Was gibt es Neues?

Arbeit. Die letzten zwei Wochen habe ich mich extrem reingekniet. Mir selbst mehr Druck auferlegt, und siehe da, es hat funktioniert. Sogar ein paar Sonderschichten am Wochenende war ich nicht abgeneigt (und wenn ich jetzt nicht so müde wäre, würde ich weiterarbeiten). Ich bin so zufrieden, wie schon lange nicht mehr in meinem Job. Es läuft. Ich tu und ich kann was. Ich mach das gut. Wenn ich jetzt noch schaffe, meinem Chef klarzumachen, dass Wochenend-Schichten eine freiwillig erbrachte Leistung ist, um den einen oder anderen Hintern zu retten (und nicht mal meinen eigenen!), dann, ja. Dann passt’s.

Schreiberei. Den Vortrag habe ich seit Wochen schon fertig und hätte mich dann ganz nach Plan zurückziehen wollen. Jetzt hab ich aber auch noch die Aufsicht über die Performance. Doch das ist weniger Arbeit und mehr Vergnügen – auch das läuft gut. Ich bin schon ganz aufgeregt…

Neues. Juhu, ich bin jetzt auch stolzer Smartphone-Besitzer. Mehr muss ich, glaube ich, nicht dazu sagen. Ansonsten neu ist die Erkenntnis, dass alles, wirklich alles einmal ein Ende hat. Schluss is mit der Sucht, und ich hoffe, ich halte dieses Mal wirklich daran fest.

Fortschritt. Rückschritt. Zwischenschritt. Egal. Am Ende komme ich dort an, wo ich hin will. Wo auch immer das ist. Das ist die nächste Aufgabe, eben das herauszufinden.

Hier noch etwas Wiederentdecktes für ein entspanntes, zufriedenes, mit angebrachtem Schwermut versehenes, aber durchaus schönes Wochenende:

Maurice Ravel: Pavane pour une infante défunte

Unfeine Masche

Einen Tag nach dem letzten Telekomanruf klingelt es, um die Mittagszeit, ich stecke gerade bis zum Hals in Arbeit. Ein junger Mensch in schwarzer Windjacke mit grauem Telekomlogo macht sich gerade wieder aus dem Staub, sieht mich dann leider doch und kehrt um. Verflixt. Ich stehe in der Tür, meine Körperhaltung sagt deutlich „Hau bitte wieder ab!“. Er ist ein paar Jahre jünger als ich, zittert vor Kälte in seiner schnieken schwarzen Stoffhose und spult sein Kundenprogramm runter.

Bei der beiläufig eingestreuten Bemerkung „Rechnung per E-Mail oder Post…“ hake ich nach. „Moooment!“ – und erkläre ihm den seit Jahren andauernden Missstand. Völlig verwundert ob dieser nicht nachvollziehbaren Tatsache berichtet er, das könne man gleich per Handy erledigen, tippt ein paar Zahlen ein und ruft meine Anschlussdaten ab. Und dann bittet er um einen Tisch und einen Stuhl (soll ich rausbringen oder was? Käffchen auf der Sonnenterrasse?) – zur Erfassung der neuen Vertragsdaten. Wie bitte? Entertain-Paket? Brauch ich nicht, will ich nicht. Aber ich wittere die Chance, eventuell eine Namensänderung zu erwirken, also bitte ich ihn dann doch herein und weise ihm einen Stuhl und einen Platz am Chaos-Tisch. „Und ein Taschentuch, wenn möglich“, schnieft er. „Die Nase…“ Läuft, ist mir nicht entgangen. Wie unfein.

Er wurschtelt sich mit mir durch den Vertrag, der – wer hätt’s geahnt – DSL 25T mit einschließt UND natürlich das Entertain-Paket, das ich nicht will. „Das will ich aber nicht“, sage ich. „Das ist aber automatisch dabei beim 25.000er DSL“, argumentiert er, als wäre ich ein Alien und hätte nur wie durch ein Wunder die letzten Jahre ohne Entertainpaket überlebt.
– „Ich brauch’s trotzdem nicht. Gibt es nicht noch einen anderen Tarif?“  Nein, gebe es nicht. Ich lasse den Jungen also weiter im Vertrag herumkritzeln und werfe nebenbei ein, wie toll es wäre, wenn die Telekom endlich meinen neuen Namen akzeptieren könnte. Er telefoniert deshalb mit der Zentrale, macht einen auf supercool und reißt ein paar Kumpelsprüche. Weiter im Text. Mehrfach fällt auch der Satz „Was ich Ihnen jetzt anbiete, dürfen Sie aber keinem verraten, sonst krieg ich Ärger mit meinem Chef…“ Ich denke: Was für ein Kaspertheater, und freue mich still über seine steigende Nervosität. Soll ich aufhören, sarkastische Bemerkungen zu jedem Punkt einzustreuen? Das ist auch unfein. Aber amüsant.

„So,“ meint er. „Hier musst du unterschreiben – ähm, bitte mit deinem alten Namen, damit das in der Zentrale durchgeht, wegen Datenschutz und so.“ Jetzt duzt er mich auch noch, die Antifaltencreme kann tatsächlich was. Hgrmpf! Auf in die nächste Runde: „Wie stellen Sie sich das vor? Ich trage diesen Namen seit drei Jahren nicht mehr, und Sie verlangen da so einfach eine Unterschrift? Das ist nicht Ihr Ernst!“ Stotter, stammel, ääähm. Ich lenke ab: „Sagen Sie, machen Sie Ihren Job eigentlich gerne?“ Leuchtenden Auges antwortet Mr. Telekom „Aber ja! Seit zwei Jahren, ich bin sogar Trainer für Kundenberater!“ – „Ach“, entgegne ich. „Ja! Merkt man, oder?“ An dieser Stelle kann ich nichts entgegnen, zu sehr bin ich darum bemüht, hysterisches Gelächter zu unterdrücken.

„Also, dann unterschreiben Sie doch bitte hier, hier und…“ – „Nein.“ – „Äh, wie bitte?“ Konsternierte Telekommitarbeiter live und in Farbe, so ein Spaß! „Ich sagte: nein, ich unterschreibe Ihnen hier und heute nichts. Sie haben mich nicht überzeugt. Und Abmarsch.“ Ich stehe auf, scheuche den verschreckten jungen Mann mit der Triefnase und einer stark von der Realität abweichenden Selbsteinschätzung – „Husch, husch!“ – aus meinem Haus und werfe ihm die Kladde mit dem nicht unterzeichneten Vertrag hinterher. Ein befriedigender Tag.

… nein, der letzte Absatz war leider reine Fiktion. In echt hab ich dämliche Kuh natürlich diesen bekloppten Vertrag unterzeichnet, mir danach noch ein Gespräch mit der Telekomzentrale zum Thema Kundenzufriedenheit geleistet und anschließend den Vertrag schriftlich widerrufen. Auf diese Möglichkeit machte mich nämlich die Rechtsbehelfsbelehrung aufmerksam. Warum komme ich immer wieder in solche Situationen? Wegen so naiver und gutgläubiger Aliens wie ich einer bin, ziehen diese nervigen und, wie ich nach einiger Recherche glaube, nicht mal von der Telekom autorisierten Kundenkasper von Tür zu Tür und jubeln einem ungewollte Entertainpakete unter.

Ich schäme mich dafür, ganz aufrichtig.

Entdeckergeist

Falls ihr im Besitz einer Waschmaschine seid, habt ihr euch vielleicht schon mal gefragt, wann wohl der beste Zeitpunkt wäre, das Flusensieb derselben einer gründlichen Inspektion zu unterziehen. Ich meine, schließlich geht es dabei um eine leicht durchführbare Wartungsmaßnahme, die zur Verlängerung der Lebensdauer eines nicht allzu kostengünstigen Haushaltsgeräts beitragen soll.

Wann also am besten das Flusensieb aufschrauben, auf Fremdobjekte untersuchen und davon befreien?
Jedenfalls nicht während des laufenden Waschgangs.  Die anschließend nötigen Reinigungsarbeiten stehen in keiner Relation zur möglicherweise verlängerten Lebensdauer der Waschmaschine. -.-

Telekom die zwölfhundersiebzehnte

Der erste Arbeitstag im neuen Jahr. Heute rief mich der Chef sogar persönlich an, denn es brennt, und zwar direkt unter seinem Hintern. Und was macht ein Chef? Er trägt die olympische Flamme weiter, und nun brennt es auch hier, auf meinem Schreibtisch. 100 Seiten eines Dokuments stehen noch aus, und bis Ende der Woche soll so viel wie möglich davon vorhanden sein. Tatsächlich, sportlich. Ich tu was ich kann. Sonst wird es selbst mir zu heiß.

Nichtsdestotrotz überlegte ich heute den halben Tag, was ich schreiben könnte. Das Wochenende war schön und erholsam, aber kaum berichtenswert. Mit der Stimmung geht es bergauf, auch eher profan. Aber dann, als hätten sie’s vernommen, rief die Telekom an. Wieder mit falschem Namen angeredet. Wieder die gleichen Fragen gestellt. Die Dame am anderen Ende merkte, dass ich absolut keine Lust auf dieses Gespräch hatte. Kurz vorm Auflegen bat ich – erneut, ich meine, irgendwann müssen sie’s ja mal verstehen – ob man nicht endlich den Namen im System ändern könne. Etwas schnippisch bekam ich gesagt: „Ja, können wir machen“, ohne noch mal nachzufragen – ich bin nämlich nicht gannnz so leicht zu verstehen am Telefon, und ich habe zugegebenermaßen absichtlich etwas genuschelt.

Was zu beweisen vollkommen offensichtlich war: Die Telekom schert sich mal gar nicht um Kundenwünsche. Vielleicht war’s meinerseits auch ein bisschen blöd und einfältig, die 25.000er Glasfaser-Gedöns-Leitung erneut auszuschlagen und auf meiner 16.000er sitzenzubleiben, mit der ich „echt, wirklich total zufrieden“ bin. Ich hätte wenigstens mal nach den Kosten fragen können. Aber ehrlich, ich hab sowas von keine Lust, mit so Leuten zu reden. „If you can’t convince ‚em, confuse ‚em.“ Die kennen mich ja nicht persönlich, nicht mal unter meinem Namen … Ich könnte so kotzen gerade.

Anzeigentexte

Ein frohes Neues Jahr, Gesundheit, Glück und Wohlstand
wünscht ihrer wohlgesonnenen Leserschaft

Mme Contraire

So würde ich wohl eine Anzeige formulieren, hätte ich eine größere, wohlgesonnene Leserschaft. Und eine geeignete Plattform dafür. Ob Allgemeine Zeitung oder Käseblatt, beim Lesen nehme ich mir zuerst den Anzeigenteil vor, um mich über wichtige Veränderungen bei mir auf dem Dorf und in der näheren Umgebung zu informieren. Angezeigt werden meist erfreuliche Begebenheiten, nämlich Verlobung und Hochzeit, Geburt, runde Geburtstage und Ehejubiläen, quasi alles, was nach Glückwunsch und Feierei schreit. Auch Volljährigkeit und Schulabschluss, die besten Wünsche zur Einschulung und zum Meisterbrief finden sich saisonal. Und natürlich Todesanzeigen. Man munkelt, nirgends werde so viel gelogen wie beim Nachruf auf geliebte Menschen. Hier fordert es der Brauch von der Bevölkerung, Trauerkarten zu versenden. Wem es möglich ist, ein paar tröstend gemeinte Worte zu formulieren. Die Traueranzeige informiert in aller Regel auch über das Beisetzungsdatum, und jeder, der sich dem Verstorbenen verbunden fühlt, ist damit zur Trauerfeier eingeladen – und zum anschließend stattfindenden Trauerkaffee, wenn es eine traditionelle, dörfliche Beisetzung ist. In fröhlicher gemeinsamer Runde schlürft man im Gemeindehaus Kaffee und labt sich am Krümelkuchen, erzählt die eine oder andere Anekdote über den Verstorbenen und geht danach, trotz des traurigen Ereignisses, irgendwie erleichtert seines Weges.

Verlobung, Hochzeit, Geburt und Tod – wieso dann nicht auch mal eine Trennung anzeigen, fragte ich mich kürzlich. Wenn Freude und Trauer zum Leben und damit veröffentlicht gehören, dann sollte man vielleicht auch über Trennungsanzeigen nachdenken. So könnte eine lauten:

Wir haben uns getrennt.

Nach siebzehn Jahren des Zusammenlebens haben wir beschlossen, unseren gemeinsamen Lebensweg zu beenden und künftig getrennte Wege zu gehen. Von Beileidsbekundungen und Spekulationen in der Öffentlichkeit bitten wir Abstand zu nehmen.

Hans und Brigitte M., Kleinkäffleinshausen, im Januar 2013.

Interessant, stelle ich mir dabei vor, wäre dann die Ambivalenz möglicher Reaktionen der Leser: Beileids- oder Glückwunschkarte? Aufrichtige Anteilnahme oder heimliche Ich-habs-ja-immer-geahnt-Freude?

Geschmacklos? Unnötig? Tabubruch? Möglicherweise. Aber wenigstens ehrlich.