Mal wieder

Es ist wieder passiert. Ich habe es wieder getan. Einfach so. Dabei hatte ich mir wirklich fest vorgenommen, es nie, nie wieder zu tun. Aber wer bricht schon gern und vor allem nachhaltig aus lange gepflegten alten Verhaltensmustern aus? Manches ändert sich nie, sagt  man, und das macht die Zukunftsaussichten nicht gerade rosig. Jedenfalls: ich habe es mal wieder getan, einfach so. Mal wieder Ja gesagt, ohne genau zu wissen, was mich erwartet. Aus Höflichkeit? Aus Menschenfreundlichkeit? Beides wohl zu einem gewissen Teil. Allerdings zog der Fragesteller auch direkt mal an den richtigen Strippen, die es mir einfach unmöglich machten, abzulehnen.  „Wer, wenn nicht du?“ Ich falle jedes Mal drauf rein.

Gestern also das erste Treffen, ein paar Vorstellungen geklärt. Ein kleiner satirischer Vortrag soll es werden. Alles easy. Vor meinem geistigen Auge allerdings segelt meine Kreativität mit nichts an als ein paar Blättern Schmierpapier titanicmäßig auf den Abgrund zu, in den Sog der nicht zu begeisternden Zuhörerkehlen, in den alles verschlingenden und doch so wählerischen  Schlund, um anschließend, anders als Titanic und Co., im hohen Bogen wieder ausgekotzt zu werden ob der ihr eigenen Ungenießbarkeit … „Finally facing my Waterloo“, trällern ABBA in meinem Kopf. Raus da, ihr!

Meine Bedenken durfte ich immerhin noch äußern: „Was, wenn nun doch  nix draus wird? Wenn es einfach nur schlecht wird?“ Keinerlei Furcht. Vollkommenes, ja kindliches Vertrauen in mich und meine Kreativität, die ich immer wieder unter dem Teppich und aus dem hintersten Ecken hervorprügeln muss, weil sie nicht freiwillig erscheint, wenn sie soll! Außerdem sei das Thema bereits eingereicht, tja! Ein amüsiertes Lächeln, ein Schulterklopfen: „Du machst das schon!“  Ein Satz, der nachhallt, während mein Kopf auf die Tischplatte fällt. Immerhin: ABBA sind jetzt still. Auch was wert.

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Lazy Sunday

Gestern ein halber Weltuntergang mit Schneeregen und Minustemperaturen, heute wieder Sonne satt. Und trotzdem ziehe ich es vor, den Tag auf der Couch zu verbringen. Ausruhen, auftanken vor der neuen Arbeitswoche. Zeit, das zu tun, wofür im Alltag wenig Zeit bleibt. Eine Menge angelesene Bücher liegen noch herum. Und wie ich so auf der Couch liege, warm eingepackt und beim Lesen eingedöst, passiert es schon wieder. Die Gedanken verselbständigen sich und wandern auf ausgetretenen Pfaden. Was beschäftigt mich?

Zum Ersten
Ich habe einmal wieder erfahren dürfen, wozu echte Freunde da sind. Lachen? Feiern? Aber gern, so oft es geht. Aber es darf auch mal ernster zugehen. Wahre Worte habe ich hören dürfen, und einige Wahrheiten, die mir zunächst nicht allzu sehr geschmeckt haben. Dennoch, alles was gesagt wurde, hat seine Berechtigung. Als echter Freund darf man sich durchaus Sorgen machen, und man darf, ja sollte das auch zur Sprache bringen.  Manchmal gar nicht schlecht, mal zu hören was andere so denken. „Und was fang ich jetzt damit an?“ war meine zugegebenermaßen unbescheidene Frage am Ende unseres Gesprächs. „Das musst du selbst wissen“ – was ich mir hätte denken können. Aber: „Wir sind auf alle Fälle für dich da, egal was du draus machst.“ Gut zu wissen. Danke, Ihr seid meine Besten.

Zum Zweiten
Bisher habe ich mich aus Zickereien erfolgreich herausgehalten. Nachgegeben, um Situationen zu entschärfen, mich einsichtig gezeigt um zu deeskalieren. Berechtigten Ärger heruntergeschluckt um des lieben Friedens Willen. Am Wochenende fragte ich mich allerdings: Was, wenn ich es anders handhaben würde? Einfach mal Blasrohr und Puderzucker einpacken und stattdessen auch das Zickenprogramm hochfahren. Ich glaube das wäre erst mal ziemlich lustig und irritierend.

Und zum Dritten
Ein weiteres Mal die Erfahrung gemacht: Eltern sind nicht zu objektiver Kritik fähig, egal wie alt du bist.  Gib ihnen deshalb bloß nichts von dir zu lesen. Es sei denn, es ist unterhaltsam, unverfänglich und handelt um Himmels Willen nicht von deinem Seelenleben. Sonst kommen Kommentare wie: „Ein guter Psychologe könnte da weiterhelfen.“ Oder: „Sprachlich ist es schon okay, aber … Als Vater macht man sich so seine Gedanken.“ Nein. Bitte. Ihr habt da nix falsch gemacht. Ich hole lediglich ein paar Wörter aus den Tiefen meiner Gehirnwindungen, die da rumlungern, schmeiße ein paar überflüssige Emotionen dazu und streue über das Ganze ein wenig Sarkasmus (oder das, was ich für Sarkasmus halte. Ich hab in der Schule gefehlt, als das behandelt wurde). Durchrühren, aufkochen, fertig. Das ist lediglich ein einfaches Kochrezept und keine Bombenbauanleitung. Das nächste Mal reiche ich wieder ein Kindermärchen ein. Die Reaktion darauf kann ich schon erahnen: „Hm. Ja. Schön.“ Hallo? Wie objektiv ist das denn bitte?

Schönen entspannten Sonntag noch!
Mme C.

Vergangenes …

… Jahr war hart. Ich kann’s nicht oft genug sagen. Oder denken. Gesagt habe ich schon zu viel, zu oft, irgendwann hält man sich selbst nicht mehr aus, hält sich für ein altes Tonbandgerät, das immer dieselbe bereits leiernde Kassette abspielt, und man hofft tatsächlich inständig, das Magnetband möge endlich reißen, damit es ein Ende hat …

Hinterher kann man sich immer wundern, dass der Schmerz, den man noch vor einiger Zeit empfunden hat, der so schneidend und omnipräsent war, dass er einem bald die Luft zum Atmen nahm und den Blick trübte, dann doch mit der Zeit zu einem dumpfen Pochen wurde, verblasste und schließlich nur noch eine Erinnerung geblieben ist. Wozu dann das ganze überhaupt? Schmerz kommt, Schmerz geht. Aber er hinterlässt einen Haufen Gefühlsmüll. So muss das mit der Menschheit sein, wenn sie sich dann in ein paar Jahren selbst ausgelöscht hat. Was bleibt, ist unser Müll. Berge davon. Was tun mit unerwünschten, gebrauchten, verbrauchten Gefühlen, die allenthalben rumliegen nach einer Schmerzorgie des Vergessenwollens? Dem nächstbesten ins Ohr pressen? Denn darüber reden soll ja so hilfreich sein. Ist es auch, eine Zeit lang. Dafür hat jeder Verständnis. Eine Zeit lang. Doch das reduziert den Gefühlsmüll auch nicht auf das gewünschte Maß, nämlich auf null. Jaja, der Mensch kriegt den Hals nicht voll, in dem Fall: den Kopf nicht leer genug. Und es ist irgendwie auch verwerflich, weil man damit seine Mitmenschen auch noch mit  kontaminiert. Nein, nicht falsch verstehen. Ich weiß ein mir angebotenes offenes Ohr sehr zu schätzen. Meistens bin ich selber eins, aber eins aus ganzem Herzen, und ich weiß, wie kontaminiert und krank man sich hinterher fühlen kann. Zumal, wenn es einem dann dreckiger geht als dem betroffenen Gefühlsmüllentsorger.

Man spricht ja gerne vom Aufarbeiten von Gefühlen und Erinnerungen. Wie wäre es denn, wenn man Gefühle in einer Art psychologischer Abfallaufbereitungsanlage recyceln und die Überreste in praktische kleine Würfel pressen könnte, die man anschließend ins Eisfach legt um sich damit später einen Whiskey on the rocks  zu kredenzen? Mit dem man dann das, was der Schmerz letztlich noch hinterlässt, wenn er irgendwann verpocht und verschwunden ist, kompensieren kann: den bitteren Nachgeschmack.

Kein Whiskey on the rocks, sondern ein Glas Chardonnay auf alle, die mir im vergangenen Jahr zugehört haben, und vor allem auf diejenigen, die mich verlassen mussten und damit Schmerzverursacher waren. Ihr habt mich eine wichtige Lektion gelehrt, und dafür möchte ich dankbar sein.

Mme C.
(Cheers!)

Neulich in der Mittagspause

Der Gedanke, dass das selbstgemachte Apfelmus vor mir auf dem Tisch das mit Abstand Geilste ist, was mir seit Wochen passiert, stimmt mich zunehmend nachdenklich. Zunehmend, tatsächlich in doppeldeutiger Hinsicht, leider. Bis ich an folgende Begebenheit beim Zahnarzt meines Vertrauens denken muss:

Eine Mutter dreier Kinder, geschätzte 15 und 6 Jahre und ein ganz frisches, an der Rezeption zur Sprechstundenhilfe:

–„Eigentlich wollte ich die beiden ausstehenden Behandlungen gern in einem Termin machen, geht das?“
– „Hm. Das dauert dann aber ungefähr zwei Stunden. Einmal Wurzelziehen und einmal ne neue Füllung, gell?“
– „Ja.“
Kurze Pause.
– „Kann ich den Termin auch alleine wahrnehmen? leise:  Ohne die Kinder?“
Die leicht konsternierte Antwort:
– „Ja … selbstverständlich.“
– „Gut. Danke. Ich brauch nämlich mal eine Auszeit. Zeit … nur für mich.“

Klar, Wellness für Mutti auf dem Behandlungsstuhl, exklusiv mit Wurzelbehandlung und Erneuern einer Füllung im Backenzahn. Oh Welt. Das ist traurig. Und schmerzhaft.

Dann halte ich doch lieber Apfelmus für das mit Abstand Geilste, was mir seit Wochen passiert ist.

Ein rosarotes Tuch

Die Telekom macht zur Zeit telefonische Umfragen bei ihren Kunden, ob sie weiterhin telefonisch Angebote unterbreiten darf. Aha. Anscheinend darf ich als Kunde nun selbst bestimmen, ob ich genervt werden möchte oder nicht. Fein!

– „Schönen guten Tag, Frau A. …“
– „C. mittlerweile, wie aus meinem Antrag auf Namensänderung vor mehr als 2 Jahren hervorgehen dürfte.“
– „Ah, ja, Frau C. Dann trag ich das gleich mal ein…“

Ein oft gehörter, nie umgesetzter Satz. Trotzdem danke für die Mühe.

– „Dürfen wir Sie also weiterhin über unsere interessanten Angebote per Telefon informieren?“
– „Nun, um ehrlich zu sein, wenn ich tatsächlich die Wahl habe, dass Sie das eben nicht mehr tun … Klare Entscheidung: Nein!“
– „Jahaa, aber unsere aktuellen Angebote …“
– „Lese ich auf Ihrer Website nach, sofern sie mich interessieren.“
– „Aber die sind doch nur für Neukunden, für langjährige Kunden wie Sie, … *spick* Frau C. (Oh danke! Sogar fast richtig ausgesprochen), haben wir immer spezielle Treuetarife. Blablabla.“
– „Das finde ich ja auch sehr nett von Ihnen. Dennoch: nein.“
– „Naja. Dann erhalten Sie unsere Angebote weiterhin per Post und E-Mail zusammen mit Ihren Rechnungen… Sie empfangen Ihre Rechnung doch per E-Mail?“

So?

Ich weiß. Ich bin echauffiert. Bin ich immer, wenn ich die Telekom am Telefon habe. Klares Denken fällt mir dann schwer, schwerer als sonst, darum bitte ich für etwaiges Missverstehen der ganzen Situation um Nachsicht.

Zunächst einmal: Welchen Sinn hat da noch eine zusätzliche, telefonische Information, wenn ich das, was ich sowieso nicht wissen will, angeblich ebenfalls per Post und E-Mail bekomme?

Und weiter: Oha. Wunder Punkt. Dünnes Eis. Weil: ich seit Jahren weder Papierpost noch E-Mails von der Telekom erhalte, aufgrund dessen ich mich hartnäckig und über Jahre hinweg (wirklich!) mit deren geballter Inkompetenz herumgeärgert habe, weil ich es durchaus als schön empfunden hätte, eine echte Rechnung zu bekommen und die Kosten damit nachvollziehen zu können und nicht mittels Kontoauszug darüber zu spekulieren, woraufhin  ich letztendlich kapituliert habe, denn: im Zeitalter von Festnetz- und Internetflats ist es ohnehin egal, und real variiert der Betrag im Monat auch nur geringfügig.

Also scheiß drauf, aber scheiß auch auf weitere nervige Anrufe während meiner Arbeitszeit. Naja, nicht ganz so krass habe ich das zu vermitteln versucht, doch ein freundlich-nachdrückliches „Es interessiert ich wirklich nicht! Rufen Sie mich bitte nicht mehr an!“ war dann zum Schluss noch drin gewesen.

Hach. Fühlt sich das gut an.

Noch’n Blog …

Sinnvoll oder nicht? Sich seine Gedanken von der Seele zu schreiben? Wenn’s denn hilft?

Genau das gilt es herauszufinden.

Was endlich auf Papier gebannt ist, rennt keine Kreise mehr im Kopf, oder so.
Wobei, wieso Papier … ? Und wieder eine von vielen Widersprüchlichkeiten, insofern – willkommen in meiner Gedankenwelt!

Habt also Geduld mit mir (ich habe sie nicht), ich lerne noch und weiß selbst nicht so genau, was mich und die Welt hier zukünftig erwarten wird. Der Anfang ist gemacht,  ich schau mal, wohin mich das alles trägt …

So viel fürs Erste
Mme C.